Die "freie christliche" Weihe :


« Begegne ich ihm (dem anderen) so, dass ich bereit bin, mein Bewusstsein (zeitweilig) für ihn zu opfern, dass seine Entfaltung mir also wichtiger ist als die meine, vollziehe ich - indem ich für ihn ersterbe - in gewissem Sinne eine Nachfolge Christi. Dann nah ich ihm in Seinem Namen.
Dann werde ich im gleichen Augenblick von Christus selber zum Priester geweiht:
Seine Gegenwart ist Weihe - in diesem Augenblick und für diesen Augenblick.
Im Gegensatz zum Amtspriester, der für sein ganzes Leben geweiht wird (und damit auch dem gesellschaftlichen Kräftespiel entzogen sein soll), gilt die Weihe des sozialen Priesters (in der Regel) nur für jene Zeitspanne, in der er «agapisch» einem Mitmenschen begegnet. Jede neue Begegnung wird ihn wieder vor die Probe stellen: Wie bist du mit Ihm zusammen?
Es ist ein inneres, ein mystisches Erlebnis dieses Menschen. Kein Kreis von Priestern umringt ihn, kein Recht auf die Weihe kann erworben werden, keine gelungene sakrale Handlung berechtigt zu einer folgenden, wie sehr man es sich auch zum Beruf machen kann, jedem Menschen in Seinem Namen zu begegnen. Und nur das, was sich bei der Begegnung mit dem andern ereignet, gibt Antwort auf die Frage, ob hier ein "Priester" zelebriert hat. Es ist auch sonst ein Geschehen in denkbar größter Einsamkeit. Der andere, die anderen sind ja nur die Auslöser.
Die soziale Priesterweihe ist ein Sakrament, das, im übertragenem Sinne,
der Christus unter vier Augen vollzieht.
Nicht einmal der andere, der Mensch in Not, braucht zu merken, dass an seinem Gegenüber die Priesterweihe vollzogen wurde; es sei denn, dass er die helfende Kraft des Sakramentes nicht nur erfährt, sondern auch wahrnimmt. »

Dieter Brüll, «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus», S.138-139




Dennoch: Es wäre wirklichkeitsfern und dogmatisch
das Wirken der Geistigen Welt, des Heiligen Geistes, der Christus-Begegnung,
das Schicksalsweben ausnahmslos nur so zu definieren.
Alles ist möglich!
Also auch ein lebenslanges Ja von Seiner Seite!
Das Merkmal einer "Christus-Weihe", der freien christlichen Weihe
ist jedoch dieses, dass die "Weihe" nicht von Menschen oder einer Institution
"verliehen" wird, sondern individuell und intimst durch IHN
(wie immer ER auch erscheinen mag) ...


Alle Christen
sein wahrhaftig geistlichen Stands,
und es ist unter ihnen kein Unterschied,
denn des Amts halben allein. ...
Was aus der Tauf krochen ist,
das mag sich rühmen, das es schon
Priester, Bischof und Papst
geweihet sei.

Martin Luther






Das Amt in der Kirche
Das deutsche Wort «Amt» bedeutet nach Übersetzung aus dem griechischen «diakonia» und dem lateinische «ministerium» den «Dienst». Nach unserem Sprachempfinden wird Amt jedoch eher als Macht und der Amtsinhaber als eine Art Machthaber verstanden. Da es bereits zu Anfang der Christenheit den Rangstreit der Jünger gab, folgte die Mahnung Jesu «Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.» 1) Seitdem wird theologisch von der Vollmacht in der Kirche gesprochen, welche ein Amtsträger im Dienste Christi übt, und höchste Amtsträger nennen sich «servus servorum Dei».
Obwohl für alle Kirchen die Begründung der kirchlichen Lehre und des christlichen Lebens im historischen Ursprung wesentlich ist gibt es bis heute keine Einigung über das Amtsverständnis. Da aus dem neuen Testament kein einheitliches Amtsverständnis überliefert ist, ist die konkrete Ausgestaltung der kirchlichen Dienste inklusive des ordinierten Amtes nach Auffassung der evangelischen Kirchen nicht geregelt. Im Gegensatz dazu sieht die römisch-katholische Kirche die Struktur der Kirche als unter der Führung des heiligen Geistes entstanden und somit für alle Zeiten als gottgewollt an.

Das Ämterverständnis der evangelisch-lutherischen Kirche
Das entscheidende protestantische Stichwort, mit dem die Reformation die kirchliche Hierarchie des Spätmittelalters durchbrochen hat, war das «Allgemeine Priestertum». Die Ordnungen und Ämter in der Kirche sind eine Frage der Organisation, weil nicht alle alles zugleich tun können und nicht jeder und jede alles kann; eine geistliche Hierarchie im eigentlichen Sinne gibt es demgegenüber nicht. Das heißt, dass unbedingtes Gottvertrauen sich allein Gott verdankt, schließt aus, dass an dieser entscheidenden Stelle andere (institutionelle, hierarchische, lehramtliche) Vermittlungsinstanzen zwischen Gott und Menschen eintreten als der Glaube. Kirchliches Handeln hat in dieser Hinsicht allein die Hilfsfunktionen der äußeren Rahmenbedingungen. Die Wahrheitsinstanz liegt allein im Glaubensakt bzw. im Gewissen, d.h. bei Gott selbst.
Die faktische Notwendigkeit von Ämtern in der Kirche kann deshalb nicht aus einem Weihesakrament hergeleitet werden. Das «allgemeine Priestertum» bedeutet konsequent die mögliche Qualifikation aller Christinnen und Christen für alle Ämter und das gilt selbstverständlich auch für die Ordination. Eine Übertragung von Befugnissen und Pflichten ist nur eine praktische Frage der Gemeinde- und Kirchenorganisation und ihrer institutionellen Strukturen. 2) Hieraus nun abzuleiten, dass das kirchliche Amt in der evangelischen Kirche aufgrund des «allgemeinen Priestertums der Gläubigen» keine Rolle spiele ist dennoch falsch. Richtig ist vielmehr, dass am Amt der Kirche grundsätzlich alle Christen teilhaben und das es keinen geistlichen Stand gibt, der sich dem Wesen nach von den übrigen Christen unterscheidet.


1 Markus 9,35.
2 Deuser, Herrmann – Einführung in die systematische Theologie












N U R . M I T . W E I H E ?



Notizen zur Priester-Weihe

Volker David Lambertz


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aus «Freie Sakramente heute?», Förderkreis Forum Kultus

INHALT:
= hier klicken zu den Absätzen :
-> ZUNÄCHST: APOSTOLISCHE SUKZESSION ?
-> Christus ist der Priester
-> EINE WEIHE - ZWEI PRINZIPEN
-> 1. Allgemein-"laien"-christlich, direkt
-> 2. kirchlich, amtspriesterlich, indirekt
-> BEDÜRFNISSE - STANDORTE
-> MEINE WEIHE, DEINE WEIHE, KEINE WEIHE
-> WARUM MONOPOL ?
-> EVOLUTION DER WEIHE
-> ZUR STRUKTUR DER WEIHE
-> AUFGERUFEN ?
-> ANMERKUNGEN


( Die Anmerkungen sind in Klammern gesetzt.
-> hier klicken zu den Fußnoten und ANMERKUNGEN : .
-> wünschen Sie diesen Beitrag - aufgrund der Länge -
lieber als gedruckte Ausgabe? )



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GOTT RUFT JEDEN,
ABER JEDEN MIT ANDERER STIMME.
Yves Congar




Immer wieder hört man :
«Sakramentales Handeln ist nur durch kirchlich geweihte Priester legitim und wirksam.»
Nicht nur seitens der katholischen und orthodoxen Kirchen, auch von der Kirche «Die Christengemeinschaft» wird dieses Axiom verfochten.
Gerade dieses Sakrament der Weihe wird jeweils aus der ganz eigenen, subjektiven Glaubensposition diagnostiziert und eingeordnet und ist damit Spielball der Dogmatik. Das Bestreben um System- und Machterhalt erschweren eine unparteiische Erarbeitung.
In der Bibel findet man keine entsprechende Anordnung Jesu Christi oder der Urkirche.
Die Priester-Weihe war eine Einrichtung der unter staatlicher Obhut stehenden Kirche ab der Konstantinischen Wende.
Und heute, und zukünftig ?
Brauchen wir als "freie" Christen, aber vor allem auch als Anthroposophen, immer- und dennoch die/eine spezielle, kirchlich sanktionierte "Priester"-Weihe (und zwar diejenige der Kirche «Die Christengemeinschaft» und dazu deren Kultus), um SEIN «Gehet hin und taufet und lehret...» wahrzunehmen ?

Vielleicht kann auch die hierzu versuchte Skizze keine ausreichende Antwort geben, aber vielleicht doch anregen, weiter nach Antworten zu suchen.
Dabei geht es auch hier wiederum nicht um destruktive Kritik an der Kirche «Die Christengemeinschaft»!
Probleme mit dieser ergeben sich aufgrund deren Monopolanspruches auf anthroposophisch sakramentales Handeln.

Also, fragen wir nach ... :




ZUNÄCHST: APOSTOLISCHE SUKZESSION ?

Die «Priester-Weihe» war bisher immer und untrennbar an die apostolische Sukzession gebunden. Diese ist für die traditionelle (katholische und orthodoxe) Kirche auch heute noch unbedingtes Merkmal ihrer Rechtmäßigkeit und Wirksamkeit.
Hat diese Sukzession überhaupt und speziell für uns einen Sinn, bzw. welchen könnte sie haben ?
«Das Resümee der neueren theologischen Forschung nun besagt, dass der Begriff der so genannten 'apostolischen Sukzession' im Sinne einer bischöflichen Handauflegungskette bis hin zu den Aposteln ein unzutreffender ist, insofern er eine historische Vorstellung vermittelt, der keine historische Realität im Sinne der Vorstellung entspricht.
Der monarchische Episkopat wurde vielmehr erst in der dritten Generation durch den Autor der Pastoralbriefe, entgegen einem anderen Ist-Zustand eingeführt.
Es war "der Versuch, in einer noch nach verschiedenen Richtungen hin offenen Entwicklung in den christlichen Gemeinden ein Konzept durchzusetzen" (L.Oberlinner), dem eine patriarchalisch-monarchische Konzeption (und Anpassung an die gesellschaftliche Umwelt) zugrundelag.
Zwischen der apostolischen Zeit und der dritten christlichen Generation (ca. um 100 n. Chr.) gibt es also eine Lücke, eine Zeit, in der es die Bischöfe im Sinne des späteren Verständnisses nicht gab, also auch keine 'apostoplische Sukzession' in diesem Sinne. Der Begriff 'Episkopos' wird zwar verwendet, hatte aber noch nicht die Bedeutung, die ihm durch den in den Pastoralbriefen erfolgten und bezeugten Eingriff in die nach verschiedenen Seiten hin noch offene Entwicklung zugewiesen wird.
Aus diesem Eingriff, der eine Neuerung darstellt, hat sich die 'bischöfliche Sukzession' der monarchischen Bischöfe entwickelt.
Wenn nun - was niemand bestreitet - historisch und theologisch die Kirche auch vorher eine gültige war, dann ergibt sich zwingend die Erkenntnis, dass diese Form der Amtsweitergabe nicht die einzige Möglichkeit der Ämterbestellung in der Kirche sein kann bzw. ist. Noch weniger kann man sie als die alleingültige Form ansehen, wenn bedacht wird, dass sie als eine solche Form nicht bis hin auf die Apostel zurückgeführt werden kann.» (Quadt 1))
«Die Vollmacht des Amtes war nicht mehr geistgewirkte sakramentale repraesentatio, sondern dem einzelnen Amtsträger verliehene und ihm eigene postestas, welche im Rahmen des Systems der absoluten, das heißt vom Dienst an einer konkreten Ortskirche losgelösten Ordination nicht mehr notwendig als auf die communio bezogen gedacht wurde. Der ordo wurde damit zum isolierten sakramentalen Weiheritus, zum Sakrament der Priesterweihe; das Bischofsamt ... wurde meist nicht mehr sakramental, sondern ... als ein Mehr an postestas (iurisdictio) und dignitas innerhalb der Kirche verstanden. Da ist der Hintergrund, vor dem im späten Mittelalter auch einzelnen Nichtbischöfen, ... Priestern also, auf dem Weg der Jurisdiktion durch den Papst die Vollmacht zur Ordination erteilt werden konnte.» (Kasper 2))

