DIE HANDLUNGEN
FÜR DIE KINDER UND JUGENDLICHEN
DES
FREIEN CHRISTLICHEN RELIGIONSUNTERRICHTES
IN DEN FREIEN WALDORFSCHULEN


Grundsätzlich erhalten die Schüler des «Freien christlichen Religionsunterrichtes» von ihren Religionslehrern - aus der Zuständigkeit und im Auftrag der Anthroposophischen Gesellschaft (in CH-Dornach) * - in den Freien Waldorfschulen oder den heilpädagogischen Heimen die Handlungen.

Daher haben diese Rituale für den freien, allgemein-priesterlich Handelnden in der Regel keine besondere praktische Relevanz, es sei denn, es ist z.B. keine Waldorfschule erreichbar.

Die Siebenheit des sakramentalen Organismus und vor allem die Zugehörigkeit zum allgemein-priesterlichen Kultusimpuls Rudolf Steiners, verlangen hier deren Einbezug.
( * Neuerdings ist dies nicht mehr überall Konsens und Praxis. )







Vorbereitung


(Der Mittlere der drei Handelnden spricht vor der Handlung am Altar
- leise aber hörbar für die anderen:)

Durch Deine Kraft, o Gottesgeist,
Soll ich zu Dir weisen
Die mir anvertrauten Seelen.
Dein Licht
erhelle meines Denkens Umkreis;
Deine Lebenswärme
durchkrafte meines Fühlens Mitte;
Deine Seelenkraft
durchgeiste meines Wollens Strahlenleib.
Sei in dem Dienst,
den ich Dir leisten will.





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Original Rudolf Steiner, für die Sonntagshandlung der Kinder.

Siehe Text u.a. auch:
GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.319 und GA 269 (1997), S.28 / S.41.









DIE SONNTAGSHANDLUNG

FÜR DIE KINDER des Freien christlichen Religionsunterrichtes
in der Freien Waldorfschule


(Die Handlung wird zu dritt gehalten. Die Kerzen sind entzündet.
Der die Handlung in der Mitte Haltende steht vor dem Christusbild,
die beiden anderen sitzen auf Stühlen rechts und links neben dem Altar.
[Wenn aber alle drei immer am Altar
stehen bleiben wollen, können die Stühle entfallen.]
Die Eltern und Gäste treten ein. Die Kinder warten draußen vor der Türe.
Zum Eintritt in den Handlungsraum wird nun jedem Kind
von Helfern oder einem der Handlungshaltenden die Hand gegeben und zu ihm gesprochen:)



Du weißt, du gehst zu der Handlung,
Die deine Seele erheben soll
zu dem Geiste der Welt.




(Diese Worte der einlassenden Helfer begleiten die Handlungshaltenden mit ihrer Aufmerksamkeit und Gedanken.
Die Kinder setzen sich gleich nach ihrem Ankommen.
Wann sie stehen oder sitzen, muss von der Konstitution der Kinder abhängig gemacht werden.
Wenn die Mithandelnden sitzen, stehen sie nun auf und stellen sich
rechts und links neben den in der Mitte Handelnden, mit Blick zum Altar.
Dann wenden sich alle zu den Kindern um.
[ Die Wendung erfolgt immer so, dass der Mittlere über die linke Schulter voran einen Kreis beschreibt,
die anderen drehen sich immer in einem Halbkreis zur Mitte hin und zurück.] )


(Der in der Mitte Handelnde spricht:)

Wir erheben jetzt die Gedanken
und Empfindungen zu dem Geiste,
Zu dem Geiste, der lebet und wirket,
Der lebet und wirket in Stein, Pflanze und Tier;
Der lebet und wirket in Menschendenken
und Menschentun,
Der wirket in allem Wirkenden,
Der lebet in allem Lebenden,
Der das Lebende in den Tod führt,
auf dass es neu lebe,
Der das Tote ins Lebende führt,
auf dass es den Geist schaue.

