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Inhalt



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+ AUS DER P R A X I S :
-
Heirat nun auch ohne Standesamt
- Zur Freigabe der Bestattungsform
-
Erster privater Friedhof
-
Beerdigung nur für Mörder?
-
Impotent = keine Trauung!
-
Freie Theologen

+ I N F O S :
-
Templer freigesprochen!- Statistik: Spirituelle Sinnsucher
-
Offener Brief an Kardinal Meissner
-
Wer erschuf die Welt?
- Was ist los im Weltall?
- Wachkoma: Der Geist lebt!
- "wir sind Papst!"
- Papst verbietet gemeinsames Abendmahl
- Ökumene-Konsequenzen
- Zurück in die röm.kath. Kirche!
- Papst ändert Wandlungsworte
- Wiedereinführung der lateinischen Messe
- Verwirrung in der Ökumene
- Drewermann: Ökumene und Kirchentag
- Vergessene Strömung - die Ketzer
- Christus ist der Einladende: Geht hin!
- Gegenseitiges Anderssein
- Jenseits von Kirche
- 1989 - Revolution durch Christen
- Hierarchie muss sein
- Ökumene nach ev-luth. Verständnis
- ...weil die Evangelischen keine Kirche sind
- Das große Schisma
- Reichtum der Kirchen
- Kirchenaustritt Drewermanns
- Papst: Evangelische Kirche = keine "Kirche"
- PARTEI spirituell Aktiver

+ NACHRICHTEN :
- sexuelle Übergriffe - Vatikan-Recht
- Dalai Lama beliebter als Papst
- Kein Fegefeuer mehr
- Ein Nachruf

+ T H E M A :
- Terror-Religion Islam ?





-> siehe auch politische
Kommentare zum Zeitgeschehen.









AUS DER P R A X I S :




Heirat nun auch ohne Standesamt


Seit Bismarcks Zeiten war es unmöglich:
Bald können Paare auch heiraten, ohne vorher beim Standesamt gewesen zu sein.
Eheleute, die sich nur für das kirchliche Ja-Wort entscheiden, haben allerdings Nachteile.


Von Heribert Prantl


Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist das Recht der Eheschließung grundlegend verändert worden: Künftig darf sich ein Paar auch dann kirchlich trauen lassen, wenn es zuvor nicht standesamtlich geheiratet hat. Kirchliche Hochzeit und staatliche Trauung stehen damit völlig unabhängig nebeneinander. Die Neuregelung tritt am 1. Januar 2009 in Kraft. Sie ergibt sich aus dem gänzlich neu gestalteten Personenstandsgesetz.
Das neue Recht hindert die Geistlichen nicht mehr, Heiratswillige kirchlich zu verbinden, selbst wenn diese gar nicht beabsichtigen, sich auch staatlich trauen zu lassen. Man kann also nun kirchlich heiraten, ohne sich staatlich und zivilrechtlich binden zu wollen. Seit der Einführung der Zivilehe in Deutschland 1875 waren Priester bestraft worden, wenn sie eine Hochzeit in der Kirche vor der standesamtlichen Eheschließung zelebrierten. Das ist nun vorbei.

Die Paragraphen 67 und 67 a, die eine Hochzeit vor dem Altar ohne vorherige standesamtliche Trauung seit 133 Jahren verboten haben, sind ohne Aufhebens gestrichen worden. Sie galten seit dem Kulturkampf der Bismarck-Zeit. Damals war gegen den heftigen Protest der Kirchen die obligatorische Zivilehe eingeführt worden.
Die Regel des Deutschen Reiches aus dem Jahr 1875 - standesamtliche Heirat muss einer kirchlichen vorausgehen - hielt sich bis heute. Die damit verbundene Strafdrohung gegen die Priester schuf jahrzehntelang Konflikte zwischen Kirche und Staat. Ursprünglich wurde ihnen Haft bis zu drei Monaten angedroht, später die Geldstrafe auf 10 000 Reichsmark erhöht; während der Nazi-Zeit drohten Priestern sogar fünf Jahre Gefängnis. Zuletzt war die verbotene "kirchliche Voraustrauung" in der Bundesrepublik aber nur noch eine Ordnungswidrigkeit ohne Sanktion.
Die Neuregelung dürfte bei christlich geprägten Paaren die bisherigen Hochzeitsrituale verändern: Bisher musste es stets so sein, dass erst im Standesamt und dann in der Kirche geheiratet wurde. So wurden 2006 in Deutschland 373681 Ehen im Standesamt geschlossen; ungefähr 105000 dieser Paare ließen sich dann zusätzlich vor dem Altar trauen.
Die staatliche "bürgerliche Ehe" und die Ehe nach Kirchenrecht stehen nun völlig unverbunden nebeneinander. Der Regensburger Familienrechts-Professor Dieter Schwab weist auf die Folgen hin: "Ein Paar, das sich kirchlich, aber nicht standesamtlich trauen lässt, befindet sich in einer Ehe, die jedoch vom staatlichen Recht als nichteheliche Gemeinschaft angesehen wird - mit allen Konsequenzen."
Das heißt: Kein Unterhalt, kein Erbrecht, kein Steuerfreibetrag, keine Schutzvorschriften für den Schwächeren beim Scheitern der Ehe, auch kein Zugewinnausgleich. Ansonsten auch kein Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht, keine Rechte bei der Totensorge oder bei der Organtransplantation.
Familienrechtler Schwab hält daher "die Sache für äußerst bedenklich", wenn die Nur-Kirchenehe gewählt werde, um das Risiko des Scheiterns dieser Ehe vermögensrechtlich auf den schwächeren Partner abzuwälzen. Der Regensburger Professor wirbt deshalb für eine gründliche juristische Aufklärung.
Allerdings besteht immer die Möglichkeit die Ehe rechtlich individuell zu gestalten, durch einen notariell erstellten Ehevertrag.


(SZ vom 03.07.2008/grc)


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Zur Freigabe der Bestattungsform


In NRW sollen Hinterbliebene ihre Toten bald schon daheim bestatten dürfen.
Moralisten sind empört, Unternehmer und Kirchen fürchten um ihre Pfründen.

DER SPIEGEL 45/2002 - 04. November 2002


Oma kam mit der Post. Jetzt steht ihre Urne in der Wohnzimmervitrine des Sohnes in Berlin-Spandau. Neben ihr steht der Topf von Opa, dessen Asche die Kinder schon vor zwei Jahren abgeholt hatten - aus Rücksicht auf den damals bereits schlechten Gesundheitszustand der alten Dame. "Als er starb", sagt Schwiegertochter Luisa Umlauf, 54, "war sie schon zu krank, um auf den Friedhof zu gehen." Im Internet entdeckten Umlaufs dann einen Weg, um den deutschen Friedhofszwang auszutricksen, der eine Bestattung daheim verbietet: Von einem Berliner Krematorium ließen die Umlaufs die elterlichen Urnen in die Niederlande exportieren, angeblich zur dortigen Bestattung. Anschließend reimportierten sie die Asche aus dem liberalen Nachbarland, in dem Bürger die Asche ihrer Verstorbenen schon lange mit nach Hause nehmen dürfen. "Wir haben Monate auf Opa gewartet", sagt Luisa Umlauf. "Oma hat vor Freude geweint, als seine Urne kam." Die Schwiegertochter sagt, ihr selbst sei die heimische Gedenkstätte nun auch "ein großer Trost". Der kleine Urnen-Grenzverkehr soll bald zumindest in Nordrhein-Westfalen überflüssig werden: Die rot-grüne Landesregierung will - als erste in Deutschland - den Friedhofszwang für Urnen abschaffen und den Sargzwang bei Begräbnissen gleich obendrein. Künftig sollen Rheinländer die Asche ihrer Liebsten etwa im eigenen Garten beisetzen können - jedenfalls wenn die Verstorbenen sich dies zu Lebzeiten schriftlich gewünscht haben. Und Muslime dürften nach dem geplanten Gesetz ihre Toten überall in NRW gemäß ihren Riten beerdigen - ohne Sarg, direkt im Leinentuch. Einen Termin für die Verabschiedung der Gesetzesvorlage von Gesundheitsministerin Birgit Fischer, SPD, gibt es aber noch nicht - und seit Mittwoch vergangener Woche dürfte den Abgeordneten im Landtag klar sein, dass der Widerstand heftig wird: Aufgebrachte Vertreter von Leichenbusiness und Kirchen beschworen vergangene Woche bei einer Anhörung die Abgeordneten, "das, was sich in vielen hundert Jahren eingebürgert hat, nicht per Gesetz abzuschaffen", so Rolf Lichtner vom Bundesverband Deutscher Bestatter. "Alle sind dagegen", mokiert sich der SPD-Abgeordnete Horst Vöge, "der Städtetag fürchtet um das Ausbleiben der Friedhofsgebühren und Ver.di um die Stellen der Totengräber; Bestatter, Steinmetze und Floristen bangen um Kundschaft und die Kirchen um ihre Schäfchen." Ein evangelischer Würdenträger verstieg sich bei der Debatte gar zu dem Argument, der moderne Mensch müsse vor sich selbst geschützt werden: "Das Recht auf Selbstbestimmung darf nicht das Recht auf die eigene Menschenwürde verletzen." Und ein katholischer Kollege sekundierte, wenn die Asche demnächst auf der Wiese verstreut werde, lande sie doch schon beim nächsten Rasenmähen auf dem Kompost. Pfui Teufel. Konservative Politikerseelen teilen derlei Horrorvisionen: "Es kann nicht sein, dass sich jeder eine Urne in den Kofferraum packen darf", poltert der Unionsabgeordnete Norbert Post. Dabei läutet NRW keineswegs den Niedergang des Abendlands ein, sondern gleicht seine Vorschriften nur denen vieler EU-Länder an: Selbst in katholischen Hochburgen wie Spanien und Italien werden Hinterbliebenen auf Wunsch die Urnen ausgehändigt. In Großbritannien wurde einem Zechbruder gar der Wunsch nach der letzten Ruhe in seiner Stammkneipe gewährt. Am freizügigsten aber sind die Niederländer, die ihre fein gemahlenen Altvorderen überall verstreuen dürfen - zu Lande, zu Wasser und aus der Luft. "Friedhöfe sollen ja nicht verboten werden", spottet Hermann Weber von Aeternitas, dem Verbraucherschutzverein für Bestattungskultur, über den Widerstand all jener, die um ihre Einkünfte bangen: "Die meisten werden sich weiterhin traditionell bestatten lassen, auch wenn sie die Aufhebung des Friedhofszwangs befürworten." Und dass die Mehrheit im Lande für die Liberalisierung ist, ahnen auch die Sarg-Lobbyisten: Mehr als die Hälfte der Totengräber glaubt nach einer internen Befragung des Verbandes, dass ihre Kundschaft sich die neue Freiheit für Urnen wünscht. Doch es geht um viel Geld: Rund 5000 Euro müssen im Schnitt für herkömmliche Bestattung, Trauerfeier und Grab berappt werden. Regelmäßig unterstützt Aeternitas Musterprozesse gegen Städte wegen Beutelschneiderei bei den Friedhofsgebühren - in Hessen etwa variiert der Quadratmeterpreis für ein Urnengrab zwischen 2,30 Euro pro Jahr in Limburg an der Lahn und 91,61 Euro in Langen. Kein Wunder, dass sich immer weniger Bürger den Luxus noch leisten können. 40 Prozent aller Toten werden mittlerweile eingeäschert (Spareffekt: etwa 500 Euro). Und beinahe 15 Prozent wählen die Billigbeisetzung der Urne im Massenreihengrab: anonym, ohne Stein oder Kreuz. So nämlich ist es seit längerem erlaubt - die Methode zeigt, dass längst nicht jeder den Friedhof als "Ort der Erinnerung" nutzt, wie Branchenvertreter das gern hätten. Ebenso anonym ist die längst übliche Seebestattung - und deren Regelungen zeigen die ganze Absurdität der deutschen Vorschriften, die zum Teil schon seit dem 18. Jahrhundert gelten. So soll die Totenasche auch bei der See-Variante wieder auffindbar sein, der Abwurfort wird deshalb im Schiffstagebuch festgehalten. Großer Unfug, höhnen Kritiker: Da See-Urnen laut Gesetz aus wasserlöslichem Material sein müssen, werde ihr Inhalt sowieso schnell verteilt. "Wir begrüßen jede Veränderung, wenn alles so bleibt, wie es war", belächelt NRW-Bestatter Fritz Roth die Haltung seiner Kollegen. Er hat leicht spotten: Roths Geschäft blüht auch außerhalb von Eichensarg und Friedhofsruh. Die Trauer um Tote sei ein Akt der Liebe, so sein Credo, und Liebe mache kreativ. Deshalb bricht das Enfant terrible der Bestatterszene immer wieder die antiquierten Vorschriften - was zwar verboten, aber kein Straftatbestand ist - und zeigt damit, was künftig in NRW alles gehen könnte. Unter seiner Obhut erfüllen Trauernde selbst ausgefallene letzte Wünsche Verstorbener: Drei seiner Kunden etwa teilten die Asche ihrer freigeistigen Mutter unter sich auf und ließen sie von einer Brücke in den Rhein wehen.
Roth ist nicht der Einzige, der sich in Grauzonen des Bestattungsrechts bewegt: So hat das private Krematorium Celle den Niederländern einen neuen Gedenkfetisch abgeschaut. Es liefert Hinterbliebenen auf Wunsch ein "Am-Urn-Lett", einen Halsanhänger mit Totenasche. Celle vermittelt auch den direkten Weg ins Himmelreich: Für 11 000 Euro wird Totenasche aus Deutschland in die USA verschickt. Dort verlädt das Unternehmen Celestis die sterblichen Überreste in Raketen - und schießt sie zu den Sternen.

ANNETTE BRUHNS


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Erster privater Friedhof



Neue Trauerkultur

"Ein Friedhof wie das wahre Leben"

Bunte Urnen, Trauerfeiern mit Rockmusik, Weltraumbestattungen - die Wünsche für die letzte Reise werden immer ausgefallener. Jetzt sollen Friedhöfe zum Hort der Kreativität werden. Das verspricht Fritz Roth, der in Bergisch Gladbach Deutschlands ersten privaten Friedhof eröffnet hat.

SPIEGEL ONLINE: Herr Roth, warum braucht man einen privaten Friedhof?
Roth: Schauen Sie sich doch mal die modernen Friedhöfe an, diese genormten Marmorsteinwüsten! Ich möchte Trauernden ermöglichen, das Grab selbst zu gestalten und ihre Liebe ganz individuell auszudrücken. Wenn Sie einen Menschen lieben, dann werden Sie ja ihre Liebeserklärung auch nicht an andere delegieren.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben ja schon vor der offiziellen Eröffnung einige Menschen auf ihrem Friedhof beigesetzt. Wie sehen deren Gräber aus?
Roth: Auf einem Grab sieht man etwa eine Stele mit Vogeltränke, auf einem anderen eine Skulptur, die früher in dem Arbeitszimmer des Verstorbenen stand. Das ist ein Nachbau von einer Figur, die er auf einer Südafrikareise entdeckte und die ihm sehr gefallen hat. So sehr, dass er wollte, dass sie sein Grab ziert.
SPIEGEL ONLINE: Die hätte man auf einem städtischen oder kirchlichen Friedhof sicherlich auch aufstellen können.
Roth: Also mit der Skulptur hätten Sie da große Probleme bekommen. Auf manchen Friedhöfen ist sogar vorgeschrieben, welchen Stein man verwenden muss. Außerdem sind wir ja nicht nur ein Friedhof, sondern auch ein Platz der Kommunikation und der Kultur. Bei uns gibt es zum Beispiel eine kleine Naturbühne, auf der wir für alle, die traurig sind, Lesungen und Konzerte abhalten.
SPIEGEL ONLINE: Besinnlicher Art, versteht sich.
Roth: Nicht nur, diesen Sommer spielt bei mir auf dem Friedhof zum Beispiel eine Bigband, die Kings of Swing, die Musik von Glenn Miller macht.
SPIEGEL ONLINE: Das könnte man auch pietätlos finden...
Roth: Ein Friedhof muss auch ein Platz des Lebens sein, und die bunte Vielfalt des Lebens abbilden. Ich möchte, dass wir Flächenbrände des Lebens hervorrufen, und dafür muss man auf den Tod schauen. Mein Friedhof ist nur die konsequente Weiterentwicklung meines Konzepts, den Tod begreifbar zu machen.
SPIEGEL ONLINE: Und wie geht das? Wann begreift ein Mensch den Tod eines Angehörigen?
Roth: Seit Jahren fordere ich die Menschen auf, ihre Toten selber anzuziehen, die Särge selbst zu gestalten, um zu begreifen, was der Unterschied zwischen Tod und Leben ist. Das geht nicht über den Kopf. Und viele Leute sind bereit, den Tod über sinnliche Erlebnisse zu begreifen. Heute Morgen hatte ich erst eine Trauerfeier. Da hatten Kinder die ganze Woche den Sarg ihres Vaters bemalt.
SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Ihr Friedhof ist Teil eines Trends zur individuellen Bestattung?
Roth: Ja, aber es gibt auch den anderen Trend zur zunehmenden Anonymisierung, sowohl in der Gesellschaft als auch auf dem Friedhof. Ihr Name interessiert doch keinen, wenn Sie irgendwo Kunde sind, sind Sie eine Nummer, ein Pincode. Dem will ich entgegenwirken. Es gibt nur eine Bedingung auf meinem Friedhof: Hier wird keiner namenlos beigesetzt.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht ihr Friedhof in fünf Jahren aus?
Roth: Wie das wahre Leben. Schauen Sie sich doch mal ganz alte Friedhöfe an: Da steht das große Bürgergrab neben ganz schlichten, einfachen kleinen Gräbern. Das ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.
SPIEGEL ONLINE: Kann sich denn jeder eine Beerdigung bei Ihnen leisten?
Roth: Ein Reihengrab kostet bei uns 350 Euro, etwas mehr als bei der Stadt. Ein Wahlgrab kommt auf ungefähr 800 Euro.
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass ihre Pioniertat viele Nachahmer haben wird?
Roth: Ja, die Bevölkerung wird das fordern. Trauernde haben einen wunderbaren Sinn für bürgerlichen Ungehorsam.


