DAS SAKRAMENT DER
OPFERFEIER



(Die Kerzen sind durch den links Handelnden entzündet.
Die Handelnden stehen vor Einlass der Feiergemeinschaft am Opfertisch,
Gesicht nach diesem gerichtet.
Nach dem Einlass öffnen alle ihre Bücher).
( - Es sind auch andere Formen möglich, siehe Hinweise am Schluss des Textes.)




E V A N G E L I U M


(Es spricht der in der Mitte Handelnde zum Opfertisch hin:)

Christi Taten auf Golgatha
Stehen vor unseren Seelen.

Die Weihe-Stimmung unserer Seelen
Offenbaret uns Christi Taten auf Erden.
Die Verehrung unserer Seelen
Betet zu Christi Menschheitsopfer.
Die Andacht unserer Seelen
Führe in diesen Opferraum
Das Erleben von Christi Menschheitsopfer.

(Pause)

Der Vatergott sei in uns,
Der Sohnesgott schaffe in uns,
Der Geistgott erleuchte uns.


(Der in der Mitte Handelnde wendet sich zur Feiergemeinschaft um
und spricht:)

Christus in euch.


(Der rechts Handelnde erwidert in Richtung Opfertisch:)

Und deinen Geist erfülle Er.(Der in der Mitte Handelnde wendet sich wieder zum Opfertisch um.)


(Nun spricht der rechts Handelnde in Richtung Opfertisch:)

Zu dem Vatergotte wenden
Wir unseren Geist.
Er webt im Weltengrunde,
Er lebt in unserer Menschheit.
Wir sind alles,
Was wir sind
In Seinem Sein,
Durch Seine Kraft.

Zu dem Sohnesgotte wenden
Wir unsere Seele.
Er waltet als ewiges Wort
In Weltensein und Menschenwesen.
Wir finden Trost
Für unsere Schwachheit
In Seiner Stärke,
In Seiner Opfertat.

Zu dem Geistgotte wenden
Wir unseren Willen.
Er leuchte in unseren Entschlüssen,
Er walte in unseren Taten.
Wir finden Stärke
In unserer Finsternis
Durch Sein Licht
Und Seelenkraft durch Ihn
Als Geistessonne.


(Zum Opfertisch gewandt spricht der links Handelnde:)

Mein Herz trage in sich
Das Bewusstsein Deines Lebens,
O Christus;
Meinen Lippen entströme
Dein reines Wort,
O Christus.
Deine Gnade würdige
Mich, zu sprechen Dein Wort,
O Christus.


(Alle drei Handelnden wenden sich zur Feiergemeinschaft.
Kleine Pause, dann spricht der links Handelnde zur Feiergemeinschaft hin:)

Es wird nun verkündet das Evangelium nach:


(Zur
VERLESUNG DES EVANGELIUMS
durch den links Handelnden stehen alle auf.)

(Nach dem Evangelium wenden sich alle drei Handelnden
zum Opfertisch zurück.)

(Der in der Mitte Handelnde spricht:)

Wir erheben unsre Seele
Zu Dir, O Christus.
Dein Evangelium
Als reines Wort,
Tilget aus unsern Worten,
Was unrein in ihnen ist.


(Nur zu Pfingsten wenden sich alle Drei wieder zur Feiergemeinschaft um
zur Verlesung des Pfingst-Hymnus «Veni creator spiritus»
in der Übersetzung Goethes durch den in der Mitte Handelnden
und wenden sich danach wieder zurück.

Text siehe: Pfingsthandlung der Kinder-Sonntagshandlung)

(Dann bzw. während des restlichen Jahres wendet sich nach obigen Worten
der in der Mitte und der rechts Handelnde zur Feiergemeinschaft um.


Der in der Mitte Handelnde spricht mit Segensgebärde:)

Christus in euch.


(Der rechts Handelnde antwortet zur Feiergemeinschaft:)

Und deinen Geist erfülle Er.


(Beide wenden sich wieder zum Opfertisch um.)

(Größere Pause)




O P F E R U N G


(Der rechts Handelnde spricht zum Opfertisch hin:)

Dir, ewiger Weltengrund,
Webend in Raumesweiten
Und in Zeitenfernen,
Opfern die heiligsten Gefühle
Deiner Menschensprossen
Hingegebene Herzen.

Du schauest in die Schwächen
Dieser Herzen;
So ströme zu Dir auch
Die Sehnsucht dieser Herzen.


