PERSONENREGISTER



Rudolf Steiner


hier zu erwähnen scheint überflüssig, blickt man aber "in die Welt" hat er nicht den ihm gebührenden Platz erhalten; das geschah manch wahrem Großen. Bescheidenheit ist hier ein Maßstab, doch schon die Quantität seines Werkes spricht für sich.
Weil diese Seite auch Außenstehende zur Kenntnis nehmen, seien hier - nochmals - einige Stationen und vor allem Literaturhinweise zu Rudolf Steiner gegeben:

27.2.1861 geboren in Kraljevec (damals Ungarn)
1879 Studium an der Technischen Hochschule Wien
1890 Ständiger Mitarbeiter am Goethe-und-Schiller-Archiv in Weimar
1891 Promotion als Doktor der Philosophie in Rostock
1894 «Die Philosophie der Freiheit» erscheint
Ein Schaffenswerk - in der Gesamtausgabe von über 400 Bänden - beginnt
und die Schaffung einer alle Lebensbereiche vertiefende Anthropo-Sophie
1902 Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesell.
1913 Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft
ab 1913 Bau des ersten Goetheanums in Dornach (Basel/Schweiz)1923/24 Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wird neu
begründet, mit der esoterischen Freien Hochschule für Geisteswissenschaft30.3.1925 stirbt Rudolf Steiner in Dornach.

«Mein Lebensgang», Rudolf Steiner
«Meine Lebensbegegnung mit Rudolf Steiner», Friedrich Rittelmeyer
«Rudolf Steiner», Christoph Lindenberg, rororo Monographie
«Rudolf Steiner - Eine Biographie», Christoph Lindenberg
«Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien», Sergej Prokofieff
«Rudolf Steiners Aufgabe unter den großen Eingeweihten», Heinz Eckhoff
«Die Entstehung der anthroposophischen Gesellschaft», Frank Teichmann
«Die soziale Welt als Mysterienstätte», Harrie Salman




Wilhelm Ruhtenberg


geb. 17.1.1888 in Riga, studierte von 1907 bis 1913 Geschichte, Philosophie und dann Theologie. Die geistlose Textkritik der Professoren enttäuschte ihn sehr. Nach dem Studium unterrichtete er alte Sprachen und wurde dann doch noch als evangelischer Pastor tätig. Er schied aber 1917 aus seinem Amt wieder aus, weil ihm wesentliche Fragen unbeantwortet blieben. Mit 30 Jahren kamen ihm Bücher von Rudolf Steiner in die Hand, hier fand er die Antworten. Als "Pastor" kam er dann in russische Kriegsgefangenschaft, konnte dort, dem Hungertod nahe, fliehen und in Stuttgart mit Frau Nora und Kindern wieder zusammentreffen. Hier schloss er sich der Anthroposophischen Gesellschaft an. Ab 1920 unterrichtete er als Klassen- und Religionslehrer des «freien christlichen» Religionsunterrichtes an der ersten FWS. Eine kultushistorisch bedeutsame Tat des Durchbruchs zu einem spirituell tiefst greifenden, freien Christ-Sein war die entscheidende Frage Ruhtenbergs an Rudolf Steiner. Nachdem er immer wieder von anthroposophischen Freunden um TAUFE und TRAUUNG gebeten wurde, wandte er sich an ihn und erhielt diese neuen, allgemein-priesterlichen Kultustexte 1921 . Später nahm er zwar auch an den "Priesterkursen" zur Begründung der «Christengemeinschaft» teil, konvertierte und ließ sich am 16.9.1922 zu deren Priester weihen. Doch Rudolf Steiner dazu: «Der Pastor Ruhtenberg muss, wenn er hier (als freier christlicher Handelnder) ist, vollständig vergessen, dass er Priester ist.» Mit 42 Jahren, 1930, verliess er Stuttgart und war u.a. als Lehrer in der FWS Hannover tätig. Von 1933 bis 1941 entschloss er sich dann das Priesteramt in der CG auszuüben. Nach dem Krieg wirkte er bis zu seinem Tod am 1.9.1954 als Privatlehrer und in heilpädagogischen Heimen an verschiedenen Orten und zuletzt in Bensberg bei Köln. Unerwartet starb er in der Nacht vom 31.8. zum 1.9.1954.