(Alle wenden sich dem Altar zu und schauen zum Christus-Bild.
Der in der Mitte Handelnde weist mit locker ausgestrecktem rechten Arm
[ die Finger liegen aneinander, Daumen oben, kleiner Finger unten ]
auf das Bild und spricht auswendig:)

In ihm nahm Leib an,
der da wirket als Geist im All.
Christus starb.
Er wurde lebendig im Sein der Menschen,
Die ihm Wohnung gaben in ihrem Herzen.

Auch unser Herz wende sich zu ihm,
Es durchdringe sich mit seiner Kraft,
Auf dass er in ihm wirke,
Auf dass er durchdringe
Unser Denken, Fühlen und Wollen.

(Alle wenden sich zu den Kindern; der in der Mitte Handelnde spricht:)

Meine Lieben!
Wir lernen, um die Welt zu verstehen.
Wir lernen, um in der Welt zu arbeiten.
Die Liebe der Menschen zueinander
belebt alle Menschenarbeit.
Ohne die Liebe wird das Menschensein
öde und leer.
Christus ist der Lehrer der Menschenliebe.

Wir wollen beten:

(Gemeinsames Gebet - chormäßig.
Der in der Mitte Handelnde spricht Zeile für Zeile vor,
die Kinder sprechen - stehend - nach:


Wir erheben all unser Empfinden und Denken
zum Gottesgeiste.
Wir verehren den Gottesgeist.
Wir lieben den Gottesgeist.
Wir werden gedenken des Gottesgeistes
Wenn wir allein sind
Und auch, wenn wir mit Menschen
zusammen sind.
Dann wird er mit uns sein.



(Der rechts Handelnde geht nun - zur Kommunion -
zu jedem Einzelnen, der nun stehenden Kinder, legt ihm die Hand auf
oder reicht die Hand und spricht:)

Der Gottesgeist wird sein mit dir,
wenn du ihn suchest.

(Das Kind antwortet:)

Ich will ihn suchen.

(Der rechts Handelnde tritt wieder an den Altar, alle sind zu den Kindern gewendet.
Der in der Mitte Handelnde spricht mit segnenden Händen zu den stehenden Kindern
[ wobei die Gebärde darin besteht, dass Zeige- und Mittelfinger zusammengelegt werden
und der Daumen frei steht, Ring- und Kleiner Finger zusammengelegt zeigen etwas gekrümmt nach unten] :)


Ich rufe zum Gottesgeist,
Dass er sei bei euch,
Wenn ihr ihn suchet.

(Alle drehen sich zur Feiergemeinschaft, der links Handelnde spricht:)

Es wird nun verkündet das Evangelium nach: . . . . . . . . . . . . . .

(Alle Anwesende stehen auf.
Das Evangelium wird vom links Handelnden verlesen.)

(Danach Gesang der Kinder, der vom in der Mitte Handelnden angesagt wird.)



(Der in der Mitte Handelnde spricht zu den Kindern:)

Liebe Kinder! Ich entlasse euch nun,
Aber behaltet in guten Gedanken,
Was ihr hier gehört, empfunden und gedacht
habt.


(Der in der Mitte Handelnde wendet sich zum Altar,
die Mithandelnden setzen sich wieder auf ihre Stühle neben dem Altar bzw. wenden sich mit um.)

(Ggf. Musik)

(Die Kinder verlassen den Saal,
nachdem die Handelnden zur Verabschiedung vom Altar zurückgetreten sind
und sich vor der Türe zur Verabschiedung aufgestellt haben.
Die Kinder verabschieden sich von allen.
Danach setzen sich die Handelnden in die erste Reihe
und die noch verbliebenen Eltern und Gäste verlassen den Raum.
Die Kerzen werden gelöscht, wenn alle Teilnehmer den Raum verlassen haben.)







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Original Rudolf Steiner,
1920 den freien christlichen Religionslehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart gegeben.
Handlungsanweisungen sinngemäß Rudolf Steiners.

Siehe Text u.a. auch:
GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.315-319 und GA 269 (1997), S.42-44.