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Ja, so sei es.


(Der in der Mitte Handelnde spricht, sehr langsam, zum Opfertisch hin:)

All unser Menschensein
Denke hin zu Christi Tat.

Unser Leib sehnet sich
Nach Christi Kraft,
Unser Blut sehnet sich
Nach Christi Licht.

(Mit erhobenen Armen und Blick zum Bild, frei gesprochen:)

In Deinen Sonnenhöhen
O Christus, schaue
Auf das Opfer
Unseres Menschenseins;
Unseres beseelten Leibes,
Unseres durchgeisteten Blutes.
Sie seien in Dir,
Du seiest in ihnen.


(Der rechts Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Aus des Menschen Seelenopfer,
Aus des Menschen Geistesopfer,
Werde das wesenschaffende Liebefeuer,
Das walte von Mensch zu Gott,
Das walte von Mensch zu Mensch.


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Ja, so sei es.


(Der in der Mitte und der rechts Handelnde wenden sich zur Feiergemeinschaft um,
der in der Mitte spricht mit Segensgebärde:)

Christus in euch.


(Der rechts Handelnde antwortet zur Feiergemeinschaft:)

Und deinen Geist erfülle Er.


(Beide wenden sich zum Opfertisch zurück.)

(Größere Pause)



W A N D L U N G


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Unser Denken leuchte
Dir entgegen,
Unser Fühlen sehne
Sich nach Dir,
Unser Wollen krafte
Nach Dir,
Göttlicher Weltengrund.


(Der rechts Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Unser Schicksal walte
Mit Dir,
Unser Leben fließe
In Dir,
Unser Sehnen trachte
Nach Dir,
Christus, Du Walter für uns.


(Der in der Mitte Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Er hat sich geeint,
Bevor Er hinging
Zum Menschentode,
Mit den Seinen.

Er weihte Seinen Leib
- Den Träger Seiner Seele -
Dem göttlichen Weltengrund.
Er weihte Sein Blut
- Den Träger Seines Geistes -
Dem Lichte des Weltengrundes.

Und so gab Er sich hin
Den Seinen.

So lasset in Geistes-Wandelung
Unseren Leib
- Unserer Seele Träger - ,
Unser Blut
- Unseres Geistes Träger -
Werden Seinen Leib,
Werden Sein Blut.

Er sprach:
Nehmet hin;
Seine Gnade lasse uns sprechen:
Nimm hin.

Wir möchten
Dir geben:
Das Opfer,
Im Lichte
Deines Opfers,
Suchend unser Sein
In Deinem Sein.

Christus walte
Heil-tragend
In unserer Seele,
Kraft spendend
In unserem Geiste.


(Der rechts Handelnde spricht zum Opfertisch hin:)

Christus ist in uns.
Sein Licht leuchtet,
Seine Gnade waltet,
Seine Kraft webet allhier.


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Der Geist-Gott
Walte über unser Denken,
Webe in unserem Fühlen,
Wirke aus unserem Wollen.

(Alle Handelnden wenden sich zur Feiergemeinschaft um.

Der in der Mitte Handelnde spricht mit Segensgebärde:)

Christus in euch.


(Der rechts Handelnde antwortet zur Feiergemeinschaft:)

Und deinen Geist erfülle Er.


(Der links Handelnde spricht:)

Ja, so sei es.


(Alle Handelnden wenden sich wieder zum Opfertisch.)

(Größere Pause)



K O M M U N I O N


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

O Christus, Du hast
In unerschöpflicher Güte,
In unermesslicher Liebe,
In grenzenloser Gnade,
Den Frieden gegeben
Den Deinigen.


(Der rechts Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

So mache unseren Geist
Hell von Licht erfüllt,
So mache unser Wort
Rein von Gedanken erfüllt,
So mache unser Herz
Lauter und sündenrein.


(Der in der Mitte Handelnde spricht langsam, zum Opfertisch hin:)Christus in uns.

Sein heller, lichterfüllter Geist
In unsrem Geiste,
Seine reinen, seelewarmen Gedanken
In unsrer Seele,
Sein lautres, sündenreines Herz
In unsrem Herzen.

Christus, wir empfangen Dich:

Zur Gesundung unsres Leibes,
Zur Gesundung unsrer Seele,
Zur Gesundung unsres Geistes.


(Der links Handelnde spricht, zum Opfertisch hin:)

Ja, so sei es.