Die Fragen stellten Florian Sailer und Brenda Strohmaier

Fritz Roth, Jahrgang 1949, studierte Betriebswirtschaft und arbeitete jahrelang als Unternehmensberater. Mit Ende 30 ließ er sich zum Trauerpädagogen umschulen. 1983 übernahm er ein Bestattungshaus in Bergisch Gladbach. 1997 gründete er eine private Trauerakademie, in der er unter anderem Schulklassen den Tod als Teil des Lebens begreiflich machen möchte.


SPIEGEL ONLINE - 06. Mai 2006, 16:33
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,414679,00.html


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Beerdigung nur für Mörder?


Weltweite Proteste in der katholischen Kirche
Pinochet und Welby: Wer darf beerdigt werden?

Bei den italienischen Katholiken hängt der Haussegen schief, nachdem das Vikariat der Diözese Rom Piergiorgio Welby das kirchliche Begräbnis verweigert hatte. Der schwerstkranke Welby litt an unheilbarem Muskelschwund und wurde seit sieben Jahren künstlich beatmet und mit einer Magensonde ernährt. Der tiefgläubige Welby hatte länger darauf gedrungen, dass in seiner ausweglosen Lage das Leiden beendet und das Gerät abgestellt wird. Daraufhin wurde ihm ein kirchliches Begräbnis mit dem Hinweis verweigert, Selbstmörder seien von kirchlichen Begräbnissen ausgeschlossen, sofern sie in geistiger Klarheit handelten. Pfarrer Alessandro Santoro aus Florenz dagegen: »In den hohen Sphären des Vatikans hat niemand etwas gegen die kirchliche Beerdigung von Pinochet, einem der übelsten Blut- und Machtmenschen unserer Zeit, einzuwenden gehabt.« Weltweit diskutieren inzwischen Christen über den Umgang der Kirche mit Mördern und mit Menschen, die sich selbst töten oder die ihre Tötung aufgrund aussichtsloser Lage verlangen.

Sicher lassen sich die verschiedenen Situationen nicht über einen Leisten schlagen. Das Trauer-Hochamt für Augusto Pinochet, der in Chile nicht nur geputscht und die Demokratie beseitigt, sondern auch mehr als 3000 Oppositionelle reuelos umbringen lassen hat, hat kritische Christen vor den Kopf gestoßen. Denn von offizieller Kirchenseite gab es keine kritischen Äußerungen zu den Mordtaten des Tyrannen. Mafiosi werden in Italien grundsätzlich beerdigt, zumal sie schon zu Lebzeiten wissen, wie man gute Kontakte zu kirchlichen Instanzen herstellt und erhält. Für Welby gibt es diese wohlwollende Haltung der Kirche nicht. Stattdessen kommt sie mit spitzfindigen Unterscheidungen, die letztlich nur eines bewirken: Christen und Nichtchristen gewinnen den Eindruck, dass Mörder auch ohne Reue kirchliche Zuwendung erfahren, schwerstkranke Suizidale nicht. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, äußerte, dass Patienten, die am Lebensende extrem leiden müssen, nicht gegen ihren Willen übertherapiert werden dürfen. Die Unterlassung einer intensivmedizinischen Maßnahme könne auch eine Verpflichtung sein.

Ehe die kirchenbürokratische Verwaltung von Religion und Christentum weiter zunimmt und sich in weiteren spitzfindigen Unterscheidungen verliert, ein Vorschlag zur Güte: alle Menschen, die es wollen, werden kirchlich beerdigt – aus Barmherzigkeit und wegen des Verzichts auf ein letztes Urteil von Menschen über Menschen. (nc)

Newsletter Publik-Forum, 6.1.07


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Impotent = keine Trauung!



Bischof verweigert impotentem Mann kirchliche Trauung

Harte Regeln für katholische Paare:
Weil der querschnittgelähmte Bräutigam impotent ist,
verweigert ein Bischof im italienischen Viterbo dem Brautpaar den kirchlichen Segen.
Die Ehe könne ungültig sein, so die Erklärung.

Rom - Der italienische Bischof Lorenzo Chiarinelli hat die kirchliche Trauung eines querschnittgelähmten und daher impotenten Mannes abgelehnt. "Kein Bischof, kein Priester kann eine Hochzeit zelebrieren, wenn er weiß, dass eine Impotenz vorliegt", sagte Salvatore de Ciuco, der Sprecher des Bischofs Lorenzo Chiarinelli, am Sonntag. Denn das sei ein Grund für die Annullierung der Ehe, so der Sprecher im italienischen Fernsehsender SkyTG24.
Der 26-jährige Bräutigam ist seit einem Autounfall querschnittgelähmt. Am Samstag hatte er seine Partnerin in Viterbe in Zentralitalien standesamtlich geheiratet. Der Gemeindepfarrer, dem der Bischof die kirchliche Trauung untersagt hatte, war bei der Eheschließung dabei.
Die katholische Kirche betrachtet die Ehe als unwiderrufliche Bindung zwischen Mann und Frau mit dem Ziel, Kinder zu zeugen. Sie verurteilt sexuelle Handlungen, die nicht der Fortpflanzung dienen.


fat/AFP
09. Juni 2008
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,558455,00.html


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Freie Theologen



Rituale für unkirchliche Zeitgenossen

Seelsorge als Dienstleistung:
Die Theologin Anette Burkhart kehrte der katholischen Kirche den Rücken und arbeitet nun freiberuflich. Von Ulrike Schnellbach

Es ist eine Premiere und ein Abschluss zugleich. Eine Feier, wie sie Anette Burkhart selbst noch nie gefeiert hat – und sie kennt sich wahrlich aus mit Feiern. Gleichzeitig ein Fest, das das Ende eines neunmonatigen Prozesses markiert.

Da stehen sie nun, ihre Schützlinge, drei 14-jährige Jungs, stehen am Mikrofon und sprechen die vorbereiteten Texte. Und sie ist selbst überrascht, wird Anette Burkhart später sagen, »wie exzellent sie stehen, nicht nur cool und locker, sondern mit einem richtigen Stand«. Die Jungen erzählen von ihrer Kindheit und wie sie sich das Erwachsenwerden vorstellen. Später kommen die Mütter und Väter mit Erinnerungen zu Wort, die Paten mit guten Wünschen. Auf Tischen sind Fotos aufgestellt, Teddybären und Puppen, ein Korb mit Muscheln – Dinge, die an die Kindheit erinnern. Bunte Stoffbänder symbolisieren die Verbundenheit zwischen den Eltern und ihren Sprösslingen. Auf dem Höhepunkt der Feier werden die Eltern die Bänder zu ihren Söhnen loslassen, »sie freigeben«, wie Anette Burkhart erklärt. Die Paten werden einander an den Händen halten und ein Tor bilden, durch das die Jungen schreiten – hinein in die neue, die Erwachsenenwelt. Es wird viel gesprochen in den anderthalb Stunden, es werden Hoffnungen und Befürchtungen geäußert, es wird »Imagine« von John Lennon gespielt, und es fließt die eine oder andere Träne. Anette Burkhart hält sich bei alledem im Hintergrund, spricht die Begrüßung, die eine oder andere Überleitung, mehr nicht. »Initiationsfeier« nennt die 41-jährige Theologin das Ritual, das sie über ein Dreivierteljahr mit den drei Jungen und ihren Eltern vorbereitet hat und das alle Beteiligten einstimmen soll aufs Loslassen, auf einen neuen Lebensabschnitt. Man könnte auch alternative Konfirmation oder Firmung dazu sagen.

Gut 35 Stunden Vorbereitung: Einzel- und Gruppengespräche, Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft, aber auch ein Nachmittag in der Kletterwand, der den Jungen »die eigenen Kräfte zeigen« sollte, wie Anette Burkhart sagt. Oder ein Hüttenwochenende der Väter mit ihren Söhnen. Das Dreivierteljahr, sagen die Eltern, habe man an der Entwicklung der Söhne deutlich gemerkt, die Auseinandersetzung miteinander sei sehr intensiv gewesen. »Es wurden Ängste sichtbar, spürbar und auch geäußert«, erzählt Anette Burkhart. Und einer der Jungen sagt: »Wann hat man schon mal die Zeit, so intensiv miteinander zu sprechen und sich mit sich zu beschäftigen?«

Freie Seelsorgerin: So bezeichnet sich Anette Burkhart, seit sie sich vor anderthalb Jahren in der badischen Kleinstadt Emmendingen selbstständig gemacht hat. Ein kleines fensterloses Büro in einem Hinterhof-Erdgeschoss, zwei Gruppenräume, frisch renoviert in Gelb- und Rottönen, Orangenduft aus einem Duftlämpchen, Kräutertee aus gelben Tassen, die auf dem Heizkörper vorgewärmt wurden. Mit ihrem orangefarbenen Seidenschal und der roten Perlenkette passt Anette Burkhart in das sorgsam gestaltete Ambiente. Zierliche Figur, schulterlange blonde Haare, randlose Brille. Sie fühlt sich eins mit sich, das wird aus ihren Äußerungen deutlich. Wohl, weil es schon mal ganz anders war. Damals, bevor sie den großen Bruch in ihrem Leben »inszenierte«, wie sie sich ausdrückt. Als sie 85 Kilo wog und ihr Haar hüftlang trug – die Theologin im Dienst der katholischen Kirche. Oder auch kurz danach, mit dem Bürstenschnitt und der auffällig kantigen Brille – die Rebellin, die sich mit der Kirche angelegt und ihr schließlich den Rücken gekehrt hatte. Es ist eine lange Emanzipationsgeschichte, die Anette Burkhart an diesem Vormittag in ihrem orange-roten Reich Revue passieren lässt. Ein Weg zu sich selbst, vielleicht auch ein Weg zu Gott. »In der Kirche hatte ich das Gefühl, meine Religiosität und meine Spiritualität immer mehr zu verlieren«, sagt sie rückblickend. Jetzt dagegen werde sie immer gläubiger, an die Stelle von Zweifeln sei mehr Gewissheit getreten.

Dabei macht Anette Burkhart heute gar nicht so viel anderes als früher, als sie von 1988 bis 1994 katholische Pastoralreferentin in der Erzdiözese Freiburg war. Auch damals war sie Seelsorgerin, begleitete Gefangene und psychisch Kranke. Auch damals betreute sie Liturgien, gestaltete Tauf- oder Hochzeitsfeiern. Nach dem Theologiestudium und neben dem Beruf absolvierte sie eine psychotherapeutische Zusatzausbildung. Sie arbeitete viel, auch damals schon, selbst als im Abstand von drei Jahren ihre beiden Kinder geboren wurden. »Ich hänge mit Leib und Seele an meinem Beruf«, sagt sie, und das gilt heute, wie es damals galt. Aber damals, im Dienst der Kirche, muss sie irgendwie zornig geworden sein, verbittert schließlich. Denn obwohl sie ihren Beruf liebte und obwohl er ihr eine sichere Existenz gewährte, schmiss sie schließlich alles hin.

Ein langer Kampf ging dem voraus, ein Kampf mit sich und mit der katholischen Amtskirche. Im Zuge des Priestermangels, erzählt sie, hatte sie nach und nach praktisch alle Arbeiten eines Priesters gemacht. Sie betreute neun Kirchengemeinden, und sie hatte das Gefühl, dass sie das gut machte. Nur versagte ihr die Amtskirche die Anerkennung, die ihr dafür zustand – so empfand sie es. Als Frau in der katholischen Kirche gab es für sie nicht den adäquaten Platz. Sie sei behandelt worden »wie eine Handlangerin, nicht wie eine kompetente, ausgebildete Frau«. Sie fühlte sich »beschnitten«, sagt sie heute. Dabei habe sie im Umgang mit den Menschen, die sie betreute, gesehen, »wie notwendig es war, dass Frauen in diesen spirituellen Tätigkeiten präsent sind«. Schließlich, 1994, »nach langen inneren Kämpfen und Konflikten«, legte Anette Burkhart es auf die Konfrontation an: Sie beantragte das Amt der Priesterin.

Als Rebellin wurde sie damals von Talkshow zu Talkshow gereicht, und selbstverständlich war ihr klar, dass diese Provokation den Bruch bedeutete. Dass diese »gravierende Lebensentscheidung« auch bedeutete, dass sie ihrer Kirche komplett den Rücken kehren musste. Leicht fiel ihr das nicht, und sie hat sieben Jahre gebraucht, in denen sie sich weiterbildete, jobbte, die Kinder erzog, sich wieder und wieder versicherte: »Ich kann etwas, ich bin nicht von der Kirche abhängig.« Sieben Jahre, bis sie schließlich Ende 2001 in ihrem neuen Reich in dem Hinterhof-Erdgeschoss ankam. »Mein Eigenes«, sagt sie liebevoll zu ihrer Existenz als Freiberuflerin. »Endlich spüre ich, dass die Institution Kirche nicht mehr zwischen mir und den Menschen steht.« Was die katholische Kirche selbst dazu meint, kann sie nur ahnen. »Ich werde kritisch beäugt«, glaubt sie. Allerdings nur von katholischen Kollegen. Von der protestantischen Kirche hingegen wird sie schon mal als Referentin zu einem Vortrag eingeladen.

Was sie den Menschen als freie Seelsorgerin anbietet, umschreibt Anette Burkhart so: »Die Möglichkeit, die eigene Person ausfindig zu machen, zu ihr in Kommunikation zu treten, Grenzen und Leiden ausfindig zu machen. Und dabei nicht zu vergessen, dass der Mensch sich bezieht auf eine andere, göttliche Macht.« Praktisch heißt das: Sie veranstaltet alternative Tauf-, Hochzeits- oder Trauerfeiern. Dafür erdenkt sie Rituale, die über die kirchlichen Vorbilder hinausgehen, die fernen Kulturen und Zeiten entlehnt sind. Oder sie lädt zu seelsorgerischen Gesprächen ein. Begleitet Menschen in Übergangsphasen, bei Trennung, Krankheit, nach Todesfällen oder Fehlgeburten. Und immer wieder wird im Gespräch an diesem Morgen deutlich, dass sie sich bei alledem mit ihren Fähigkeiten und Ausbildungen genau an der richtigen Stelle fühlt. Angekommen.

Ihre Klientel – »Gäste«, sagt sie – sind Menschen, die mit der Kirche nichts am Hut haben, aber für bestimmte Lebensphasen auf Rituale nicht verzichten möchten. Sie werden immer zahlreicher, und Anette Burkhart ist nicht die einzige, die diese Marktlücke entdeckt hat. Konfessionsungebundene Grabredner gibt es – nicht nur in Ostdeutschland – seit langem. Und im Januar 2003 gründete sich etwa in Freiburg ein Verein, der ebenfalls freie Seelsorge anbietet.

Für den Wechsel in die Freiberuflichkeit hat Anette Burkhart keinen geringen Preis bezahlt. Eine gesicherte berufliche Existenz mit festem Einkommen hat sie gegen wirtschaftliche Unsicherheit eingetauscht. Und gegen einen Lohn, der bei gut 40 Wochenstunden gerade ihre Kosten deckt, zum Familieneinkommen jedoch nichts beiträgt. Für eine sorgsam vorbereitete Hochzeit oder Taufe nimmt sie gerade mal 180 Euro, für die aufwändige Initiationsfeier der drei Jungen inklusive Vorbereitung 400 Euro pro Familie. Nicht gerade eine Bezahlung, die einer kompetenten, ausgebildeten Frau angemessen ist. Doch Anette Burkhart hadert nicht. »Ich kann in einer Qualität arbeiten, die mich bereichert«, sagt sie. »Es hat sich gelohnt. Ich bin so viel zufriedener und glücklicher.«


Ulricke Schnellbach
Publik-Forum, 6/2004, 26.3.2004


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I N F O S :





Templer freigesprochen!



KETZER-VORWURF
Vatikan-Buch spricht Tempelritter frei

700 Jahre lang galten sie als Ketzer,
jetzt schreibt der Vatikan selbst einen Teil seiner Geschichte um.
Ein lange verschollenes Dokument, das jetzt veröffentlicht werden soll, belegt:
Der Papst hat die Tempelritter schon 1314 vom Vorwurf der Gotteslästerei freigesprochen -
und um Verzeihung gebeten.

Sie haben unzählige Bestseller inspiriert und für Millionenerfolge in Hollywood gesorgt. Doch für die Katholische Kirche sind die Tempelritter seit dem 14. Jahrhundert nur eins: Ketzer. Sie sollen auf das Kreuz gespuckt und die Existenz von Jesus geleugnet haben - ihr Orden wurde darum 1314 von Papst Clemens V. brutal aufgelöst. Hunderte wurden gefoltert und getötet.

Diese historische Gewissheit wird nun von höchster Stelle erschüttert - durch ein Buch aus dem Vatikan. Das am 25. Oktober erscheinende Werk "Processus contra Templarios" basiere auf neuen Dokumenten aus dem Geheimarchiv des Vatikan und wasche die Tempelritter von allen Vorwürfen rein, berichtet der britische "Daily Telegraph".

"700 Jahre lang haben wir geglaubt, dass die Tempelritter als verfluchte Menschen starben. Dieser Fund spricht sie frei", sagte Professorin Barbara Frale, Angestellte des Geheimarchivs, der Zeitung.

Das Buch basiert auf dem "Chinon-Pergament", benannt nach dem französischen Ort Chinon. Das Dokument war lange verschollen, weil es laut Frale falsch archiviert war. Erst 2001 entdeckte die Vatikan-Archivarin das Pergament, jetzt wird es öffentlich gemacht. Es enthält die Protokolle der Anhörungen der Tempelritter vor Papst Clemens und endet laut "Telegraph" mit der päpstlichen Absolution für den Orden.

Der Kreuzritterorden der Tempelritter war 1119 in Jerusalem gegründet worden, mit dem Ziel, christliche Pilger auf dem Weg in die Heilige Stadt zu schützen. Ihre Zentrale schlugen sie in der eroberten al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg auf - daher der Name Tempelritter.

Das Ende des Ordens kam 1307, als der französische König Philipp IV. die reichen Templer ins Visier nahm, ihre Häuser durchsuchen ließ und ihr Vermögen beschlagnahmte. Der Vorwurf lautete auf Ketzerei. Nach dem Einschalten der Inquisition verbot Papst Clemens V. den Orden im Jahr 1314.

Laut "Telegraph" enthüllt das "Chinon-Pergament", dass der Papst damals wider besseres Wissen und nur unter dem Druck des Königs handelte. In den Anhörungen hätten die Templer zwar bestätigt, dass zu ihren Aufnahmeriten auch das Spucken auf das Kreuz und das Leugnen Jesu' zähle. Damit hätten sie jedoch nur die Demütigungen nachgeahmt, die sie erleiden würden, wenn sie in muslimische Hände fielen.

