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Ä N D E R U N G E N
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Tut sich denn nichts in den Kirchen ? Die Alt(ernative)-katholische Kirche
WIR BRAUCHEN DEN ÖKUMENISCHEN GEIST VON LIMA Das schlechte Gedächtnis der Kirchen
Von Joachim Vobbe
Wer den Namen "Alt-Katholiken" hört, mag zunächst an eine besonders "konservative" Spielart des Katholizismus denken. Tatsächlich aber sind die Alt-Katholiken eine zwar kleine, aber reformfreudige Kirche. Diese bildete sich, nachdem am 18. Juli 1870 das Doppeldogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und vom Jurisdiktionsprimat verkündet wurde, d.h. von der höchsten und universalen Gewalt des Papstes in der Gesamtkirche. Opposition dagegen erhob sich vor allem in Deutschland, der Schweiz, der Donaumonarchie und Frankreich. Als die Opponenten sich nach ihrer Exkommunikation gezwungen sahen, eigene Gemeinden und Bistümer zu gründen, wuchs ihnen der Name "Alt-Katholiken" zu. Sie wollten damit ausdrücken, dass sie die vatikanischen Dogmen als eine ungerechtfertigte Neuerung zum herkömmlichen, "alten" katholischen Glauben erachteten.
Schon bald gaben sich die in Deutschland entstehenden alt-katholischen Gemeinden eine synodale Ordnung, wählten ihren Bischof selber, stellten ihm eine gewählte Kirchenleitung zur Seite, führten die finanzielle Selbstverwaltung der Gemeinden ein, machten im Gottesdienst von der Landessprache Gebrauch und ließen ihren Priestern die Wahl, ob sie heiraten oder ehelos leben wollten. Die synodale Struktur des deutschen alt-katholischen Bistums führte auch später zu weit reichenden Entscheidungen. Die letzte dieser Art war die Einführung der Frauenordination, die von 1988 an in die Tat umgesetzt wurde.
Schon vor 1870 hatten einzelne Theologen und Intellektuelle, die sich später als Alt-Katholiken bekannten, die "Wiedervereinigung mit den getrennten protestantischen Brüdern" gefordert. Nach der Verselbständigung wurde der ökumenische Gedanke zu einem der wichtigsten alt-katholischen Anliegen. Bereits 1874/75 kam es auf Anregung des Zweiten Altkatholikenkongresses in Bonn zu zwei "Unionskonferenzen" orthodoxer, anglikanischer, evangelischer und alt-katholischer Theologen und Bischöfe. Das langjährige ökumenische Engagement trug Frucht im Bonner Abkommen von 1931, welches die Kirchenspaltung zwischen Anglikanern und Alt-Katholiken aufhob. Es trug Frucht im orthodox/alt-katholischen Dialog, der 1987 mit der Feststellung weitgehender Übereinstimmung in allen Glaubens- und Kirchenordnungsfragen abschloss. Und es fand seinen Niederschlag in der Praxis eucharistischer Gastbereitschaft, welche 1985 zwischen den deutschen evangelischen Kirchen und dem alt-katholischen Bistum festgestellt wurde.
Der alt-katholische Weg war dabei ein relativ einfacher und pragmatischer: Er wird gelegentlich mit dem Bild begründet, die Alt-Katholiken seien eine "Brückenkirche" - eine Kirche, die in sich eine bischöflich- sakramentale, landläufig als "katholisch" bezeichnete Ordnung mit einer synodalen, landläufig als "protestantisch" empfundenen Struktur vereinige. Zum anderen haben die alt-katholischen Kirchen mit dem römischen Alleinvertretungsanspruch implizit auch einen eigenen Alleinvertretungsanspruch zurückgewiesen. Schon in den historischen Wurzeln des Alt-Katholizismus liegt somit die Erkenntnis, dass seit den großen Spaltungen der Christenheit keine Konfessions- oder Teilkirche mehr die ganze Wahrheit des Glaubens für sich allein beanspruchen kann.
Ein solches Selbstverständnis verbietet eine bloße "Rückkehrökumene". Zwar halten die Alt-Katholiken an der sakramentalen Sukzession der Ämter und am katholisch-orthodoxen Eucharistieverständnis von der Präsenz Christi in den eucharistischen Gaben fest; andererseits verbietet das Selbstverständnis der eigenen Fehlbarkeit eine eucharistische "Eigenbrötelei". Nur so konnte theologisch der Graben zwischen dem alt-katholischen und dem evangelischen Amts- und Abendmahlsverständnis überbrückt werden. "Eucharistiegemeinschaft ist nicht erst am Ende der Tage möglich, sondern die Eucharistie ist auch Mahl auf dem irdischen Weg der Kirche und darf einem Getauften eigentlich nicht verweigert werden - auch wenn er einer anderen Kirche angehört." Was 1985 als Erklärung zweier verschiedener, doch befreundeter Kirchen gefeiert wurde, hat durch die Diskussionen im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages eine ungewollte Aktualität bekommen: Zwischen Alt-Katholiken und Evangelischen ist offiziell etwas möglich, das römisch-katholischen und evangelischen Christen immer noch verwehrt bleibt.