Siehe auch: «Wilhelm Ruhtenberg», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.209 f, sowie GA 265 (1987), S.36.




Hugo Schuster

geb. 7.2.1876 in St. Gallen, lernte 1903/04 die Theosophie kennen, wurde am 9.9.1905 Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und war initiativ und intensiv als persönlicher Schüler Rudolf Steiners am Aufbau der anthroposophischen Arbeit in der Schweiz beteiligt, insbesondere in St.Gallen und dann in Basel. Durch die Christus-Darstellungen Rudolf Steiners fühlte er sich zum Priesterberuf gedrängt und begann 1913 das Theologiestudium und empfing am 23.7.1918 die Priesterweihe der christ-(«alt»-)katholischen Kirche in der Schweiz (dort Pfarrer 1919-22 in CH-Magden/Aargau). Aufgrund der Nachfragen von Anthroposophen wandte er sich an Rudolf Steiner und erhielt 1918/19 Aussegnung und Beerdigung des STERBERITUALS und beerdigte damit eine Anzahl von Anthroposophen (der erste war Robert Hahn). Schuster nahm auch an den Begründungskursen für die neue Kirche «Die Christengemeinschaft» teil, wurde auch aufgefordert dort Priester zu werden, lehnte aber ab. Er ahnte als «christ-katholischer» Priester, einer Kirche die sich dem Zentralismus, dem Dogmatismus und Konservatismus der «römisch-katholischen» Kirche entrungen hatte, die Gefahren der aufkommenden, problematisch "katholischen" Entwicklung der «Christengemeinschaft» vorher. Schusters Geist suchte die allgemeine, reform-engagierte, zeitgemäße Kirche, die «Christengemeinschaft» war nicht sein - und auf diesem - Weg. Umso mehr brach es ihm das Herz, dass er von seiner Gemeinde - nach schwerer Krankheit - als christkatholischer Pfarrer nicht mehr wieder gewählt wurde. Kurz darauf starb er am 4.1.1925 in Davos.

Siehe auch GA 342 (1993), S.249, Fußnote 105, sowie GA 265, S.491
und seitens der CG (M.Debus) betrachtet:«Anthroposophie im 20.Jhdt.», S.739-742.


P.S.: Die christ-katholische Priester-Weihe und damit die Berechtigung Christ-Katholiken christ-katholische Sakramente zu spenden und die damit verbundene apostolische Sukzession Schusters und erst recht das aufgegebene Pastorenamt Ruhtenbergs (deren «Privatsache») spielten für den Erhalt und die Benutzung der "laien"-priesterlichen, freien christlichen Sakramente keine Rolle.
Das Argument der CG, dass Ruhtenberg und Schuster diese Rituale nur erhielten «weil sie geweiht waren», ist falsch: Ruhtenberg besaß gar keine «Weihe» (in der evangelischen Kirche gibt es das Sakrament der Weihe nicht!) und Schuster benötigte für die Aussegnung und Bestattung keine «Weihe» ( sogar in der röm.-katholischen Kirche werden diese nach Bedarf von "Laien" [Pastoralassistenten] vollzogen), da lediglich die «Letzte Ölung» sakramentaler Akt ist.
Dass dieses Argument unlauter ist, zeigt die Praxis der CG, die die katholische Weihe (wie sie Schuster besaß) als Berechtigungsgrundlage für diese ("ihre") Handlungen nicht anerkennt: sie weiht katholisch geweihte Priester noch einmal... Auch für Steiner war die "alte" kirchliche Weihe kein Anknüpfungspunkt mehr, erst recht nicht für einen dezidiert "laien"-piesterlich proklamierten Weg.

Beide bekamen die «freien christlichen» Sakramente "als Anthroposophen für Anthroposophen" . SEIN Ja ist dabei Berufung, Berechtigung, Weihe, und das ist ein intimes, individuelles Geschehen, das nicht dogmatisch definiert werden kann.