Der Papst habe sich gezwungen gesehen, die Tempelritter nach den Anhörungen um Vergebung zu bitten, sagte Frale dem "Telegraph". "Dies ist der Beweis, dass die Tempelritter keine Ketzer waren."



SPIEGEL ONLINE - 06. Oktober 2007, 18:31
URL: http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,509859,00.html



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Statistik: Spirituelle Sinnsucher



Umfrage:
Schon jeder siebte Deutsche ein "Spiritueller Sinnsucher"


Die Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigt immer mehr Menschen. Schon ungefähr 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist aktiv auf der Suche nach ihrer inneren Mitte. Damit umfasst die Gruppe der "Spirituellen Sinnsucher" hochgerechnet mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland. 17,4 Prozent messen spirituellen und religiösen Fragen eine große bis sehr große Bedeutung bei. Dagegen können aktuell nur noch zehn Prozent der Bevölkerung zur Gruppe der "Traditions-Christen" gezählt werden. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Düsseldorfer Identity Foundation in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim zum Thema "Spiritualität in Deutschland". Die Befragung wurde im März 2006 von der GfK Marktforschung auf der Basis von eintausend persönlichen Interviews durchgeführt.

Wie die Umfrage zeigt, bildet allerdings immer noch die stärkste Bevölkerungsgruppe mit 40 Prozent die durch Unbekümmertheit geprägten "Alltagspragmatiker", denen die Frage nach dem Sinn des Lebens schlicht fremd ist. Ein weiteres interessantes Ergebnis am Rande: Insgesamt gesehen sind die Deutschen zufriedener als vielfach befürchtet: 56,4 Prozent der Befragten bezeichnen sich selbst als zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Leben, nur 6,1 Prozent sind dies wenig bis gar nicht.

Zwar gehören immer noch gut 67 Prozent aller Deutschen einer christlichen Konfession an (11,3 Prozent sind konfessionslos, 10,1 Prozent aus der Kirche ausgetreten), doch die Bezüge zur christlichen Lehrmeinung befinden sich in einem Prozess der Aufweichung. So fühlen sich nur noch 45 Prozent der Bevölkerung von den christlichen Religionen angesprochen und nur noch 10,3 Prozent haben in Elternhaus und Familie eine starke religiöse Prägung erfahren. Bei 42,2 Prozent der Bevölkerung dagegen ist dies inzwischen weniger bis gar nicht mehr der Fall. Die spirituell-religiöse Verfassung der Deutschen manifestiert sich vor diesem Hintergrund in vier Typologien:

Die "Spirituellen Sinnsucher" forschen weitgehend ohne konkrete religiöse Rückbezüge nach neuen Formen der Selbstvergewisserung und beziehen dabei sowohl asiatische Praktiken ein, die vor einigen Jahren hierzulande noch so gut wie unbekannt waren, als auch neue esoterische Disziplinen. Die "Traditions-Christen" weichen immer mehr einer Gruppe der "Religiös Kreativen", die ihre Sinnbezüge aus religiösen Fragmenten und eigener Reflektion speisen. Größte Gruppe bilden jedoch die "Unbekümmerten Alltags-Pragmatiker", die sich fast vollständig von der Sinnfrage des Lebens distanzieren und ihr Heil vor allem in der eigenen, meist materiell begründeten Zufriedenheit sehen.

Die Typologien im Einzelnen:

Die Spirituellen Sinnsucher (ca. 10-15 Prozent der Bevölkerung) speisen ihren Sinnbezug aus Fragmenten des Humanismus, der Anthroposophie, Mystik und Esoterik. Ihre Suche ist getrieben von dem Wunsch, die eigene Berufung und innere Mitte zu finden. Sie interessieren sich für spirituelle Praktiken wie Yoga, Chi Gong und Meditation, aber auch für ausgefallene Disziplinen wie Trancereisen, Schamanismus oder Tarot. Charakteristische Statements: "Der Kosmos wird vom Sinn in sich, einem höheren Wesen oder von einem unpersönlichen "Spirit" zusammengehalten."

Die Religiös Kreativen (ca. 35 Prozent der Bevölkerung) gehören zu den großen Glaubensgemeinschaften, grenzen sich jedoch in ihren Überzeugungen bewusst von christlichen Lehrmeinungen ab und entwickeln ihre religiösen Auffassungen durch eine Erweiterung des traditionellen Gedankenguts um philosophische und humanistische Ideen. Dazu nehmen sie unbekümmert Anregungen aus den verschiedenen Weltreligionen mit auf. Charakteristische Statements: "Ich glaube an einen Gott, aber nicht, wie das Christentum ihn predigt. Meiner Meinung ist Gott nichts anderes als das Wertvolle im Menschen."

Traditions-Christen (ca. zehn Prozent der Bevölkerung) finden Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Beschaffenheit des Seins in Religion und Glauben in enger Anbindung an die Kirchen. Charakteristisches Statement: "Ich glaube an einen persönlichen Gott, zu dem ich z.B. über das Gebet in Kontakt treten kann."

Die Alltags-Pragmatiker (ca. 40 Prozent der Bevölkerung) sind vor allem an der eigenen Zufriedenheit und wirtschaftlichen Lage interessiert. Die gelegentlich aufkeimende Sinnfrage lösen sie über ihr Engagement im Beruf und über familiäre und freundschaftliche Beziehungen. Jeder Zweite von ihnen bezeichnet sich sogar als überzeugten Atheisten. Zu den Erfahrungen, in denen das eigene Ich zurück tritt, gehören für sie vor allem zu lieben und geliebt zu werden, lustvoller Konsum und erfüllte Sexualität. Charakteristische Statements: "Der Sinn des Lebens ist, dass man versucht, für sich das Beste herauszuholen. Der Mensch ist allein ein Produkt der Naturgesetze."

Die spirituelle Praxis im Alltag variiert je nach Altersgruppe zum Teil sehr deutlich. Während die jüngere Generation besonders aufgeschlossen gegenüber neuen spirituellen Strömungen ist und beispielsweise bereits jeder Zehnte meditiert (20- bis 29-Jährige) oder Yoga macht (40- bis 49Jährige), ist für die ältere Generation das Gebet oder der Kirchenbesuch wichtiger. Zu den gängigsten religiösen und spirituellen Praktiken gehören für die Befragten das Gebet und die Zwiesprache mit Gott (im Durchschnitt 26,5 Prozent, der Besuch von Kirchen, Kapellen und anderen Heiligtümern (Durchschnitt: 17,7 Prozent) und das Deuten von Träumen (Durchschnitt: 9,2 Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 19,6 Prozent). Weitere häufig praktizierte Formen sind Astrologie und Horoskopdeutung (Durchschnitt: acht Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 14,3 Prozent), Yoga, Chi Gong und Ayurveda (Durchschnitt: 5,6 Prozent; bei den 40- bis 49-Jährigen sogar 11,1 Prozent), Meditation, Kontemplation und Zen (Durchschnitt: 4,9 Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 8,9 Prozent) sowie Gespräche mit Geistlichen (Durchschnitt: 4,8 Prozent).

Jeder Dritte an spirituellen Praktiken Interessierte nimmt sich mindestens ein Mal pro Woche Zeit für diese Formen der Besinnung, 11,8 Prozent davon praktizieren sogar täglich.


Von Jens Heisterkamp / http://www.info3.de


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Offener Brief an Kardinal Meissner



Offener Brief
"Lieber Bruder in Christus, Kardinal Meisner"
Von Walter Seyffer

Die beiden Großkirchen in Deutschland nutzen die aktuelle Verunsicherung durch den Islamismus offenbar für eine Strategie der Re-Konfessionalisierung und deutlichen Frontbildung. Nachdem vor kurzem bereits der Rat der evangelischen Kirche in Deutschland in ungewöhnlich scharfer Form für eine klare religiöse Grenzziehung gegenüber dem Islam und gegen etwaige rituelle Gemeinsamkeiten Position bezogen hatte, zog nun der Kölner Kardinal Meisner mit der Anweisung nach, dass in Schulen keinesfalls Muslime und Christen gemeinsam beten dürften. Hans Zimmermann, Altphilologe, Religionswissenschaftler und Philosoph aus Görlitz, antwortet mit einem Offenen Brief an den Kölner Kardinal.


Lieber Bruder in Christus, Kardinal Meisner,
ich war nicht wenig erschrocken, als ich von der Prüfungsaufgabe gehört habe, die Sie Ihrer großen Kölner Gemeinde aufgegeben haben; ich befürchtete nämlich, die Geprüften könnten den täuschend echt vorgespielten „Ernst“ Ihrer Aufforderung – nicht mehr mit Menschen zusammen zu beten, die im Gespräch mit Gott eine andere religiöse Sprache als Sie, Herr Meisner, pflegen – für bare Münze genommen haben. Wie leicht wären Sie bezichtigt worden, den Schulfrieden der katholischen Bekenntnisschulen zu stören (das gilt als Kündigungsgrund für Lehrer, deren höchst verantwortungspflichtiger Dienstherr Sie sind, und in einigen Ländern als Ausschlussgrund für Schüler, denken Sie an den Kopftuchstreit!), von anderen Vermutungen und Verdächtigungen ganz zu schweigen!
Und bei Überprüfung der jeweils eigenen, individuell-intim verankerten Gebets-Adresse könnte so mancher Katholik festgestellt haben, dass er sich durch die imaginative Erstarrung seines im Innern vorgefundenen Gottes-„Bildes“ einerseits und die dogmatische Hülsenhohlheit der äußerlichen doxologischen Formeln andererseits bereits selbst ausgeschlossen hat von der Gebetsgemeinschaft all derer, die sich mit dem lebendigen Gott gesprächsartig zu unterhalten trauen, wie auch von der Meditationsgemeinschaft mit all denen, die in die Unendlichkeit dessen, der alle Bilder übersteigt, einzutauchen lieben.
Ich muss zugeben, dass mir selbst die von Ihnen gestellte Aufgabe nicht leicht zu lösen war: Bete ich zur gesamten Trinität? Wer ist die als „Herr“ angeredete Person der Messe? Etwa der „Vater“, der doch im Neuen Testament nie als „Herr“ bezeichnet oder angesprochen wird? Juden und Muslim nennen Gott ihren „Herrn”, sei es in Ersatz des Gottesnamens („JHWH“), der nur in Stille zu gewärtigen und zu heiligen, nicht aber laut auszusprechen ist und deshalb durch einen Achtungstitel verhüllt wird („adonaj“), sei es in Anerkennung des allwissenden, allweisen Lehrers des gesamtraumzeitlichen Weltenrundes („rabbi ‘l °âlamîna“). Oder meinen wir, wenn wir in der Messe „Herr“ („kyrios“) sagen, den „Sohn“, der uns doch eigentlich gelehrt hat, unsere Gebete an den „Vater“ zu richten? Bete ich durch den Sohn als Mittler zum allseienden Vater? Oder versenke ich mich durch den heiligen Geist in den allbewussten Vater? Oder bete ich mit dem Sohn durch den heiligen Geist zum Vater? Wen meine ich, wenn ich „Gott“ sage? In der Tat gehört diese Frage in all ihrer suchenden Radikalität und Offenheit zur Gebetshaltung selbst und öffnet den inneren Sinn, öffnet die Seelenohren.
Da ich vor allem das „Vaterunser“ durchdenke, durchspreche und mit allen Herz- und Hirnfasern zu durchleben suche, richte ich mich an Gott als unser aller Vater durch das Wort, das der Sohn dieses Vaters ist, der sich in mir an den Vater gerichtet ausspricht; und in diesem Wortlaut des Vaterunser wird der Sohn nicht eigens angesprochen, so wie ich ja auch nicht den Hammer in die Wand klopfe, bevor ich damit den Nagel einschlage, oder: so wie ich nicht erst meine Rede anrede, bevor ich mein Gegenüber anspreche. „In ihm leben, weben und sind wir“, nämlich im Vater, und eben dieses Leben, Weben und Innesein, das wir betend mitleben dürfen, ehrfürchtig mitweben wollen und dessen wir uns er-innern, ist der Sohn.
Und nicht anders betet der shivaitische oder der vishnuitische Hindu („geheiligt werde dein Name!“), der Jude („es komme dein Reich!“), der sunnitische oder der schiitische Moslem („es geschehe dein Wille!“), der zoroastrische Parse oder der Sikh („wie im Himmel so auf Erden!“): Durch das Wort, das aus Gott hervorgeboren wird (sei es im Schöpfungskeim aller Natur oder des immer neu, immer jetzt hervorgesprochenen Adam, sei es in Inspiration und Offenbarung, oder sei es eben im Beten, wo das Hören das innere Sprechen überwiegt), versenkt sich der Weltinnenraumfahrer, der Himmelsozeantaucher, der ganz und gar sich Gott Hingebende in den Vater aller, der uns im ewigen Jetzt durch sein Wort hervorgebärt. Damit überschreiten wir alle in einer zarten Regung von Ehrfurcht die vorläufigen traditionsvermittelten Vorstellungsbilder, und in dieser Ehrfurcht vereinigen sich alle Betenden miteinander: mit dem Einen, in dem Einen, zu dem Einen.
Deshalb besteht die Lösung der von Ihnen gestellten Prüfungsaufgabe darin: Ihre Aufforderung zur Gastunfreundlichkeit, zum „Zerschneiden des Tischtuchs“, zum Zerreißen des Leibes Christi, mit aller Entschiedenheit abzulehnen. Wer sich vom geistigen Mahl der ehrfürchtigen Versenkung, des Eintauchens in Gottes Selbsthingabe, des Gebets, ausschließt (denn nur sich selbst, nicht andere kann man vom allgemeinsamen Gebet ausschließen), droht abzusterben, wie die Gliedmaßen vom Antoniusfeuer, wie durch Fesseln abgeschnürte Finger. Natürlich fallen den geprüften Kölnern nicht gleich die Arme ab, denn es war offensichtlich nur so etwas wie das breite Band zur Prüfung des Blutdrucks, das da aufgepumpt wurde, und siehe da: Sie erweisen sich als gesund, sie haben sich nicht ausschließen lassen, es war nur ein hinterlistiger Scherz, der Schreck weicht der Erleichterung, erstaunt reiben sie sich die Augen und atmen auf.
Es war in der Tat ein „Hoax“, eine raffinierte Prüfungsaufgabe, und ich muss sagen: Die Schulleiter, Lehrer, Pfarrer, ja die Schüler und all die miterschrockenen Mitschwestern und Mitbrüder in Christus haben diese Aufgabe hervorragend gelöst, indem sie sich der trügerischen Aufforderung widersetzten. Ich denke, Sie selbst, Herr Kardinal, atmen nun auch erleichtert auf, denn nur ganz wenige Karrieristen in Ihrer unmittelbaren Umgebung haben Ihnen nach dem Mund geredet, und nun bangen diese Schwarzröcke wahrscheinlich um ihren Job, weil sie damit natürlich reingefallen, der Länge nach hingefallen, mit Pauken und Trompeten durchgefallen sind.
Für die Zukunft würde ich Ihnen, dem Hirtenstabträger, allerdings empfehlen, Ihre Schäfchen nicht wieder auf solch eine heimtückische Art und Weise auf die Probe zu stellen, sonst produzieren Sie ja geradezu mutwillig katholische Taliban und Wahhabiten, und wer weiß, ob die wenigen Satelliten und Lautsprecher, die Ihnen da etwas von „verschiedenen Gottesbildern“ nachgestammelt haben (als übersteige Gott nicht alle Bilder, die Menschen sich von ihm machen), sich noch erholen werden von dem „Nichtbestanden!“, das Sie ihnen unter die Ergebenheitsbekundungen stempeln werden.
Aber Vorsicht, Bruder! Charakterprüfungen gefährden die Charaktere! War das so, als Gefährdung, Reinigung und schließliche Ausscheidung jener offiziösen Verlautbarer und schwachgewordenen Gefolgsleute, gemeint? Seien Sie nachsichtig mit diesen gutgläubigen, naiven Seelen: „Wer einem dieser Kleinen zum Fallholz (skandalon) wird, …“
Ja, beinahe wäre ich selbst auf Ihren Hoax, auf diesen trügerischen Ordre de Mufti reingefallen! Werden alte Männer zu verrückten Kindern, wie Saul zum verzückten Propheten? Einen eigenartigen Humor haben Sie, mon Signore!
Gott zum Gruße und Ihnen zur Einsicht,

Hans Zimmermann aus Köln, nun in der Jakob-Böhme-Stadt Görlitz



P.S.
Anhang: Al Qur’ân, 24.Sure, Vers 35-45: “Gott ist das Licht des Himmels und der Erde”.
Statt der von Ihnen, Herr Meisner, „versuchten“ suizidalen Selbstabschnürung der Katholiken vom Leib Christi wäre die Interpretatio Christiana der uns heute weltweit offenbaren Offenbarungsschriften (d.h. nicht nur des Koran, sondern auch der Veden und Upanischaden) weitaus fruchtbarer. Dazu hier ein Beispiel. Das im wesentlichen Christliche der 24.Sure liegt in der intim-abgeschatteten Vermitteltheit des Gottes=Lichtes: der kostbare Leib Jesu als Öl und glasklare Leuchte der darin umborgenen Auferstehungs-Flamme; zumindest wäre es Sache der Christen, diese Koranstelle eben auf die Weise zu interpretieren, dass darin der irdische Leib Jesu mit der geist-durchlässigen Transparenz beschrieben ist, durch die Christus, das gottidentische „Licht der Welt“, sternhaft konzentriert („weihnachtlich“) hindurchleuchtet: „Licht über Licht“, vgl. die Credo-Formulierung „lumen de lumine“! Vergleiche auch: Jesus als Schöpfungs-„Wort“ Gottes in Sure 3, 42/47: alle, die leugnen, dass Jesus und seine Jünger per se wahre, „eingeschriebene“ Muslim sind und die Christen im Wahhabiten-Stil von der Gemeinschaft aller Gläubigen (Umma) ausschließen, sollen laut Vers 48/55 am jüngsten Tage durch Jesu Jünger selbst gerichtet werden!


Aus: http://www.info3.de
Die Website des Autors: http://12koerbe.de


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Wer erschuf die Welt?



