DAS SAKRAMENT DER
JUGENDFEIER

KONFIRMATIONf
ür die Kinder des Freien christlichen Religionsunterrichtes
in der Freien Waldorfschule





(Raum und Ausstattung wie bei der Sonntagshandlung.
Die Kinder warten draußen vor der Türe.
Zum Eintritt in den Handlungsraum wird jedem Kind die Hand gegeben und zu ihm gesprochen:)

Gedenke der Wichtigkeit
dieses Augenblickes in deinem Leben.


(Die Handelnden stehen mit dem Gesicht zum Altar.
Wenn alle Kinder eingetreten sind, wenden sie sich ihnen zu.
Der in der Mitte Handelnde spricht:)

Liebe Kinder, gedenket der Wichtigkeit
dieses Augenblickes in eurem Leben.
Ihr tretet in ein neues Lebensalter.
Von der Kindheit zur Jugend steiget ihr auf.
Eure Lehrer haben euch geführt.
Ihre Sorge war, dass der Gottesgeist

leuchte in eurem Denken,
krafte in eurem Fühlen,
wirke in eurem Wollen.

Den Christus, der gestorben ist,
auf dass die Menschenseelen leben können,
wollten euch weisen eure Lehrer,
auf dass er sei:

das Licht in eurer Seele,
der Führer auf euren Lebenswegen,
der Spender der Daseinsfreuden,
der Tröster im Daseinsleide.


(Der in der Mitte Handelnde wendet sich zum Altar
und erhebt die Arme zum Christus-Bild und spricht:)

Du Licht der Seelen,
Du Führer auf unsren Lebenswegen,
Du Spender der Daseinsfreuden,
Du Tröster im Daseinsleide,
Zu Dir sprach ich bittend,
Wenn ich Licht erflehte
Für dieser Kinder Denken,
Wenn ich Kraft ersehnte
Für dieser Kinder Fühlen,
Wenn ich Wirkensegen erstrebte
Für dieser Kinder Wollen.
So sende Dein Licht,
So spende Deine Kraft,
So lasse strömen Deinen Segen
In dieser Stunde
Auf die, die uns anvertraut waren
Und die wir jetzt übergeben dem Leben,
Auf dass sie
Denken durch Dein Licht,
Fühlen durch Deine Kraft,
Wirken durch Deinen Segen,
In all ihrem Erdenleben;
Bis im Todesaugenblicke
Du sie führest in das Seelensein.
Denn Du hast gesprochen:


(Der links Handelnde wendet sich zu den Kindern um,
zur Verlesung des hohenpriesterlichen Gebetes - Joh. 17/1-8,24,26 -
in der Übersetzung Rudolf Steiners:)

Väterlicher Weltengrund:
lasse offenbar werden Deines Sohnes Schaffen,
damit durch Deines Sohnes Schaffen
auch Du offenbar werdest.

Du hast ihn zum Schaffenden gemacht
in allen fleischlichen Menschenleibern,

dass er in die Zukunft lebend führe alle,
die durch Dich zu ihm kamen.

Sie werden in der Zukunft leben dadurch,
dass ihr Seelenauge bereitet ist,
Dich zu schauen
als den wahrhaft Einigen Weltengrund
und den schaffenden Christus Jesus,
den Du zu ihnen gesandt hast.

Durch mich wurdest Du im Erdensein
wieder offenbar,
als die Erde Deine Offenbarung umwölkte.
Solches war Dein Wille, der durch mich wirkte.

So auch, väterlicher Weltengrund,
lasse jetzt erstrahlen die Offenbarung,

die durch mich schon ward,
ehe Du in der Erdenwelt offenbar wurdest. -

Durch mich ward das Wort,
das Dich offenbart,
in Menschenseelen offenbar,
die durch Dich zu mir kamen.
Du warst in ihnen,
durch Dich kamen sie zu mir,
und sie haben in sich genommen
die Erkenntnis von Dir.

Von ihnen ward erkannt,
dass, was ich zu ihnen sprach,
von Dir, durch mich
zu ihnen gesprochen ward.