Man fragte gerade sie, weil man von ihnen als Theologen/Religionslehrer eine kompetente Beschäftigung mit der Thematik und praktische Erfahrung, Möglichkeiten und Hilfe erwarten konnte. Relevant war ihre spirituelle Eignung, ihr anthroposophisches Streben und ihre Bereitschaft zu handeln, und nicht die Weihe bzw. Zertifizierung durch irgendeine Kirche. Steiner ging es hier um eine Fortführung des Kultus, vom amts-priesterlichen, konfessionellen zum allgemein("laien")-priesterlichen, freiheitlich brüderlichen Kultus-Handeln. Das ist der «spezifisch anthroposophische» Weg: überkonfessionell (ja interreligiös) aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus», in der direkten Beziehung zur geistigen Welt, zu Christus ... Und so sind die sakramental Handelnden innerhalb des «freien christlichen» Impulses (in den Freien Waldorfschulen, den Heimen und wo sonst) alle zwar Anthroposophen, aber nicht mehr kirchlich, institutionell "Geweihte". Derjenige, der sich in die Einweihungs-Wissenschaft Anthroposophie vertieft, kann und darf hier zukunftsgemäße Wege und Berechtigungen finden.
Siehe hierzu: Nur mit Weihe?




Johannes Geyer

geb. am 26.1.1882 in Hamburg, wurde als Sohn eines Berliner Kaufmanns streng religiös erzogen. Schon sein Großvater war Mitbegründer der Altapostolischen Kirche. So erwählte Johannes Geyer schon früh das Theologiestudium. Mit 22 Jahren hatte er seine erst Begegnung mit Rudolf Steiner, der ihn dann auch in die «Esoterische Schule» aufnahm. Dennoch übernahm er 1912 - durch den Beistand Rudolf Steiners ermutigt - das Amt des Pastors der evangelischen Kirche am Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf, das er sieben Jahre ausübte. Als er nach dem 1.Weltkrieg von Rudolf Steiner zum Lehrerkreis der ersten Waldorfschule berufen wurde, folgte er ohne Zögern. Zwei Klassenzüge hat er durch die Grundschuljahre geführt. Im August 1920 erhielt Johannes Geyer von Rudolf Steiner das Sakrament der Taufe für die allgemein-priesterliche Handhabung als Anthroposoph, die allerdings eine freimaurerische Perspektive einnahm. Denn auch zu Freimaurerkreisen fand er - mit Zustimmung und im Auftrag Rudolf Steiners - Zugang und verwies dort immer wieder und erfolgreich in zahlreichen Vorträgen auf die Erkenntnismöglichkeiten der Anthroposophie. Seinem Geist war eine spezielle religiöse Ausrichtung zu eng, sein Herz aber stand jedem offen; der Christus selbst war sein Führer. So wurde er während der Verbotszeit wieder im evangelischen Kirchendienst tätig. Murr bei Marbach (Neckar) und Schwäbisch-Hall-Steinbach waren bis 1945 seine Hauptwirkensstätten. Seine letzten Jahre verbrachte er in Stuttgart. Am 21.7. 1964 ging er in seine geistige Heimat zurück.

Siehe auch: «Johannes Geyer», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.16-18.




Maria Röschl-Lehr

geb. am 8.12.1890 in Lancut, in Galizien (Österreich-Ungarn) war sie zeit ihres Lebens jungen Menschen nah verbunden. Sie war ein künstlerisch begabter Mensch, entschloss sich dann aber zum Studium der Germanistik, Philologie, Kunstgeschichte und der Philosophie an der Universität Wien, absolvierte die Staatsprüfung für das Lehramt und promovierte 1914 über den Traum bei Goethe und war dann als Lehrerin an einem Wiener Mädchengymnasium tätig. Durch Karl Schubert wurde sie 1918 in die Anthroposophische Gesellschaft eingeführt und dort 1920 Mitglied. Durch seine Vermittlung lernte sie die Freie Waldorfschule kennen und wurde dort 1922 als Lehrerin berufen. Mit Herbert Hahn und Karl Schubert erhielt sie als Religionslehrerin 1923 von Rudolf Steiner die freie christliche «Opferfeier». Am 8.6.1924 berief Rudolf Steiner sie als Leiterin der Sektion für das Geistesstreben der Jugend der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft nach Dornach, bis sie 1930 aufgrund der tragischen Entwicklungen in der AG ihr Amt zurückgab und wieder Waldorflehrerin in Stuttgart und Leiterin des dortigen Lehrerseminars wurde. Nach der Machtergreifung der Nazis emigrierte sie nach Clent in England, zwischendurch nach Costa Rica und begann 1940 mit Ernst Lehrs eine anthroposophische Arbeit mit Karl König in Aberdeen. 1947 bis 1952 war sie als Dozentin für die Lehrerausbildung in Michael Hall, Forest Row und im Hawkwood College in Gloucester tätig. 1952 kehrte sie mit Ernst Lehrs nach Deutschland zurück und war bis zu ihrem Tode 1969 Dozentin am heilpädagogischen Seminar in Eckwälden. Die freie christliche Gesinnung war dieser «Ketzerin für Christus» Quelle für ihre lebenslange Arbeit mit und für junge Menschen.
Siehe auch: «Maria Röschl-Lehr», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.16-18
und «Zur religiösen Erziehung», II.Kap. «Zur Opferfeier», S.56.