Siehe auch Kap. «Angaben zu den Sakramenten»
und «Zur Bearbeitung / Herausgabe der Texte Rudolf Steiners» am Ende des Buches.














DIE WEIHNACHTSHANDLUNG

für die Kinder des Freien christlichen Religionsunterrichtes
in der Freien Waldorfschule




(Es gilt hier das schon für die Sonntagshandlung Angeführte.
Die Kinder warten draußen vor der Türe.
Zum Eintritt in den Handlungsraum wird jedem Kind - von einem Helfer - die Hand gegeben
und zu ihm gesagt:)


Du weißt, du gehst zu der Handlung,
Die deine Seele erheben soll
zu dem Geiste der Welt.

(Alle Handlungshaltende stehen zum Altar gewendet.
Wenn alle Kinder eingetreten sind, drehen sich alle zu den Kindern hin um.)

Liebe Kinder,
Wir leben in Winters Anfang.
Unsere Augen sehen nur wenig die äußere Sonne,
Spät erscheinet sie und früh verschwindet sie.
Im Innern aber schaut unser Seelenauge
In Winters Kälte und Winterdunkel:
Des Christus hell leuchtende Geistessonne,
Die durch Jesus der Menschheit
Aus göttlichen Reichen erschienen ist.




In demütiger Hirten Seelen
Ward gehört der Himmel Wort:
Es offenbaret Gottes Geist sich in Höhen,
Und er bringet Frieden den Erdenmenschen,
In deren Herzen guter Wille wohnet.

Und die Hirten waren geleitet
Durch der Himmel erhab'nes Wort.

Und sie suchten des Gottes Geist
Nach der Verkündigung auf Erden.
An der Armut Stätte fanden sie
Das Kind Jesus, der dann wurde
Der Christus .

Es ward die erste Weihnacht der Welt,
Als die demütigen Hirten
Betenden Herzens knieten
An der Armut Stätte vor Jesus, dem Kindlein,
Durch das des Geistes Licht
Erschien den Erdenmenschen.
Durch den Christus,
Der da ist die Geistessonne,
Werden wir finden
Den Weg in Geisteshöhen

Und so werden
Erst wahre Menschen.

So dachten die demütigen Hirten
In ihren ahnenden Seelen,
Als sie schauten das Licht,
Das leuchtete aus des Kindleins Augen
In der ersten Weltweihnacht.

Und als schauten das Licht
Die demütigen Hirten,
Da ward ein neuer Weltenanfang:
Der Menschheit Christzeit begann.
Und hell kann es werden seither
In der Menschen Herzen,
Die da lernen in Liebe
Zu sagen: Sieh, es ist der Christus,
Durch den die Seele findet
Den Weg in des Geistes
Sonnenhelles Reich.

Und hell wird es bleiben
In der Menschen Herzen,
Die liebend erfühlen
In ihrem tiefsten Innern
Das Licht, das da leuchtet

Auf dem Weg in des Christus
Sonnenhelles Reich.

In der Menschen Herzen
Wird des Winters dunkle Nacht
Zum hellen Geistestage,
Wenn die Seele sich weihet
Dem Lichte, das durch Jesus
Erstrahlet dem Erdenleben.


(Ggf. umwenden aller zum Altar.
Der rechts Handelnde geht dann wie sonst zu jedem einzelnen Kind,
gibt ihm die Hand und spricht:)

Erhebe die Gedanken und Empfindungen
Zu dem Christusgeiste.


(Nachdem der rechts Handelnde wieder am Altar steht, wendet sich
der in der Mitte Handelnde zu den Kindern:)

Ihr sollet erheben die Gedanken
und Empfindungen
Zu dem Christusgeiste.
Er ist das Licht
Das leuchtet in der Menschen Herzen,
Auf dass sie finden
Den Weg zum Gottesreiche.

(Alle drehen sich zu den Kindern um. Der links Handelnde spricht:)

Es wird nun verkündet das
Weihnachtsevangelium
nach Lukas im zweiten Kapitel, Vers 1 - 20.

(Dies wird vom links Handelnden verlesen.)
(Alle drehen sich wieder zum Altar. Danach ggf. Musik für Weihnachten.)