Freilich wird das ökumenische Klima nicht von den kleineren Kirchen, sondern von den großen kirchlichen Blöcken bestimmt. Und diese sind zur Zeit recht unbeweglich. Die organisierte Ökumene hat seit den Übereinkünften zu Taufe, Eucharistie und Amt, mit denen sich Experten fast aller verfassten Kirchen der Welt 1982 in Lima auf gemeinsame Nenner oder doch wenigstens auf gemeinsame Zielvorgabe einigten, eher den Krebsgang eingelegt. Lima aber war für die alt-katholischen Kirchen ein Meilenstein; wurden doch dort nahezu klassische alt-katholische Positionen vereinbart oder angestrebt.
Erhaben oder lächerlich? Was der Ökumene heute fehlt, sind nicht originellere theologische Neuaufbrüche und schon gar nicht eine weiter aufgeblähte ökumenische Bürokratie. Was fehlt, ist die Erinnerung und Umsetzung von damals, in Lima, längst Erreichtem - und eine größere Basisnähe. In einer religiös ausgedünnten Gesellschaft haben sich die Christen, die es mit ihrem Glauben ernst meinen, längst gefunden und sind oft nicht mehr bereit, sich Schritte zur - auch sakramentalen - Einheit von konfessionellen Instituten verbieten zu lassen.
Wer angesichts der ökumenischen Basisrealität von oben her den Vorwurf erhebt, hier entstehe ein unbedachter und manchmal nur emotional gefärbter Einheitsbrei der kirchlichen Glaubenswege, der muss sich fragen lassen, ob denn nicht seit Lima 1982 diese Einheit auch in einer durchdachten Form existiert. Es ist ja wahr, dass manche "ökumenisch" gemeinten gottesdienstlichen Experimente an der Basis jede Konvention verlassen und den Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen tun. Doch ehe sich Kirchenleitungen oder konfessionelle Institute im Gegenzug auf alte Konfessionsgrenzen zurückziehen und damit die "Basis" tatsächlich der Beliebigkeit überlassen, wäre es meines Erachtens fruchtbarer, sich der Abkommen von Lima und der in ihnen festgestellten spirituellen Grundlagen, praktischen Richtlinien und klaren Ziele zu erinnern. Doch es scheint, dass auch wir Kirchen in einer sehr schnelllebigen Zeit vom Virus der Vergesslichkeit befallen werden können.
(Joachim Vobbe ist Bischof der Alt-Katholiken in Deutschland.) Aus: Süddeutsche Zeitung, 22.5.2003
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Linkhinweis: Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland: http://www.altkatholisch.de
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Stellungnahme der Gruppe „Weiheämter für Frauen“ zur Enzyklika „Deus Caritas Est“
Das päpstliche Lehrschreiben betont eindringlich die große Liebe Gottes zu uns Menschen – ein unverdientes Geschenk – und die dadurch motivierte dankende Antwort der Menschen, die sich in der Liebe zum Mitmenschen konkretisiert.
Zweifellos ist es ein bedeutendes Schreiben.
Nach den Worten des Papstes ist „alles Handeln der Kirche Ausdruck einer Liebe, die das ganzheitliche Wohl des Menschen anstrebt: seine Evangelisierung durch das Wort und die Sakramente ... und seine Förderung und Entwicklung in den verschiedenen Bereichen menschlichen Lebens und Wirkens“ (Nr. 19).
Dieser Satz kann innerkirchlich vorerst nur als Imperativ gesehen werden, der noch der Umsetzung und Realisierung bedarf!
Geben die Worte des Papstes über die Gottes- und Nächstenliebe zu der Hoffnung Anlass, dass das Verhalten der Kirchenleitung gegenüber den eigenen innerkirchlichen Strukturen Reformwillen erkennen lässt? Erst nach Überprüfung - am Maßstab von Gerechtigkeit und Liebe – und entspechender Korrektur könnten kirchliche Strukturen und Verhaltensweisen Vorbildcharakter innerhalb der Gesellschaft gewinnen.
Dringend wäre in diesem Zusammenhang, dass die Kirchenleitung jegliche diskriminierende Ausgrenzung der Frauen – mehr als der Hälfte der Kirchenmitglieder! – endlich aufgibt, m.a.W. dass den Frauen volle Teilhabe auf allen Ebenen der Kirche, auch im Diakonats-, Priester- und Bischofsamt selbstverständlich zukommt, entspechend dem Bibelwort: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen (Heiden), nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau. Denn ihr alle seid ‚einer’ in Christus Jesus“ (Gal 3,27f).
Gruppe „Weiheämter für Frauen“ in der Römisch Katholischen Kirche
Christine Mayr-Lumetzberger Dr. Gisela Forster
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Vergesst diese Ökumene!
BERNHARD PÖTTER, TAZ
Die Enzyklika "Ecclesia in Eucharistia" war ein Wunder ganz nach dem Geschmack des Vatikans: gleichzeitig ein Schuss vor den Bug und ein Volltreffer. Denn das päpstliche Rundschreiben von April bremste alle Bemühungen um eine wirkliche Gemeinschaft von katholischen und evangelischen Christen auf diesem Kirchentag in Berlin - und versenkte gleich noch all die Hoffnungen auf eine Annäherung der Schwesterkirchen für die nächsten Jahre. Gleichzeitig dient "Ecclesia in Eucharistia" auch noch als Nebelwerfer: Sie lenkt von den wirklichen Problemen und Aufgaben der Christen in Deutschland ab.