Kasper verweist auch auf die Tatsache, dass es im 16.Jahrhundert Bischöfe gegeben hat, die nicht einmal die Bischofsweihe empfangen hatten; ...was ist mit der Sukzessionsreihe der durch diese erteilten Weihen?... 3)
«Im Mittelalter und noch bis ins 17., 18. Jahrhundert hinein gab es Priesterweihen, die von Nicht-Bischöfen gespendet wurden, wo also Priester durch Priester geweiht wurden. Diese Priesterweihen durch Priester sind von Rom immer formell anerkannt worden. Sie sind sogar mit päpstlicher Erlaubnis geschehen. Das bedeutet, dass es nach katholischer Lehre grundsätzlich möglich ist, dass es nicht nur eine episkopale Sukzession gibt, also eine Nachfolge der Apostel durch Handauflegen der Bischöfe, sondern dass es auch eine presbyteriale, eine durch Priester vermittelte Sukzession gibt.» 3a)

«... ein unbedingtes Angewiesensein auf die Sukzession innerhalb der Kirchenströmung ein Herabfallen wäre in das, was durchaus berechtigt war innerhalb der vorchristlichen Menschheitsentwickelung, die eben nur noch durch den Katholizismus hereinstrahlt in die Menschheitsentwickelung seit dem Christus-Ereignis.» (Steiner 4))
«... denn es sind die Zeiten vorüber, in denen die Zeremonien, die der alten Priesterweihe gedient haben noch einen Sinn hatten...» (Steiner 5))
«Wenn wir heute jemanden vorbereiten wollen - also ich meine auch in dem, was wir als einen neuen Kultus sehen -, wenn wir heute jemanden vorbereiten wollen zum Vollziehen zeremonieller Handlungen, so werden wir für diejenigen, die außerhalb des Katholizismus in der Welt stehen, nicht mehr mit einer vollen inneren Hingabe die Menschen etwa angliedern können an die apostolische Sukzession. Ich habe Ihnen gesagt, das haben zwar merkwürdige Theosophen wie Leadbeater und ähnliche versucht, sie haben sich wiederum hineingestellt in die apostolische Sukzession, aber das wird jedem Menschen widerstreben, der ehrlich der Welt gegenübersteht, wenn er nicht von katholischem Bewusstsein durchdrungen ist.» (Steiner 6))
«Es handelt sich hier um Zusammenhänge, die eine Frage nach der Wirksamkeit ganz neuer Ätherkräfte nahe legen. Man wird in diesem Zusammenhang daran denken, wie das Blut des Christus, das am Karfreitag vom Kreuz in die Erde floss, sich vollständig 'ätherisierte' und der Christus-Impuls 'als eine Substanz' 7), als Christus-Äther , zu den vier 'alten' Ätherarten 8) hinzutritt. Als 'moralische Äther-Atmosphäre' 9) ist er mit der Moralität der Menschen verbunden und als neuer Lebenskeim der Erde und der Leiblichkeit der Menschen eingestiftet. 10) ... Von diesem lebendigen Band umfasst zu werden, ist die recht verstandene Sukzession. Das kann man erst durch die Anthroposophie so verstehen und gewinnt dadurch einen neuen (modernen) Sukzessionsbegriff, für den manches früher entscheidend Wichtige unwesentlich wird. Um den Anschluss an die geistige Ahnenreihe zu den Aposteln hin herzustellen, kann das Anknüpfen an das äußerlich historische Band der Handauflegung nicht wesentlich und ausschlaggebend sein.» (Debus 11))

Fazit: Eine apostolische Sukzession gibt es garnicht. Die tradierte Form geht nicht auf die Apostel zurück, sondern ist erst später durch die frühchristliche Kirche in Gang gebracht worden, die zudem noch nicht einmal immer und überall lückenlos und unkorrumpiert weitergegeben wurde.
Deshalb ist es Illusion zu meinen, mit der traditionellen Handauflegung in einer direkten Sukzessionslinie mit den Aposteln zu stehen. Es ist die geistige Ahnenreihe die wirksam ist. Hier gibt es aber viele Strömungen (wie es ja auch verschiedene Aposteln und Jünger gab). Gerade ein freies christliches, eben besonders aus den Qualitäten und Impulsen des Urchristentums schöpfendes Streben gehört natürlich in den "apostolischen" Strom, allerdings nicht in den, den dann die Kirche institutionalisierte, sondern in den Strom der nach Freiheit strebenden Christen, die IHN direkt und im Bruder suchten und nicht in einer exklusiven und machtvollen Kirchen-Hierarchie...
( Welchem Geistimpuls das freie christliche Streben zuzuordnen ist, kann an diesem Ort nicht behandelt werden. Doch siehe dazu u.a. die Ausführungen Dieter Brülls «Fünf urielische Betrachtungen» in «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus» über Uriel und Maria. )
Das ist der Strom, der mit der Verstaatlichung der Kirche aus dieser herausgedrängt wurde und der in den Ketzer-, gnostischen, esoterischen, aber auch urchristlich-fundamentalistisch-brüderlichen, oft auch asketischen Gemeinschaften seine eigenen Wege durch die Katakomben und Höhlen und Hütten, im Verborgenen der Gnosis und der Esoterik im Untergrund nahm, aber eben auch immer wieder politisch und sozial revolutionär hervorbrach. Zu diesem urchristlich-brüderlich Strom gehören all diejenigen, die seit zwei Jahrtausenden oftmals außerhalb der römischen Kirche wirkten, die als wahrhaftig Strebende, meist gegen die offizielle Lehre der Kirche, oft genug zu Märtyrer wurden, aber eigentlich das ursprüngliche Christentum weiter trugen.
Auch wenn sich immer wieder Christen-Brüder in Gemeinschaften zusammenfanden, war es - prinzipiell -nie das Bestreben diesen Impuls zu organisieren; er lebte allgemein-christlich. Man findet ihn heute ganz besonders im Impuls der Befreiungstheologie, in der Kirche von unten, in der Gesinnung z.B. bei Mitgliedern u.a. der «Kleinen Brüdern/Schwestern Jesu», bei den Arbeiterpriestern, in Gemeinschaften wie die «Arche» des Lanza del Vasto oder des Ernesto Cardenal oder auch «Taizé», in der Ökumene, etc., aber auch bei einzelnen Christen, die - zwar Mitglied einer Kirchen aber - individuell nonkonformistisch wirken und auch und immer mehr bei Christen außerhalb der Kirchen, ja in Gruppen innerhalb der modernen Esoterik und eben auch bei Anthroposophen... : Freie Christen, die nicht dem Anspruch einer Kirche, sondern Seinem Ruf folgen...
Anzuknüpfen wäre damit, wie immer schon so auch immer noch und gerade heute wieder, direkt an IHN und an Seinen Auftrag : «Gehet hin ... und taufet und lehret ... JCh bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende (immer und überall)» und an SEINE Nach-Frage
durch den Christen-Bruder an uns.

Das nach Freiheit strebende,
direkt an IHN anknüpfen wollende, allgemein-priesterliche, brüderliche Prinzip bis in den Kultus, in die Sakramente hinein und bis in das Bestreben auch die soziale und politische Umwelt dementsprechend zu gestalten ist nicht neu, sondern ist das Prinzip des Wirkens Jesu Christi. Und man kann es besonders im Urchristentum und dann aber auch in der ganzen Christen- und Kirchengeschichte immer wieder aufleuchten und aktiv werden sehen.
Das ist die "Sukzession" Freier Christen, an die (auch) Rudolf Steiner (u.a.) anknüpfte.



Christus ist der Priester

Die eine Seite ist also die apostolische Sukzession,
die andere die Frage des Priestertums.