Bibeltreue US-Forscher

Teufelswerk Evolution

Freud, Marx und Rousseau sind verdorbene Nachkommen von Charles Darwin, die Erde ist 6000 Jahre alt, einen Urknall gab es nie. Das wollen 40 Wissenschaftler eines Instituts in San Diego beweisen. Ihr Lehrbuch ist nur die Bibel. Zweifel kennen die akademischen Gotteskrieger nicht.
Zwei Minuten vor Sendebeginn, beim Radiosender des "Institute for Creation Research" (ICR), wird keine Kirchen-, sondern sphärisch anmutende Computermusik gespielt. Am Mikrofon sitzen auch keine Priester, sondern Biologen, Physiker und Mathematiker. Institutsdirektor John Morris will es so. Seine Mitarbeiter sollen ihre Kreuzzüge nicht für die Religion, sondern gegen die, wie er sagt, "schlechte Wissenschaft" führen. Jeden Tag gehen sie auf Sendung, um das naturwissenschaftliche Weltbild durch die biblische Schöpfungsgeschichte auszuhebeln.
"Ich bin kein Theologe, sondern Wissenschaftler! Als solcher kann ich nicht akzeptieren, dass Galaxien, Sterne und Menschen durch den Urknall entstanden sein sollen, denn Explosionen schaffen nun mal keine Ordnung - das ist ein Naturgesetz", sagt Morris. "Außerdem: Kein seriöser Wissenschaftler käme etwa auf die Idee, einen Fernsehapparat dem Zufallsprinzip zuzuordnen. Aber mit der Schöpfung passiert das andauernd, obwohl ihr Design viel komplexer ist!"
Der Vatikan hält Gottesglaube und Evolutionstheorie seit 1996 für miteinander vereinbar und möchte die Genesis eher symbolisch verstanden wissen. Die 40 Forscher des ICR bestehen dagegen weiterhin auf dem Wortlaut der Schrift. Die Biologen versuchen zu beweisen, dass Gott alle Kreaturen am fünften und sechsten Tag erschaffen hat; die Geologen durchkämmen den Grand Canyon nach Anzeichen für die große Flut.
Denn am Anfang war das Wort
Larry Hartman ist für die bibeltreue Datierung des Erdzeitalters zuständig. Der Physiker war vor seiner Karriere am ICR 15 Jahre lang beim Pentagon beschäftigt. Doch da wollte keiner etwas von seinen Helium-Experimenten hören.
"Helium entsteht durch radioaktiven Alpha-Zerfall im Erdinneren", doziert Hartman. "Meine konventionellen Kollegen behaupten, dass das Element so selten ist, weil es ständig ins Weltall entweicht. Das stimmt. Aber wenn die Erde wirklich 4,5 Milliarden Jahre alt ist, müsste bereits alles Helium aus den Gesteinsformationen herausgesickert sein. Das ist nicht der Fall. Die Entweichungsrate ist immer noch so hoch, dass die Erde meinen Berechnungen nach höchstens 6000 Jahre alt ist. Sprich: Genau so alt, wie die Genesis besagt!"
Alle Forscher des ICR haben auch einen Lehrauftrag. An die 25 Nachwuchskräfte in den Naturwissenschaften erhalten hier jedes Jahr den Mastertitel. Die Abschlüsse sind anerkannt, auch wenn die kalifornische Schulbehörde seit Jahren Zweifel an ihrer Wissenschaftlichkeit äußert.
Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Religion und Wissen avanciert in den USA immer mehr zum akademischen Dauerstreit. Schuld daran ist nicht zuletzt US-Präsident Bush, der will, dass die Schöpfungsgeschichte in den Lehrplänen gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie behandelt wird.


SPIEGEL ONLINE - 20. September 2006
www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,438161,00.html



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Was ist los im Weltall?



PIONEER-ANOMALIE

Von Eugen Reichl


Es ist eines der größten Rätsel der Weltraumforschung:
Die beiden "Pioneer"-Sonden der Nasa sind auf mysteriöse Weise von ihrem Kurs abgewichen. Seit Jahren versuchen Wissenschaftler vergebens, das Phänomen zu erklären.
Die Lösungen, die noch übrig bleiben, lassen Experten schaudern.

Dies ist die Geschichte zweier Raumfahrzeuge: "Pioneer 10", gestartet im März 1972, und "Pioneer 11", der im April 1973 seine lange Reise ins All begann. Ihre Aufgabe war die erste Naherkundung der Gasriesen Jupiter und Saturn. Doch das ist lange her. Beide Sonden treiben heute an der Grenze unseres Sonnensystems im Übergangsbereich zum interstellaren Medium. Sie sind schon vor Jahren verstummt und wären nur noch eine Randnote der Raumfahrtgeschichte wert, gäbe es da nicht ihre Flugbahnen, die so eigenartig sind, dass man nicht einfach darüber hinweggehen kann.

Denn etwas Seltsames geschieht mit den beiden Robotern. "Pioneer" 10 und 11 sind nicht da, wo sie eigentlich sein sollten. Irgendetwas hält sie zurück. Eine sehr kleine, aber deutlich messbare Kraft. Jede der beiden Sonden ist heute etwa 400.000 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sie sein müsste, ginge alles mit rechten Dingen zu. Oder besser gesagt, ginge es allein mit den heute bekannten Dingen zu.

Praktisch alle derzeit denkbaren Erklärungen sind bereits ausgeschlossen worden.
Die Physiker sind so ratlos, dass einige dieses Mysterium mit anderen, heute ebenfalls unerklärlichen Phänomenen in Verbindung bringen.
Im März 2005 hat das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" die Pioneer-Anomalie als eines der 13 rätselhaftesten Phänomene der Wissenschaft aufgelistet. Sie nimmt dort Rang acht ein. Auf Platz sieben liegen die vier Jahre zuvor entdeckten Tetra-Neutronen, auf Platz neun die Dunkle Energie.

So ging man Ursache für Ursache durch. Alle möglichen Berechnungs- und Navigationsfehler wurden untersucht: die Erdbewegung im Bezug zur Raumsonde, die Berechnung der Zeitdaten, die Antennenanlage des Deep Space Network der Nasa, relativistische Effekte und noch vieles mehr.
Irgendwann mussten die Experten schließlich zugeben, dass sie es mit einem unbekannten Phänomen zu tun hatten.

Bleibt die Anomalie weiterhin bestehen, wird es wirklich spannend. Die Wissenschaftler suchen schon Erklärungen. Jede einzelne dieser Hypothesen verursacht eine Gänsehaut, denn sie laufen alle darauf hinaus,
dass womöglich irgendetwas falsch ist an unserem bisherigen Verständnis der Naturgesetze.

Wissenschaftler von der Universität von Portsmouth in England vermuten, dass das Pioneer-Rätsel etwas mit der Feinstrukturkonstante des Weltalls, kurz Alpha, zu tun haben könnte. Von nur wenigen Zahlen hängt das Schicksal des gesamten Universums stärker ab als von dieser.
Wäre ihr Wert nur ein wenig anders, dann gäbe es keine Atome und somit gar kein Leben im Universum.



Auszug aus SPIEGEL ONLINE - 26. September 2006
URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,437267,00.html


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Wachkoma: Der Geist lebt!



Bewusstsein

Gehirn reagiert im Wachkoma auf Worte


Von Andreas Kohler

Wachkoma-Patienten nehmen nichts mehr von ihrer Umgebung wahr - glaubte man bisher. Doch die Zweifel werden immer größer. Jetzt haben Forscher bei einer Frau im Wachkoma festgestellt, dass ihr Gehirn auf gesprochene Worte genauso reagiert wie das von gesunden Menschen.
Die junge Frau liegt nach einem schweren Verkehrsunfall im Wachkoma. Äußerlich ist sie unfähig, auf ihre Umgebung zu reagieren - sie kann weder sprechen noch sich gezielt bewegen. Und dennoch laufen in ihrem Gehirn komplexe Bewusstseinsprozesse ab, wie Forscher jetzt herausgefunden haben.
Das Team um den Neurowissenschaftler Adrian Owen vom britischen Medical Research Council in Cambridge untersuchte die Patientin mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomografie (fMRI). So machten die Forscher anhand von Veränderungen in der Blutzufuhr Prozesse im Gehirn der Frau sichtbar - und konnten zeigen, dass das Denkorgan der scheinbar geistig völlig abwesenden Frau genauso auf Sprache reagierte wie das Gehirn gesunder Menschen.

Moderne Tomografie: Dem Gehirn beim Vorstellen zusehen Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (3 Bilder)
Im Wachkoma, auch "Apallisches Syndrom" genannt, liegen derzeit alleine in Deutschland nach Expertenschätzung bis zu 8000 Menschen. Die Betroffenen haben eine schwere Schädigung des Großhirns erlitten, während andere Hirnteile noch weitgehend intakt sein können. Dadurch wachen die Patienten zwar auf, können aber weder kommunizieren noch sind sie sich selbst oder ihrer Umwelt bewusst - das jedenfalls war bislang die Lehrmeinung.

Patientin verstand offenbar Worte
Die Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde, beschreibt, dass die junge Frau bloßen Lärm von sinnvollen Wörtern unterschied. Wurden der Patientin Sätze mit einem doppeldeutigen Wort vorgesprochen, reagierten sogar ganz spezielle Hirnregionen, die für das Verstehen von Sprache verantwortlich sind.
Noch deutlichere Hinweise auf Bewusstseinprozesse erbrachte ein weiterer Test: Die Wissenschaftler baten die Wachkomapatientin zunächst, sich vorzustellen, sie spiele Tennis. Dann sollte sie in ihrer Vorstellung die Räume ihres eigenen Hauses durchlaufen. Bei beiden Versuchen gab es keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Gehirnreaktionen der Frau im Koma und denen von gesunden Vergleichspersonen.

Spektakuläre Einzelstudie
Das bedeutet nach Meinung der Forscher: Obwohl die Frau alle Kriterien eines Wachkomas erfüllte, konnte sie gesprochene Worte ganz offensichtlich verstehen und darauf reagieren - nicht sprachlich oder mit Bewegungen, aber durch Gehirnaktivität. Zwar warnen die Forscher davor, den speziellen Fall der jungen Patientin zu verallgemeinern - zu unterschiedlich seien die Verletzungen und Krankengeschichten von Menschen im Wachkoma. Auch ist man sich in der Fachwelt nicht einig, wie genau "Bewusstsein" zu definieren ist.
Nicolas Schiff von der Columbia University bezeichnete die Resultate der Studie in einem ebenfalls in "Science" erschienenen Kommentar als spektakulär. Ende 2005 war bereits ein Forschungsprojekt in Oldenburg zu dem Ergebnis gekommen, dass Wachkoma- Patienten auf äußere Reize reagieren können.

Wachkoma-Patienten fördern und ernst nehmen
Für den Neurochirurgen Andreas Zieger bestätigen solche Forschungsergebnisse, dass selbst ein schwer geschädigtes Gehirn wieder aktivierbar sein kann, wenn man den Patienten ernst nimmt und entsprechend fördert. Zieger leitet die Abteilung Frührehabilitation für schwerst Schädel-Hirn-Geschädigte am evangelischen Krankenhaus Oldenburg. Die Meinung, dass Menschen im Wachkoma "keine seelenlosen Hüllen sind, in denen nichts Geistiges mehr abläuft", vertritt er seit vielen Jahren. Untersuchungen mit modernster Technik wie die der englischen Forschergruppe bestätigen ihn: "Jetzt ist es möglich, dynamische funktionelle Hirnsysteme darzustellen. Alte Theorien sind damit beweisbar".
Zieger vertritt die Methode der "Komastimulation durch körpernahen Dialogaufbau": Durch intensive Ansprache und auch körperliche Berührungen soll den Patienten damit der Weg zurück ins Bewusstsein geebnet werden. Viele andere Mediziner behandelten ihre Patienten immer noch nach dem Motto "einmal Wachkoma, immer Wachkoma - das wird sowieso nicht wieder", sagt Zieger. Er fordert dagegen, dass sich die Gesellschaft intensiv um diese Patienten kümmert und nimmt auch die Wissenschaft in die Pflicht: "In Deutschland wird die Komaforschung schwer vernachlässigt, der Versorgungsforschung für Wachkomapatienten fehlen die Mittel."

Testprogramme für Wachkoma-Patienten
Die Forscher der englischen Studie hoffen, ihre Untersuchungen weiter vorantreiben zu können und Komapatienten so irgendwann sogar Kommunikationshilfen zu bieten. Zumindest stellen sie sich vor, auf der Basis der fMRI-Darstellung ein regelrechtes Testprogramm aufzubauen, mit dem die Rehabilitation der Patienten überwacht und gezielt unterstützt werden könnte. Zieger sieht darin allerdings auch eine Gefahr: Wenn man Menschen im Wachkoma systematischen Tomografie-Tests unterziehe, könne das dazu führen, dass sie früh "sortiert" werden in rehabilitierbar und unheilbar. "Man sollte sich bei den Prognosen unbedingt zurückzuhalten und jeden Patienten so behandeln, dass er die Chance hat, sein volles Bewusstsein wiederzuerlangen."
Auch Walter Ullmer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Vereins "Schädel-Hirnpatienten in Not", fühlt sich durch die englische Studie bestätigt. Aus den Ergebnissen neuerer Untersuchungen folge zwingend, dass man andere Umgangsformen mit Komapatienten werde finden müssen: "Es macht einen Unterschied, wie man am Krankenbett über den Menschen redet." Durchaus vorstellbar, dass eine junge Frau im Wachkoma, die sich ein Tennisspiel vorstellen kann, auch wahrnimmt, was in ihrer Gegenwart über ihre Genesungschancen gesprochen wird.


SPIEGEL ONLINE - 08. September 2006
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,435669,00.html



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"wir sind Papst!"



Weltjugendtag 2005 in Köln
Warum jetzt alle Papst werden

»Wir sind Papst!«
Eine Schlagzeile ist zum Slogan geworden und enthält mehr Wahrheit, als viele auf den ersten Blick vermuten.
Mit dem »Wir sind Papst!«-Button an der Kleidung demonstrierten Hunderttausende junge Menschen in Köln beim Weltjugendtag, dass sie gewillt sind, die Ressourcen der Religionen und Kirchen zu nutzen, um sich daraus ihre eigene, ganz persönliche Religiosität zu basteln.
Was der Papst für sich in Anspruch nimmt, nämlich im Umgang mit Bibel, Tradition, Vernunft und modernen Herausforderungen seinen eigenen Glauben zu gestalten, das nimmt nunmehr auch die überwiegende Mehrheit junger Menschen gerade auch der katholischen Kirche für sich in Anspruch.
Das Papst-Prinzip wird populär und popularisiert, symbolisiert in der Papst-Funktion und in der Papst-Figur und in der Popularität des Papstes. Insofern spielte es eine untergeordnete Rolle, dass der Papst Joseph Ratzinger war. Es hätte auch jeder andere Kardinal als Papst nach Deutschland kommen können. Die Begeisterung wäre keine andere gewesen.
Denn gewissermaßen feiern die jungen Leute im Papst sich selbst: Ihr religiöses Erwachsenwerden, ihre religiöse Souveränität.

Dieser Prozess findet seit Anfang der 70ziger Jahre statt. Aber im Gegensatz dazu sehen sich die jungen Menschen, die den Papst bejubeln und seinen Lehren nicht folgen, nicht als Anhänger einer Doppelmoral an. Caroline, eine Pilgerin, formuliert es in einer »heute«-Sendung des ZDF so: »Die Lehren der Kirche sind für mich wie ein Buffet, von dem ich mir aussuche, was mir liegt«. Das Puzzle- und Bastelprinzip, Ende der 80ziger Jahre offenkundig geworden, ist inzwischen Allgemeinprinzip. Und darin liegt eine große Chance, nämlich die Aussöhnung zwischen Vernunft und Gefühl, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religion und Konfession. Aktuelle Untersuchungen zeigen: Junge Menschen glauben mehrheitlich an eine göttliche Kraft, sie setzen Werte wie Liebe, Freundschaft und Frieden an die Spitze ihrer Werte, und sie suchen nach einer Orientierung, die in prekären Lebenssituationen Halt gibt.