Das katholische Njet zum gemeinsamen Abendmahl war zu erwarten. Verlassen von all den guten Geistern vom 17. Oktober 1996, als es zusammen mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag offiziell den Wunsch nach dem ökumenischen Mahl geäußert hatte, ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unter dem Druck der Deutschen Bischofskonferenz und des Vatikans eingeknickt. Nun wird es auf dem Kirchentag kein gemeinsames Mahl geben. Die Debatte um protestantische Mutlosigkeit und katholische Verbohrtheit wird den Kirchentag beherrschen. Die "Initiative Kirche von unten" (IKvU) und die katholischen Reformer von "Wir sind Kirche" werden ihr berechtigtes und dringend nötiges Anliegen propagieren und die Gelegenheit zur Selbstdarstellung nutzen. Und alle werden jammern, dass die deutschen Katholiken wieder einmal eine historische Chance vertun.
Das alles stimmt. Aber es bringt die Debatte keinen Schritt weiter. Denn die Fixierung auf die Ökumene behindert den Blick darauf, was Christen in Deutschland tun müssten, um ihrer Verantwortung gegenüber Gott und den Menschen gerecht zu werden. Nämlich sich gemeinsam und viel ernsthafter als bisher für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen, wie sie es selbst immer wieder fordern. Und nicht an einem kirchenpolitisch längst überholten Nebenwiderspruch ihre Ressourcen an Zeit, Menschen und Engagement vergeuden. Deshalb, Papisten und Lutheraner: Vergesst diese Ökumene! Entweder ihr habt sie ohnehin schon erreicht. Oder ihr habt Besseres zu tun.
Denn theologisch müsste die Trennung begründet werden - und nicht der Versuch, die Trennung zu überwinden. Und eigentlich sind sich alle einig, dass "die Kirchenspaltung ein größeres Ärgernis ist als die Interkommunion", wie es der junge Theologe Karl Lehmann 1970 formulierte. Doch die römische Kirche hat sich mit ihrem politisch so progressiven und theologisch so reaktionären polnischen Papst in die Wagenburg der Rechthaberei zurückgezogen. Schon in der Enzyklika "Dominus Jesus" wurde im Jahr 2000 den anderen christlichen Gemeinschaften der Charakter einer wirklichen Kirche abgesprochen. Der Papst betitelte zwar eine weitere Enzyklika mit dem biblischem Gebot der Einigkeit "ut unum sint", bremst aber umso stärker.
Wieder einmal sind die römischen Oberhirten von ihren deutschen Schäfchen meilenweit entfernt. Erstens weiß kaum noch ein Kirchenbesucher heute, was Katholiken und Protestanten tatsächlich noch trennt (siehe Kasten). Und zweitens verstoßen katholische Gemeinden regelmäßig und mit bestem Gewissen gegen das Verbot, evangelische Glaubensbrüder und -schwestern an der Kommunion teilhaben zu lassen.
Ähnlich wie bei der offiziellen katholischen Sexualmoral hat sich auch bei der Ökumene die katholische Theologie ein Wolkenkuckucksheim gezimmert, in dem heftig gefachsimpelt und auf hohem Niveau disputiert wird. Das Volk macht derweil, was ihm sinnvoll erscheint, und ist glücklich damit. Wann genau nun welcher Pfarrer welchem Gläubigen welche Hostie reichen darf, interessiert tatsächlich im christlichen Alltag immer weniger. Und doch beschäftigen sich damit die kirchlichen Heerscharen: päpstliche Kommissionen, protestantische Synoden, theologische Institute, internationale Kongresse, Pfarrgemeinderäte, Kirchentage. All das frustiert die Menschen in diesen Gremien und trägt zum Verlust an Glaubwürdigkeit der Kirchen bei. Vor allem aber verschlingt es die wertvollsten Ressourcen der kirchlichen Gemeinschaften: Geld, Zeit und Planstellen.
Genau diese Verschwendung können sich die christlichen Kirchen in Deutschland aber nicht mehr leisten. Denn die Mittel, die in der fruchtlosen Ökumene-Debatte verpulvert werden, fehlen an allen Ecken und Enden: - Jedes Jahr verlassen 100.000 Menschen die Gemeinden, weil sie den Kirchen nicht mehr trauen und ihnen nichts mehr zutrauen. - Es fehlt eine christliche Position zum aktuellen radikalen Umbau des deutschen Sozialstaats. Bei der Erfindung der sozialen Marktwirtschaft haben die Kirchen Pate gestanden; bei ihrer Totalrevision schweigen sie. - Beide Kirchen haben sich im Irakkrieg frühzeitig und deutlich positioniert. Doch eine andauernde und politisch einflussreiche Lobby für gewaltfreie Politik sind sie nicht. Massive Interessenvertretung wie bei der Abtreibung oder in der Migrationspolitik betreiben weder Katholiken noch Protestanten. In der Kirchengeschichte wurden immer wieder Orden gegründet, um besonderen Problemen zu begegnen: Bildung, Krankenpflege, Gegenreformation. Einen Friedensorden, der gewaltfreie Konfliktlösungen trainiert und propagiert, sucht man bisher vergeblich. - Viele Kirchengemeinden engagieren sich im fairen Handel oder beim Umweltschutz. Doch bei der Antwort auf globale Zukunftsfragen wie Bevölkerungsentwicklung, Energiepolitik oder Ernährungssicherung spielen die Christen keine eigene Rolle. Die Einsicht, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem von heute ebenso in die Katastrophe führt wie das sozialistische von gestern, formuliert lautstark nur Papst Johannes Paul II. Doch beim UN-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg im letzten Jahr war von der Delegation des Vatikans nichts zu sehen und zu hören. - Den Schlachtruf: "Eine andere Welt ist möglich" haben die Kirchen an die Globalisierungskritiker abgetreten. In den Debatten um Familienpolitik, um das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und Sterben oder die Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, gelingt es vor allem der katholischen Kirche kaum, sich aus der muffig-konservativen Ecke zu lösen. Beiden Kirchen fehlt eine Idee, wie Politik nach biblischen Maßstäben organisiert werden kann - vor allem nach dem Ende der unheiligen Allianz der Katholiken mit der CDU. - Die Diskussion um die christliche Ökumene versperrt auch den Blick auf die weitaus dringendere Verständigung mit den anderen Religionsgemeinschaften in der Welt. Der so genannte interreligiöse Dialog der Christen mit Juden, Muslimen, Hinduisten, Buddhisten, anderen Religionen und - zumal in Deutschland - den Nichtgläubigen könnte gerade die Bedrohung durch islamische und christliche Fundamentalisten entschärfen. Doch der Tübinger katholische Theologe Hans Küng, Vordenker des "Projekts Weltethos", das eine Verständigung der Weltreligionen anstrebt, spielt auch auf dem Kirchentag nur eine Nebenrolle.