(Noordendorp) « ...Dazu muss zunächst auf etwas hingeblickt werden, das alle herkömmlichen Gottesdienstfeiern auszeichnet:
Es ist das Amt eines Priesters, Pfarrers, Imams oder sonst einer geistlichen Person, die vermittelnd zwischen dem Göttlichen und der Gemeinde wirksam ist.
Strukturen und Organisationen von Glaubensgemeinschaften mit dem vermittelnden Amt eines Geistlichen ordnen sich in die Richtung »von oben nach unten«, will sagen, dass ein Göttliches oben über eine geweihte oder ordinierte Person zu einer Gemeinde nach unten vermittelt wird. Verbunden hiermit sind oftmals sehr differenzierte und strikte Lehr- und Verhaltenskodices, denen sich ein Gläubiger anzubequemen hat, und deren Einhaltung die Priesterschaft oder Kaste der Geistlichen als in ihrem Recht und ihrer Pflicht liegend ansieht.
Nun zeigt die geistige Entwicklung der Menschheit, dass das menschliche Individuum immer selbständiger, also immer selbstbestimmender für seine innersten Angelegenheiten wird. Diese Entwicklung verwirklicht sich mit solchem Nachdruck, dass sie immer mehr in Gegensatz zu den Prinzipien aller herkömmlichen Glaubensgemeinschaften gerät. Was liegt dem zu Grunde?
Die Entwicklung zu geistiger Selbstständigkeit verlagert die ehemalige Blickrichtung »von oben nach unten« in eine solche, die im Zentrum der Individualität den Ausgangspunkt sucht und von dort in den Umkreis geht, also »von innen nach außen«. Hier wird das Innerste zum Höchsten und der Umkreis zu dem, was mit dem Unten oder der menschlichen Persönlichkeit korrespondiert. In dieser Mitte wird zunächst instinktiv, dann immer bewusster, das Erlebnis von innerer Aufrichtekraft gesucht. Aber man sucht diese hier jetzt nicht als ein irgendwie geartetes Göttliches »oben« oder »in den Weiten des Weltalls« oder »hinter den Sternen« usw., sondern als im Kern des eigenen Wesens oder der eigenen Identität auffindbar. Ein Menschenwesen, das immer selbstständiger und selbstbestimmender wird, fühlt immer größere Schwierigkeiten, wenn es seine innere Stärke und das daran gebundene Wertesystem an und bei Prinzipien suchen soll, die ihm von außerhalb seiner selbst verordnet werden.
Dennoch möchte solch ein Mensch etwas finden können, was ihn so sicher stärkt und erfüllt, wie es in alten Liturgien durch die Vermittlung des Priesters geschah. Und weil das Oben-Unten für ihn nicht mehr Bedeutung hat, wird er also die ersehnte Stärkung im ewigen Zentrum seines Wesens selbst suchen. Das ist aber nur möglich, wenn ein Göttliches innerhalb der eigenen Ichhaftigkeit auch tatsächlich auffindbar ist und von diesem Ich in heiliger Erhabenheit erlebt werden kann.
Wenn ein Mensch einmal damit begonnen hat, Ideale und göttliche Prinzipien im Zentrum seines Eigenwesens zu suchen, dann ist die Situation da, dass hier kein Priester oder Geistlicher mehr vermittelnd tätig werden kann. Für solch einen Menschen verliert auch jede auf dem Prinzip »oben-unten« aufgebaute Glaubensgemeinschaft und geistliche Betreuung eine tragende Bedeutung. Jedoch verliert sich keinesfalls die Sehnsucht nach einem religiösen, evtl. auch liturgisch-kultischen Element, in dem sich ein Verkehr des Göttlichen mit dem Menschen vollziehen kann, jetzt aber von innen nach außen.
Die hauptsächlichste Änderung gegenüber aller etablierten Religiosität besteht darin, dass dieses Göttliche nun selbst übersinnlich während der Liturgie das Amt des Priesters übernimmt. Für die mitteleuropäische Hermetik ist dieses Göttliche die Christuswesenheit, die ätherisch aus dem menschlichen Inneren heraus als Priester geistig und völlig autonom handelt getreu dem Pauluswort:
Nun lebe ja keineswegs ich. Es lebt der Christus in mir. Das, was ich im Physischen als Leben trage, kann ich nur deshalb als Leben tragen, weil es seine Wirklichkeit durch den Sohn des Gottes erhält, der mich liebt und sich für mich hingibt. Nur so würdige ich die Gnade des Gottes. Denn hätte das Gesetz Gerechtigkeit gebracht, wäre der Tod Christi völlig überflüssig gewesen. Galatherbrief 2, 20-21 (Übersetzung aus dem Griechischen durch den Verfasser.)
Nach hermetischer Auffassung kann der Christus als dasjenige göttliche Wesen erlebt werden, das gemäß diesem Pauluswort als das innerste, erhabenste Göttliche in jedem individuellen Menschen-Ich auffindbar wird, wenn dieses Ich nach ihm sucht. Damit soll nicht gesagt sein, dass der Mensch mit Christus identisch sei. Aber man hat es doch so zu denken, dass das einzelne menschliche Ich so zum Christus steht, wie der Regentropfen zum Ozean. Beide haben dieselbe Substanz, aber der Ozean ist alle Wassertropfen in eins und zugleich mehr als ihre bloße Summe.
Mit dem Christus in sich, kann jeder Mensch, der zu solch einer inneren Findung gelangt, dann in immer wieder neu sich bildende Gemeinschaften mit anderen gleichgesinnten Menschen eintreten und liturgisch-kultische Feiern vollziehen. Diese können so viele Formen annehmen, als sich Menschen jeweils zusammenfinden, um ihr religiöses Bedürfnis zu verwirklichen. ... »
( Hergen Noordendorp, in «Warum eine neue hermetische Eucharistiefeier?», Pfingsten 2003 )
Wir können heute "Priester" sein, (nicht nur wenn, sondern) weil Christus in uns ist; ER ist es letztlich der handelt und wandelt und somit der Priester ist. Unsere Aufgabe dabei ist uns IHM so uneigennützig zu öffnen, dass ER ungehindert durch uns ausströmen kann. Wenn dann auch noch unsere Worte - unsere Kultus-Texte und -handlungen - mit Seinem Sein und Wollen übereinstimmen, getreues Spiegelbild der Geistrealität des Geschehens sind (wie ich das von den Fassungen Rudolf Steiners annehme), muss und will ER wirksam werden.
Das mag vielleicht für viele von uns noch Zukunft sein und deshalb sind auch verschiedene Wege auch heute noch gegeben und berechtigt. Wohin wir aber streben sollen, ist allerdings die Zukunft...



EINE WEIHE - ZWEI PRINZIPEN

Ein grundsätzliches, historisch und oft individuell tragisches Missverständnis ist eben dieses, dass christlich-sakramentaler Dienst nur mit einer kirchlich approbierten "Weihe" berechtigt und möglich sei und es nur diese eine Weiheform gäbe.
Kultushistorisch sind jedoch zwei polare Hauptströme priesterlichen Wirkens vorzufinden :



1. Allgemein-"laien"-christlich, direkt

Gemäß Seinem Auftrag «Gehet hin und taufet und lehret» ist hier jeder strebende Christ guten Willens aufgerufen seinem Mitmenschen auch sakramental beizustehen.
Dazu benötigt er keine "Weihe" irgendeiner Institution oder Einordnung in eine Organisation, sondern allein SEINE Be-Ruf-ung, SEIN Ja, das Weihe hierzu ist, durch das er geweiht wird, das sich im Schicksal durch die konkrete Frage des Du um Taufe, Trauung, Bestattung, etc. offenbart.
Das war auch das Prinzip der ersten dreihundert Jahre des Christentums. Aber auch danach fand es sich immer wieder, vor allem in den esoterischen- und Ketzerströmungen und verbreitete sich dann - prinzipiell - im Protestantismus wieder über die ganze Welt. Als dann zum Ende des vorletzten Jahrhunderts
(1894) die «Philosophie der Freiheit» geschrieben, als durch die Anthroposophie die geistige Welt wieder spirituell konkret erforsch- und erfahrbar wurde, konnte Rudolf Steiner auch die Freiheit des Christenmenschen, die Unabhängigkeit von speziellen Religionsgemeinschaften, ein allgemeines und damit "laien"-priesterliches Christ-Sein praktisch und damit auch kultisch, liturgisch wieder und neu vermitteln.
Dieses urchristlich-pfingstliche Zukunfts-Prinzip - von den Theologen mit dem Begriff «Laien-priestertum» belegt - wirkt auf der Grundlage geistlicher Gleichheit. Daher kann es zwar Dienst-Ämter = Aufgabenverteilungen geben («damit kein Chaos ausbricht» Luther ), aber in keiner Weise eine geistliche Hierarchie und damit eine Separation der Christen-Brüder in «Kleriker und Laien»
(zumal diese nicht aus der Anerkennung "von unten" einvernehmlich "gewählt" [dem käme das synodale Prinzip - der vor allem evangelischen Kirchen - nahe] sondern "von oben" durch die Kirchenhierarchie eingesetzt werden.)
Grundsätzlich ist und bleibt jedes Mitglied der Gemeinschaft berechtigt (so es sich dazu fähig macht und durch IHN berufen sieht) auch alle Sakramente zu spenden. (Selbst der Vollzug des Abendmahls - wie alle anderen Sakramente- erfordert z.B. in der evangelischen Kirche grundsätzlich nicht den ordinierten Pfarrer, weil eben dieser auch nicht "mehr" ist als alle anderen. ) 12)

Die "Weihe" ist also hier eine direkt-individuelle, jeweils aktuelle, intime Be-ruf-ung zwischen dem Suchenden und der Geistigen Welt, dem Christus selbst, die Er allein, individuell im Innersten des Einzelnen direkt vollzieht ... :

«Begegne ich ihm (dem Anderen) so, dass ich bereit bin, mein Bewusstsein (zeitweilig) für ihn zu opfern, dass seine Entfaltung mir also wichtiger ist als die meine, vollziehe ich - indem ich für ihn ersterbe - in gewissem Sinne eine Nachfolge Christi. Dann nah ich ihm in Seinem Namen. Dann werde ich im gleichen Augenblick von Christus selber zum Priester geweiht: Seine Gegenwart ist Weihe - in diesem Augenblick und für diesen Augenblick. Im Gegensatz zum Amtspriester, der für sein ganzes Leben geweiht wird (und damit auch dem gesellschaftlichen Kräftespiel entzogen sein soll), gilt die Weihe des sozialen Priesters nur für jene Zeitspanne, in der er «agapisch» einem Mitmenschen begegnet. Jede neue Begegnung wird ihn wieder vor die Probe stellen: Wie bist du mit Ihm zusammen?
Es ist ein inneres, ein mystisches Erlebnis dieses Menschen. Kein Kreis von Priestern umringt ihn, kein Recht auf die Weihe kann erworben werden, keine gelungene sakrale Handlung berechtigt zu einer folgenden, wie sehr man es sich auch zum Beruf machen kann, jedem Menschen in Seinem Namen zu begegnen. Und nur das, was sich bei der Begegnung mit dem Andern ereignet, gibt Antwort auf die Frage, ob hier ein "Priester" zelebriert hat. Es ist auch sonst ein Geschehen in denkbar größter Einsamkeit. Der Andere, die Anderen sind ja nur die Auslöser. Die soziale Priesterweihe ist ein Sakrament, das, im übertragenen Sinne,
der Christus unter vier Augen vollzieht. Nicht einmal der Andere, der Mensch in Not, braucht zu merken, dass an seinem Gegenüber die Priesterweihe vollzogen wurde; es sei denn, dass er die helfende Kraft des Sakramentes nicht nur erfährt, sondern auch wahrnimmt.» (Brüll 13))
«Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin JCh mitten unter ihnen.» (Matt.18/20)

Muss man dazu ein "Heiliger" oder "Eingeweihter" sein? : «Ein solches Ereignis kann grundsätzlich in jedem Leben auftreten; dazu braucht man kein "guter Mensch" zu sein, nicht einmal werden wollen. Saulus war ein Christen hassender Fanatiker, Franziskus ein Luftikus. Betrachtet man das Leben jener, denen es widerfahren ist, dann bekommt man den Eindruck, dass sie den verschiedensten Strömungen angehören.» (Brüll) Wen Seinen Ruf erreicht, ist dadurch geheiligt...