Publik-Forum, Newsletter, 22.9.2005


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Papst verbietet gemeinsames Abendmahl


Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" bekräftigt Roms Position

Hamburg (dpa) - In seiner 14. Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia"
bekräftigt Papst Johannes Paul II. die traditionelle katholische
Lehre über die Eucharistie gegen Missbräuche und Zweideutigkeiten.
Einem gemeinsamen Abendmahl mit den protestantischen Christen erteilt
das katholische Kirchenoberhaupt erneut eine klare Absage, äußert
gleichwohl die Hoffnung auf Fortschritte in der Ökumene. dpa
dokumentiert Auszüge des Dokuments im Wortlaut:

"1. Die Kirche lebt von der Eucharistie ... Mit Recht hat das Zweite
Vatikanische Konzil gelehrt, dass das eucharistische Opfer "Quelle
und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" ist. ...
10. ... In der Tat gibt es Orte, an denen eine beinahe völlige
Vernachlässigung des Kultes der eucharistischen Anbetung feststellbar
ist. Überdies gibt es in dem einem oder anderen Bereich der Kirche
Missbräuche, die dazu beitragen, den rechten Glauben und die
katholische Lehre über dieses wunderbare Sakrament zu verdunkeln.
Zuweilen kommt ein sehr bedeutungsminderndes Verständnis der
Eucharistie zum Vorschein. Einmal seines Opfercharakters beraubt,
wird das eucharistische Geheimnis so vollzogen, als ob es nicht den
Sinn und den Wert eines Treffens zum brüderlichen Mahl übersteigen
würde. Darüberhinaus ist gelegentlich die Notwendigkeit des
Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet,
verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie wird allein auf
die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert. ... Die Eucharistie
ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Minimalisierungen zu
dulden. ...
29. ... Die Gemeinde, die zur Feier der Eucharistie zusammenkommt,
benötigt unbedingt einen geweihten Priester ...
30. ... Deshalb müssen die katholischen Gläubigen, wenn sie auch die
religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder respektieren, sich
von der Teilnahme einer Kommunion fernhalten, die in ihren Feiern
ausgeteilt wird, um nicht einer Zweideutigkeit über die Natur der
Eucharistie Vorschub zu leisten und es demzufolge zu unterlassen, die
Wahrheit klar zu bezeugen. Dies würde zu einer Verzögerung des Weges
zur vollen sichtbaren Einheit führen. Ebenso wenig kann man daran
denken, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische
Wortgottesdienste oder gemeinsame Gebetstreffen mit Christen zu
ersetzen ...
37. Die Eucharistie und die Buße sind zwei eng miteinander verbundene
Sakramente. ... Wenn also der Christ auf seinem Gewissen die Last
einer schweren Sünde trägt, so wird sein Bußgang über das Sakrament
der Versöhnung ein verpflichtender Weg sein, um zur vollen Teilnahme
am eucharistischen Opfer zu gelangen. ...
43. ... Das Hinstreben zum Ziel der Einheit drängt uns, den Blick auf
die Eucharistie zu richten, die das höchste Sakrament der Einheit des
Volkes Gottes ist. ...
44. Gerade weil die Einheit der Kirche, welche die Eucharistie durch
das Opfer und den Empfang des Leibes und Blutes des Herrn vollzieht,
unter dem unabdingbaren Anspruch der vollen Gemeinschaft steht, die
durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und des
kirchlichen Leitungsamtes gesichert wird, ist es nicht möglich, die
eucharistische Liturgie gemeinsam zu feiern bevor diese Bande nicht
völlig wiederhergestellt sind. Eine derartige Konzelebration wäre
kein sinnvoller Weg und könnte sich vielmehr als Hindernis für das
Erreichen der vollen Gemeinschaft erweisen, da sie den Sinn für die
Entfernung vom Ziel verschleiert und Zweideutiges über die eine oder
andere Glaubenswahrheit einführt oder dafür Vorschub leistet. ... Ich
möchte auf jeden Fall bestätigen, was ich in der Enzyklika Ut unum
sint ausgeführt habe, nachdem ich die Unmöglichkeit der gegenseitigen
eucharistischen Teilnahme festgestellt habe: "Doch haben wir den
sehnlichen Wunsch, gemeinsam die Eucharistie des Herrn zu feiern ..."
45. Wenn auch beim Nichtvorhandensein der vollen Gemeinschaft die
Konzelebration in keinem Fall statthaft ist, so trifft diese
Zurückhaltung nicht zu hinsichtlich der Spendung der Eucharistie
unter besonderen Umständen und gegenüber einzelnen Personen, die zu
Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, welche nicht in der
vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. In diesem
Fall besteht die Zielsetzung in der Tat darin, einem schwerwiegenden
geistlichen Bedürfnis im Hinblick auf das ewige Heil einzelner
Gläubiger zu entsprechen, nicht aber darin, eine Interkommunion zu
praktizieren, die unmöglich bleibt, so lange die sichtbaren Bande der
kirchenlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind."

©dpa -15.04.2003


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Ökumene-Konsequenzen


«Straftatbestand Verbotene Gottesdienstgemeinschaft»

Realität der Ökumene:
Priester nach ökumenischem Abendmahl suspendiert

Tagesschau / 4.6.2003

Auf dem Ökumenischen Kirchentag hatte der römisch-katholische Pfarrer Bernhard Kroll in der Berliner Gethsemane-Kirche aus evangelischer Hand das Abendmahl empfangen.
Kroll hatte zuvor in dem Gottesdienst gepredigt und dafür mehrfach Applaus bekommen. Bei der Initiative "Kirche von unten", die den Gottesdienst organisierte, sind nach einem Bericht des Berliner "Tagespiegel" Dutzende Solidaritätserklärungen aus aller Welt für Kroll eingegangen.

Wegen des Empfangs des ökumenischen Abendmahls auf dem Berliner
Kirchentag ist der Dietenhofener Pfarrer Bernhard Kroll nun von seinem Amt
suspendiert worden. Der Eichstätter Bischof Walter Mixa verhängte die
Kirchenstrafe nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Priester. Grundlage
sei der im Kirchenrecht definierte Straftatbestand einer "verbotenen
Gottesdienstgemeinschaft". Diesen Tatbestand habe Kroll eingeräumt.

Mit der Maßnahme solle Pfarrer Kroll "Gelegenheit zur Neubesinnung und zum
Überdenken seines priesterlichen Selbstverständnisses" gegeben werden. Sein Handeln müsse um so gravierender eingestuft werden, weil durch die jüngste Enzyklika von Papst Johannes Paul II. (siehe oben) sowie offizielle Erklärungen der deutschen Bischöfe im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages die Teilnahme an gemeinsamen Mahlfeiern ausdrücklich untersagt worden war.

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID1920582,00.html



Nachtrag:
Bischof Mixa hatte seine Entscheidung, Pfarrer Kroll nach dessen Teilnahme
an einem evangelischen Abendmahl des Amts zu entheben, in seiner Pfingstpredigt verteidigt:
Es gehe nicht darum, "dass wir zum Zeichen der Verbundenheit Brötchen miteinander essen", sagte er.
Der katholische Glaube, dass Christus wirklich und wahrhaftig im Sakrament des Altars anwesend sei, werde von der evangelischen Kirche nicht geteilt. Bei ihr stehe das Abendmahl als Erinnerungsmahl im Vordergrund.
Nürnberger Nachrichten, 11.6.2003


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Zurück in die röm.kath. Kirche!


Die einzig wahre Kirche

München / Erding, 22.6.2003 (epd).

Der Münchner römisch-katholische Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter erklärte, dass er sich die Einheit der Christen nur im Aufgehen der anderen christlichen Kirchen in der katholischen Kirche vorstellen könne.
"Wir wollen die Einheit der Christen in der einen Kirche und der Weg führt über die Wahrheit des Glaubens", sagte der Kardinal laut Pressemitteilung wörtlich.
"Die Wahrheit des Glaubens finde sich in der Lehre der (römisch-katholischen) Kirche, wie sie von den Bischöfen als Nachfolger der Apostel verkündet werde, für deren Einheit der Papst als Nachfolger Petri stehe", heißt es in der Pressemitteilung. "Der niedrigste gemeinsame Nenner könne keine Basis für die Einheit der Kirche sein. Er führe zur Verkümmerung und zum Ausverkauf des Glaubens."
Für das Kollegium der Bischöfe ist laut Wetter das Wort Jesu maßgebend:
"Wer euch hört, der hört mich." Dies gelte nicht, weil die Bischöfe klüger seien als andere, sondern weil Jesus die Gemeinschaft der Bischöfe "in der Bezeugung des Glaubens vor Irrtum bewahrt und in der Wahrheit hält".

Der Evangelische Pressedienst wertete diese Aussagen als Indiz dafür, dass sich der Münchner Kardinal "die Einheit der Christen nur im Aufgehen der anderen christlichen Kirchen in der katholischen Kirche vorstellen kann".



Quelle: http://www.epd.de/bayern/
Weitere Infos unter www.ikvu.de


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Papst ändert Wandlungsworte


Papst Benedikt XVI. hat eine Änderung der so genannten Wandlungsworte bei der katholischen Messe angeordnet. Seit der Liturgiereform der sechziger Jahre begleitet der Priester die Wandlung des Weins mit den Worten: "Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird". Stattdessen sollen die Priester bei der Eucharistie, der Abendmahlsfeier, künftig sagen, das Blut sei "für viele" vergossen worden. Das entspreche dem überlieferten lateinischen "Originaltext", berichtete die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera".Es handele sich um den ersten Eingriff des deutschen Papstes in die Liturgie, berichtete das Blatt. Es habe allerdings auch kritische Stimmen gegen die Änderung gegeben, hieß es: Sie sei unverständlich für die Gläubigen. Andere Theologen vertreten die Auffassung, durch die Änderung werde klar, "dass die Errettung (der Menschen) durch Jesus Christus nicht gleichsam automatisch erfolgt, sondern auch vom Willen des Einzelnen abhängt".

Pro multis effundetur
Die Wandlungsworte sprechen die katholischen Priester, bevor sie zum Abschluss des Gottesdienstes Hostien - symbolisiertes Brot - an die Gläubigen ausgeben. Der lateinische Text heißt: "Hic est enim calix sanguinis mei, (...) qui pro vobis et pro multis effundetur (...)." Auf deutsch: "Das ist der Kelch meines Blutes (..), das für euch und für viele vergossen wird (...)." Weiter heißt es, Kurienkardinal Francis Arinze habe die Präsidenten der Bischofskonferenzen in den einzelnen Ländern bereits über die Änderung unterrichtet. Sie solle aber erst in zwei Jahren wirksam werden.

Grenzt neue Formel andere aus?
Michael Plathow, Direktor des Konfessionskundlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, sieht in den Plänen des Heiligen Stuhls eine Konzentration auf das römisch-katholische Verständnis von Abendmahl und Kirche. Schon beim katholischen Weltjugendtag in Köln 2005 sei deutlich geworden, dass nicht-katholische Christen nicht zum Abendmahl eingeladen seien, sagte Plathow der Nachrichtenagentur epd. Nicht Öffnung, sondern Abgrenzung werde mit der verbindlichen Rückkehr zur Liturgieformel "für viele" bestimmend. Die Evangelische Kirche, die im Unterschied zu den Katholiken nicht nur Hostien, sondern auch Wein (oder Traubensaft) an die Abendmahlsgäste austeilt, macht keinen Unterschied zwischen "vielen" und "allen": Die an die Gottesdienstgemeinde gerichtete protestantische Formel der Abendmahlsliturgie lautet: "das ist mein Blut, das für euch vergossen wird". Der katholische Kurienkardinal Arinze begründete die in den kommenden Jahren geplante Rückkehr zur alten Übersetzung mit einer "präziseren Übertragung der traditionellen Formel 'pro multis'". Gleichzeitig betonte er, dass die reformierte Formel der sechziger Jahre "ohne Zweifel einer korrekten Interpretation der Intention des Herrn" entspreche. (nz)


N24.de
18.12.2006



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Wiedereinführung der lateinischen Messe


LITURGIE-DEBATTE
Latein muss sein

Vor fast vierzig Jahren wurde die lateinische Messe aus der katholischen Kirche verbannt. Jetzt will der Papst sie wieder einführen. Unterstützt wird er auch in Deutschland - von führenden Intellektuellen.
Üblicherweise möchten Protestler etwas Neues durchboxen. Doch die prominenten Unterstützer des Manifests zur "Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe" wollen Althergebrachtes auferstehen lassen: die sogenannte Alte Römische Liturgie, auch als lateinische Messe bezeichnet.
Theologisch korrekt heißt sie "tridentinische Messe", benannt nach dem Konzil von Trient Mitte des 16. Jahrhunderts. Der mittelalterliche Ritus verstand sich als Antwort auf die Reformation: Während Martin Luther den Glauben des Einzelnen stärkte, sollte der katholische Gottesdienst in erster Linie dem Geistlichen gehören. So schrieben etwa die Regeln streng vor, das Gebet gen Osten auszurichten, von wo aus Christus wiederkehren soll - auch wenn der Priester dafür mit dem Rücken zur Gemeinde stehen musste. Gebete und Gesänge waren auf Latein zu hören.
1970 wurde diese Praxis katholischer Liturgie aus den Gotteshäusern verbannt. Es war ein Umbruch sondergleichen, als die Kirchenoberen im Zuge des II. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1969) beschlossen, die bis dahin offizielle Gottesdienst-Sprache Latein abzuschaffen. Verständlicher sollte die Messe werden, näher am gläubigen Bürger, gehalten in der jeweiligen Volkssprache. Binnen weniger Jahre ließen der damalige Papst Johannes XXIII. und sein Nachfolger Paul VI. die Messbücher umschreiben. Von nun an beteten Priester auf Französisch, Deutsch oder Italienisch - mit Blick auf die Kirchenbänke.

Phalanx leidenschaftlicher Reformgegner
Der neue Messritus ("Novus Ordo") bedeutete aber auch, einen tief verwurzelten Brauch über Nacht abzuschaffen. Man wollte den Geist der tridentinischen Liturgie, der den Kleriker deutlich über den gewöhnlichen Gläubigen stellt, ausmerzen - und damit nicht zuletzt den Verlust von Gemeindemitgliedern stoppen.
Doch unterschätzte die oberste Kirchenleitung die konservative Fraktion: Seit Jahrzehnten kämpft eine Phalanx aus leidenschaftlichen Reformgegnern gegen das Verbot der lateinischen Gottesdienste. Eine Galionsfigur der Gegenbewegung ist der - mittlerweile verstorbene - französische Erzbischof Marcel Lefebvre. Er gründete die Priesterbruderschaft St. Pius X., die bis heute konsequent Messen in der althergebrachten Form abhält.
Auch weltliche Verfechter der klassischen Messe meldeten sich zu Wort. 1971 nutzten Schriftsteller wie Agatha Christie und Graham Greene, Musiker wie Yeduhi Menuhin und Vladimir Ashkenazy ihre Popularität, um in einem gemeinsamen Aufruf an den Vatikan zu appellieren: Ein über Jahrhunderte gediehenes Gefüge von religiöser Zusammenkunft, die spirituelle Basis der katholischen Gemeinde, dürfe nicht aussterben.
Die beharrlichen Proteste hatten Erfolg: Mitte der Achtziger lockerte Papst Johannes Paul II. den Konzilsbeschluss und ließ die verbotene Messe teilweise wieder zu - allerdings unter strengen Auflagen. Zudem musste jeder lateinische Gottesdienst einzeln vom Ortsbischof genehmigt werden. Dennoch finden heute in Deutschland wieder Gottesdienste in der Tradition des "Tridentinischen Konzils" statt.
Moderne Gottesdienste auf Latein? Die Anhänger erklären, dass man auch ohne großes Latinum der Messe folgen könne; heute würden Predigt und Evangelien in der jeweiligen Landessprache vorgetragen. Allerdings sind Tages- und Schlussgebet dem Priester vorbehalten. Dafür kommen die Gläubigen beim gemeinsamen Singen zum Zug: Das "Kyrie" und "Gloria" singen Gemeinde und Priester zusammen - auf Latein.

Wiederauferstehung noch in diesem Jahr?
Spätestens seit Joseph Ratzinger zum Papst gekürt worden ist, haben die Traditionalisten neue Hoffnung: Benedikt XVI. ist als Kritiker der Liturgie-Reform von 1970 bekannt. Schon in seiner Kardinalszeit machte er aus seiner Meinung kein Geheimnis: "Wer die Alte Messe verbietet, der ächtet damit die ganze Vergangenheit der Kirche. Wie sollte man ihrer Gegenwart trauen, wenn es so ist?", fragte er in einem Gespräch zur Jahrtausendwende.
Die Wiederauferstehung der lateinischen Messe scheint also in greifbarer Nähe. Anführer der religiösen Retro-Bewegung hierzulande ist Heinz Lothar Barth, Dozent für Philologie an der Bonner Universität. Seit Jahren wirbt er auf seinen christlichen Sommerakademien für eine freie Ausübung des tradierten Gottesdienstes. Anfang des Jahres hat er das "Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe" verfasst und schart nun deutsche Intellektuelle um sich.
Von einer "Verbürgerlichung der Gottesdienste", einer "Rationalisierung", spricht Barth. Vor der Liturgie-Reform sei mit feierlichen Messgewändern und üppigem Altarsschmuck viel mehr Wert auf prunkvolles Zelebrieren gelegt worden - diese Kultur müssen gleichberechtigt existieren dürfen, fordert er.
Schriftsteller wie Botho Strauß, Ulla Hahn oder Martin Mosebach haben bereits zugesagt, das Manifest zu unterstützen. Die Verfechter der Traditions-Liturgie mahnen: "Das Erbe der katholischen Kultur darf nicht einfach weggesperrt werden", heißt es in der Erklärung. Die Alte Messe sei ein "überragendes Werk der Weltkultur, vergleichbar den Domen oder Kathedralen, die für diese Liturgie geschaffen worden seien."
Ähnliche Aktionen starten Kulturschaffende auch in Frankreich und Italien, in dortigen konservativen Tageszeitungen tauchen regelmäßig ähnliche Appelle auf. Gleichzeitig melden sich geistliche Gegner zu Wort, die das katholische Gefüge zerfasern sehen: Eine Öffnung der Gottesdienste für einst abgeschaffte Methoden würde die Geschlossenheit der Kirche gefährden, warnen sie.
Doch sprechen alle Zeichen für die Traditionalisten - und vermutlich würde die "Reform der Reform" auch ohne den Rückhalt der Intellektuellen über die Bühne gehen. Bereits im Dezember vergangenen Jahres ließ Benedikt XVI. verkünden, er werde "bald nach Weihnachten" verfügen, dass die lateinische Messe künftig von jedem Priester frei zelebriert werden darf.


Annett Meiritz

SPIEGEL ONLINE - 20.1.2007


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Verwirrung in der Ökumene


Es kann doch nicht jeder glauben, was er will

Berlin war Anfang und Ende zugleich:
Der ökumenische Kirchentag hat viele katholische Gemeinden in Verwirrung
gestürzt, sagen die Kardinäle

14.7.2003. Nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Aber anderthalb
Monate nach dem schwungvollen ökumenischen Großereignis von Berlin steht
fest: Eine Wiederholung Eins zu Eins wird es so schnell nicht geben, auch
wenn sich die Veranstalter das noch nicht eingestehen wollen. Berlin 2003
war ein Anfang, aber paradoxerweise zugleich eine Zäsur.

Die ausufernde Debatte um Eucharistie und Abendmahl, die dem gemeinsamen
Kirchentag von Katholiken und Protestanten ihren Stempel aufgedrückt hatte,
hat auf römisch-katholischer Seite die Kräfte des Widerstands gegen einen
"pragmatischen Ökumenismus" gestärkt. Sie sehen den Nerv des katholischen
Glaubens getroffen. Bischöfe und Theologen, die von Anfang an Distanz zu dem
Berliner Christentreffen hielten, nehmen heute kein Blatt vor den Mund. Von
Berlin, sagt Kardinal Joachim Meisner, sei ein "großer Desorientierungs- und
Verwirrungsschub" in die Gemeinden ausgegangen. Weil zum Beispiel dort
Sonntagmorgen ein ökumenischer Gottesdienst stattfand, meine man, dass dies
nun überall möglich sei; weil immer wieder die Interkommunion diskutiert und
in zwei spektakulären Veranstaltungen praktiziert worden sei, setze sich das
in manchen Gemeinden fort. Der Kardinal preist die Eucharistie-Enzyklika des
Papstes als Notbremse gegen eine Protestantisierung des katholischen
Glaubens und tadelt indirekt seine Brüder im Bischofsamt, die trotz Bedenken
Desorientierung und Verwirrung zugelassen hätten. Mit anderen Worten: Die
Ökumene darf nicht in einer Art Gefühlsreligion enden, von der es schon
genügend Angebote gibt. Also ein klares Nein zu einer schnellen Neuauflage
des ÖKT.