Es gibt für Christen in Deutschland viel zu tun. Die Beschäftigung mit den Details der Ökumene gehört nicht dazu. Die Gläubigen sollten als Katholiken und Protestanten das Brot miteinander brechen. Und sich nicht davon stören lassen, wenn es nicht gleich und überall zu einer christlichen Einheitsfront kommt.
Denn niemand weiß, wohin eine engere Verbindung von katholischer und evangelischer Kirche nach 500 Jahren der Trennung führen soll. Und wer sagt, dass das christliche Gebot zur Einheit der Gläubigen bedeutet, dass sie alle einig in einer einzigen Kirche sind? Wenn es kaum noch die Glaubensinhalte sind, die die Konfessionen trennen, sondern vor allem die erlebten und erinnerten Wohlfühl-Faktoren, dann wird man kein Einheits-Christentum planen können. Warum sollten Orthodoxe, Katholiken, Lutheraner, Calvinisten, Methodisten und Baptisten nicht gleichberechtigte Tochterfirmen der himmlischen Zentrale sein? In der Migrationspolitik heißt das Ziel Multikulti. Wie wäre es mit Multireli?
Der ökumenische Kirchentag ist eine gute Idee. Aber er sollte nicht der erste, sondern der letzte seiner Art sein. Das nächste Treffen (selbstverständich ökumenisch) braucht von Deutschlands Christen keine Nabelschau, sondern die Einlösung eines alten Versprechens: das Salz der Erde zu sein, das dem Einheitsbrei des Alltags Würze verleiht.
Statt einer Mammut-Veranstaltung wären thematische Schwerpunkte vielleicht dienlich: Warum nicht einen Kirchentag zu Armut und Reichtum (auch der Kirchen), ein Treffen zu Arbeit und Muße, zu Konsum und Kapital, zur Suche nach gemeinsamen Werten der deutschen Gesellschaft, zu den aktuellen Formen von Spiritualität und Unglauben?
Theologen sind sich heute einig: Wenn Jesus Christus etwas auf keinen Fall gewollt hat, dann war es die Gründung einer Kirche. Eine Institution mit Herren und Dienern, mit Steuern und Gesetzen, mit Kommissionen und Experten, die den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Und sicherlich wollte der Begründer des Christentums nicht, dass seine Jünger sich auch noch nach 2.000 Jahren darüber streiten, wie viele Millimeter dogmatischer Gedanken sie nun trennen. Und darüber versäumen, gemeinsam zu arbeiten und gemeinsam zu feiern.
Aus: taz, 28.5.2003 Quelle: http://www.taz.de/pt/2003/05/28/a0091.nf/text
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"Menschlichkeit ohne Grenzen und Zäune" Ein Interview mit dem Autor und Kirchenkritiker Eugen Drewermann
Frage: Natürlich muss zuerst die Frage kommen: Was sagt Eugen Drewermann zum Fall Hasenhüttl?
Drewermann: Für jeden, der die Bibel liest, wird deutlich, dass Jesus gerade die Menschen einladen wollte, die unter den Augen der Theologen seiner Zeit völlig chancenlos waren, zu Gott zurück zu finden. Aus dieser Einladung ohne Vorbedingung ist in der römischen Eucharistie-Auffassung so etwas geworden wie ein sakramentales Prämiensystem für ideologische Orthodoxie und moralisches Recht-Verhalten. Die katholische Kommunion darf kein Andersgläubiger empfangen, auch nicht eine Frau, die als Geschiedene in zweiter Ehe lebt. Die katholische Kirche tut hier in einem zentralen Bereich nicht das, was Jesus wollte und die Menschen brauchen. Nach ihrer Feststellung ist ein protestantischer Pastor außer Stande, das Abendmahl Jesu zu feiern, da er nicht von einem Bischof der römischen Kirche geweiht worden ist. Das alles hat man in der Gegenreformation 1563 in Trient so festgelegt. Es ist mehr als bedauerlich, es ist im Grunde skandalös, dass es 440 Jahre später immer noch unverändert gelten soll, nur um auf solch un-ökumenische Weise Recht zu behalten.
Frage: Was bedeutet Ökumene denn für Sie persönlich?