(Alle drei Handlungshaltende wenden sich zur Feiergemeinschaft um.
Zur Kommunion stehen die dazu bereiten Teilnehmer auf,
bzw. sitzen in der ersten Reihe.)


(Der rechts Handelnde geht zu ihnen,
berührt mit folgenden Worten deren Stirn mit Zeige- und Mittelfinger: )

Christi Geist lebe in dir.


(Der/die Empfangende antwortet:)

Ich darf empfangen Christi Geist.


(Der rechts Handelnde geht wieder auf seinen Platz, mit Blick zum Opfertisch,
gleichzeitig wenden sich die beiden anderen Handlungshaltenden mit ihm zurück.)

(Größere Pause)




S C H L U SS


(Alle Handelnden wenden sich zur Feiergemeinschaft um.

Der in der Mitte Handelnde spricht mit Segensgebärde:)

Christus in euch.


(Der rechts Handelnde antwortet:)

Und deinen Geist erfülle Er.


(Der links Handelnde spricht:)

Nehmet hin dies,
Als die opfernde Tat
Der Menschenseele.


(Der rechts Handelnde spricht:)

Ja, so sei es.


(Die Handelnden wenden sich wieder zum Opfertisch hin.
Die Handlungsbücher werden geschlossen.)

(Musik möglich.)



(Die Feiergemeinschaft verlässt den Raum.

Danach werden die Kerzen vom links Handelnden gelöscht.
Die Handelnden verlassen ihre Plätze am Opfertisch.)












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Original Rudolf Steiner,
1923 den freien christlichen Religionslehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart gegeben.
Handlungsanweisungen gemäß Rudolf Steiners (im Original sind keine vollständigen Anweisungen gegeben) und der gegenwärtigen Praxis insbesondere in den Freien Waldorfschulen.

Angaben und Beiträge zur Opferfeier siehe auch in: «Hinweise zu den Handlungen des freien christlichen Religionsunterrichts und zur Raumgestaltung», Ausarbeitung:
Helmut von Kügelgen, Januar 1993. Zu beziehen bei der Pädagogischen Sektion, Goetheanum, Dornach, bzw. als private Kopie ggf. beim FKFK.
Siehe Text u.a. auch:
GA 269 (1997), S.63-79, handschriftliches Original (Faksimile).

Andere Formen - von der FCAG skizziert - ,wie z.B. die KREIS-Form
oder wie z.B. ein Einschub für eine Gründonnerstagshandlung (mit Brot und Wein),
siehe Kultus-Handbuch

Siehe hier auch Bemerkungen zur «direkten»/«indirekten» Kommunion.










Ich hebe Dir mein Herz empor
als rechte Gralesschale,
das all sein Blut im Durst verlor
nach Deinem reinen Mahle,
o CHRIST !

O füll es neu bis an den Rand
mit Deines Blutes Rosenbrand,
dass: DEN fortan ich trage
durch Erdennächt' und -tage,
DU bist !

Christian Morgenstern











Hinweise zur Handhabung:

DREHUNGEN:
Der die Handlung in der Mitte Vollziehende wendet sich immer gegen den Uhrzeigersinn, so dass er insgesamt einen ganzen Kreis beschreibt.
Die rechts und links Handelnden bewegen sich so, dass sie jeweils nur einen Halbkreis hin und den gleichen Weg zurück machen. Dabei drehen sie sich immer über die Mitte.
SEGENSGESTE:
Zu den im Laufe der Opferfeier fünfmal wiederholten Worten: "Christus in euch" hat Rudolf Steiner die folgende Haltung angegeben:
Die Arme werden nur halb erhoben (die Ellenbogen sind angezogen), die Handflächen sind segnend nach außen gewendet; die geschlossen gehaltenen Finger leicht nach vorne gekrümmt.
Nach der Antwort «Und deinen Geist erfülle er.» wird die Geste zurückgenommen. (Mit der Antwort ist nicht der Geist des Handelnden, sondern der der Teilnehmer gemeint.)

KOMMUNIONSAKT:
Der rechts Handelnde berührt mit dem Zeigefinger und mit dem Mittelfinger zusammen die Mitte der Stirn des Kommunikanten, indem er frontal zum Kommunikanten steht. Die Berührung kann so lange dauern, bis die Worte «Christi Geist lebe in Dir» gesprochen sind. Sie kann auch nur für den Augenblick eines Wortes währen.