Die Wiederentdeckung von katholischen "Grundwahrheiten" rückt nach Berlin
wieder an die oberste Stelle: Eucharistiefeier als Vergegenwärtigung des
Kreuzesopfers Christi, zu der es eines gültig geweihten Priesters bedarf -
was eine Kompatibilität mit dem evangelischen Abendmahl von vornherein
ausschließt. Man klopft sich an die eigene Brust. In den katechetischen
Unterweisungen der vergangenen 20 Jahre sei offenbar nicht mehr über den
Wert der Eucharistie und über die Bedeutung der Verwandlung von Brot und
Wein gesprochen, sagt der Eichstätter Bischof Walter Mixa. Kardinal Leo
Scheffczyk beschwört den metaphysischen Zauber, der für einen wahrhaft
katholischen Glauben an das Eucharistie-Geheimnis "unabdingbar ist". Der
greise Kardinal, der das besondere Vertrauen des Papstes genießt, predigt
landauf und landab, dass "der Inbegriff des Katholizismus" in Gefahr sei,
sich in den trüben Wassern eines alles vergleichgültigenden Denkens
aufzulösen. Der Ökumenische Kirchentag hat für ihn nachgerade kathartische
Bedeutung. Er ist für Scheffczyk, Meisner, Mixa und die anderen
Würdenträger, die momentan im deutschen theologischen Disput den Ton
angeben, der Tag der Umkehr: vom ökumenischen Enthusiasmus zum Realismus.
Mehr Katechese, mehr Korrektur populärer Axiome. Die gängige Formel "Uns
vereint viel mehr als uns trennt" erscheint da als eine die konfessionelle
Identität vernebelnde Aussage.

"Versöhnte Verschiedenheit kann nicht heißen: Jeder bleibt, wie er ist, und
glaubt, was er will", warnt der katholische Ökumene-Bischof Paul-Werner
Scheele (Würzburg). "Das ist keine Gemeinschaft, sondern ein Abfinden mit
der Trennung. Ein festes Glaubensgut, das alle ohne Wenn und Aber bejahen,
ist unbedingt nötig." Ähnlich sagt es Kurienkardinal Walter Kasper. Eine
Ökumenekonzeption, welche die Vielzahl der Konfessionen als Reichtum
betrachtet und es statt dem Bemühen um die sichtbare Einheit der Christen
bei der gegenseitigen Anerkennung der Kirchen belassen wolle, findet nicht
seine Zustimmung: "An Jesus Christus glauben heißt die Einheit der Kirche
wollen." Das bei weitem nicht alle so. In einer in Pluralismus geübten
Gesellschaft stecken große Sympathien für die Kirchenvielfalt. Zwar meint
bei einer Umfrage des evangelischen Magazins "chrismon" eine relative
Mehrheit (36 Prozent), dass die Kirchenleitungen Wege zur Einheit finden
sollten, aber immerhin 21 Prozent sagen, die Kirchen sollten getrennt
bleiben - bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 39 Prozent.

Das Thema Einheit bleibt auf der Agenda, aber vor 2010 dürfte es nicht zu
einer Neuauflage des ÖKT kommen - das Lager um Scheffczyk, Meisner, Mixa und
den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller gibt der Festigung
katholischer Identität Vorrang vor krampfhaften Einheitsdemonstrationen. Auf
dem Gebiet der Ethik könne man oft nicht mehr mit einer Stimme sprechen,
gibt Meisner zu bedenken. Es sei nur an die unterschiedliche Bewertung der
Homosexualität in Theorie und Praxis erinnert. "Dass beispielsweise die
Frauenordination in der evangelischen Kirche neue Hürden in der wichtigen
Amtsfrage hat, die es vor 50 Jahren nicht gab, sei nur am Rande vermerkt."
Deshalb sollten die Gewichte von einem derzeit dominierenden "pragmatischen
Ökumenismus" auf einen "geistlichen Ökumenismus" verlagert werden, rät
Kardinal Scheffczyk. Der Papst habe für den Weg zum Ziel den "Dialog der
Bekehrung" als verbindlich. Ein solcher "Dialog" widerspricht aber den
pluralistischen Intentionen eines gemeinsamen Kirchentages. Allein deshalb
wird das Modell ÖKT so schnell nicht in Serie gehen können.

Gernot Facius

Aus: DIE WELT, 14.7.2003
Quelle: http://www.welt.de/data/2003/07/14/133493.html


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Gegenseitiges Anderssein


Theologin Miriam Rose: "Differenzen zwischen Kirchen verstärken sich"
Tagung der Evangelischen und der Katholischen Akademie in München


München, 15.6.2003 (epd). Die evangelische und katholische Kirchenbasis hat die konfessionellen Differenzen emotional noch nicht überwunden. Diese Ansicht formulierte die evangelische Theologieprofessorin Miriam Rose am Wochenende bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing und der Katholischen Akademie in München. Nach Ansicht der Expertin für Fundamentaltheologie und Ökumene ist eher der Gegenteil der Fall: "Die von
den Gemeindemitgliedern der beiden Konfessionen gefühlten Differenzen verstärken sich mehr und mehr".

Die Unterschiede in der konkreten Gestaltung des religiösen Alltags nähmen zu - sowohl innerhalb der Kirchen als auch zwischen beiden Konfessionen. Das äußere sich im Umgang mit religiösen Fragen, Lebenshaltungen oder spirituellen Praktiken - etwa der Meditation. Grund sei die zunehmende Betonung des Individuums in der Gesellschaft, so Rose: "Die Menschen wollen ernst genommen werden mit ihren ganz individuellen Erfahrungen, bei denen konfessionelle Prägungen eine wichtige Rolle spielen."

Die von der Kirchenbasis gefühlten Differenzen seien ein wichtiger Grund für die momentane Stagnation des ökumenischen Prozesses, so Rose. In Anlehnung an Eberhard Jüngel plädierte sie dafür, die Ökumene als eine "Gemeinschaft gegenseitigen Andersseins" voranzutreiben. Dies bedeute, offen, ehrlich, verbindlich und nicht-manipulativ über den verschiedenen Glauben und alle daraus folgenden Unterschiede zu reden.

Im Gegensatz zu den gefühlten spielten die theologischen, rationalen Differenzen bei der Kirchenbasis kaum noch eine Rolle - etwa der Streit über die Anzahl und Art der Sakramente oder darüber, was "Kirche" sei. "Die Gemeindemitglieder kennen die kirchenrechtlichen Differenzen oft gar nicht mehr, oder sie halten sie für zu diffizil", sagte Rose. (0945/15.06.03)


Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_15679.htm


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Landesbischof für klare Sprache in der Ökumene

Amorbach, 29.6.2003 (epd). Eine Einheitskirche kann nicht Ziel der Ökumene
sein. Dies hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bei einem
Festgottesdienst zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Amorbach (Kreis
Miltenberg) betont. Friedrich bedauerte Forderungen nach einer so genannten
Rückkehr-Ökumene. Die Vorstellung, kirchliche Einheit sei nur um den Preis
der Aufgabe eigenständiger kirchlicher Traditionen möglich, habe keine
Zukunft. Der Landesbischof plädierte stattdessen für das Modell der
versöhnten Verschiedenheit, bei dem keine Seite der anderen ihre
Frömmigkeitsformen aufzwinge.


Quelle: http://www.epd.de/epd_15928.htm


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Drewermann: Ökumene und Kirchentag


KIRCHENTAG IN BERLIN: Darf man das?
Eine "Ökumene" der Kirchen ist nur als eine
Ökumene aller Menschen in allen Religionen denkbar



Von Eugen Drewermann

Sonderbar. Der Mann, auf den die christlichen Kirchen sich berufen, wurde von den Gesetzeslehrern und Tempelpriestern seiner Tage als tödlicher Skandal empfunden. Unter anderem, weil er es nicht hinnehmen wollte, dass man im Namen Gottes Menschen von Menschen trennte. Wenn von Gott glaubwürdig die Rede sei, dann um Menschen zusammenzuführen, meinte er. Doch was tun die christlichen Kirchen?

In gewissem Sinne ist es erschütternd zu lesen, wie Jesus im Lukas-Evangelium sich in dem Gleichnis vom Guten Hirten förmlich dafür rechtfertigen muss, dass er all denjenigen nachgeht, die entsprechend den moralischen und rechtlichen Normen der stets "Koscheren" durchaus keine Chance zur "Umkehr" haben: Huren, die in den Augen der "Anständigen" für bloßen Abschaum zu gelten hatten; "Sünder", die mit ihrem Leben und mit den Menschen in ihrer Umgebung nicht zurecht kamen; "Terroristen", die zum militanten Kampf gegen die "Ordnungsmacht" Rom aufwiegelten und aufstanden, Angehörige der äußersten Linken jener Zeit also ...

Es ist erschütternd zu lesen, wie der Mann aus Nazareth sich mit all diesen Verlorenen und Verlaufenen an einen Tisch setzte ohne Vorbedingungen - diese Leute, die niemals hatten glauben können, dass sie dessen würdig seien, rief er in seine Nähe und erklärte sie für willkommen - und dann mitzuerleben, wie schwer Katholiken und Protestanten sich immer noch tun, gemeinsam an dem zu sitzen, was da "der Tisch des Herrn" heißt.

"Wir sind noch nicht so weit", lautet seit den Anfängen eines ernst gemeinten "ökumenischen" Dialogs zwischen den Kirchen nach dem sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzil vor nunmehr 40 Jahren die stereotype Antwort der katholischen Kirche. "Es darf nicht sein, ehe die Protestanten nicht der römischen Auffassung vom Priesteramt zustimmen", hatte Papst Johannes Paul II. sinngemäß noch in den Ostertagen der Menschheit kundgetan. Einspruch, Euer Ehren! Was würde Jesus sagen zu einer Kirchenordnung wie der katholischen, die aus dem Zeichen der Einheit aller Menschen einen Zankapfel zur Ausgrenzung aller Menschen macht, die "ideologisch" und "moralisch" mit den vatikanischen Vorgaben nicht komplett konform sind? Lässt sich im Sinne Jesu die Einheit mit Gott an ein Prämiensystem dogmatischer "Rechtgläubigkeit" und eines "sittlich einwandfreien" Rechtverhaltens binden?

Als Katholiken und Protestanten sich vor gar noch nicht so langer Zeit in Augsburg über die "Rechtfertigungslehre" einigten, hielt man das auf beiden Seiten für einen bedeutenden Meilenstein auf dem Wege zur Einheit.
Mittlerweile scheint es, als habe man nicht sowohl der Haltung Jesu näherkommen, als auch ein weiteres Stück Kirchenpolitik fabrizieren wollen.
Ein Mensch kann nicht "gut" im moralischen Sinne sein, wenn er nicht einer Güte begegnet, die ihn unbedingt meint; das ist in einfachen Worten der ganze Inhalt der lutherischen "Rechtfertigungslehre". Sie entspricht durch und durch der menschlichen Evidenz des Mannes aus Nazareth im Umgang mit
menschlicher Not.

Wenn auch die katholische Theologie dem zustimmt, wie geht es dann zu, dass dieselbe Kirche sogar in den eigenen Reihen Menschen die Teilnahme an der "Eucharistie" versagt, die in ihrer Ehe gescheitert sind und ihr Glück in einer neuen Beziehung suchen? Rund 300.000 Menschen jährlich betrifft allein
diese Frage im real existierenden Katholizismus der BRD. Wenn die katholische Kirche anerkennt, dass alle christliche "Lehre" nie etwas anderes sein kann als eine Auslegung der "Gnade", die Jesus im Namen eines
"väterlichen" (oder "mütterlichen", jedenfalls grundgütigen) Gottes gelehrt und gelebt hat, wie kann es dann mit rechten Dingen zugehen, dass die katholische Kirche den protestantischen Christen die Zugehörigkeit zu eben der Person des Mannes aus Nazareth im "Vollsinne" abspricht und sich selber
an die Stelle Christi setzt?

Wohlgemerkt, die meisten Kirchenmitglieder an der "Basis" sind längst "so weit", und zwar nicht weil sie besonders theologisch gebildet wären. Im Gegenteil, weil sie weder sprachlich noch inhaltlich begreifen, was eigentlich die Konfessionen trennen soll. Es geht um Ämter, es geht um Macht, gewiss - doch sollte es bei all dem nicht um Menschen gehen - um Gott? Aus theologischer Sicht sollte feststehen, dass Gott niemals identisch sein kann mit einer bestimmten Region oder Religion oder Nation oder Konfession. Eine Kirche, die sich an die Stelle Gottes setzt, macht sich zum Selbstzweck und fängt an, der Sache Jesu wie den Menschen im Wege zu stehen.

Insofern liegt eine unerhörte religiöse Chance in dem offenbaren Verfall tradierter Kirchenmacht, der auch auf diesem Kirchentag sichtbar werden wird. Längst schon fragen die Menschen nicht mehr: "Bist du katholisch?" - "Bist du evangelisch?" Selbst die Frage der Religionszugehörigkeit - ob Christ, Buddhist, Muslim oder Hindu - beginnt sich im Bewusstsein vieler zu relativieren. Ist das so falsch? Wer etwa wollte einem Mann wie Mahatma Gandhi absprechen, ein "Christ" im wahren Sinne des Wortes gewesen zu sein?
"Ich bin Christ, Hindu und Muslim", erklärte der große Führer Indiens bezogen auf die Religionen seines Landes, "und ich bin überzeugt: Wenn man die heiligen Texte einer Religion liest mit den Augen eines Gläubigen, so wird man bemerken, dass Gott in jeder Religion zu jedem Volk in seiner Zeit sagt, was es zum Leben braucht." Andererseits erklärt er, es habe ein Christentum im Abendland nie gegeben, sonst hätten von dort nicht die schlimmsten Kriege ihren Ausgang nehmen können. Wer ein Christ ist,
entscheidet sich nicht an Fragen der Lehre, sondern an der Art des Lebens, und gerade das Beispiel Jesu erlaubt in diesem Punkte kein Ausweichen oder Zurückweichen.

"Wie findet man zu Gott?" fragt sinngemäß ein Schriftgelehrter an einer berühmten Stelle des Lukas-Evangeliums einmal den Mann aus Nazareth. Die "orthodoxe" Antwort auf diese Frage müsste lauten: Gott lässt sich finden im Tempel, er wird "vermittelt" durch den Opferdienst der Priester, er wird gegenwärtig in den kultischen Handlungen. Doch wie antwortet ein Prophet auf diese Frage? Jesus erzählt zur Antwort die Geschichte vom Barmherzigen Samariter: "Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die Räuber; die plünderten ihn leer und ließen ihn halbtot liegen. Da kam des Wegs - ein Priester." Jeder unter den Zuhörern damals wird den Affront gespürt haben, mit dem Jesus fortfährt: "Der Priester sah ihn - und ging vorüber." Darf man so antiklerikal predigen, mag man erschrocken fragen. Man muss! Denn nach dem Wortlaut des Gesetzes hat ein Priester Zeit seines Lebens kein Recht, einen Toten zu berühren; er hat kein Recht, sich mit Menschenblut zu verunreinigen, wenn er pünktlich und rituell rein zum Dienst im Tempel anlangen muss. Mit anderen Worten: Es ist die Verschmelzung von Gott mit Kult und Beamtentum, die den Priester hindert, menschlich zu sein. Doch: "Da kam auch ein Samariter", erzählt Jesus weiter. Ein solcher Mann gehört zu einem Volk, mit dem das orthodoxe Judentum sich in den Tagen Jesu seit einem halben Jahrtausend überworfen hatte, weil es nicht bereit war, den Jerusalemer Tempel mitsamt seinem kultischen Dienstpersonal anzuerkennen. Doch gerade dieser - eben weil er all die religiösen Vorurteile nicht teilt - geht hinüber zu dem Verletzten und hilft ihm, so gut er kann.

Wie findet man Gott außer in einer solchen, grenzübergreifenden Menschlichkeit? Es wird bei dem kommenden Kirchentag gewiss Viele geben, die - Bischofs- und Papstwort hin oder her - sich zur Interkommunion zwischen Katholiken und Protestanten bekennen werden. Sie sollten es nicht tun, um Recht haben zu wollen; Menschlichkeit bedarf keiner Rechtfertigung, und kein Kirchenoberhaupt hat ein Recht, sie zu hindern. Doch zu hoffen und zu erwarten bleibt auch von Seiten der Kirchenoberen, dass sie gemeinsam die Botschaft des Friedens, das Verbot des Krieges als eines Mittels der Politik, die Zusammengehörigkeit aller Menschen in aller ihnen möglichen Deutlichkeit und Entschiedenheit aussprechen. Es gibt keine "Ökumene" der Kirchen ohne eine Ökumene aller Menschen in allen Religionen.



Aus: FREITAG, 23.5.2003
Quelle: http://www.freitag.de/2003/22/03220101.php


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Vergessene Strömung - die Ketzer


Die radikale, gewaltfreie Reformation bekommt eine Stimme

Von evangelisch und katholisch ist im Vorfeld des ersten ÖKT in Berlin viel
die Rede. Und ebenso von Martin Luther, Zwingli und Calvin, den Vätern der
Evangelischen im 16. Jahrhundert. Ganz übersehen wird dabei, dass es im 16.
Jahrhundert noch eine "dritte Reformation" gegeben hat. Christen auf der
Suche nach radikaler Nachfolge schlossen sich in freien Gemeinden zusammen,
lebten geschwisterlich und gewaltfrei, mit der Bergpredigt als oberster
Richtschnur. Weil sie Waffendienst, Eid und Kindertaufe ablehnten, wurden
sie verfolgt von kirchlicher wie weltlicher Obrigkeit. Sie wurden zu
Tausenden verbrannt, erschlagen, und ertränkt. Bis heute gelten sie im
zentralen evangelischen Bekenntnis Confessio Augustana Artikel 16 als
verdammt.

Damit der ÖKT in Berlin wirklich als ökumenischer Kirchentag gelten kann,
müssen auch diese als Ketzer verbrannten gewaltfreien Christen in Berlin
ihre Stimme erheben können. Der Internationale Versöhnungsbund / Deutscher
Zweig hat darum in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Paul Mertens und Musikern der Ensemble Ouvert und Cornucopia eine literarisch-musikalische Auferstehung geplant.