(Der in der Mitte Handelnde wendet sich wieder zu den Kindern und spricht, indem er zuvor etwas vortritt:)


Durch Geistes Heilesmacht,
In Welten Weihenacht
Ist Seelenlicht erwacht,
Hat Menschenkraft gebracht,
Hat Herzensmut gebracht,
Nachdem es einst erwacht
Aus Zeiten Weihenacht
Zu ew'ger Heilesmacht.

(Er tritt nun wieder zurück und spricht weiter:)

Der Mensch erfüllet sich
Mit wahrem Seelensinn,
Wenn er zur Weihnachtzeit
Das Innere wendet

In starkem Denken,
In innigem Fühlen
Zur Christuskraft.
Der Mensch erstarket sich
Durch wahre Geisteskraft,
Wenn er zur Weihnachtzeit
Das Innere wendet
Im hellen Denken,
Im warmen Fühlen
Zum Christuslicht.

(Der in der Mitte Handelnde sagt das Lied an, das alle Kinder und Teilnehmer gemeinsam singen:)

Es ist ein Ros entsprungen . . .

(Der in der Mitte Handelnde:)

Liebe Kinder:
Das alles haltet in eurem Herzen,
Traget es aus der heiligen Weihnachtzeit
In das Leben des ganzen Jahres.



(Der in der Mitte Handelnde wendet sich zum Altar,
seine Mithandelnden setzen sich.)
(Schlussmusik)
(Die Kinder werden wie sonst üblich verabschiedet.)






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Original Rudolf Steiner,
1921 den freien christlichen Religionslehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart gegeben.
Handlungsanweisungen sinngemäß Rudolf Steiners.
Siehe Text u.a. auch:
GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.320-323 und GA 269 (1997), S.47-51.

















EINSCHIEBUNG

FÜR DIE SONNTAGSHANDLUNG AM

PFINGSTSONNTAG

für die Kinder des Freien christlichen Religionsunterrichtes
in der Freien Waldorfschule




(Die Handlung vollzieht sich im Ganzen wie sonst.
Nur zur
Evangelien-Lesung hat Steiner für diesen Tag eine besondere Angabe gemacht:
Nachdem [durch den links Handelnden] über das Pfingstereignis
- aus der
Apostelgeschichte 2, 1-18 -
gelesen worden ist, liest der in der Mitte Handelnde
unmittelbar anschließend die Goethesche Übersetzung des alten
Pfingsthymnus «Veni Creator Spiritus»:)



Komm, heiliger Geist, du Schaffender,
Komm, deine Seelen suche heim;
Mit Gnaden-Fülle segne sie,
Die Brust, die du geschaffen hast.

Du heißest Tröster, Paraklet,
Des höchsten Gottes Hoch-Geschenk,
Lebend'ger Quell und Liebes-Glut
Und Salbung heil'ger Geistes-Kraft.


Du siebenfaltiger Gaben-Schatz,
Du Finger Gottes rechter Hand,
Von ihm versprochen und geschickt,
Der Kehle Stimm' und Rede gibst.

Den Sinnen zünde Lichter an,
Dem Herzen frohe Mutigkeit,
Dass wir, im Körper Wandelnden,
Bereit zum Handeln sei'n, zum Kampf.

Den Feind bedränge, treib ihn fort,
Dass uns des Friedens wir erfreun
Und so an deiner Führer-Hand
Dem Schaden überall entgehn.

Vom Vater uns Erkenntnis gib,
Erkenntnis auch vom Sohn zugleich,
Uns, die dem beiderseit'gen Geist
Zu allen Zeiten gläubig flehn.

Darum sei Gott dem Vater Preis,
Dem Sohne, der vom Tod erstand,
Dem Paraklet, dem Wirkenden,
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.






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Original Rudolf Steiner,
den freien christlichen Religionslehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart gegeben.
Handlungsanweisungen sinngemäß Rudolf Steiners.
Siehe Text u.a. auch:
GA 269 (1997), S.45-46.