Väterlicher Weltengrund,
das erflehe ich,
dass sie,
die durch mich zu Dir gekommen sind,
immer sein mögen lebend bei Dir,
wie ich bei Dir bin,
und dass sie da schauen Deine Offenbarung,

die Du liebend vor mir erstrahlen ließest,
bevor die Erde noch war.

Durch mich ward offenbar das Wort,
das Dich offenbart,
und ich will tragen dies Wort
in Menschenseelen,
auf dass die Liebe, mit der Du mich liebest,
in ihnen sich bewahre,
und so auch mein ewiges Leben
ihr Leben ewig bewahre.


(Der rechts Handelnde geht dann zu jedem einzelnen Kind,
gibt ihm die Hand und spricht:)

Durch den Geist des Christus,
Der den Tod überwand,
Auf dass der Menschenseele
Das Leben ward gerettet,
Wurdest du geführt
Hier in dieser Kindesschule.

So leite der Christusgeist
Deine Lebenskräfte,
Deine Seelenmächte,
Deine Geistesziele,
Durch des Lebens große Schule.


(Der Handelnde begibt sich an seinen Platz zurück.
Der in der Mitte Handelnde spricht über das Osterfest in einer Ansprache,
die etwa folgenden Inhalt hat:)

Liebe Kinder. Im Frühling war's, wo die Erde in ihren Pflanzen neues Leben findet,
da der Christus auf Golgatha durch den Tod ging. Er starb. Aber er überwand den Tod.
Als Sieger über den Tod lebet er mit den Menschen; er lebet in den Menschen,
die ihn suchen, suchen mit all ihrem Denken, Fühlen und Wollen.
Und jedes Mal, wenn der Frühling das hohe Osterfest bringt, dann soll der Mensch,
wenn er das neue Leben der Erde schaut, gedenken des Todes und der Auferstehung des Christus.
Liebe Kinder, gedenket jedes Jahr zu dieser Osterzeit des Festes,
das wir heute mit euch feiern und feiert es jedes Jahr neu,
auf dass in euch der Gedanke belebt werde von dem Tode, der Auferstehung des Christus
und von seinem Wohnen in den Seelen derer, die ihn suchen.

(Musik oder Gesang, alle)


(Der in der Mitte Handelnde spricht:)

Liebe Kinder, allsonntäglich habe ich euch
entlassen, euch auffordernd, zu gedenken,
was ihr hier erlebt habt;
jetzt entlasse ich euch
mit sorgender Seele
in das Leben.
Der Christusgeist sei mit euch.
Suchet ihn,
Ihr werdet ihn finden:
Als euer Licht,
Als eure Kraft,
Als euren Führer,
Als euren Tröster.


(Musik)

(Jedes Kind wird einzeln entlassen, ein Helfer reicht ihm am Ausgang
die Hand und spricht:)

Gedenke der Wichtigkeit dieses Augenblickes
in deinem Leben,
Vergiss ihn nimmer, nicht in Freud,
nicht im Leide.







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Original Rudolf Steiner,
1921 den freien christlichen Religionslehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart gegeben.
Handlungsanweisungen sinngemäß Rudolf Steiners.

Siehe Text u.a. auch:
GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.324-327 und GA 269 (1997), S.53-61, handschriftliches Original (Faksimile).
Hohenpriesterliches Gebet siehe u.a.: GA 269 (1997), S.85-87, handschriftliches Original (Faksimile).


Der Charakter, der für die anderen Jahreszeiten selbst formulierten Ansprachen,
passt sich dem Jahreslauf an.

Diese Handlung wird beim ersten Mal (8. Klasse / in der Osterzeit) besonders festlich gestaltet
und entspricht der «Konfirmation». Entgegen der Konfirmation in den Kirchen (auch der CG)
führt die Jugendfeier aber in einen Prozess, ein andauerndes Werden,
ist eine immer wieder stattfindende Handlung, die erst in der 9./10. Klasse,
mit der Teilnahme an der Opferfeier, eine nächste Stufe erklimmt.

Kann nicht am freien christlichen Religionsunterricht an einer Waldorfschule teilgenommen werden,
findet eine individuelle Vorbereitung auf die Jugenfeier statt.
Die Feier findet dann im möglichen Rahmen statt, oder der/die Jugendliche nimmt als Gast
an der Feier einer erreichbaren Waldorfschule teil.