René Maikowski

geb. am 11.3.1900 in Berlin, setzte sich schon in jungen Jahren aus sozialpolitischem Interesse für die anthroposophische Bewegung ein, war seit 1923 Sekretär des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit, gehörte zu den Mitinitianten des Pädagogischen Jugendkurses und war Komiteemitglied der Freien Anthroposophischen Gesellschaft. Nach dem Abitur wurde er noch als Soldat eingezogen und erlebte den Spartakusaufstand, der in ihm die Sehnsucht nach einer sinnerfüllten und menschenwürdigen Lebensgestaltung aufrief. Auf dieser Suche wurde er von Rudolf Steiner auch beauftragt am Aufbau der Waldorfschule in Essen mitzuwirken. Er wurde Lehrer, wechselte zur Waldorfschulinitiative nach Lissabon und dann nach Hannover. 1934 versuchte er als Leiter des «Bundes der Waldorfschulen» deren drohendes Verbot zu verhindern. Nach dem Krieg unterrichtete er bis 1960 weiter in Hannover. Wie Schüler berichteten muss sein Unterricht etwas Mitreißendes und Begeisterndes gehabt haben, man nannte ihn «die Flamme». Den "Ruhestand" verbrachte er als Autor für die Zeitschrift «Die Kommenden» und mit vielen Vorträgen und Seminaren in Europa, Russland und Israel. Sein religiöser Weg war für den freien christlichen Impuls entflammt, dem er als Waldorflehrer verbunden war, doch unerlöst blieb die Antwort Rudolf Steiners an ihn, die «Opferfeier» in Inhalt und Form fortzusetzen um einen spezifischen anthroposophischen Kultus zu erbilden, ein Auftrag der heute noch wartet... Hochbetagt starb er fast 92-jährig in Oyten bei Bremen.

Siehe auch: «Maikowski, René» in «Anthroposophie im 20.Jahrhundert - Ein Kulturimpuls in biographischen Porträts», Verlag am Goetheanum, 2003.




Herbert Hahn

geb. am 5.5.1890 in Pernau (damals Russland), wuchs somit in verschiedene Sprachen herein, studierte Sprachen und wurde im 1.Weltkrieg als Dolmetscher eingesetzt. Schon 1909 hörte er einen Vortrag von Rudolf Steiner, der ihn als Mensch beeindruckte. Er gehörte 1919 dem Gründungskollegium der ersten Waldorfschule in Stuttgart an, zunächst als Französischlehrer, dann auch als Klassenlehrer. Von kultushistorischer Bedeutung ist, dass er von Rudolf Steiner mit dem Aufbau und dem Halten des überkonfessionellen, freien christlichen Religionsunterrichtes betraut wurde. Am 1.2.1920 fiel ihm dann auch die Aufgabe zu, die erste allgemein-("laien")priesterliche, «freie christliche» Sonntagshandlung zu vollziehen. Neben der Schule war Hahn von Anfang an auch verantwortlich in der Anthroposophischen Gesellschaft tätig. Er verstarb am 20.6.1970 in Stuttgart.

Siehe auch: «Hahn, Herbert» in «Anthroposophie im 20.Jahrhundert», Verlag am Goetheanum
und «Herbert Hahn», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule».