Drewermann: Ich glaube, die meisten Menschen fragen nicht mehr: "Bist du evangelisch oder katholisch?"; sie fragen einfach: "Was bist du für ein Mensch?" Eine solche universelle Form der Menschlichkeit ohne Grenzen und Zäune, die sich orientiert vor allem an der Not und dem Leid der Menschen aller Arten. Das ist die einzige Ökumene, die Jesus mit seinem jüdischen Glauben im Sinne der Propheten für vereinbar hielt. Ergänzen müsste man, dass es auch eine weltumspannende Verantwortung für die Lebewesen an unserer Seite geben müsste, mit denen wir durch die Evolution auf das Engste verbunden sind. Ökumene sollte sein, was ihr Name sagt: Etwas, das die ganze bewohnte Erde betrifft.
Frage: Liegt die Zukunft des Christentums in einer so verstandenen Ökumene?
Drewermann: Mir scheint, dass gegenwärtig die Religiosität dabei ist, sich von den vorgegebenen Institutionen und Traditionen zu lösen. Das erschreckt manch Kirchenoberen, kann aber der Religiosität selbst im gewissen Sinn nur gut tun. Denn Religiosität gründet sich auf Freiheit, Innerlichkeit, Persönlichkeit und Dialog. Nicht auf Außenlenkung, vermeintliche beamtete Wahrheitsgarantien und ideologische Normierungen. Ich hoffe und ich glaube, dass man gerade dabei ist, zu entdecken, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist und nicht der Götze bestimmter Regionen oder Religionen.
Frage: Mit dieser Auffassung geht der Modernisierer Drewermann gewissermaßen wieder zu den Ursprüngen: Forscher sind der Ansicht, dass die ganz frühen Christen, die Christen des ersten Jahrhunderts, auch eher eine individuelle Sicht der Religion, die sich in ihrem Inneren abspielte, hatten, und keinen Wert auf feste Strukturen legten. Dass diese Auffassung aber in den darauf folgenden Jahrhunderten von der entstehenden offiziellen Kirche immer mehr verdrängt und sogar bekämpft wurde.
Drewermann: Ich habe gerade zwei Bände zum Johannes-Evangelium vorgelegt. Das kann man sehen als Bericht, der die Beziehung des Menschen zu Gott beschreibt, wie Jesus sie vermutlich wollte: Als ein ganz und gar geistiges und moralisches und dadurch alles in der Welt veränderndes Geschehen. Natürlich kann Christentum, besonders in der Sicht des Protestantismus, nur in der ständigen Erneuerung nach solchem Maßstab gültig sein.
Frage: Wohin führt Ihrer Meinung nach der Weg der katholischen Kirche? Wird sie sich öffnen müssen? Und wenn ja, wird sie es auch tun?
Drewermann: Sie wird sich öffnen müssen. So wie alles Leben darin besteht, auf Veränderung der Umwelt zu reagieren - oder unterzugehen.
Frage: Das heißt, wenn die Kirche nicht reagiert, dann kann sie irgendwann in der Zukunft wirklich verschwinden?
Drewermann: Ja. Gerade die vermeintliche Stärke der katholischen Kirche, ihre organisierte Geschlossenheit, ihr päpstlicher Zentralismus, ihre vermeintlich von Gott gesetzte hierarchische Struktur, die angebliche Wahrheitsgarantie, die scheinbare Objektivität ihrer Sakramente und Dogmen erweisen sich zunehmend als die tönernen Füße eines monströsen Kolosses. Denn jeder begreift, dass man Gott nicht haben und verwalten kann, sondern dass man sich allenfalls von ihm tragen und führen zu lassen vermag. Der Fehler des Katholizismus liegt darin, das römische System mit Jesus Christus selbst zu identifizieren. Auf diese Weise wird aus dem Weg das Ziel und aus dem Mittel der Selbstzweck. Dementsprechend fragen übrigens auch die meisten Journalisten: Was sagt die Kirche?, und nicht: Was sagt Gott durch Jesus Christus?
Frage: Warum sind Sie nach Ihrer Amtsenthebung und bei all Ihrer Kritik Mitglied der katholischen Kirche geblieben?
Drewermann: Weil man nicht desertieren kann in einem System, das man verändern muss und möchte zu Gunsten der Menschen, die in ihm und an ihm leiden. Mit einem Wort: Ich bin in dieser Kirche gegen diese Kirche.
Frage: Sie haben gerade das Wort "desertieren" benutzt, würden sich also als "Deserteur" sehen, wenn Sie die katholische Kirche verlassen. Deutet das vielleicht darauf hin, dass Sie diese Kirche noch immer lieben?
Drewermann (der diesmal nur indirekt - und zwar verneinend - antwortet, und dessen Stimme etwas heftiger wird, vielleicht auch einem Hauch Bitterkeit enthält): Wer von der katholischen Kirche verurteilt wird, den stempelt sie zu einer unglaubwürdigen Person, getrieben von zweifelhaften, wenn nicht gar von unlauteren Motiven. Und für alle Folgezeit verbietet die Kirche ihren Mitarbeitern die öffentliche Zusammenarbeit mit einer solchen Person. 1992 wurden übrigens in einer Bischofskonferenz in Österreich die kirchenabhängigen Medien angewiesen, über solche Auseinandersetzungen entweder gar nicht zu berichten oder im Sinne des Betroffenen negativ. Die Kirche verweigert solchermaßen Verurteilten, wo sie kann, den theologischen Dialog. Das ist eine Folge davon, Wahrheit besitzen und regulieren zu wollen, statt die Sache Jesu als Veränderung der menschlichen Existenz zu begreifen.