Ein "kirchenrechtlicher Arbeitsvertrag", d.h. die Unterordnung auch unter die Rechtssphäre einer Religions-Gemeinschaft bzw. Institution ist dann ein anderer Fall.
Ob und wie ein Freier Christ liturgisch bzw. sakramental tätig wird, muss ihm überlassen bleiben und der ggf. nachfragenden oder ihn einstellenden Gemeinschaft. Dabei hat natürlich jede Gemeinschaft das Recht sich eine ihr gemäße Ordnung zu geben.
Und das Verständnis für Religionsfreiheit z.B. in den USA, weist darauf hin, dass auch und sogar jedermann solch eine Religions-, Kultus-, oder Sakramentsgemeinschaft bilden kann, genauso berechtigt wie wenn Einzelne nur auf aktuelle Nachfrage hin zu einer Kultusfeier = Kultusgemeinschaft zusammen kommen wollen ( = «wo zwei oder drei in meinem Namen...»), selbst wenn dies nur für eine spezielle gemeinsame Handlung ist.
«Und so wie es zu den Pfeilern der Dreigliederung gehört, dass keinem Menschen das Recht zusteht, über die irdischen Bedürfnisse eines Anderen zu urteilen, so gilt das auch - und a fortioti! - für seelische und geistige Bedürfnisse. 'Solange Bedarf an Kultus da ist', so möchte ich Steiner abwandeln, 'ist dessen Befriedigung gerechtfertigt.'» (Brüll 14))

Eine Institution, als deren Vertreter der Kultushandelnde auftritt, ist für ein freies christliches Handeln nicht zwingend notwendig. Das machte auch Rudolf Steiner damit deutlich, indem er dem als Lehrer tätigen Ruhtenberg die Sakramente (Taufe / Trauung / Bestattung) übergab, der dafür keine "Gemeinde" hatte, sondern als Persönlichkeit selbst verantwortlich war.
"Laien-"priesterliches, freies christliches Handeln ist eben ein pfingstliches, und der Geist weht wo ER will..
Solch einen direkt-christlichen, sakramentalen Kultus konnte Rudolf Steiner wieder konkret vermitteln. 15)
Aus der Spiritualität der interreligiösen Anthroposophie als Einweihungswissenschaft und -weg kann der strebende Anthroposoph schöpfen, um auch kultisch qualitativ und wirksam zu handeln.
«... (fand) die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt. Man kann verschiedene geistige Ereignisse in ihr finden. Vom kultischen Gesichtspunkt aus ist sie eine Art «Weihe» der Anthroposophischen Gesellschaft durch die anthroposophische Bewegung, der Michaelsgemeinschaft auf Erden durch die Michaelsbewegung aus der geistigen Welt, die Grundsteinlegung aus der göttlichen Trinität zu einer neuen Würde der anthroposophisch strebenden Individualität. In ihr ist Hirtentum und Königtum miteinander verbunden. Es ist die 'Priesterweihe' des anthroposophisch strebenden Menschen.» (Benesch 16)) 17)
Indem Rudolf Steiner den engagierten Anthroposophen Ruhtenberg und Schuster freie christliche Sakramente übergab, ohne an eine "Weihe" anzuknüpfen, zeigte er, dass sakramentales Handeln ohne kirchliche Weihe möglich und zeitgemäß ist. Nicht die Lizenz einer Kirche ist relevant, sondern die individuelle, spirituelle Qualifikation. Und diese traute er dem strebenden Anthroposophen zu.
Er selber konnte zwar noch "aus höherer Einsicht" die dafür geeigneten Persönlichkeiten auswählen, aber schon nach seinem Tod war das nicht mehr der Fall. Das wusste er und dennoch ließ er ein freies christliches Handeln fortführen, obwohl nach ihm dann - wahrscheinlich, immer mehr - auch "ganz gewöhnliche", zwar ernsthaft strebende, Menschen sakramental tätig werden würden und wurden.
Der freie christliche Impuls war und ist eben nicht nur dadurch möglich, indem - weil ohne Weihe - einzelne, "besonders hoch stehende Persönlichkeiten" ausnahmsweise dazu berufen werden können, mit Begründung der Kirche «Die Christengemeinschaft» die Angelegenheit aber eigentlich erledigt sei, da man ja nun "richtige Priester" zur Verfügung habe...
Nein, dieser freie christliche Impuls führt die kultushistorische Entwicklung - vom "Zwei-Stände-System" einer hierarchisch gegliederten Kirche zur überkonfessionell und individuell ergriffenen Selbstverständlichkeit des brüderlichen Christen-Dienstes füreinander, vom "indirekten" Kultus der traditionellen Messeform zum "direkten" Kultus eines Erkenntniskultus - im Sinne des Zeitgeistes Michael und auch Uriels fort. Er ist von der geistigen Welt gewollt und für die individuelle und menschheitliche Weiterentwicklung vorgesehen, notwendig und zukünftig unumgänglich. Und sie wirkt in und mit dieser Möglichkeit, weil sie jeden ehrlich, würdig und vor allem demütig Strebenden zum Werkzeug machen kann und will, besonders dann, wenn er wie hier einen Kultus zelebriert, der ein getreues Spiegelbild dessen ist, was sich während des Sakramentaktes real auf der geistigen Ebene abspielt.
Dass die Anthroposophen (nicht nur die) noch nicht reif waren diese Zukunftssaat zu erkennen und aufzugreifen, macht sie nicht unnötig oder gar ungültig, im Gegenteil... !

Fest steht :
Wilhelm Ruhtenberg (der die Sakramente Taufe und Trauung von Rudolf Steiner erhielt), wie auch alle freien christlichen, "laien"-priesterlich wirkenden Religionslehrer bis heute (mit den
Sakramenten Opferfeier und Jugendfeier betraut), handelten und wirken sakramental berechtigt und wirksam als "Laien" ohne kirchlich sanktionierte Weihe (und erst recht ohne die Weihe der «Christengemeinschaft»).
Als Anthroposoph hat Ruhtenberg von Rudolf Steiner die Sakramente erhalten, und nicht weil er früher einmal evangelischer (="nicht-geweihter"!) Pastor war und daraus automatisch sich irgendwelche Berechtigungen oder Fähigkeiten ergäben; ja selbst als aktiver Pfarrer hatte und hätte er nicht die Befugnis inne "anthroposophische" Sakramente zu handhaben.
Und als er dann später zur «Christengemeinschaft» konvertierte und sich dort zu deren Priester weihen ließ, wollte Rudolf Steiner davon nichts wissen und erklärte dies zu seiner «Privatsache» ( «Der Pastor 18) Ruhtenberg muss, wenn er 19) hier ist, vollständig vergessen, dass er Priester ist.» ) 20) !
"Laien-"priesterliches Handeln war und ist einerseits im individuellen Rahmen möglich, wie bei Ruhtenberg, der aus eigener Verantwortung, als "Anthroposoph" "privat" innerhalb seines Schicksalsumkreises Waldorfschule und Anthroposophische Gesellschaft/-Bewegung die Taufe und Trauung praktizierte, oder aber andererseits auch innerhalb und für eine Gemeinschaft, wie die Religionslehrer, die sich konkret der Gemeinschaft der Waldorfschulen mit ihrem «Überregionalen Religionslehrerkollegium» verpflichten.
Freies christliches Wirken - wie es Rudolf Steiner vermittelte - ist also sogar auch organisatorisch ein Freies, also prinzipiell noch nicht einmal zwangsläufig an eine Gemeinschaft gebunden.

Freies, allgemein-christliches und das heißt eben auch sakramentales Handeln ist aus dem allumfassenden, allgemein-menschheitlichen und individuellen Christuserfassen durch die Anthroposophie geschöpft und so von keiner Religion oder Kirche und deren Weihe mehr abhängig.
Die «Weihe», die Berechtigung und Befähigung zum sakramentalen Handeln, hängt nicht von einer "Genehmigung" oder der Einsetzung durch eine Institution, d.h. von Menschen ab.
Und vor allem: Ein allgemein-priesterliches Christ-Sein bleibt ein brüderlich gleichberechtigtes und erhebt den Tätigen nicht in einen spirituell höheren "Stand" mit exklusiven Rechten; sie erhebt ihn zu einer/der höheren Verantwortung zu antworten ...
«So groß die Schuld, so stark sind auch die Kräfte, die ihr entfallen und vernichtend treffen den Sprecher, der nicht würdig seines Amtes.» (Steiner 21))



2. kirchlich, amtspriesterlich, indirekt:

Die Abwendung von dem allgemein-christlich-pfingstlichen Prinzip in der Urkirche hin zum römischen Macht-System brachte die «Konstantinische Wende» ab ca. 312. Das offizielle Christentum unterlag den Versuchungen der Macht. Es entstand die Zwei-Klassen-Kirche: die soziale und kirchenrechtliche und vor allem die angeblich spirituell vorgegebene = gottgewollte Trennung der ehemals Christen-Geschwister in «Klerikern» und «Laien». Es etablierte sich in einem Machtsystem eine geistliche Klasse, mit dem zum sakramentalen Handeln allein berechtigten Geweihten, mit einer Kleriker-Hierarchie die über diese Einteilung und die Erteilung des Berechtigungsmittels Priester-Weihe entschied, gegenüber den sakramental nicht handlungsberechtigten Nichtgeweihten ( = «Laien»).
Nach diesem bis in unsere Gegenwart tradierten Divergenz-Prinzip - das betrifft heute insbesondere die katholischen und orthodoxen Kirchen und aber auch die Kirche «Die Christengemeinschaft» - ist nur derjenige berechtigt Sakramente zu spenden, der von seiner Kirche eine, gemäß deren Kirchenordnung gültig vollzogene, «Weihe» erhalten hat und somit als «Priester» speziell dieser seiner Kirche auftreten darf. Ohne den geweihten Priester ist hier der Vollzug eines Sakramentes prinzipiell nicht möglich, ja verboten.
Diese Würde, Befähigung, Berechtigung besteht durch den«character indelebilis», dem unauslöschlichen Prägemal der Weihe, immer und lebenslang ( so lehrte es als Erster Augustinus «indem er von der Gnade des Heiligen Geistes, die verloren werden kann, eine unverlierbare Gnade des Weihesakramentes unterschied» Ott ), das gemäß der amtlichen Lehre den Priester vom normalen Gläubigen «dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach» unterscheidet...
Auch hier ist der spirituell eigentliche Weihevorgang natürlich Sein Ja, das aber ohne das Ja und Ritual der Institution praktisch nicht wirksam werden kann und darf. Dessen Vorhandensein stellt die Kirchenleitung fest und benennt dann (je nach Kirche und Zeit) aufgrund weiterer Voraussetzungen die Kandidaten und autorisiert sie zum sakramentalen Handeln.
Der Weihe ist nun eine institutionalisierte Hierarchie dazwischen geschaltet, die allein unter sich die - nicht zu begründende - «Weiheentscheidung» trifft.
( Dass diese Entscheidungen auch immer wieder nichts mit SEINEM Ja zu tun haben können, zeigt die Geschichte. Da auch in der Kirche «Die Christengemeinschaft» geweihte Priester gelegentlich auch wieder suspendiert werden, zeigt, dass - auch hier - eine "Weiheentscheidung" nicht immer "für ewig" richtig gewesen sein muss... Sie muss also letztlich als fehlbar und, als mögliches Manipulationsinstrument zugunsten kircheninterner [Macht-, bzw. inhaltlicher Richtungs-] Interessen und Abwehrmittel gegen ggf. unloyaler, kritischer Kandidaten, sogar als potentiell tendenziös eingestuft werden. Die Subjektivität, weil nur individuell erspürt, die einer laienpriesterlichen Berufung vorgeworfen wird, erscheint dagegen harmlos. )
Das «Zwei-Stände-System», das "Hirte/Schafe-Prinzip" hat auch die Kirche «Die Christengemeinschaft» übernommen:
Denn es gibt «sehr zahlreiche Menschen, welche den angedeuteten Drang und Trieb nach einer religiösen Erneuerung haben, namentlich nach einer christlich-religiösen Erneuerung, und die einfach dadurch, dass sie in gewissen Kulturzusammenhängen drinnen stehen, den Weg in die anthroposophische Bewegung nicht finden können. Für diese Menschen ist das heute Notwendige dies, dass auf eine für sie geeignete Weise der Weg in das der heutigen Menschheit gemäße Geistesleben hinein gefunden werde.» (Steiner 22))
Um diesen Menschenkreisen zu entsprechen, musste (auch) in der Kirche «Die Christengemeinschaft» offensichtlich noch das Prinzip der traditionell verfassten Kirche mit dem geweihten Hirten, der Symbolik etc. gewählt werden.
«Sie werden so wirken können, dass Sie nun wirklich Ihre Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten können. Wenn ich sage "ketten", so bedeutet das nicht, Sklavenketten anzulegen. Dazu gehört allerdings, dass die Gemeindemitglieder durch Sie das Bewusstsein bekommen, in einer gewissen Brüderlichkeit zu leben. Die Gemeinden müssen konkrete brüderliche Gefühle in sich haben und sie müssen ihren Prediger-Leiter als eine selbstverständliche Autorität anerkennen, an die sie sich auch wenden in konkreten Fragen. ... Es muss möglich werden, dass man das Gefühl hat, man bekommt eine Art Direktive aus der geistigen Welt heraus, wenn man den Prediger fragt.» (Steiner 23))

