Bruder Christus

Wenn ich der Welt dienen will, wenn ich IHM nachfolgen will, wenn ich Gemeinschaft bauen will,
kann ich das,
wenn ich IHN nicht auch als meinen mitleidenden, mitliebenden BRUDER erkenne, konkret spüre?
Gerade in der anthroposophischen Bewegung - als eine geisteswissenschaftliche - wird oftmals der kosmischen Christus gesucht und der Bruder Christus vergessen.
Und wenn man diesen erahnt, wird ER als doch nur eine Schutzengel-Wahrnehmung relativiert.
Hans-Werner Schroeder (ehemals Leiter des Priesterseminars und Oberlenker der CG) versucht in seinem neusten Werk (s.u.) uns Christus als AUCH unser Bruder deutlich zu machen :
« "Ich habe mein Leben lang nach Christus gesucht, aber ich habe ihn nicht gefunden!",
so sagte mir ein altes Gemeindemitglied in der Hoffnung, dass sich eine Perspektive ergeben könnte für die Frage, die in diesen Worten enthalten ist.
"ER geht ja immer mit", so sagte der alte Bauer. Das ganze Leben hindurch ist Er mit uns verbunden - jedoch: Diese Christusbeziehung ist uns zunächst vollkommen unbewusst; vollständig selbstlos ist sie vonseiten des Christus. Sie ist einfach da.
Er ist uns ganz nah. Nicht nach außen müssen wir schauen, wenn wir seine Nähe finden wollen. Sie ist so nah, wie nichts anderes uns nah sein kann: näher auch als der nächste Mensch, als der allernächste Freund. Ja sogar: Seine Nähe ist näher, als wir uns selbst sind - näher selbst als unser Herz: "Das Herz unseres Herzens" - das ist Christus.
Und wie das Herz in uns anabläsig schlägt, vom ersten bis zum letzten Ausgenblick unseres Lebens, wie es selbstlos unser Leben trägt, auch wenn wir nicht daran denken - so lebt Er mit uns: "Er geht ja immer mit."
Wir dürfen uns Christus ganz menschlich vorstellen.
In dieser unendlichen menschlichen Nähe dürfen wir uns Christus vorstellen. Er ist damals Mensch geworden, und er ist Mensch geblieben, "unsterblicher Bruder der sterblichen Menschen".
Wir dürfen ihn uns in dieser menschlichen Nähe innerlich vorstellen - vielleicht die Augen, wie sie beschrieben worden sind: "Mit unendlicher Weite und unermesslicher Liebe".
Wir können uns vorstellen, wie diese Liebe von ihm ausstrahlt, hinströmt von ihm zu uns; nicht eine allgemeine Liebe - sondern eine Liebe, die uns meint, mich, mich persönlich, mein Schicksal, auch mit all den Schwächen, die ich habe.
"ER geht ja immer mit mir!" »
Ein Liebender direkt und konkret an meiner Seite, mit mir, ja in mir, der sich nicht aufdrängt, aber der seine Hand immer beschützend über mich hält, und die ich ergreifen kann...
AUCH das ist Christus! Der Christus der uns vor aller makrokosmischer Betrachtung oft nicht ins Auge fällt ... weil Er NEBEN mir steht!
Diesen "Christus-mit-mir" kann ich dann auch in jedem anderen Menschenbruder entdecken
und so können wir gemeinsam IHM nachfolgen als eine "Christus-in uns-Gemeinschaft".



Aus :
«Leben mit Christus»
Hans-Werner Schroeder,
Verlag Urachhaus, ISBN 3-8251-7383-6









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