Der Versöhnungsbund ist der Meinung, es ist höchste Zeit, den christlichen
Henkern des 16. Jahrhunderts zu widersprechen. Es ist höchste Zeit, auf dass
Zeugnis und die Stimme dieser Märtyrer für eine gewaltfreie und
geschwisterliche Kirche zu hören. In Berlin wird dazu Gelegenheit sein.


Kontakt über: Dr. Thomas Nauerth
Thomas.Nauerth@uni-vechta.de


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Christus ist der Einladende: Geht hin!


Lasst euch einladen - und geht hin!
Eucharistische Gastbereitschaft -
eine evangelische Selbstverständlichkeit!


Friedrich Schorlemmer


"Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich" - mit diesem Satz des Papstes und der Versicherung "und dies gilt für uns alle" schloss die Ansprache von Professor Hasenhüttl bei der Eucharistiefeier mit offener Kommunion zur Zeit des Ökumenischen Kirchentages in Berlin am Prenzlauer Berg. Ich bin sehr gerne dieser Einladung gefolgt - so, wie ich das seit 30 Jahren pflege, wenn es sich auf natürliche Weise ergibt. Das hat für mich nichts Demonstratives oder nach außen hin Zeichenhaftes, sondern etwas geradezu Selbstverständliches. Wir sind nicht die Herren am Tisch des Herrn: Der Herr ist der Einladende. Wir sind die Gäste.

Der Skandal unserer christlichen Kirchen ist, dass wir es immer noch nicht vermocht haben, ganz offiziell einander eucharistische Gastbereitschaft anzubieten, uns also gegenseitig in unseren Gottesdiensten (oder
Hochämtern!) einzuladen, miteinander das Brot zu brechen und den Kelch zu teilen. Wie wollen wir der Welt ein Zeugnis der in Gott versöhnten Menschheit geben, wenn wir an dieser sensibelsten Stelle einander ausschließen? Wo Christus uns die Gemeinschaft mit ihm, die Gemeinschaft miteinander und die Versöhnung mit Gott anbietet und uns zu Botschaftern der Versöhnung macht, grenzen wir andere Mitchristen aus!

In den vergangenen zweitausend Jahren haben sich unterschiedliche Riten, unterschiedliche theologische Deutungen, unterschiedliche Auffassungen vom Priesteramt herausgebildet. Ist nicht aber bei allem Trennenden das Gemeinsame viel größer und stärker? Und ist das nicht unendlich viel gewichtiger? Wenn es uns denn noch nicht gelingen mag, wegen unserer unterschiedlichen Kirchen- und Amtsverständnisse gemeinsame Mahlfeiern (Konzelebrationen) zu gestalten, so sollten wir Christen uns doch wenigstens
einander einladen, Gäste zu sein an dem Tisch, den wir in seinem Auftrag decken. Wir lassen daran Christus den Gastgeber sein, der uns an Leib und Seele speist.

Als ich einige Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag gefragt wurde, was ich von diesem Ökumenischen Kirchentag erwarten würde, habe ich geschrieben: Wir sind als Christen der Welt schuldig, dass wir praktisch zeigen, dass uns weit mehr verbindet, als uns trennt. Christus braucht Zeugen, die gemeinsam auf der Suche nach Wahrheit bleiben, die gemeinsam dem Frieden und der Gerechtigkeit Stimme geben, die gemeinsam in Ehrfurcht vor dem Leben handeln. Der Ökumenische Kirchentag kann in einer gespaltenen und bedrohten Welt-Zeit ein weit und tief wirkendes Symbol für den SCHALOM Gottes werden, aus dem und auf den hin wir alle leben. Ich hoffe, dass wir uns nicht im Kleinlichen, im Rechthaberischen oder Trennenden verlieren und uns einladen (lassen) an den Tisch, den wir nicht gedeckt haben. Es steht viel auf dem Spiel - für uns selbst und für unsere Welt. Aber warum sollte nicht der Heilige Geist in den Tagen vor Pfingsten über Berlin wehen?

Und so habe ich natürlich mit innerer Freude an dieser Eucharistiefeier während des Kirchentages teilgenommen. (Und ich finde es herabsetzend, wenn immer gesagt wird, diese Mahlfeier hätte "am Rande des Kirchentages stattgefunden". Wer bestimmt hier, was Rand ist, und wer bestimmt, was Mitte genannt werden darf?) Es war schon ein sprechendes Symbol, dass Hunderte unmittelbar vor der Kirchentür, auf den Treppen bis auf die Straßen standen, um sehr gesammelt den Gottesdienst über Lautsprecher mitzuverfolgen. Die Elemente wurden herausgetragen. Und Prof. Hasenhüttl kam dann gar bis auf die Straße. Dort wurde - gewissermaßen mitten im Leben - Brot und Wein ausgeteilt. Niemand sollte ausgeschlossen bleiben, auch nicht die, die weitab auf den Bürgersteigen warteten.

Dass die katholische Amtskirche jetzt so rigide reagiert, sowohl gegen Pfarrer Knoll, dem die bloße Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl vorgeworfen wird, und gegen Prof. Hasenhüttl, der die katholische Eucharistiefeier liturgisch geleitet hatte, ist mir unbegreiflich und macht vielleicht heute noch deutlich, wie sehr Luthers Spott über die deutschen Bischöfe immer noch zutrifft: "Sie (gemeint sind die deutschen Bischöfe gegenüber Rom) sitzen da wie die Nullen." Man kann einen solchen Vorgang nicht einfach auf sich beruhen lassen. Wir sollten uns nunmehr in einer unaufgeregten Weise einander - füreinander! - öffnen, statt noch weitere 400 Jahre zu warten.

Ich begreife die Maßregelungen nicht. Es schmerzt auch, weil ich mich mit katholischen Christen sehr verbunden fühle. Und was der Apostel Paulus geschrieben hat, gilt auch hier: "Wo ein Glied leidet, leidet das andere mit." Wenn Bundespräsident Rau - als ein reformierter Christ - seine Enttäuschung über diese Vorgänge öffentlich ausdrückt, weil eine Hoffnung auf mehr Einheit damit vor aller Welt konterkariert wird, so muss nicht Kardinal Lehmann gleich zurückweisend reagieren, dies stünde dem Bundespräsidenten nicht zu. Was dem Bundespräsidenten zusteht, das entscheidet er selbst, - hier geht es um eine zentrale Frage von Christsein in der Welt, in der wir uns die Querelen des 16. Jahrhunderts nicht mehr leisten können, zumal inzwischen immerhin das II. Vatikanische Konzil stattgefunden hat.

Ich kann dem - im Übrigen auch von mir hoch geschätzten - Kardinal Lehmann nur empfehlen, die Ansprache von Bruder Hasenhüttl während der Eucharistiefeier zu lesen. Sicher ist das nicht dogmengeschichtliche Korrektheit, aber es ist menschliche Klarheit und eine am Evangelium orientierte Interpretation über den Jesus, der alle an seinen Tisch geladen hatte, die mühselig und beladen sind. Er wollte und er will sie heute noch erquicken.

Die beiden Mahlfeiern mit offener Kommunion richteten sich gegen niemanden. Sie richteten sich auf die Einheit in Christus. Dort wurde nichts proklamiert, sondern es wurde etwas uns Christen Angebotenes vollzogen, ohne jeden Hieb auf die Amtskirche oder gar auf des Papstes Enzyklika, die meinte, den Anfängen wehren zu müssen. DOMINUS JESUS - das kann ich nur immer wieder wiederholen. Zugleich bestehe ich darauf, dass es eine Amtsanmaßung ist, wenn römisch-katholische (oder andere) Amtsträger es Christgläubigen verweigern, an ihren Mahlfeiern teilzunehmen, dass es Amtsanmaßung ist, den eigenen Amtsträgern zu untersagen, alle Gläubigen an den Tisch des Herrn zu laden oder am Tisch des Herrn Brot und Wein zu empfangen, wenn Vertreter anderer Konfessionen dazu einladen. Das muss schon der einzelne Christ mit seinem Gewissen vor Gott ausmachen, ob er sich in Inhalt und Form an einer Mahlfeier der je anderen Gemeinde oder Kirche beteiligen kann.

Freilich kann ich katholische Mitchristen häufig verstehen, dass sie bisweilen Schwierigkeiten haben, an unseren evangelischen Mahlfeiern teilzuhaben, sofern wir dem Mysterium zu wenig festlich, zu wenig feierlich, zu wenig ehrfurchtsvoll begegnen. Wir können vom Reichtum und der Intensität, von der Herzen und Sinne erhebenden festlichen Form der katholischen Messfeiern durchaus lernen und uns inspirieren lassen und Katholiken vielleicht auch von der Schlichtheit und Dichte, von der sozialen und politischen Relevanz und Brisanz von SCHALOM-Mahlfeiern auf protestantischer Seite.

Einer liturgischen Unachtsamkeit, die in Banalität oder gar Lieblosigkeit ausarten kann, entspricht bisweilen eine katholisch ausufernde Zeremonalität und ein Getue, das kaum an Brotbrechungen erinnert, von denen die Evangelisten oder Apostel Paulus berichten. Jedenfalls auf das Gezänk der Christen über dem Tisch des Herrn hat die Welt und der "Durcheinanderbringer dieser Welt" nur noch gewartet! Dass dabei nun gar wieder Kirchenstrafen verhängt werden, trifft nicht nur unsere katholischen Mitchristen, sondern uns alle. Und wer als Protestant aus kirchendiplomatischer Rücksichtnahme schweigt oder säuselt, tut unserem gemeinsamen Auftrag, in alle Welt zu gehen und die Völker zu lehren, was er uns aufgetragen hat, Abbruch.

Ich möchte alle Mitchristen bitten, sich dem Lehrdiktat nicht zu unterwerfen und aus freiem Herzen an den Gottesdiensten und den Mahlfeiern der je anderen Kirchen und Gemeinden teilzunehmen - mit ganz gutem Gewissen, mit einem in Christus verankerten Vertrauen: ER ist gegenwärtig, lasset uns anbeten - und IHN erinnern, vergegenwärtigen, loben und preisen.

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7.8.2003 / IKvu
Der Autor, (Bürgerrechtler in der DDR) Pfarrer Dr. h.c. Friedrich Schorlemmer, ist stellvertretender Direktor und Studienleiter "Theologie und Zeitgeschichte" an der
Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg. Kontakt:
Ev-Akademie-Wittenberg@t-online.de; Internet:
http://www.ev-akademie.wittenberg.de


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Jenseits von Kirche


Zulehner: Spiritueller Megatrend jenseits von Kirche

Berlin, 25.6.2003 (KNA). Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner hält
einen neuen "Gotteshunger" in der europäischen Kultur für möglich.
Möglicherweise seien die "Jahrzehnte des Gottesfastens" vorbei, sagte
Zulehner in einem am Mittwoch vorab in Berlin veröffentlichten Interview der
Zeitschrift "zeitzeichen". Dabei komme der "spirituelle Megatrend" nicht aus
den Kirchen, sondern aus der Säkularität und sei "ein Produkt der Moderne".

Der Theologe verwies darauf, religionssoziologische Studien ließen "eine Art
Respiritualisierung gerade der großstädtischen Kulturen" erkennen. So seien
die harten Indikatoren des religiösen und kirchlichen Lebens in europäischen
Großstädten wie Berlin, Brüssel oder Wien im Vergleich von 1990 und 1999 nun
nicht mehr rückläufig, sondern nähmen leicht zu. Rund 70 Prozent der
Menschen in Europa hielten sich für religiös. Zugleich gebe es aber in der
jüngeren Generation einen "pragmatischen Atheismus", zudem "mitten im Herzen Europas", in der Tschechischen Republik und Ostdeutschland zwei "atheisierende Kulturen".

Zulehner begründete die "Respiritualisierung" mit dem dominanten Lebensstil
der gegenwärtigen Kultur. Es gehe darum, ein "Gefängnis der Diesseitigkeit"
aufzubrechen und den Menschen in das Göttliche als Ganzes einzuordnen.
Gerade Menschen aus "hochangestrengten" Berufsfeldern wie Medienleute und Manager empfänden das Leben als zu anstrengend, überfordernd, flach, banal und eindimensional und verständen Religiosität auch als Protest, gegen diesen Stil zu leben.

An den Kirchen geht diese Respiritualisierung nach Ansicht Zulehners vorbei,
weil das kirchliche Leben "spirituell ausgehungert und ausgebrannt" sei. Die
Gottesdienste seien "postaufklärerisch verkommen". Sie böten keinen Raum für
Gotteserfahrung aus erster Hand, vielmehr würden die Gläubigen "auf die
moralische Schulbank gesetzt". Der einzige Unterschied zwischen Progressiven
und Konservativen bestehe darin, ob man eine Individualmoral oder eine
Sozialmoral zu hören bekomme. Die Menschen suchten aber nicht Moral, sondern "Heilung an der Wurzel der Seele", die sie in den Kirchen schwer fänden. Kirche müsse "das Amtliche" umformen zu dem, "was urbiblisch ist".


Quelle: http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030625t145007437.htm


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1989 - Revolution durch Christen


Gauck: Umsturz in der DDR ohne Christen nicht denkbar

Pirmasens (epd). Der Umsturz in der ehemaligen DDR ist nach Auffassung des langjährigen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, Joachim Gauck, ohne die aktiven Christen nicht denkbar. Besonders in den Kleinstädten und Dörfern hätten die Menschen von den kirchlichen Gremien her gewusst, was Demokratie sei, sagte Gauck anlässlich des Tags der Deutschen Einheit (3. Oktober) in Pirmasens dem epd. Dass in den Kirchen der DDR die Forderung nach Gerechtigkeit, nach Freiheit, nach Demokratie gestellt werden konnte, sei ein großes Stück europäischer Kirchengeschichte.
Im Oktober 1989 habe große Angst geherrscht, auf die Straße zu gehen und gegen die uralt-etablierte Herrschaft zu rufen: Wir sind das Volk, sagte Gauck. Doch dann habe man als Unterdrückter lernen können, für die eigene Freiheit selbst zu kämpfen. Das sei eine wunderbare Zeit gewesen. Er würde sich wünschen, dass die Leute öfter daran denken. Die friedliche Revolution in der DDR habe sich keineswegs von selbst ergeben, sagte Gauck, der Pfarrer in Rostock und Mitbegründer des Neuen Forums war. Kuba oder Nordkorea zeigten, dass von selbst nichts komme. Wenn das 1989 eine Implosion gewesen sei, müssten diese beiden Länder längst implodiert sein. Sein eigenes Leben in der DDR und seine Rolle bei der friedlichen Revolution sei ohne den Glauben nicht zu denken, sagte Gauck. In einem Land, in dem es nicht erlaubt sei, dem Glauben und dem eigenen Gewissen zu folgen, sei es wichtig, gegen den Strom zu schwimmen. Die Kraft des Evangeliums sei dabei in den Schwachen mächtig gewesen.

(epd-rps/wrs 01.10.03-02)
Quelle: http://www.epd.de/rheinland_pfalz_saarland/rheinland_pfalz_saarland_index_1427.htm


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Literaturhinweise zum Thema:
- Hagen Findeis: Das Licht des Evangeliums und das Zwielicht der Politik. Kirchliche Karrieren in der DDR. Dissertation. 504 Seiten, Verlag Campus, 2002
- Christoph Kösters: Staatssicherheit und Caritas 1950 - 1989. Zur politischen Geschichte der katholischen Kirche in der DDR. 225 Seiten, Verlag Schöningh, Paderborn 2001
- Friedrich Winter: Die Evangelische Kirche der Union und die Deutsche Demokratische Republik. Beziehungen und Wirkungen. 384 Seiten, Luther-Verlag, 2001
- Claudia Lepp, Kurt Nowak (Hrsg.): Evangelische Kirche im geteilten Deutschland (1945-1989/90). 272 Seiten, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001
- Hagen Findeis, Detlef Pollack (Hrsg.): Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Bischöfe und Repräsentanten der evangelischen Kirchen über ihr Leben in der DDR. 695 Seiten, Links-Verlag, Berlin 1999
- Joachim Goertz (Hrsg.): Die Solidarische Kirche in der DDR. Erfahrungen, Erinnerungen, Erkenntnisse. 370 Seiten, Basisdruck, 1999
- Bernd Schäfer: Staat und katholische Kirche in der DDR. 501 Seiten, Verlag Böhlau, 1999


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Hierarchie muss sein


Papst: Demokratische Strukturen nicht auf Kirche übertragbar

Der Papst warnt vor einer einfachen Übertragung demokratischer Denkmuster auf die Kirche. Die kirchliche Hierarchie sei von Christus selbst gewollt, betonte Johannes Paul II. heute in seiner Ansprache an die vatikanische Kleruskongregation. Die Mitglieder der Kongregation hatten sich bei ihrer Vollversammlung in den vergangenen Tagen u.a. mit den beratenden Laiengremien in Pfarreien und Diözesen auseinandergesetzt. Hier sind einige Auszüge aus der Ansprache des Papstes: "Die Priester haben die Aufgabe, das Gottesvolk zu unterweisen, zu ermutigen und zu heiligen. Die Laien ihrerseits beteiligen sich - gemeinsam mit den Priestern - aktiv an der Mission der Kirche. Dabei ergänzen sich die Charismen und Berufungen der beiden Stände."
Die beratenden Laiengremien in Pfarreien und Diözesen haben hier eine nützliche Aufgabe. Ihre Strukturen sollten nun wieder den modernen Herausforderungen angepasst werden. Dabei muss aber ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Rolle von Ordinariat und Pfarrer auf der einen und den Laien auf der anderen Seite bewahrt werden. "Keinesfalls darf es dahin kommen, dass die Priester sich nur noch demokratischen Mehrheitsbeschlüssen kirchlicher Versammlungen zu beugen haben. Die Kirche kann nicht nach menschlich-politischen Vorbildern gestaltet werden. Ihre hierarchische Struktur ist Teil jenes Glaubensgutes, das über die Jahrhunderte hinweg bewahrt bleiben muss. Die Entwicklung der Laiengremien sollte deshalb aufmerksam beobachtet und immer wieder anhand der Maßgaben des Lehramtes überprüft werden."


