CHRISTENGEMEINSCHAFT ODER "SONDERGEMEINSCHAFT"

Prüfstein Taufe
Ein konkretes Beispiel



Mit der Taufe wird der Mensch zum Christ.
Der Auftrag zu taufen ist von Jesus Christus "wörtlich" in der Bibel überliefert (Matt. 28, 18-20).

Deshalb ist dieser eine Satz der Minimalkonsens aller Kirchen
und wird überall befolgt (mit Ausnahme einiger Sekten [Neudeutsch:«Sondergemeinschaften»]), ob von Kirchen/ Religonsgemeinschaften innerhalb der apostolischen Sukzession, ob geweiht oder nicht.
Und um diesen Satz herum entwickelte sich entsprechend der spezifischen Aufgaben und Tradition eine jeweilig ausgebildete Liturgie, mal in einfachster Weise, mal pompös mit überfrachtendem Beiwerk; dennoch bleibt es immer eine "christliche Taufe" auf Grund des wortwörtlich ausgeführten Taufauftrages.

Hängt es wirklich an dieser Wortwahl?
Für die geistige Welt wohl nicht, aber für die Gemeinschaft der Christen.
Es ist somit eine soziale Frage. Wenn ich mich elitär absondere und meine Position als die eigentlich letztlich wirksame und richtige erkläre - was die anderen machen interessiert nicht -, wird das als sektiererisch angesehen, damit schließe ich mich selber aus.
Und das macht die Kirche «Die Christengemeinschaft» gegenüber der Christengemeinschaft.

Die Taufe der «Christengemeinschaft» wird seitens der restlichen christlichen Kirchen nicht anerkannt, weil sie nicht willens und fähig ist, diesen einen Satz in ihrer Taufe hinzuzunehmen.
(Als Rudolf Steiner damals diesen Text formulierte war die Ökumene, das Zusammenwirkenwollen der Christen-Gemeinschaften noch keine Frage.) Dieser Standpunkt scheint dogmatisch festzuliegen. Und so konnten die (beiden großen) Kirchen nicht anders, als die Taufe der «Christengemeinschaft» nicht anzuerkennen...
«Die Christengemeinschaft» anerkennt ihrerseits allerdings die Taufen der anderen Kirchen an, in der Regel.

Nicht aber wenn es um eine konkrete Konkurrenz (innerhalb der anthroposophischen Bewegung) geht, um die Taufe die «frei christlich» (wie von uns) gespendet wird.
So liegt uns der Fall vor, dass eine Jugendliche in der Kirche «Die Christengemeinschaft» konfirmiert werden wollte, aber die "falsche" Taufe besaß, nämlich «frei christlich» getauft war, und zwar genau mit dem selben Text den die «Christengemeinschaft» selbst verwendet (- siehe Kultus-Handbuch «Die Sakramente...» - wie ihn Rudolf Steiner ja dem «freien christlichen» Impuls von Ruhtenberg und dann auch der «Christengemeinschaft» gegeben hatte), allerdings nun zusätzlich MIT der trinitarischen, biblischen Taufformel; eine Taufe, die damit (zwar als "Not-Taufe" aber eben als christliche Taufe) von den anderen Kirchen als vollzogene und gültige, christliche Taufe anerkannt wird.
Doch diese ansonsten allgemein anerkannte Taufe erkannte die «Christengemeinschaft» nicht an und verlangte, dass die Jugendliche sich nochmals mit der - allgemein nicht anerkannten - Taufe der «Christengemeinschaft» taufen lassen müsse.
Mit welchem Argument?: Sie müsse damit «in den Gemeindestrom (der Kirche 'Die Christengemeinschaft') eingegliedert werden». Mitschülerinnen dieser Jugendlichen, die evangelisch getauft waren, hatten dies aber nicht nötig. Gliedert die evangelische Taufe in die Gemeinde der «Christengemeinschaft» ein? Auch die evangelische Taufe wird von "Nichtgeweihten" vorgenommen, wie die «freie christliche» Taufe; die fehlende "Weihe" des Taufenden kann also auch nicht das Problem sein. Die «freie christliche» Taufe steht nicht innerhalb einer kirchlichen Institution bzw. Konfession!: Umso besser, dann könnte doch dieser ungebundene, überkonfessionell getaufte Christ noch unproblematischer «in den Gemeindestrom der 'Christengemeinschaft' eingegliedert werden», während der evangelisch getaufte Christ doch sogar juristisch Mitglied der evangelischen Kirche ist und bleibt.

Das Problem ist ein anderes: der «freie christliche» Impuls benutzt die gleichen Texte wie auch die «Christengemeinschaft».
Doch diese erhebt hierauf Monopolansprüche und bewertet ein «freies christliches» Handeln mit "ihren" Texten als illegal.

Dabei war es historisch genau umgekehrt: zuerst erhielt Ruhtenberg zur «freien christlichen», laienpriesterlichen Handhabung einen Tauftext von Rudolf Steiner, den Steiner, als «Die Christengemeinschaft» begründet wurde, auch dieser gab, und zwar ohne jemals den «freien christlichen» Impuls als deswegen beendet erklärt zu haben. Das wäre auch unmöglich, da der «freie christliche» Impuls kultushistorisch der weiter gehendere ist, während die «Christengemeinschaft» mit ihrem "Zwei-Stände-System" und der "indirekten Wandlung" hierin noch mit dem "katholischen Prinzip" wirkt.
Warum also die Abwertung und Ausgrenzung?
Hier liegt die eigentliche Problematik für die «Christengemeinschaft»: Wenn man mit dem gleichen Text in einem kultushistorisch fortgeschritteneren Strom stehen kann, warum sich dann einem "älteren" Prinzip anschließen...
Dazu kommt, dass die «Christengemeinschaft» die Hauptmenge ihrer Mitglieder aus der anthroposophischen Bewegung (Waldorfscene) und -Gesellschaft bezieht. Das war von Rudolf Steiner nicht als Regel vorgesehen. Wenn diese nun einen «freien christlichen» Weg als «spezifisch anthroposophischen» wahrnehmen, könnte sich auch das auf die bereits mangelhafte Mitgliederquantität (und damit auch auf die finanzielle Situation [die Priester sind hauptamtlich]) negativ auswirken...
Würde die «Christengemeinschaft» nun diese «freie christliche» Taufe der angeführten Jugendlichen als "gültig" erklären, müsste ein sakramentales «freies christliches» Wirken mit diesen Konsequenzen anerkannt werden. Das will und kann man nicht.
Dieses Vorgehen hat also keine spirituelle Begründung, sondern ist eine taktische Vorgehensweise... Das ist aber der Taufe unwürdig, das deklassiert den so Handelnden selbst.

So wird am Beispiel der Taufe (mit der «Weihe» gibt es [insbesondere gegenüber der katholischen Kirche] ähnliche Verrenkungen) ein elitäres und unwahrhaftiges Wirken der «Christengemeinschaft» sichtbar:
Nach außen nicht fähig und willens sich dem Minimalkonsens der Christenheit anzuschließen, innerhalb der anthroposophischen Bewegung ein Monopolanspruch.
Ab- und Ausgrenzung statt Brüderlichkeit.
Ist das die Geste der «Zukunfts-Kirche»?
Werde ich damit nicht innerhalb der Christen-Gemeinschaft zur "Sondergemeinschaft" (so sehr ich auch den Namen «Die Christengemeinschaft» führe) ?



( Der Vorgang und alle Beteiligten und deren Argumente liegen uns vor/bzw. sind uns bekannt. )

Volker David Lambertz








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