Was in der Entwicklung der Christenheit
als Sehnsucht und Streben nach Laienpriestertum
immer wieder erstand - allerdings auch immer wieder verfolgt
und schließlich zum Verschwinden gebracht wurde -,
das hat hier durch Rudolf Steiner eine neue Keimlegung erfahren.
Maria Lehrs-Röschl, GA 265, S.42


Immer wieder wird aber - vor allem von Persönlichkeiten der «Christengemeinschaft» - behauptet aber nicht belegt, dass Rudolf Steiner die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen Sakramente/Ritualien (insbesondere hier Taufe, Trauung, Bestattung) der «Christengemeinschaft» «übergeben» habe. Damit soll allen anderen die Handhabung dieser Kultus-Text-Fassungen verwehrt werden.
Mir (VDL) ist keine solche eindeutige Stelle im Werk Steiners bekannt und bisher auch von der «Christengemeinschaft» nicht benannt worden.
Am 9.11.1997 schrieb ich daher die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung an, um u.a. konkret die Frage zu klären :

«Können Sie uns eine schriftlich belegte Aussage, oder Stelle im Werk Rudolf Steiners benennen, wo er explizit: a.) die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen Ritualien als nun alleinigen Besitz, spirituelles Eigentum (etc.) der «Christengemeinschaft» und b.) "laien"-priesterliches Wirken in unserer Zeit als nun unzeitgemäß und beendet (etc.) erklärt hat?»

Mit Datum vom 24.11.1997 antwortete mir Frau Ulla Trapp für die
Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung in Dornach u.a. folgend:

«Aussagen Rudolf Steiners, wie Sie sie angeben, sind uns nicht bekannt, weder zu a) noch zu b)....
Einmal ganz äußerlich betrachtet: Rudolf Steiner gab die ersten Texte für die Menschenweihehandlung im Herbst 1921 zum Abschreiben an Bock, Spörri und Klein - die Christengemeinschaft existierte ja damals noch nicht - und ließ sich seine handschriftlichen Originale zurückgeben. Diese befinden sich seit damals und bis heute im Archiv der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung. ...»



Rudolf Steiner dazu :

« Y.: Es ist die Frage aufgetaucht nach dem Verhältnis zur religiösen Bewegung.
X.: Die Rituale werden aufgefasst als Besitz der Christengemeinschaft.

Rudolf Steiner: Es ist niemals für die Rituale, etwa ausgesprochen worden, dass sie der Priesterschaft gehören.
Dann ist die Frage diese: jetzt wird der Religionsunterricht ja nicht von der Schule erteilt, sondern von der Anthroposophischen Gesellschaft wird der freie Religionsunterricht erteilt. Daneben wird evangelischer und katholischer Unterricht erteilt. Nun könnte es sein, dass daneben der Unterricht dieser Christengemeinschaft von Einzelnen in Anspruch genommen wird. Das kann man nicht verhindern. ... Aber daneben würde fortbestehen die Einrichtung, die jetzt ist.
Nicht wahr, das Verhältnis der Anthroposophischen Gesellschaft zur Christengemeinde, das wird lediglich in der Realität, - im Prinzip war es klar,- in der Realität wird es im Augenblick klar sein, wenn von Seiten der Anthroposophischen Gesellschaft zur Klarheit getrieben wird. Die anderen haben Interesse daran, sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund, Klarheit zu schaffen. Aber innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft muss Klarheit geschaffen werden. Hier herrscht das Prinzip ... die Anthroposophische Gesellschaft ist da, da lässt sich bequem sein. Man setzt sich auf die berühmten Stühle, und ist dann bequem. Es hängt nur davon ab, wie man es macht. In der Realität kann die Sache nur klar werden, wenn man es klar hält.

Y.: Sie suchen zu systematisieren und für sämtliche Sakramente die Rituale zu sammeln.

Rudolf Steiner: Die Christengemeinschaft geht uns gar nichts an. Ich fühle mich nicht gebunden.
Wenn es dazu kommt, an die Jugendfeier etwas anzuschliessen, so gebe ich es. Es ist nicht die geringste Veranlassung, nachzudenken darüber, was da wird mit der Christengemeinde. Die haben ihre Ritualien. Und diese Ritualien habe ich theoretisch erwähnt, als mögliche Ritualien. Aber nicht wahr, warum zerbrechen Sie sich die Köpfe? Zerbrechen die sich doch ihre eigenen Köpfe. ...
Meine Tätigkeit schließt, mit Ausnahme einiger Nachträge; meine Tätigkeit war eine beratende, keine konstituierende, keine einsetzende. Meine Aufgabe ist dort erledigt gewesen am letzten Tag des Aufenthaltes der geweihten Priester in Dornach. ... Ich stehe in gar keiner Beziehung zur Christengemeinde. Das ist das Prinzipielle. Die Christengemeinde sollte sich aus sich selbst konstituieren, und hat mit der Anthroposophischen Gesellschaft gar nichts Reales zu tun. Also der Standpunkt, die Sache an sich, ist so klar wie nur irgendetwas klar sein kann. Die anderen werden es nicht verwirren. Sie können es so verwirren, dass sie einige Rechte der Anthroposophischen Gesellschaft sich beilegen.
Als Herr Y. diese Interpellation gestellt hat, habe ich gesagt, ich werde die Lehrer bestellen. Es handelt sich gar nicht darum, dass ich jemanden darum frage. Wenn die Christengemeinschaft gewünscht hat ihrerseits, sie erkennt diejenigen, die in der Waldorfschule Religionslehrer sind, als Helfer an, so ist das Sache der Christengemeinde. Wenn ein Lehrer sagt: Das ist mir höchst gleichgültig, so kann er das tun. Dagegen ist die Christengemeinde verpflichtet, auch einen anzuerkennen, der sagt: Das interessiert mich gar nicht. So steht die Sache tatsächlich.
Die Sache ist so klar, wie nur irgendetwas. Die Christengemeinde ist etwas, was mit der Anthroposophischen Gesellschaft nicht das Geringste zu tun hat. Und auch nicht etwas, was mit der Anthroposophischen Gesellschaft zusammenhängt. Die Christengemeinde ist etwas für sich Bestehendes. Zur Anthroposophischen Gesellschaft steht die Christengemeinde in keinem anderen Verhältnis als der Katholizismus oder die Quäker. »

Aus der Besprechung Rudolf Steiners mit den Lehrern des Freien Religionsunterrichtes an der Freien Waldorfschule in Stuttgart, 9.12.1922, zitiert aus «Zur religiösen Erziehung. ...», Päd. Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen, 1997, S.172

Volker David Lambertz








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