Das Urchristentum jedenfalls kannte zwar verschiedenartige Gemeinden und dann je nach Gemeinde auch verschiedene Ämter, jedoch keine geistliche Hierarchie durch eine "Priester-Weihe" !
Von einem Priestertum nach heutigem Verständnis kann vor dem 5. Jahrhundert nicht gesprochen werden.
«Es steht jedenfalls fest, dass bei den älteren (Kirchen-) Vätern irgendwelche Spuren von einem 'character indelebilis' oder einem 'Sakrament' der Priesterweihe nicht nachzuweisen sind, und wo man Derartiges zu finden meint, handelt es sich um Missverständnisse. ... Der Nachweis, wie ein Sakrament, von dem vierhundert Jahre lang in der Kirche nichts wahrzunehmen ist, von Christus eingesetzt, ja ein 'Grundamt der Kirche' sein kann, muss den Dogmatikern anheim gegeben werden. Für den Exegeten ist die Sache längst klar.» (Campenhausen 24))
Und damit steht die Einrichtung der kirchlichen Priester-Weihe auch jederzeit zur freien Disposition der Kirchen. Sie können beibehalten, verändert oder wieder abgeschafft werden. 25)

Die evangelischen Kirchen haben es hier leichter. Die Reformation hat die Priester-Weihe wieder abgeschafft. Der Pfarrer/Pastor wird hier lediglich «ordiniert», d.h. mit spezifischen Aufgaben betreut und in seine Aufgabe = sein «Amt» - in das er (in der Regel) von der Basis = der Gemeinde, bzw. deren Vertretern (also "demokratisch") hinein gewählt wurde - eingeführt. Geistlich bleiben sich aber alle gleich!
«Nach reformatorischer Auffassung stellt die Taufe nicht nur die erste Stufe der Kirchengemeinschaft dar, sondern gewährt die volle Teilhabe am Leib Christi und bildet so einen unüberbietbaren, nicht steigerungsfähigen Gnadenstand. In der Gemeinde der Getauften kann es kein Glied mehr geben, das den anderen gegenüber vor Gott eine besondere Stellung einnähme. Eine Priesterkaste mit religiösen Vorrechten hat in ihr keinen Raum.»
(Niedermeyer) Daraus ergibt sich für die evangelische Theologie, dass selbst die Gültigkeit und Wirksamkeit des Zentralsakraments Abendmahl «nicht vom ordinierten Pfarramt abhängt». (VELKD 11)
Der theologische Begriff des Priestertums aller Getauften hebt die Differenz zwischen Klerus und Laien, geistlichem und weltlichem Stand auf. Insofern gelten hier nach Luther alle Getauften als gleichrangige Glieder: «Was ausz der Tauff krochen ist, das mag sich rumen, das es schon Priester, Bischoff und Bapst geweyhet sey.» (Luther)



BEDÜRFNISSE - STANDORTE

In den alten Zeiten, erfuhr das "einfache Volk" die göttliche Führung durch eingeweihte Priester-Könige. Damals war das priesterlich-väterliche Führer-Prinzip berechtigt, seit Rom ist es korrumpiert, spätestens mit dem 3. Jahrtausend (der «Bewusstseinsseele»...) können individuell und direkt dem JCh verantwortete Wege eröffnet werden .
Doch in der Realität ist der Himmel immer noch und vor allem wieder verdunkelt. Die Christenheit ist gespalten und zerstritten. Das Christentum existiert nicht als tolerante, brüderliche Christengemeinschaft. Eine Vielzahl von Standpunkten und Kirchen existieren und jede beansprucht (im Prinzip) die "allein selig machende" zu sein...
Positiv betrachtet: Weil es so viele verschiedene religiöse und kultische Bedürfnisse und Befähigungen gibt, bestehen auch entsprechend viele und verschiedene Religionsgemeinschaften um diesen gerecht zu werden.
Und über deren Berechtigung hat nur der Inanspruchnehmende zu entscheiden (wenn es sich nicht um destruktive Kulte bzw. - Gemeinschaften handelt und solange sie nicht in die Freiheit anderer eingreifen).
Dementsprechend hat natürlich jede Konfession ihre charakteristischen Zugänge zur geistigen Welt und entsprechende Zugangsberechtigungen (Ordination, Weihe) zum kultischen Dienst.
Dabei sind die konservativen Wege / Systeme / Handhabungen nicht die einzigen Möglichkeiten religiös, kultisch, sakramental zu leben und zu wirken.

So half Rudolf Steiner, auf entsprechende Fragen, einerseits dem freien christlichen, "laien"-priesterlichen Impuls zur Wirksamkeit, andererseits dann aber auch dem «Zwei-Stände-Prinzip» einer Kirche zur Begründung.
Denn «... wenn jemand berechtigten Rat auf irgendeinem Gebiete fordert, es Menschenpflicht ist, wenn man den Rat erteilen kann, ihn auch wirklich zu erteilen.» (Steiner 26))
Dass die «Christengemeinschaft» - auch - Rat und Begründungshilfe von Rudolf Steiner erhielt, ist kein Argument, dass diese der nun allein berechtigte sakramentale und zeitgemäße Weg für alle sei. Auch nach Begründung der «Christengemeinschaft» setzte Steiner den freien christlichen Weg fort: mit der Einsetzung der Opferfeier. Die Inauguration der «Christengemeinschaft» war also noch nicht einmal die letzte Einsetzung eines Kultes durch die Hilfe Rudolf Steiners.
Zwar ist - auch meiner Meinung - die «Christengemeinschaft» von allen Kirchen die fortschrittlichste was die spirituelle, esoterische Tiefe ihrer Kultustexte betrifft. Beachtenswert ist auch, dass erstmalig die Weihe für Frauen geöffnet wurde (wie heute allerdings auch in der alt-katholischen Kirche und eben auch sakramental tätig in den evangelischen Kirchen). Die gepriesene Loslösung von der irdisch-historischen, apostolischen Sukzession ist jedoch nichts Neues, das haben andere, insbesondere die evangelischen Kirchen, schon seit Jahrhunderten.
Mehr war jedoch innerhalb des Systems Kirche damals und gegenwärtig faktisch nicht machbar.
Die Gründungsväter mussten die ins Auge gefasste Klientel (eben - in der Regel - Nichtanthroposophen...) berücksichtigen, die «nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten. Für sie muss durch Gemeindebilden in herzlichem, seelischem und geistigem Zusammenwirken der Geistesweg gesucht werden»
(Steiner) und für sie war die Kirchenstruktur mitsamt Hierarchie und kirchlicher Weiheliturgie "noch" nötig.
Erst dem freien christlichen, «spezifisch anthroposophischen» Impuls gestand er zu und war es dann tatsächlich möglich ohne institutionalisierte Weihe, Hirten-Amt, Hierarchie und Institution sakramental wirksam werden zu können:
«... zusammengeschaut, machen klar, wo die Opferfeier (und damit der freie christliche Impuls -VDL) auf der Linie historischer Entwicklung einzureihen ist: nicht vor, sondern nach der Messe mit Brot und Wein 27).» (Röschl28)).
In diesem Zusammenhang wird auch die missverständliche und oftmals irreführend angeführte Aussage Rudolf Steiners klar, dass er mit den freien christlichen ( insbesondere Schul- ) Handlungen, so weit gegangen sei wie er mit «Nichtgeweihten» gehen könne: nicht weniger weit als mit Geweihten, sondern weiter!
«Was in der Entwicklung der Christenheit als Sehnsucht und Streben nach Laienpriestertum immer wieder erstand - allerdings auch immer wieder verfolgt und schließlich zum Verschwinden gebracht wurde -, das hat hier durch Rudolf Steiner eine neue Keimlegung erfahren ..» (Lehrs-Röschl 29))
Die Keime sind damals gelegt worden, dabei blieb es... Was damals versäumt wurde aufzugreifen, ist heute überfällig ... damit es nicht "wieder zum Verschwinden gebracht" werden kann...



MEINE WEIHE, DEINE WEIHE, KEINE WEIHE

Der Weg der Institutionalisierung und Verstaatlichung des christlichen Glaubens führte zu Machtkämpfen, Krieg, theologischen Streit, zur Zersplitterung, zu einer Vielzahl von Konfessionen und zu der paradoxen Situation, dass bald die eine Kirche (als "allein-selig machende") die andere und damit auch deren Priester-Weihe oder Ämter nicht mehr anerkannte, bis heute.
Auch die Kirche «Die Christengemeinschaft» erkennt die Priester-Weihe anderer Kirchen nicht an und wiederholt eine erteilte Priester-Weihe (= lebenslänglich, unauslöschlich eingeprägtes Mal, das ist ebenso das Verständnis der «Christengemeinschaft!), wenn sie von einer anderen christlichen Kirche verliehen wurde.
Warum? Es gibt innerhalb der christlichen Religion nicht den «Priester», der als Priester des Christus und nicht nur als Priester/Pfarrer einer bestimmten Kirche immer und überall innerhalb aller Kirchen/Konfessionen - allgemein-christlich - tätig sein dürfte.
Das spiegelt sich in der rechtlichen Bindung der kirchlichen Priester-Weihe (in der «Christengemeinschaft» u.a. im Teil der «Angelobung» und dem «Treuegelöbnis») an speziell die eigene Religionsgemeinschaft und äußert sich in der Nichtanerkennung fremder Weihen durch die konkurrierenden Kirchen.
Die Wiederholung der Weihen anderer Kirchen macht ganz deutlich, dass man die (deren) Weihe prinzipiell eben nicht für allgemein wirkungsvoll und einmalig und «unauslöschlich» hält, ansonsten könnte man ja lediglich Angelobung und Treuegelöbnis "umschreiben"... 30)
Gibt es also unwirksame, mehr wirksame, richtig wirksame... Weihen (und damit auch Sakramente)?
Die Frage ist nicht ob sondern wo wirksam!
Die Weihe einer Kirche berechtigt und ist wirksam nur für den speziellen Kultus der diese Weihe erteilenden Kirche, innerhalb deren Rechtsgefüge.
In anderen Kirchen/Institutionen gibt es andere Aufgaben, Bedingungen und damit Formen und Wirksamkeiten und somit auch andere Zulassungs- und Weiherituale und -texte, die - "so Gott will" - in dem jeweiligen Rahmen auch ihre spezifische Wirksamkeit zu entfalten in der Lage und berechtigt sind. ( Denn sonst müsste man allen Ernstes behaupten, dass z.B. alle von den evangelischen Kirchen gespendeten Sakramente unwirksam seien, weil diese von Nichtgeweihten = "Laien" gegeben werden... )
So mag man auch an einen «character indelebilis» glauben oder nicht, als Voraussetzung zum sakramentalen Handeln ist er demnach nur für bestimmte Menschen/Strömungen/Zeiten notwendig und deshalb nur diese gegeben.