EINLASS/AUSGANG:
Alle Teilnehmer (Schüler/Erwachsene) gehen zusammen herein. Diejenigen die zur Kommunion gehen wollen setzen sich in die erste Reihe, bzw. stehen dazu auf, während die Anderen sitzen bleiben.
Der Einlass/Ausgang findet ohne Begrüßung/Verabschiedung statt.

Üblicherweise stehen die Handlungshaltenden beim Einlass bereits am Altar und verlassen diesen wenn alle wieder draußen sind.
Es sind aber auch Formen des gemeinsamen Handelns möglich, indem alle mit den Handelnden gemeinsam beginnen/enden und diese aus den Reihen aller kommen, sowie dass man mehr in einer Kreisform sitzt (FCAG), etc.!





Zur Opferfeier:

«Diese Handlung kann überall gehalten werden, wo Menschen sind, die sie wünschen!»
Rudolf Steiner, GA 265, S.38-39

Die «OPFERFEIER» ist der Strom, « von dem ein anthroposophischer Kultus ausgehen», in den er sich stellen kann.
Rudolf Steiner zu René Maikowski, GA 269, S.133

«Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermassen eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...».
Rudolf Steiner zu René Maikowski, GA 269, S.133





Brot und Wein ?

«Es wäre unrichtig zu meinen, in der Opferfeier gäbe es keine Substanzen. Sie sind da in Gestalt des Leibes und des Blutes des Menschen ...»
Maria Lehrs-Röschl, GA 269, S.126

«Und so wird für alle diejenigen, welche das äußere Symbolum brauchen, um einen geistigen Actus zu vollziehen, nämlich die Vereinigung mit dem Christus, das Abendmahl der Weg sein, der Weg bis dahin, wo ihre innere Kraft so stark ist, wo sie so erfüllt sind von dem Christus, dass sie ohne die äußere physische Vermittlung sich mit dem Christus vereinigen können. Die Vorschule für die mystische Vereinigung mit dem Christus ist das Abendmahl - die Vorschule. So müssen wir diese Dinge verstehen. Und ebenso wie alles sich entwickelt vom Physischen zum Geistigen hinauf unter dem christlichen Einfluss, so müssen sich zuerst unter dem christlichen Einfluss heranentwickeln die Dinge, die zuerst da waren als eine Brücke: Vom Physischen zum Geistigen muss sich das Abendmahl entwickeln, um hinzuführen zur wirklichen Vereinigung mit dem Christus.»
Rudolf Steiner, 7.7.1909, GA 112 & GA 269

«Dadurch werden Gedanken - als meditative Gedanken - im Menschen leben können, die eben dasselbe sein werden, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahles - das geweihte Brot - von außen gewesen ist ...
Aber dann werden sich auch alle Zeremonien ändern, und was früher durch die Attribute von Brot und Wein geschehen ist, das wird in Zukunft durch ein geistiges Abendmahl geschehen.»
Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131

Friedrich Rittelmeyer: «Ist es nicht auch möglich, Leib und Blut Christi zu empfangen ohne Brot und Wein, nur in der Meditation?»
Rudolf Steiner:
«Das ist möglich. Vom Rücken der Zunge an ist es dasselbe.» GA 265, S.27

(So können die in uns lebenden meditativen Gedanken)
«eben dasselbe sein, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahls
- das geweihte Brot - von außen gewesen (ist).»
Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131, S.204

«Die verschiedenen Angaben Steiners «zusammengeschaut, machen klar, wo die Opferfeier auf der Linie historischer Entwicklung einzureihen ist: nicht vor, sondern nach der Messe mit Brot und Wein.»
Maria Lehrs-Röschl, GA 269, S.128

Die Opferfeier ist die kultushistorisch fortgeschrittene, zeitgemäße "Messe",
mit der "direkten" Wandlung von Leib und Blut des Menschen, sie braucht nicht mehr den "indirekten" Weg über die Substanzen Brot und Wein; s.S. 395 !
Christus wandelt und verlebendigt fortlaufend alle Erdensubstanz. Das können wir uns jederzeit bewusst machen und dadurch die Durchchristung aller Natur
- und so auch von "Brot und Wein" - und die Transsubstantiation ERleben.

Im Gedenken an die gemeinschaftsbildende Abendmahl-Liebes-Handlung Christi an Gründonnerstag, könnte aber eine Einschiebung mit Brot und Wein zur Kommunion in der Opferfeier vorgenommen werden.