Frage: Um nochmals auf die innere, nicht an Institutionen gebundene Religiosität zu kommen: Es scheint, dass gerade viele junge Menschen mit der Institution Kirche nichts mehr anfangen können, aber durchaus ein eigenes, individuelles Verständnis von Religion haben. Warum gerade junge Leute?
Drewermann: Für fast beschämend muss man es halten, dass viele Jugendliche abgeschreckt werden von den moralisierenden, fundamentalistischen Stellungnahmen der römischen Kirche, die auf die kleinlichste Weise vor allem in die Sexual-Moral hineinredet. Wie begeisternd könnte dagegen eine Kirche sein, welche die poetische Kraft der Botschaft Jesu wieder entdecken würde und die Energie aufbrächte, sich wirksam gegen die absurde Kriegsrüstung und gegen Kriegsrechtfertigungen zu stellen. Oder eine Kirche, die sich entschieden etwa für den Schutz der Tiere und den Schutz der tropischen Regenwälder einsetzt. Als eine Alternativ-Gruppierung zur Gesellschaft hätte die Kirche wirklich eine große Bedeutung. Als ein alles absegnender Bürgerverein ist sie nur langweilig.
Aus: Saarbrücker Zeitung, 30.9.2003 Quelle: http://www.sol.de/szimnetz/voelklingen/2812,493971.html
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Hasenhüttl: "Brot Christi ein Zankapfel"
Siegen-Geisweid, 23.4.2004 (basti). Keine der vier katholischen Gemeinden in Siegen war bereit, ihm einen Vortragsraum zur Verfügung zu stellen: Prof. Gotthold Hasenhüttl. Beim ökumenischen Kirchentag 2003 hatte der katholische Geistliche und Theologie-Professor aus Saarbrücken evangelische Christen zum gemeinsamen Abendmahl eingeladen - und so für einen Eklat innerhalb der römisch-katholischen Kirche gesorgt. Seitdem liegt der 60-Jährige mit seinen kirchlichen Vorgesetzten im Streit und wurde sogar von seinem Priesteramt suspendiert.
Auf Einladung der Initiative "Wir sind Kirche", Ortsgruppe Siegen, sprach der Theologe in Ermangelung einer römisch-katholischen Unterkunft in den Räumlichkeiten der evangelischen Wenschtgemeinde. Thema des Vortrags vor etwa 70 Zuhörern beider Konfessionen: "Wer ist zur Eucharistie eingeladen? Eucharistische Gastfreundschaft - Skandal oder Selbstverständlichkeit?"
Dass die Worte des 60-Jährigen ebenso deutlich sind wie seine symbolische Handlungen, war schnell klar: "Die Eucharistie (Abendmahl) wird als Ausschlussmittel missbraucht, um hierarchische Macht in der Kirche zu sichern. Das ist beschämend und eine ungeheure Selbstüberschätzung", sagte Hasenhüttl. Die Eucharistie könne vielmehr Gemeinschaft schaffen. Leider ist das Brot Christi zu einem Zankapfel geworden."
Der Theologe plädierte für die Ökumene: "Heute ist das Ende des Konfessionalismus gekommen, wenn sich die Kirchen nicht selbst auflösen wollen." Vielfalt schließe Einheit doch nicht aus, meinte er und erinnerte an die vier Evangelien. Auch die würden nicht ganz miteinander übereinstimmen. Das zentrale Argument seiner Gegner, "zuerst Kirchengemeinschaft, dann Tischgemeinschaft", zeuge von "ideologischer Intoleranz". Hasenhüttl: "Es ist doch absurd, nur den zum Essen einzuladen, der im gleichen Haus mit mir wohnt."
"Gerechtigkeit über dem Gehorsam" Auch die kirchliche Überzeugung, die Bischöfe stünden in direkter und ununterbrochener Nachfolge zu den Aposteln, kritisierte Hasenhüttl. Diese sogenannte apostolische Sukzession sei lediglich ein Mittel, das die Bischöfe erfunden hätten, um wiederum anders denkende Bischöfe aus ihren Ämtern zu vertreiben. "Eine ununterbrochenene Verbindungskette ist nicht nachweisbar." "Mein Vorbild ist Hildegard von Bingen", verriet Hasenhüttl den Zuhörern. "Sie sagte: Gerechtigkeit steht über dem Gehorsam."
Aus: Westfälische Rundschau, 23.5.2004 Quelle: http://www.westfaelische-rundschau.de
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KATHOLISCHE KIRCHE Kardinal Meisner untersagt multireligiöse Schulfeiern Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat den Religionslehrern seines Erzbistums multireligiöse Schulfeiern untersagt: Solche Feiern sollen ohne Beteiligung der katholischen Kirche stattfinden - eine Vermischung der Religionen gelte es zu vermeiden.