Karl König

geb. am 25.9.1902 in Wien, als einziges Kind einer jüdischen Familie. Dass König ein genialer Geist war, zeigte sich bereits in seiner Kindheit und Jugend. Er entwuchs schnell dem kleinbürgerlichen, jüdischen-wienerischen Familienleben durch Fragen und Probleme, die seine Eltern nicht beantworten konnten. Der Gymnasiast war lästig und in Opposition, weil ihn der Stoff nicht befriedigen konnte. Das anschliessende medizinische Studium enttäuschte ihn, weil es die Kernfragen ausklammerte, so sehr, dass er erwog, es abzubrechen und Sozialwissenschaft zu studieren. Damit trat sein zweiter Impuls hervor, der ihn schon als Kind dazu brachte, nur ärmliche Kleider anzuziehen, weil er es nicht besser haben wollte als Arbeiterkinder. Noch bevor König, knapp neunzehnjährig, dem Namen «Rudolf Steiner» und «Anthroposophie» begegnete, findet er aus eigener Selbstbeobachtung des Denkens das Grundprinzip der «Philosophie der Freiheit». Nach dem Medizinstudium und Dissertation bricht er die Karriere, in der ein Professorat in der Embryologie winkte, ab, um dem Ruf Ita Wegmans nach Arlesheim zu folgen. Doch bald sucht er sich ein eigenes Wirkensfeld. Es wird das heilpädagogische Institut Pilgramshain in Schlesien, wo er auch heiraten wird und durch seine Frau die Verbindung zur Herrnhuter Brüdergemeinde findet. Deren großer Leiter Zinzendorf wird ihm später aus der geistigen Welt zentrale Anweisungen für Camphill geben. 1936 muss er vor den Nazis nach Wien und dort 1938 mit weiteren jüdischen Freunden nach Schottland fliehen. Hier entsteht nun die heilpädagogische Gemeinschaft «Camphill». Wir begegnen hier einem christozentrischen Impuls, in dem viele Neuschöpfungen auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiet sich entwickeln können. Doch nicht der Erkenntnisweg, sondern die Übung des christlich-sozialen und meditativen, religiösen Weges standen im Mittelpunkt. Unter den Leitsternen «lernen» (Comenius) + «beten» (Zinzendorf)
+ «arbeiten» (Owen) baute der Kreis um Karl König eine kommunitäre, anthroposophische Gemeinschaft auf. In einer Zeit der Dunkelheit fand dieses Vorbild auch in der anthroposophischen Gesellschaft nicht nur Freunde, in der die soziale Tat, die liebende Mitte des Christus-Wirkens nie stark aufgegriffen wurde und gerade damals in tiefer Verdunkelung lag. Karl König musste ganz autonome Wege gehen. Auch das Verhältnis zur Kirche «Die Christengemeinschaft» musste gelöst werden und Karl König griff den «freien christlichen» Strom mit der «Opferfeier» auf. Konnte solch einem freien Geist nur ein freier Impuls Gefäß sein? «Dass (in der weiteren Entwicklung Camphills - bis heute -VDL) die geschichtliche Entwicklung andere Wege gegangen ist (der heilpädagogische Impuls überlagerte immer mehr den sozial-religiösen, es kam nicht zu einem neuen, und zwar "anthroposophisch" gegründeten «Orden der Güte» -VDL ), ... ändert nichts an der Bedeutung dieses frühen, von König initiierten Schrittes, insofern in ihm Keime zukünftiger sozialer Kulturgestaltung für einen historischen Augenblick - vielleicht zu früh - zutage getreten sind.» (Müller-Wiedemann, in «Karl König»)-
Er stand mitten in der Vortragsreihe «Das Tor des Mondes und das Tor der Sonne», als am 27.3.1966 in Überlingen sein großes Herz den erschöpfenden Anforderungen erlag, sein Geist aber schritt weiter: durch das Tor der Sonne. In seinen «Leitsternen» glänzt die Sonne freier christlicher, anthroposophisch-kommunitärer Gemeinschaftsideale immer weiter...

Siehe «Karl König», Hans Müller-Wiedemann, Verlag Freies Geistesleben,
siehe Karl König zu den Leitsternen: «Gemeinschaft bauen», Arbeitsmaterial Zur Kultus-Frage, Teil 6







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