Opferfeier-Kreis

«Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermassen eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...».
Rudolf Steiner zu René Maikowski (GA 269 (1997), S.133)

Eine Fortsetzung ! ... Damit wird einerseits deutlich, dass Rudolf Steiner einer «kultischen Arbeit» in der anthroposophischen Bewegung positiv gegenüber stand, und sogar aufforderte, an einer Weiterentwicklung zu arbeiten und hierbei auf die Opferfeier als Ausgangspunkt verwies, damit jedoch gleichzeitig auch die Opferfeier nur als "Zwischenstation" bewertete, zumindestens für die Arbeit außerhalb der Waldorfschulen/Heime und gleichzeitig - wie es ja Lehrs-Röschl schon kundtat ("überall") - dem Einsatz der Opferfeier auch außerhalb der Schulen zustimmte.
Das sind also fundamentale, großartige Perspektiven, auch wenn wir als kultisch engagierte Anthroposophen damit vor besonderen Aufgaben stehen.

Weil eine Fortsetzung des «Inhalts» der Opferfeier wesentlich schwerer zu erreichen ist, haben wir zunächst die Frage aufgegriffen, wie wir der «Form» eine «Fortsetzung» geben könnten.

Dabei waren uns Fragen aus der Praxis wegweisend.
Gerade wenn die Opferfeier außerhalb der Schule gefeiert wird, geschieht dies meist in einem kleinen Rahmen. Hier steht in der Regel kein "vorschriftsgemäßer" Altar und Raum zur Verfügung.

So entstanden die Fragen: 1. Ist die Opferfeier weniger wirksam wenn die Form eine andere,
den gegebenen (Schicksals-)Umständen gemäße ist?
2. Inwiefern wandelt sich auch die Sozial-Form? Die Antworten werden Sie - als frei christlich Handelnder - kennen.


Auf der Suche nach einer Form, die dem brüderlichen Gemeinschaftsaspekt mehr entspricht, fanden wir die KREIS-Form,
die auch schon in verschiedenen Schulen/Heimen angewandt wird.

Es müsste für die Kreis-Form noch nicht einmal das bisher Gegebene prinzipiell verändert werden: Denken wir uns alles nur kleiner, konzentriert, aus dem frontalen Geschehen in die Mitte, bzw. in die Runde des Kreises gestellt,
der nun wie ein Brennglas die Wirkungen pfingstlich bündelt.



Daraus ergibt sich für die Praxis - in aller Freiheit - folgende A n r e g u n g :

+ Prinzipiell: Sie sitzen (oder stehen?) im K R E I S .

+ In die Mitte oder in der Runde stellen Sie ein Tischchen, mit einer roten Tischdecke

+ darauf einen kleinen, siebenarmigen Kerzenständer (der ggf. schwarz gefärbt sein könnte), dessen (weiße) Kerzen von außen nach innen kleiner werden (wie auch bisher)

+ und ggf. mit einem kleinen Christusbild (in einem Holzrahmen) vor den Kerzen,
auf das die Handlungshaltenden schauen.

+ Alle Teilnehmer - auch die Handlungshaltenden (die "Sprecher") -
kommen zusammen, bzw. je nach Bedarf vorher, herein und setzen sich.

Die drei Handlungshaltenden setzen sich zusammen, genau/frontal gegenüber dem Kerzenständer mit dem Bild davor (oder verteilen sich in einem Dreieck im Kreis).

+ Die drei Handlungshaltenden (oder auch alle Teilnehmer) stehen zur Handlung.

+ Anzünden und Löschen der Kerzen könnte aus dem Kreis übernommen werden.

(Drehungen - vom Altar zur Gemeinschaft - fallen im Kreis weg, da der Altar in der Mitte ist.)

Letztlich wäre die Opferfeier - wenn Sie das vermögen - überall,
auch z.B. in freier Natur, stehend im Kreis oder wie auch immer,
so auch ohne jegliche Gegenstände möglich,
bis dahin, dass auch das Sprechen im Kreis wandert.

In der individuellen und konkreten Praxis können und müssen somit verschiedene Details dieser entsprechend bedacht, erfühlt und erprobt werden.

Fragen Sie nach unseren Erarbeitungen und Erfahrungen !
VDL

Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft
Initiative für ein freies christliches, anthroposophisch sakramentales Handeln