Siehe : http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,452948,00.html SPIEGEL ONLINE - 06. Dezember 2006, 17:15
Offener Brief an den Erzbischof von Köln Hans Zimmermann, 9. Dezember 2006
Lieber Bruder in Christus, Kardinal Meisner,
ich war nicht wenig erschrocken, als ich von der Prüfungsaufgabe gehört habe, die Sie Ihrer großen Kölner Gemeinde aufgegeben haben; ich befürchtete nämlich, die Geprüften könnten den täuschend echt vorgespielten "Ernst" Ihrer Aufforderung – nicht mehr mit Menschen zusammen zu beten, die im Gespräch mit Gott eine andere religiöse Sprache als Sie, Herr Meisner, pflegen – für bare Münze genommen haben. Wie leicht wären Sie bezichtigt worden, den Schulfrieden der katholischen Bekenntnisschulen zu stören (das gilt als Kündigungsgrund für Lehrer, deren höchst verantwortungspflichtiger Dienstherr Sie sind, und in einigen Ländern als Ausschlußgrund für Schüler, denken Sie an den Kopftuchstreit), von anderen Vermutungen und Verdächtigungen ganz zu schweigen!
Und bei Überprüfung der jeweils eigenen, individuell-intim verankerten Gebets-Adresse könnte so mancher Katholik festgestellt haben, daß er sich durch die imaginative Erstarrung seines im Innern vorgefundenen Gottes-"Bildes" einerseits und die dogmatische Hülsenhohlheit der äußerlichen doxologischen Formeln andererseits bereits selbst ausgeschlossen hat von der Gebetsgemeinschaft all derer, die sich mit dem lebendigen Gott gesprächsartig zu unterhalten trauen, wie auch von der Meditationsgemeinschaft mit all denen, die in die Unendlichkeit dessen, der alle Bilder übersteigt, einzutauchen lieben.
Ich muß zugeben, daß mir selbst die von Ihnen gestellte Aufgabe nicht leicht zu lösen war: Bete ich zur gesamten Trinität? Wer ist die als "Herr" angeredete Person der Messe? Etwa der "Vater", der doch im Neuen Testament nie als "Herr" bezeichnet oder angesprochen wird? Juden und Muslim nennen Gott ihren "Herrn", sei es in Ersatz des Gottesnamens ("JHWH"), der nur in Stille zu gewärtigen und zu heiligen, nicht aber laut auszusprechen ist und deshalb durch einen Achtungstitel verhüllt wird ("adonaj"), sei es in Anerkennung des allwissenden, allweisen Lehrers des gesamtraumzeitlichen Weltenrundes ("rabbi 'l °âlamîna"). Oder meinen wir, wenn wir in der Messe "Herr" ("kyrios") sagen, den "Sohn", der uns doch eigentlich gelehrt hat, unsere Gebete an den "Vater" zu richten? Bete ich durch den Sohn als Mittler zum allseienden Vater? Oder versenke ich mich durch den heiligen Geist in den allbewußten Vater? Oder bete ich mit dem Sohn durch den heiligen Geist zum Vater? Wen meine ich, wenn ich "Gott" sage? In der Tat gehört diese Frage in all ihrer suchenden Radikalität und Offenheit zur Gebetshaltung selbst und öffnet den inneren Sinn, öffnet die Seelenohren.
Da ich vor allem das "Vaterunser" durchdenke, durchspreche und mit allen Herz- und Hirnfasern zu durchleben suche, richte ich mich an Gott als unser aller Vater durch das Wort, das der Sohn dieses Vaters ist, der sich in mir an den Vater gerichtet ausspricht; und in diesem Wortlaut des Vaterunser wird der Sohn nicht eigens angesprochen, so wie ich ja auch nicht den Hammer in die Wand klopfe, bevor ich damit den Nagel einschlage, oder: so wie ich nicht erst meine Rede anrede, bevor ich mein Gegenüber anspreche. "In ihm leben, weben und sind wir", nämlich im Vater, und eben dieses Leben, Weben und Innesein, das wir betend mitleben dürfen, ehrfürchtig mitweben wollen und dessen wir uns er-innern, ist der Sohn.
Und nicht anders betet der shivaitische oder der vishnuitische Hindu ("geheiligt werde dein Name!"), der Jude ("es komme dein Reich!"), der sunnitische oder der schiitische Moslem ("es geschehe dein Wille!"), der zoroastrische Parse oder der Sikh ("wie im Himmel so auf Erden!"): Durch das Wort, das aus Gott hervorgeboren wird (sei es im Schöpfungskeim aller Natur oder des immer neu, immer jetzt hervorgesprochenen Adam, sei es in Inspiration und Offenbarung, oder sei es eben im Beten, wo das Hören das innere Sprechen überwiegt), versenkt sich der Weltinnenraumfahrer, der Himmelsozeantaucher, der ganz und gar sich Gott Hingebende in den Vater aller, der uns im ewigen Jetzt durch sein Wort hervorgebärt. Damit überschreiten wir alle in einer zarten Regung von Ehrfurcht die vorläufigen traditionsvermittelten Vorstellungsbilder, und in dieser Ehrfurcht vereinigen sich alle Betenden miteinander: mit dem Einen, in dem Einen, zu dem Einen.
Deshalb besteht die Lösung der von Ihnen gestellten Prüfungsaufgabe darin: Ihre Aufforderung zur Gastunfreundlichkeit, zum "Zerschneiden des Tischtuchs", zum Zerreißen des Leibes Christi, mit aller Entschiedenheit abzulehnen. Wer sich vom geistigen Mahl der ehrfürchtigen Versenkung, des Eintauchens in Gottes Selbsthingabe, des Gebets, ausschließt (denn nur sich selbst, nicht andere kann man vom allgemeinsamen Gebet ausschließen), droht abzusterben, wie die Gliedmaßen vom Antoniusfeuer, wie durch Fesseln abgeschnürte Finger. Natürlich fallen den geprüften Kölnern nicht gleich die Arme ab, denn es war offensichtlich nur so etwas wie das breite Band zur Prüfung des Blutdrucks, das da aufgepumpt wurde, und sieh da: Sie erweisen sich als gesund, sie haben sich nicht ausschließen lassen, es war nur ein hinterlistiger Scherz, der Schreck weicht der Erleichterung, erstaunt reiben sie sich die Augen und atmen auf.