Im Streit um die Weihe ist es interessant in der «Gemeinschaftsordnung für die Seelenhirten der Christengemeinschaft», und zwar in den Gründungsakten der CG nachzulesen:
«Die in der freien Waldorfschule zu Stuttgart und in den Schwesternschulen im Auftrage Dr. Steiners den freien Religionsunterricht erteilenden und Kultushandlungen zelebrierenden Persönlichkeiten erkennt die Christengemeinschaft als zur Erteilung des Religionsunterrichtes und zur Ausübung der drei Ritualien bevollmächtigte Helfer an.» ... 31)
1. Frage: Wer hat "anzuerkennen" ob die Lehrer berechtigt sind, die ihnen übergebenen Handlungen auszuüben oder nicht: Die «Christengemeinschaft» oder die ausübenden Lehrer? :
«Wenn die Christengemeinschaft gewünscht hat ihrerseits, sie erkennt diejenigen, die in der Waldorfschule Religionslehrer sind, als Helfer an, so ist das Sache der Christengemeinde. Wenn ein Lehrer sagt: Das ist mir höchst gleichgültig, so kann er das tun. Dagegen ist die Christengemeinde verpflichtet, auch einen anzuerkennen, der sagt: Das interessiert mich gar nicht. So steht die Sache tatsächlich. Die Sache ist so klar, wie nur irgendetwas. ... Die Christengemeinschaft geht uns gar nichts an.» (Steiner 32))
2. Das Gravierende dieser Erklärung ist jedoch: Diese -"großzügig"- erklärte Anerkennung stellt seitens der «Christengemeinschaft» fest, dass nicht nur "geweihte Priester", sondern - anderswo - doch auch "Laien" zum wirkungsvollen sakramentalen Vollzug befugt sind und anerkannt werden, wie eben in einem freien christlichen Handeln (in den Waldorfschulen und Heimen).
Das gefährdet aber den eigenen Monopolanspruch und so degradiert und deklariert man clever eindeutige Sakramente zu «Ritualien» und die berechtigt sakramental, "laien"-priesterlich Handelnden zu «Helfern»...
Der Zwiespalt zeigt sich aber genauso bei der Bewertung und Handhabung der kirchlichen Priester-Weihe.
Geht es darum, die kirchliche Weihe als Berechtigung für ein sakramentales Handeln hervorzuheben und ein freies christliches, anthroposophisch sakramentales Handeln abzuwehren, behauptet die «Christengemeinschaft» 33) einerseits, dass der damals frei christlich handelnde Anthroposoph Hugo Schuster die Bestattung (1918/19) 34) von Rudolf Steiner nur deshalb erhielt und berechtigt zelebrieren konnte und durfte, weil er von der Christkatholischen Kirche als
Priester geweiht war; damit wird also diese Weihe für diese Sakramente anerkannt. Will aber tatsächlich ein christkatholisch oder anders geweihter Priester mit diesen Texten handeln, ist plötzlich diese "fremde" Weihe keine Grundlage mehr; will er es dennoch, müsste er zur «Christengemeinschaft» konvertieren und dann nochmals "richtig" geweiht werden. (s.o.)

Völlig unverständlich wird das Verwirrspiel, wenn man sich folgende - ganz aktuelle - Verlautbarung anschaut.
(Aus den «Mitteilungen aus der Christengemeinschaft für ihre Mitglieder», Weihnachten 2002) :
" Bei den Öffentlichen Festtagen zum einjährigen Geburtstag des Preisterseminars in Hamburg sprachen nach der Weihehandlung am Sonntag drei Lenker aus aller Welt Grußworte. Dabei sagte der südamerikanische etwas, was nicht untergehen sollte. An den Kreis der 30 Seminaristen aus zwei Jahrgängen gewandt, anknüpfend an die Erfahrung, dass deren Zahl bis zum Weihesemester zu schrumpfen pflegt, meinte er tröstend, ermutigend:
«Nicht alle von Ihnen werden Pfarrer werden, aber ich versichere Ihnen: Sie alle werden Priester. In diesem Weiheraum hier gibt es ein gutes Dutzend Pfarrer - und über 200 Priester!
Jeder Christ hat den priesterlichen Auftrag, die Christus-Wirklichkeit in die Welt zu tragen, wo er auch steht.» Das relativiert nicht die Weihe und den Dienst der Geweihten; aber das «Priestertum aller Gläubigen» müssen und sollten wir nicht allein den Protestanten überlassen. Weitersagen! -
Dr. Hellmut Haug, Stuttgart. "
Was soll mit solch einem verdrehten Priester-Begriff bezweckt werden ?
Als «Priester» wird allgemein wissenschaftlich definiert derjenige, der berechtigt ist kultisch, sakramental zu handeln. Gerade das "darf" in der «Christengemeinschaft» der Nicht-Geweihte (oben als "Priester" bezeichnet) aber eben gerade nicht! Was hier vorgebracht wird hat genauso wenig mit dem Verständnis des «allgemeinen Priestertums» in den evangelischen Kirchen zu tun, in denen es nämlich keine «Weihe» gibt, in denen geistlich alle gleich sind und somit prinzipiell jedes Mitglied zum sakramentalen Dienst berechtigt wäre.
Die «Christengemeinschaft» möchte natürlich gerne verschleiern, dass sie genau das "alte" römische und katholische «Zwei-Stände-System» von Klerikern und Laien praktiziert, denn das findet heutzutage immer weniger Zulauf (und den benötigte die «Christengemeinschaft» dringend) und Akzeptanz... gerade für eine «Bewegung für religiöse
Erneuerung»...



WARUM MONOPOL ?

Problematisch wird es, wenn man das Handeln anderer Christenbrüder, anderer Strömungen/Gemeinschaften nicht nur als unberechtigt, sondern sich auch für deren Sakramente nicht nur für zuständig, sondern auch als dessen Besitzer erklärt
So verfährt die «Christengemeinschaft» gegenüber dem Impuls für ein «freies christliches», sakramentales Handeln von und für Anthroposophen (wie er hier -vom AKS- wieder und neu aufgegriffen wurde) .
Was dahinter steht, ist nicht die redliche Verteidigung der «Weihe» als angeblich unabdingbare Berechtigungsgrundlage für ein sakramentales Handeln, sondern ein Monopolanspruch 35), den man neuerdings auch öffentlich vertritt, nämlich dass allein die «Christengemeinschaft» berechtigt sei, überhaupt alle (bis auf die Schulhandlungen) von Rudolf Steiner vermittelten Sakramente auszuüben, weil ihr diese von Rudolf Steiner «übergeben», «eingestiftet», etc. worden wären und somit Besitztum der «Christengemeinschaft» sind.
Das Tragische daran: Obwohl dem von verschiedenen und gewiss auch kompetenten Seiten widersprochen wird, ist diese Widersprüchlichkeit nicht nur Taktik, sondern (scheinbar unreflektierte 36)) Überzeugung, Ausdruck eines anscheinend exklusiven Sendungsbewusstseins eines «erneuerten» Priestertums?...
Fazit: Wie man es auch dreht, «Die Christengemeinschaft» möchte keine Konkurrenz aus anthroposophischen Reihen.
Warum?
Nicht weil frei christlich handelnde Anthroposophen "Nicht-Geweihte" sind, die Antwort ist dramatischer (und traumatisch):
Ohne die "anthroposophische Scene" würde die «Christengemeinschaft» - nach 80 Jahren immer noch eine quantitativ unbedeutende "Sondergemeinschaft" - und so (vor allem finanziell) nicht existieren können, und deshalb «weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht. Dadurch wird ein Unmögliches getan.» (Steiner 37))
Die traditionellen Kirchen sind für die anthroposophische Scene in der Regel keine Alternative und so auch keine Konkurrenz, aber ein kultisch und sozial sogar noch fortgeschrittener und freier anthroposophischer Kultus und dazu noch mit den gleichen Texten, das könnte Mitglieder abziehen und die bisherige Politik und das unter diesen Umständen entstandene Dasein in Frage stellen.
Das anthroposophisch gesinnte Klientel muss sie sich aber erhalten, denn außerhalb deren finden sich auch heute viel zu wenige Anhänger, denn dort ist man die «anthroposophische Sekte» oder die «Anthroposophen-Kirche». Und damit sitzt man in der Zwickmühle; denn der Nichtanthroposoph, der freiheitlich strebende, ökumenisch gesinnte und esoterisch tiefer suchende Christ (den Rittelmeyer und Steiner mit der Begründung im Auge hatten) will ja nicht in eine "Sekte" = "Anthroposophen-Kirche"...
Gerade die wollte auch Rudolf Steiner nicht: «Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden. Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse: dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse, dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen ... dass strenge darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.» (Steiner 38))
Doch beide Seiten haben ihre Aufgaben nicht erfüllt.

So versucht man ein Monopol aufrecht zu erhalten, das durch eine Jahrzehnte herrschende Uninformiertheit der Mitglieder entstanden ist.
Und so darf man sich nicht wundern in den Verlautbarungen eine oftmals sehr einseitige, zweckdienliche und leider immer wieder auch irreführende, ja diffamierende und unrichtige Information zu finden, gerade dann und dort wo es darum geht die "Konkurrenz" abzuwehren. 39)
Obwohl Anthroposophen als Freie Christen in der «Christengemeinschaft» keine Konkurrenz sehen («Jedem das Seine!»), sind sie es faktisch für die «Christengemeinschaft».



EVOLUTION DER WEIHE

«Dem traditionell kirchlichen Priestertum kommt aus seiner Stellung gegenüber der Gemeinde der Laien und durch die institutionalisierte Weihe immer noch eine Art hierarchischen Selbstverständnisses zu. Hierarchie ist die Struktur der geistigen Welt, die über dem Menschen steht. Ihr gehört auch der Mensch als Wesenheit an. Eine Priesterschaft, die den Initialimpuls ihrer Priesterlichkeit als von über dem Menschen stehenden Hierarchien ausgehend versteht, und zu der ein Novize nur durch Erteilung eines hierarchisch geformten Weiheritus Zugang findet, erscheint aus der Laienschaft herausgehoben und ihr vorgesetzt. Von außen betrachtet erscheint sie als die physisch wirkenden Ausführungsorgane der Interessen ihres Gruppengenius, der nach anthroposophischem Verständnis ein Erzengelwesen ist.
Beim allgemeinen Menschenpriestertum liegt die Sache etwas anders. Das Weiheerlebnis ist ein sich (durch den Christus) im Selbsterzeugen Vollziehendes. Die daraus folgende Priesterlichkeit ebenfalls. Für hierarchisch höher rangierende Wesen bedeutet das, wenn sie über priesterliche Impulse in der Welt wirken wollen, dass sie zunächst Ausschau halten müssen nach Menschen-Ichen, die in solcher Weise geartet sind. Dadurch erhält aber die Weltwirksamkeit höherer Hierarchien eine ganz andere Qualität, als wenn sie selbst die Initiationsimpulse für eine Priesterströmung gibt. Auch im allgemeinen Menschenpriestertum finden also Erzengelwesen die Möglichkeit, sich durch Menschen betätigen zu können. Sie können sich als Genius mit dem Kultuskreis, jedes Mal, wenn er sich neu bildet und seine geistige Gültigkeit von den Feiernden ebenfalls neu erzeugt werden muss, verbinden. Aber ihr Verhältnis zu diesem Menschenkreis ist notwendig ein viel freibleibenderes. Im traditionellen Priestertum ist dieses selbst ein Offenbarungsorgan für hierarchische Wesenheiten. Im allgemeinen Menschenpriestertum liegt die Sache so, dass es selbst zum Offenbarer für hierarchische Wesenheiten wird oder werden kann.» (Nordendoorp 40))

Die "Weihe" ( = Sein Ja zu meiner Nachfolge seines Aufrufes zum auch kultischen Dienst füreinander) tritt im Zeitenlauf wie auch in den verschiedenen Konfessionen in sehr unterschiedlichen und sich wandelnden Formen auf. Sie ist ein ständig angepasstes Werkzeug der geistigen Welt an die individuellen Möglichkeiten und Aufgaben der zu Weihenden und deren Gemeinschaften. Auf keinen Fall ist sie "ewig" gleich bleibend, wie auch nicht nur einer Zeitepoche oder Gemeinschaft vorbehalten und nur in dieser berechtigt und wirksam und sichtbar zu machen.
Wenn nun die kirchliche Weihe öffentlich gemacht wird, warum nicht möglicher Weise heute auch die allgemein-priesterliche Weihe?
Würde ggf. auch für ein freies christliches Wirken dieser innere Weihe-Prozess auch in Worte gefasst, von einer Gemeinschaft mitgetragen und öffentlich gemacht, entsteht die Frage:
Mit welchen Worten? Idealerweise mit denen die ein Eingeweihter vermitteln, der auch die Geschehnisse der geistigen Ebene deutlich erkennen und schildern kann.
Solange wir die spirituellen Möglichkeiten zu "eigenen Texten" nicht haben, werden wir dankbar sein, mit der Fassung Rudolf Steiners umgehen zu können und an dieser, nach den gegebenen Möglichkeiten, nur das offensichtlich Einsichtige aus einer anderen - der freien christlichen - Perspektive anpassen, neu formulieren.
Aber vielleicht ist dessen Fassung doch so universal umfassend, dass bald deutlich wird wie wenig anzupassen wäre...
Obwohl der durch die Sakramente auszugleichende Involutions-/Evolutionsprozess alle Menschen - mit ihren unterschiedlichsten Standorten - betrifft, hat uns Rudolf Steiner für das Sakrament der «Verbindung» = der Weihe folgenreich nur eine Fassung hinterlassen, eine Fassung - scheinbar? - aus der Perspektive des Priesterberufes in einer speziellen Kirche.
Doch nicht nur eine, weil nur die «Christengemeinschaft» fähig und berechtigt wäre sakramental zu handeln.
Das Problem lag in der mangelhaften Wachheit der Anthroposophen für das zukünftig Not-wendige und der deshalb
nicht gestellten Frage nach einer allgemeinen, freien christlichen Perspektive; während die Begründer der «Christengemeinschaft» ihre Fragen stellten und Antworten bekamen...
Wenn Rudolf Steiner es jedoch als «lehrreich» bezeichnete, dass er für verschiedene (aus der Anthroposophie schöpfende) Impulse mit kultushistorisch verschiedenen Aufgaben und Möglichkeiten dennoch die gleichen Texte gab, darf man fragen, ob überhaupt bzw. wo der Text der Weihe anzupassen wäre.
Ich neige der Hypothese zu, dass es auch bei einer Frage seitens frei christlich Strebender bei diesem einen, nur leicht modifizierten Text geblieben wäre,
weil die Weite und auch die Aufgabenstellung dieses Textes nicht nur für eine spezielle Anthroposophen-Gruppe (auch die Priester der «Christengemeinschaft» sind - sogar zwingend - Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft) fassbar ist. Denn eine «Weihe» besteht ja auch beim freien christlich Handelnden, also kann diese auch "formuliert" und liturgisch vollzogen werden. Und dies ggf. auch mit einem gemeinsamen, gleichen Text,
wenn die Schilderungen in diesem Text dem zukünftigen Handeln der "Kandidaten" entsprechen.
Die Aufgaben und Grundgesten der Sakramente sind prinzipiell überall gleich. 41)
Die nötigen Aussagen, um die Aufgaben, die Wirkungen, das Geschehen einer Weihe in Worte zu bringen lägen, trotz der eminenten Aufgaben- und Wesensverschiedenheit der kultushistorisch ganz unterschiedlichen Position des freien christlich Handelnden und des Priesters der «Christengemeinschaft», für beide rein
textlich jedoch nur geringfügig auseinander.
Der Anpassungsbedarf liegt dort wo es um die spezifische Eigenart des Prinzips und der Organisation der entsprechenden, speziellen Gemeinschaft geht, in der die Kandidaten aufgenommen werden und gemäß deren Typus und Aufgabenstellung sie wirken.
( In den Anmerkungen/Fußnoten des Weihetextes im «Kultus-Handbuch» wurde versucht dem zu entsprechen, siehe dort. )
Solch einen anthroposophisch gegründeten, universalen Text zu fassen, ist Rudolf Steiner gelungen.
Doch, auch wenn eine freie christliche Weihe grundsätzlich "veröffentlichbar" wäre, bleibt dennoch aufschlussreich und maßgebend, dass wir an einer kultushistorisch bedeutsamen Schwelle der Evolution der Weihe stehen, an der Seine Weihe, nunmehr - für ein freies christliches, sakramentales Handeln - im Prinzip keines "Textes nach außen", keiner öffentlichen, institutionalisierten Zelebration mehr bedarf!



ZUR STRUKTUR DER WEIHE

Man kann die kirchliche Weihe (auch die in der CG) unterscheiden in:
- die Weihe-selbst (= SEIN Ja)
Wird eine Weihe in Worte gefasst, öffentlich gemacht, wird die «Weihe-selbst» nur nachträglich beschreibbar sein. Der Bezug auf die Weihe-selbst in der Weiheliturgie, die ja bereits in der intimem Zwiesprache mit IHM = durch Seine Be-ruf-ung vollzogen worden sein muss, hat dann Dokumentationscharakter, ist eine Veröffentlichung, Schilderung eines schon Geschehenen. In der öffentlich vollzogenen "Weihe" stehen also vor allem Teil 2 & 3, die Verpflichtungen und Verbindlichkeiten der den Kandidaten aufnehmenden, speziellen Gemeinschaft im Vordergrund. (Es wäre ja seltsam wenn der Kandidat erst während der Zelebration der Weihe zum ersten Mal SEIN Ja zu diesem Dienst verspüren würde. Was wäre dann, wenn geweiht würde und das Ja nicht vorläge... Deshalb trifft - "zur Sicherheit" [...] - in der Kirche vor der Weihezeremonie die Hierarchie die «Weiheentscheidung».)
- die Mitgliedschaft
(als kultisch Tätiger / Priester) in einer Kultus-Trage- und Verantwortungs-Gemeinschaft, d.h. einer bestimmten Kirche, Religions-, Weltanschauungs-, Kultusgemeinschaft.
Weil Christ-Sein nicht ohne Bruder-Sein wahr ist, ist dieses Sakrament in seiner öffentlichen Wirksamkeit vor allem ein soziales Sakrament, ein "Sakrament der Aufnahme in eine kultisch und brüderlich aktive Gemeinschaft", in einen Kultus-Verantwortungs-, Träger- und Pflege-Kreis.
- den Hirten- / Aussendungs-Auftrag
aufgrund dessen der Einzelne von und für eine Gemeinschaft be-recht igt wird und wirkt.
Relevant für die Wirksamkeit der Weihe ist der erste Aspekt, und der ist im freien, allgemein-christlichen Wirken (wenn es wahrhaftig ergriffen ist) gegeben.
So auch Teil 2, der meine Zugehörigkeit zur ganzen Christenheit und speziell zum Impuls der Anthroposophie betrifft,
wie auch Teil 3, indem ich Seinem Aufruf «gehet hin und taufet und lehret» folge.
Ein und der bedeutsame Unterschied zwischen kirchlicher und freier, individueller Weihe ist in der Kirche das mit der Weihe installierte "Zwei-Stände-System" und der «character indelebilis».
Im freien christlichen Handeln gibt es kein geistliches, hierarchisches "oben und unten" und keine 42) lebenslang verliehene Berechtigung. Und so wird entsprechend auch SEIN Ja, Seine Weihe immer wieder neu errungen werden müssen
. 43)
Es ist hier ein lebenslanger Werde-/Nachfolge-Prozess, der daher auch als Handlung - wenn sie liturgisch vollzogen wird - ggf. immer wieder offenbart werden könnte.
(Mit der Konfirmation / Jugendfeier stehen wir vor einem ähnlichen Phänomen. Während in der Kirche die Konfirmation ein einmaliger Akt ist, wird sie in den freien christlichen Handlungen noch ein bis zwei Jahre, bis zum Beginn des Besuchs der Opferfeier, wiederholt.)

Auch hier zeigt sich wieder die Verantwortlichkeit der Handelnden selbst, die das Richtige und Gute in und aus Freiheit (im Sinne der «Philosophie der Freiheit») zu erarbeiten haben.



AUFGERUFEN ?

DIE VERÖFFENTLICHUNG
Wenn
also der frei christlich, "laien-priesterlich" Handelnde sich außerdem noch einer speziellen Gemeinschaft verpflichten will, ist dies sein freier Wille und sein Schicksal, ein weiterer und anderer - insbesondere sozialer - Akt, der die «Weihe-selbst» nicht tangiert.
Ob und wie in diesem Fall ein frei christlich, sakramental Tätiger seine «Weihe» "hörbar" macht, ob und wie er sie in eine Kultus-Plege-Gemeinschaft Gleichstrebender hineinstellt und dieses innerlich erfahrene JA dann auch öffentlich verbindlich offenbaren, begründen und vertiefen will, (noch einmal und immer wieder) IHM gegenüber und eben auch den Mitbrüdern und -menschen, liegt in aller Freiheit nur bei ihm und der Gemeinschaft in die er sich stellen will!
In einer ggf. öffentlichen Gestaltung ist jeder Weg berechtigt, der SEIN Ja widerspiegelt.
Ob dies im jeweiligen Fall dann "berechtigt" ist oder nicht, obliegt ebenso nicht uns zu beurteilen.
Das aber wird sich auch darin zeigen, ob der freie christliche Liturg dann gefragt werden wird oder nicht:
«An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen...»
Die Hauptübung des freien christlich Handelnden ist deshalb die demütige Frage an IHN und das selbstlose Hinlauschen auf Seine Antwort ...und die kann von überall her kommen... wenn er als selbstlose Schale IHM zur Verfügung steht.
Innerhalb eines "freien" christlichen Wirkens ist eine ungeheure Bandbreite Seines Willens möglich und deshalb unermessliche Toleranz unerlässlich!