Es war in der Tat ein "Hoax", eine raffinierte Prüfungsaufgabe, und ich muß sagen: Die Schulleiter, Lehrer, Pfarrer, ja die Schüler und all die miterschrockenen Mitschwestern und Mitbrüder in Christus haben diese Aufgabe hervorragend gelöst, indem sie sich der trügerischen Aufforderung widersetzten. Ich denke, Sie selbst, Herr Kardinal, atmen nun auch erleichtert auf, denn nur ganz wenige Karrieristen in Ihrer unmittelbaren Umgebung haben Ihnen nach dem Mund geredet, und nun bangen diese Schwarzröcke wahrscheinlich um ihren Job, weil sie damit natürlich reingefallen, der Länge nach hingefallen, mit Pauken und Trompeten durchgefallen sind.
Für die Zukunft würde ich Ihnen, dem Hirtenstabträger, allerdings empfehlen, Ihre Schäfchen nicht wieder auf solch eine heimtückische Art und Weise auf die Probe zu stellen, sonst produzieren Sie ja geradezu mutwillig katholische Taliban und Wahhabiten, und wer weiß, ob die wenigen Satelliten und Lautsprecher, die Ihnen da etwas von "verschiedenen Gottesbildern" nachgestammelt haben (als übersteige Gott nicht alle Bilder, die Menschen sich von ihm machen), sich noch erholen werden von dem "Nichtbestanden!", das Sie ihnen unter die Ergebenheitsbekundungen stempeln werden.
Aber Vorsicht, Bruder! Charakterprüfungen gefährden die Charaktere! War das so, als Gefährdung, Reinigung und schließliche Ausscheidung jener offiziösen Verlautbarer und schwachgewordenen Gefolgsleute, gemeint? Seien Sie nachsichtig mit diesen gutgläubigen, naiven Seelen: "Wer einem dieser Kleinen zum Fallholz (skandalon) wird, ..."
Ja, beinahe wäre ich selbst auf Ihren Hoax, auf diesen trügerischen Ordre de Mufti reingefallen! Werden alte Männer zu verrückten Kindern, wie Saul zum verzückten Propheten? Einen eigenartigen Humor haben Sie, mon Signore!
Gott zum Gruße und Ihnen zur Einsicht, Hans Zimmermann aus Köln, nun in der Jakob-Böhme-Stadt Görlitz
P.S.: Herzliche Grüße und Glückwünsche zu Ihrem weihnachtlichen Geburts- und Wiedergeburtstag, im unmittelbar-wörtlichen wie im übertragen-spirituellen Sinne!
Anhang:
Al Qur'ân, 24.Sure, Vers 35-45: "Gott ist das Licht des Himmels und der Erde".
Statt der von Ihnen, Herr Meisner, "versuchten" suizidalen Selbstabschnürung der Katholiken vom Leib Christi wäre die Interpretatio Christiana der uns heute weltweit offenbaren Offenbarungsschriften (d.h. nicht nur des Koran, sondern auch der Veden und Upanischaden) weitaus fruchtbarer. Dazu hier ein Beispiel.
Das im wesentlichen Christliche der 24.Sure liegt in der intim-abgeschatteten Vermitteltheit des Gottes=Lichtes: der kostbare Leib Jesu als Öl und glasklare Leuchte der darin umborgenen Auferstehungs-Flamme; zumindest wäre es Sache der Christen, diese Koranstelle eben auf die Weise zu interpretieren, daß darin der irdische Leib Jesu mit der geist-durchlässigen Transparenz beschrieben ist, durch die Christus, das gottidentische "Licht der Welt", sternhaft konzentriert ("weihnachtlich") hindurchleuchtet: "Licht über Licht", vgl. die Credo-Formulierung "lumen de lumine"!
Vgl. auch: Jesus als Schöpfungs-"Wort" Gottes in Sure 3, 42/47: alle, die leugnen, daß Jesus und seine Jünger per se wahre, "eingeschriebene" Muslim sind und die Christen im Wahhabiten-Stil von der Gemeinschaft aller Gläubigen (Umma) ausschließen, sollen (laut Vers 48/55) am jüngsten Tage durch Jesu Jünger selbst gerichtet werden! Al Qur'ân, 24.Sure, Vers 35-45: "Gott ist das Licht des Himmels und der Erde", Übersetzung: Friedrich Rückert (1836-1839):
24,35 Gott ist das Licht des Himmels und der Erde, Das Gleichnis seines Lichtes ist Wie eine Nisch' in welcher eine Leuchte Die Leuchte ist in einem Glas, Das Glas ist wie ein funkelnder Stern Die angezündet ist vom Segensbaume, Dem Oelbaum nicht aus Osten noch aus Westen; Das Oel fast selber leuchtet, wenns Auch nicht berührt die Flamme; Licht über Licht – Gott leitet Zu seinem Lichte wen er will: Gott aber prägt die Gleichnisse der Menschen, Und Gott ist jedes Dings bewußt.
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