ER-WACH-SEN-WERDEN
Im Ergreifen des allgemein-priesterlichen Auftrages Christi, kann solch eine Weihe zu dem werden was dann oftmals als "Erwachsenen-Taufe" tituliert, verstanden und gesucht wird: Als religiös erwachsen Gewordener trete ich nun aktiv und voll bewusst meine Christen-Verantwortung an: der Schwester/dem Bruder auch in den Hoch-Zeiten des Lebens beizustehen, indem und weil ich IHM folge, eben auch und konkret in Seinem ausdrücklichen Aufruf - auch - sakramental tätig zu werden.
Diese Schicksals-Entscheidung hierzu zur Verfügung zu stehen, kann nur eine sein die wir als Erwachsene = als Erwachende treffen können. Die Taufe des Neugeborenen - und auch die Konfirmation/Jugendfeier - hat ganz andere Aufgaben (und war im Urchristentum unüblich) und bleibt daher ergänzungsbedürftig und rechtfertig, ja fordert geradezu die dann voll bewusste JCh-«Verbindung» heraus, die konkrete Tat, Lebenspraxis wird.
Das Sakrament der Weihe ist solch ein bewusster Auftragsannahme-, Aufwach- und Wieder-Verbindungs-Akt, in dem ER mich erwachen lässt für Seine Be-rufung, für meine Nachfolge...


AUFGERUFEN ?
So besteht die Frage, ob wir heute nicht wieder eine freie und zugleich urchristliche, ökumenische Gesinnung finden könnten, die keine Trennungslinie mehr zwischen den unterschiedlichsten Christen-Gemeinschaften zieht?
Diese Gesinnung sollte innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft selbstverständlich sein, in der sogar Mitglieder verschiedener Religionen zusammenarbeiten (sollen und wollen...).
Sollten wir uns also nicht aus religiöser Mündigkeit, Selbstbestimmung und Freiheit, aus einem ethischen Individualismus, aus moralischer Intuition, aus Nächstenliebe frei machen können und jeder Schwester, jedem Bruder als Christ eben auch sakramental beistehen, wenn wir be- und gerufen werden...?
Dürfen wir als Anthroposophen und Zeitgenossen der Jahrtausendwende solch ein kostbares Geschenk wie den «freien christlichen» Impuls, solch eine not-wendige Aufgabe wie das Weiterentwickeln und Weiterschreiten im Kultus, in einer immer apokalyptischer werdenden Zeit derartig negieren?

... Vielleicht hat die ganze Diskussion auch nur akademische Relevanz, denn die avantgardistisch, freiheitliche Gesinnung und zukunftsorientierte und oftmals anarchische Praxis frei christlich Gesinnter und Wirkender frägt sowieso nicht nach einer "Erlaubnis" oder dem Monopolanspruch irgendeiner Kirche oder Gesellschaft... sondern handelt.


Sicherlich: Bevor ein freier christlicher Impuls, insbesondere eine allgemein-priesterliche Weihe, praktisch relevant werden, sind noch viele, wesentliche und grundsätzliche Fragen zu klären...wozu diese vorgelegten Skizzen lediglich Hypothesen, Anregungen zu eigenem Forschen und Handeln sein sollen und können.
Denn:
«Aus dem Ernst der Zeit,
muss geboren werden
der Mut zur Tat!»
( R. Steiner )


Volker David Lambertz






Siehe hierzu auch:
-> Freie christliche AG !!
-> Forum Kultus / Sakramente spenden? / weitergehen
-> Gemeinschaft bauen



P.S.: Und andererseits und nochmals:

Diese Darstellung und der freie christliche Impuls ist nicht gegen eine «Christengemeinschaft» = Jedem das Seine!! Gerade heute ist für viele Menschen eine «Bewegung für religiöse Erneuerung», eine erneuerte Kirche, die «Christengemeinschaft» nicht nur berechtigt sondern not-wendig und zwar mit den Aufgaben, die sie sich mit ihrer Gründung gestellt hat! Ich glaube und hoffe, dass sich auch dieser Wandel vollziehen wird...


______________________________________________

Der Weihe-Frage war hier deshalb näher nachzugehen, weil gerade das Hauptargument, der Gegner eines freien christlichen Handelns, die angeblich fehlende "Weihe" ist ...
Wenn Sie bestimmte oder gar viele Fragen und Antworten hier vermissen, haben Sie ganz recht! Dieses Konzept ist noch lange nicht zufrieden stellend bearbeitet! Deshalb kann ich Sie nur ermutigen, auch selbst Ihre Pespektiven und Hypothesen darzustellen, bzw. die fehlenden Fragen mir zu stellen; ich werde diese in der nächsten Bearbeitung (bzw. im AMzKF) berücksichtigen und - wenn irgend möglich - Ihnen auch direkt persönlich antworten. VDLambertz





ANMERKUNGEN :


1) Anno Quadt, «Evangelische Ämter gültig - Eucharistiegemeinschaft möglich» Grünewald-Verlag.
2) Walter Kasper, «Theologie und Kirche», Bd. 2, Matthias-Grünewald-Verlag.
3) Kasper, ebd. 172 f. .
3a) Walter Kasper, "FRAGEN DER OFFENEN KOMMUNION" (1970), veröffentlicht in der Reihe "Themen des Glaubens", Heft 8 (Januar 1984) der "aktion 365", S.13 .
4) Rudolf Steiner, 4.10.1921.
5) Rudolf Steiner, 10.10.1921, Vormittag.
6) Rudolf Steiner, 3.10.1921, Nachmittag.
7) Siehe Rudolf Steiner, «Aus der Akasha-Forschung. Das fünfte Evangelium», 10.2.1914, GA 148.
8) Vgl. Ernst Marti, «Die vier Äther», Verlag Freies Geistesleben, 1981.
9) Siehe Rudolf Steiner, «Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit», 1.10.1911, GA 130.
10) Vgl. Rudolf Steiner, «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien...», 6.7.1909, GA 112.
11) Michael Debus, «Anthroposophie und die Erneuerung der christlichen Kirche».
12) Siehe Gunther Wenz, «Einführung in die evangelische Sakramentenlehre», S.209.
13) Dieter Brüll, «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus».
14) Dieter Brüll, «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus».
15) Siehe die Erläuterungen dazu im Kap. «Zur Freiheit des Christenmenschen».
16) Friedrich Benesch (ehemals Leiter des Priesterseminars der CG), «Das Religiöse der Anthroposophie ...»
17) Die Behandlung der Frage des erforderlichen Schulungsweges hin zu dieser Christusbegegnung, sprengt hier den Rahmen. Siehe zum anthroposophischen Schulungsweg Kap. «SchaleERbilden» im Kultus-Handbuch, bzw. im «Arbeitsmaterial Zur Kultus-Frage», TEIL 4 .
18) Obwohl Ruhtenberg zu dieser Zeit nicht mehr «Pastor» war, spricht Steiner ihn, entsprechend den damaligen Umgangsformen, als "ehemaliger Pastor" weiterhin mit diesen Titel an.
19) ...als freier christlicher Religionslehrer und -Handelnder.
20) 9.12.1922, Stuttgart.
21) Rudolf Steiner, 3.Mysteriendrama.
22) Rudolf Steiner, 30.12.1922.
23) Rudolf Steiner, zu den Gründungsmitgliedern der «Christengemeinschaft».
24) Hans von Campenhausen, «Die Anfänge des Priesterbegriffs in der alten Kirche».
25) Siehe ausführlich bei Herbert Haag, «Worauf es ankommt - Wollte Jesus eine Zwei-Stände-Kirche?».
26) Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922.
27) Hierzu gehört auch die Menschenweihehandlung der CG.
28) Maria Lehrs-Röschl, GA 269, S.128.
29) Maria Lehrs-Rösch,l GA 265, S.42.
30) Siehe unten «Zur Struktur der Weihe».
31) Damit sind (wahrscheinlich) die von Rudolf Steiner gefasste Kinder-Sonntagshandlung und die Sakramente Jugendfeier und Opferfeier gemeint. Vorgelegt am 21.9.1922 nachmittags, siehe GA 344, S.237.
32) Rudolf Steiner, Stuttgart, 9.12.1922.
33) U.a. Michael Debus, Leiter des Priesterseminars in Stuttgart.
34) ...wortgleich mit dem Text, den die CG 1922 dann auch bekam.
35) Duden, Fremdwörter: « MONOPOL [gr.-lat.]: 1. Vorrecht, alleiniger Anspruch, alleiniges Recht... 2. marktbeherrschendes Unternehmen oder Unternehmensgruppe, die auf einem Markt als alleiniger Anbieter oder Nachfrager auftritt. »
36) Da ich (VDL) in meiner Entwicklung auch das Priesterseminar der CG besuchte (dann aber weiterschritt), weiß ich, dass dort bestimmte Tabufragen erst garnicht behandelt, bzw. wenn unumgänglich nur ausweichend, uninformiert oder relativiert dargestellt werden, bzw. wurden.
37) Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922.
38) Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922.
39) Siehe in TEIL 10 «Dokumentation» des Arbeitsmaterials Zur Kultus-Frage die Argumente von z.B. Debus (Leiter des Priesterseminars der CG in Stgt) und Schroeders (Oberlenker und ehemals Leiter des Priesterseminars der CG in Stgt) und deren Widerlegung, in der Auseinandersetzung nach der 1.Auflage des «Kultus-Handbuches», insbesondere in der Zeitschrift «Das Goetheanum» und «Die Christengemeinschaft»; siehe AMzKF im Literaturverzeichnis des Kultus-Handbuches.
40) Hergen Nordendoorp, Zeitschrift «Info-3», 9/93.
41) Siehe Kultus-Handbuch «Die Sakramente», Kap. «Die heilende Arznei: das Sakrament» - Die Sakramente als Involutions-/ Evolutionsakt im Lebenslauf des Menschen.
42) Natürlich kann man hier kein Dogma aufstellen, es ist nicht auszuschließen, dass auch eine einmalig erlauschte/erfahrene aber dennoch lebenslange Berufung empfunden wird; das ist eben die Freiheit: jeder muss seinen individuellen Weg finden und ver-antworten, sich selbst und IHM gegenüber und ggf. der Gemeinschaft der er sich verpflichtet.
43) Siehe oben Dieter Brüll und in «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus», S.114-115.


ABKÜRZUNGEN :

AG = Anthroposophische Gesellschaft
AKS = ArbeitsKreis Sakramente
AMzKF = Reihe: Arbeitsmaterial Zur Kultus-Frage - Freie christliche Sakramente heute?
CG = Die Christengemeinschaft (als Kirche, s.u.)
FKFK = Förderkreis Forum Kultus
FWS = Freie Waldorfschule
GA = Bibliographie-Nummer der Rudolf Steiner-Gesamtausgabe, Rudolf Steiner-Verlag, CH- Dornach
IKK = Initiativ-Kreis Kultus
IKKF = Initiativ-Kreis Kultus-Fragen ( = Frage-Kreis Ende der 80er-Jahre in Stuttgart)
KHB = Kultus-Handbuch «Die Sakramente...»
VDL = Volker David Lambertz


Stand des Beitrages: 11/2002








Du bist nicht Öl noch Luft -
nur der Verbrennungspunkt,
der Brennpunkt,
wo das Licht geboren wird.
Du bist nur die Linse im Lichtstrom.
Nur so kannst du das Licht
entgegennehmen und geben und besitzen.
Suchst du dich selbst
"in deinem eigenen Recht",
so verhinderst du die Vereinigung
von Luft und Öl in der Flamme,
raubst der Linse ihre Durchsichtigkeit.
Weihe -
Licht oder im Licht zu sein,
vernichtet, damit es entstehe,
vernichtet, damit es sich sammle
und verbreite.

(Dag Hammarskjöld)





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Zur Freiheit des Christen, Nur mit Weihe?, Zur «Christengemeinschaft»
Siehe u.a. Verzeichnis Arbeitsmaterial und Info-Material-beschaffung .
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