Quelle: Newsletter von Radio Vatikan - 10.1.2004


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Ökumene nach ev-luth. Verständnis


ÖKUMENE NACH EVANGELISCH-LUTHERISCHEM VERSTÄNDNIS

Kirchenleitung der VELKD veröffentlicht Positionspapier

Unter dem Titel "Ökumene nach evangelisch-lutherischem Verständnis" hat die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) jetzt ein Positionspapier veröffentlicht. Erarbeitet wurde es im Auftrag der Kirchenleitung der VELKD von einem gemeinsamen Ausschuss aus Vertreterinnen und Vertretern des Ökumenischen Studienausschusses und des Theologischen Ausschusses. Zur Begründung dieses Vorhabens heißt es im Vorwort des 9-seitigen Dokumentes, dass es sich in den vergangene Jahren mehrfach gezeigt habe, nicht zuletzt in der Debatte um die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" zwischen dem Lutherischem Weltbund und der römisch-katholischen Kirche, dass in der lutherischen Theologie und Kirche unterschiedliche und auch gegensätzliche Auffassungen von Ziel und Methode der ökumenischen Bemühungen bestünden. Dieser Zustand mache eine innerlutherische Selbstklärung erforderlich.

Das Positionspapier erinnert in diesem Zusammenhang an Artikel 7 des Augsburger Bekenntnisses (1530). Dort heißt es, dass für die wahre Einigkeit der Kirche "hinreichend - aber auch notwendig" sei, "im rechten Verständnis des Evangeliums, d.h. in der schriftgemäßen Verkündigung und im den einsetzungsgemäßen Gebrauch der Sakramente samt ihren Implikationen übereinzustimmen. Jede zusätzliche Bedingung wäre eine grundsätzliche Preisgabe des lutherischen Verständnisses von Glaubens- und Kirchenkonstitution." Ziel der Ökumene nach lutherischem Verständnis sei weder die Herstellung der wahren Einheit der Kirche, die nur Gottes Werk sein könne, noch die Herstellung der organisatorischen Einheit zwischen Kirchen, die eine Frage der möglichen und gewollten Intensität der kirchlichen Zusammenarbeit sei. "Ziel der Ökumene nach lutherischem Verständnis ist vielmehr die Erklärung und Praktizierung von Kirchengemeinschaft auf der Basis und unter der Voraussetzung der von Gott gewirkten ,wahren Einigkeit' der Kirche, die im gemeinsamen schriftgemäßen Verständnis des Evangeliums gegeben ist."

Ökumenische Gespräche hätten demzufolge den Sinn zu klären, "ob zwischen den beteiligten Kirchen das gemeinsame schriftgemäße Verständnis des Evangeliums gegeben ist, das die Erklärung und Praktizierung von Kirchengemeinschaft zwischen ihnen möglich macht und gebietet." Ökumenische Gespräche dienten dazu, "echte Dissens und Konsense, die zwischen dem Evangeliumsverständnis und den daraus gezogenen lehrhaften Konsequenzen der beteiligten Kirchen bestehen, von vermeintlichen, scheinbaren Dissensen und Konsensen zu unterscheiden. Demzufolge haben ökumenische Gespräche nicht den Sinn von Verhandlungen über Lehrdifferenzen mit dem Ziel, unter Hintanstellung der Wahrheitsfrage durch einseitiges oder beiderseitiges Entgegenkommen zur Formulierung von Konvergenzen oder Konsensen zu kommen, sondern sie dienen der Wahrheitsfindung, und zwar durch wechselseitige Bezeugung der erkannten Wahrheit und durch Überprüfung des vorausgesetzten Wahrheitsverständnisses."

Pressemitteilung der VELKD, Hannover, 02.02.2004




Das Positionspapier "Ökumene nach evangelisch-lutherischem Verständnis" ist in der Reihe "Texte aus der VELKD" Nr. 123 erschienen. Das Heft kann kostenlos im Lutherischen Kirchenamt der VELKD (Richard-Wagner-Str. 26, 30177 Hannover, Tel.: 0511/62 61 236, Fax: 0511/62 61 236, E-Mail: zentrale@velkd.de) bestellt bzw. im Internet abgerufen werden.


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...weil die Evangelischen keine Kirche sind


Ökumene - Utopie von der Einheit
Warten aufs Pfingst-Brausen

Margot Käßmann


Pfingsten, Geburtstag der Kirche, Fest der Einheit. Wenn bei großen, internationalen ökumenischen Gottesdiensten die Einladung erfolgt: "Wir beten gemeinsam das Vaterunser, jeder und jede in der eigenen Muttersprache ", dann erfolgt daraufhin ein vielstimmiges Brausen wie in der Apostelgeschichte. Es könnte verwirrend, ja beängstigend sein, wüssten nicht alle, dass es dieselben Worte sind, die wir sprechen und die Jesus überliefert hat. Ja, Pfingsten ist das Fest der Ökumene.
Umso trauriger ist es, dass jüngst der Vorschlag des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, dem sich die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche (VELKD) angeschlossen hatte, zumindest den Pfingstmontag als "Fest der Einheit der Christen" mit ökumenischen Gottesdiensten zu feiern, von der Katholischen Bischofskonferenz abgelehnt wurde.
Ich denke, das ist geradezu symbolisch für die Lage der Ökumene: Vieles ist selbstverständlich geworden, viele Christinnen und Christen sehen sich längst in großer Gemeinschaft, aber die Lehre steht de facto dagegen. Dominus Jesus, die neueste Instruktion aus dem Vatikan zur Eucharistiefeier, das Dokument der Moskauer Bischofssynode, die Ablehnung vieler Kirchen, Frauen im ordinierten Amt anzuerkennen, das sind Beispiele für die traurige ökumenische Realität, vor der sich bei allem ökumenischen Engagement die Augen nicht verschließen lassen. Ich weiß um die ökumenische Ungeduld vieler Mitglieder unserer Kirchen. Der Ökumenische Kirchentag in Berlin hat sie vergangenes Jahr geradezu sichtbar gemacht. Aber das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Evangelischen für den römischen Katholizismus wie für die Orthodoxie nun einmal keine Kirche sind. Deshalb können unsere Ämter nicht anerkannt werden, deshalb gibt es keine Abendmahlsgemeinschaft.

Ich denke, angesichts dieser Lage ist zweierlei notwendig. Zum einen ist es an der Zeit, dass die Kirchen der Reformation aufhören, danach zu lechzen, nun endlich vom römischen Katholizismus oder der Orthodoxie als "wahre Kirche" anerkannt zu werden. Wir verstehen uns als Kirche. In "Wider Hans Worst" (1541) formuliert Luther unmissverständlich, dass die Kirche der Reformation die alte Kirche fortführt. Reformatorische Kirchen sind keine im 16. Jahrhundert neu entstandenen Kirchen, sondern Erbinnen der alten Kirche, die den Prozess einer Reformation durchlaufen haben.
Zum anderen sollten die Evangelischen die ökumenische Bewegung energisch befördern, um der Glaubwürdigkeit der Kirche in der Welt und in der Nachfolge (Johannes, Kap. 17) willen. Das sollte in dem Bewusstsein geschehen, dass die unterschiedlichen Profile der Konfessionen der geglaubten Einheit der Kirche nicht im Wege stehen. Vielleicht ist es das Wichtigste, gerade an Pfingsten die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass ein ökumenisches Brausen durch die Kirchen gehen kann. Wie damals in Jerusalem ...


(Die Autorin Margot Käßmann ist Bischöfin der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers.
Ihren Sitz als Delegierte im Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hatte sie im September 2002 mit Rücksicht auf das eigene Amts- und Kirchenverständnis zurückgegeben)

Aus: Die Nordelbische, 30.5.2004 Quelle: http://www.nordelbische.de/aktuell/artikel01.php



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Das große Schisma


Das Große Schisma: Am Absolutheitsanspruch des
Papstes zerbrach vor 950 Jahren die Einheit der Kirche

Stuttgart, 1.7.2004 (epd). Das Morgenländische Schisma, die erste große
Kirchenspaltung, lässt sich auf den Tag genau datieren: am 16. Juli 1054,
vor 950 Jahren, legte der römische Kardinal Humbert von Silva Candida die
Bann-Bulle auf einen Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel. In ihr werden
die orthodoxe Kirche als "Quelle aller Häresien" bezeichnet, der Patriarch
und führende Personen der orthodoxen Kirche exkommuniziert. "Der Rock
Christi zerriss", so sahen es schon Zeitgenossen.

So spektakulär die Handlung auch war - ihr folgte kurz darauf die
Exkommunikation Humberts und seiner Begleiter durch die orthodoxe Kirche -,
so bildete sie nur den Abschluss einer fast tausendjährigen Entfremdung
zwischen West- und Ostkirche. Historiker stimmen heute darin überein, dass
nicht theologische Differenzen der Hauptgrund für die Trennung waren,
sondern kirchenpolitische Faktoren. Hier ist vor allem der immer ungenierter
erhobene Machtanspruch des Bischofs von Rom zu nennen.

Die Kirchenspaltung des Jahres 1054 wurde durch ganz banale Ereignisse
begünstigt. Die zur Zeit der Urkirche im gesamten Mittelmeerraum gesprochene
Weltsprache Griechisch hatte ihre Bedeutung immer mehr verloren. Im Westen
sprach man fast nur Latein. Umgekehrt verschmähten es die griechischen
Patriarchen, diese von ihnen als "barbarisch" eingestufte Sprache zu lernen.
Daher schrumpfte der theologische Austausch.

Kulturen und Theologie entwickelten sich in West und Ost unterschiedlich.
Die überwiegend juristisch-politisch gebildeten Theologen der Westkirche
beschäftigten sich mit Themen wie Erbsünde und Rechtfertigungslehre. Für die
auch in Philosophie und Naturwissenschaften gebildeten Theologen der
Ostkirche ging es mehr um grundlegende philosophische Fragen.

Außerdem entwickelten sich im Laufe der Zeit im Westen und im Osten
unterschiedliche Gottesdienstliturgien und verschiedene Bekreuzigungsriten.
In den Kirchen des Ostens hielt man an der bis ins vierte Jahrhundert zurück
reichenden Liturgie fest, Musikinstrumente sind bis heute unüblich, man
steht beim Beten, verehrt Ikonen und lehnt Heiligenstatuen ab.

Auch die politische Entwicklung begünstigte die Kirchentrennung. Das
Oströmische Reich hatte immer sein gewachsenes Machtzentrum Konstantinopel
und immer mehrere stets ranggleiche Patriarchen. Im Westen dagegen trat an
die Stelle des untergegangenen römischen Reiches der Bischof von Rom, der
als einziger Stabilität und Kontinuität zu gewährleisten schien. Ihm wuchs
immer mehr an zentraler Autorität zu. Schon früh erhob er den Anspruch, die
absolute Autorität aller zu sein.

Das letzte gemeinsame Konzil der Ost- und Westkirche tagte im Jahr 787. Die
sich danach herausbildenden Unterschiede wurden vertieft durch den heute
rational nicht mehr erklärbaren Filioque-Streit: Die Westkirche hatte das
aus dem Jahr 381 stammende nicänische Glaubensbekenntnis eigenmächtig
ergänzt, um die Gleichheit von Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, zu
unterstreichen. Diese Änderung wurde von der Ostkirche nicht mitgetragen,
weil sie nicht von einem gemeinsamen Konzil aller Kirchen beschlossen worden
war.

Der Westen führte zudem das - biblisch nicht begründbare - Zölibat ein, der
Osten nicht. Im Jahre 1054 kam es dann zur Kirchenspaltung, weil der
römische Papst dem von Normannen bedrohten - damals byzantinischen -
Sizilien nur zu Hilfe kommen wollte, wenn die Kirchen dort den westlichen
Ritus übernehmen würden.

Das lehnte der Patriarch von Konstantinopel selbstverständlich ab. Es kam zu
Gewalttätigkeiten auf beiden Seiten. Um den Konflikt auszuräumen, wurde mit
Kardinal Humbert von Silva Candida ausgerechnet der führende Theoretiker
einer absolutistischen Papstherrschaft nach Konstantinopel geschickt. Er
ließ sich überhaupt nicht auf Verhandlungen ein, beschimpfte und beleidigte
seine Gesprächspartner und die Ostkirche. Er führte sich so anmaßend auf,
dass er in Schutzhaft genommen wurde, damit ihn das empörte Volk nicht
lynchen konnte.

Der Bruch war nun aber da. Er vertiefte sich, als Konstantinopel während des
vierten Kreuzzuges (1202-1204) geplündert wurde und für einige Zeit
zwangsweise eine lateinisch geprägte Kirchenhierachie erhielt.
Einigungsversuche im 13. und 15. Jahrhundert scheiterten und verschärften
das Schisma, weil Rom immer die totale Kapitulation der Ostkirche verlangte.
Es dauerte über 500 Jahre, bis am 7. September 1965 Papst Paul VI. und
Patriarch Athenagoras die gegenseitigen Bannflüche aufhoben.

Von einer Wiedervereinigung der lange getrennten West- und Ostkirche kann
aber bis heute keine Rede sein. Theologische Differenzen über Riten und
liturgische Formen sind heute zwar in den Hintergrund getreten, die Frage
des römischen Primats steht aber ebenso unverändert trennend zwischen beiden
Kirchen wie der Filioque-Streit. (Hans-Dieter Frauer; 0713/01.07.04)

Quelle: http://www.epd.de/suedwest/suedwest_index_29135.html



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Literaturhinweise:

Axel Bayer: Spaltung der Christenheit.
Das sogenannte Morgenländische Schisma von 1054.
280 Seiten, Böhlau-Verlag, Köln 2004
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3412142042/wystrach

Athanasios Basdekis: Die Orthodoxe Kirche. Eine Handreichung
für nicht-orthodoxe und orthodoxe Christen und Kirchen.
192 Seiten, Verlag Lembeck, Frankfurt am Main 2003

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3874764028/wystrach

Peter Gemeinhardt: Die Filioque-Kontroverse
zwischen Ost- und Westkirche im Frühmittelalter.
659 Seiten, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2002
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/311017491X/wystrach

Ferdinand R. Gahbauer: Der orthodox-katholische Dialog.
196 Seiten, Verlag Bonifatius Druckerei, Paderborn 2001
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3870889489/wystrach

Grigorius Larentzakis: Die Orthodoxe Kirche.
228 Seiten, Verlag Styria, Graz 2000
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3222127867/wystrach



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Reichtum der Kirchen







Der Mega-Konzern Kirche

Die evangelische und die römisch-katholische Kirche in Deutschland sind vom
Umbau des Sozialstaates und der Reform-Agenda 2010 unmittelbar betroffen.
Sie gelten als die größten nichtstaatlichen Arbeitgeber und beschäftigen
zusammen mit ihren Sozialwerken über 1,3 Millionen Menschen. Damit sind sie
auch die größten Anbieter sozialer Dienstleistungen und wichtige Träger von
Bildungseinrichtungen. Der mit ihren Unternehmungen erzielte Gesamtumsatz
beträgt nach Schätzungen des Finanzexperten Carsten Frerk mindestens 125
Milliarden Euro.

Weitere Zahlen und Fakten: Die evangelische und die römisch-katholische Kirche in Deutschland haben zusammen mehr als 53 Millionen Mitglieder und repräsentieren 65 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Einnahmen aus Kirchenlohn- und Einkommensteuer betrugen im Jahr 2000 bei der EKD 4,38 und bei der römisch-katholischen Kirche 4,7 Milliarden Euro. Die römisch-katholische Kirche gliedert sich in sieben Erzbistümer, 20 Bistümer und 13 214 Gemeinden, die evangelische Kirche in 24 Landeskirchen und 16 896 Gemeinden. Ihr Gesamtvermögen wird auf 500 Milliarden Euro geschätzt. Die beiden Wohlfahrtsverbände Caritas (katholisch) und Diakonie (evangelisch) sind das Dach über jeweils mehr als 20 000 selbstständigen Unternehmen. Sie erzielen einen Umsatz von jeweils mindestens 25 Milliarden Euro. Darüber hinaus verfügen die beiden Kirchen über zahlreiche Finanzbeteiligungen und auch über mehr als ein Dutzend eigener Banken.

Stark zu kämpfen haben die Kirchen mit einem wachsenden Mitgliederschwund:
1970 gehörten noch über 90 Prozent der Bundesbürger einer der beiden großen Kirchen an, jetzt sind es nur noch etwa zwei Drittel. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Kirchensteuer. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden oder arbeitslos werden. Deshalb rechnen die Kirchen mit weiter sinkenden Einnahmen und einer Verschlechterung der finanziellen Situation. Beispiel Nordelbische Landeskirche: Verglichen mit dem Haushalt 2002 rechnet die Kirche für 2004 mit Steuerausfällen von rund 25 Prozent. Deshalb wurde als Sofortmaßnahme jetzt das Pensionsalter der Pastoren um ein Jahr auf 63 erhöht. Auch bereitet eine Expertenkommission bereits ein Konzept vor, damit es der Kirche gelingt, bis zum Jahr 2010 nur noch mit der Hälfte ihres heutigen Etats in Höhe von 312 Millionen Euro auszukommen.

Aus: Welt am Sonntag, 29.6.2003
Quelle: http://www.wams.de/data/2003/06/29/126135.html



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Kirchenaustritt Drewermanns


»So wird man Bibel und Glaube nicht gerecht«

Warum tritt jemand aus der katholischen Kirche aus?
Fragen an den suspendierten Priester Eugen Drewermann



Publik-Forum: Was waren die Hauptmotive für Ihren Austritt aus der katholischen Kirche?

Eugen Drewermann: Seit fünfzehn Jahren darf ich weder lehren noch mein Priesteramt ausüben. Ein Sakrament hätte ich nur empfangen können, wenn ich das, was mir wichtig ist, öffentlich als Sünde wider den rechten Glauben zurückgenommen hätte. Doch das, was in den Augen der Kirche eine Sünde ist, ist mir ein Hauptanliegen: die Botschaft Jesu so zu übersetzen, dass sie die seelische Not der Menschen berührt, die Unmenschlichkeit im öffentlichen Leben reduziert und im Gespräch der Kulturen integrierend wirkt. Auch sind mir die Erhaltung des Friedens, der Umwelt- und der Tierschutz zentral wichtig. Pazifismus, Vegetarismus und eine Relativierung der Rechte des Homo sapiens zu Gunsten der Überlebensinteressen der Tiere an unserer Seite waren nie ernsthafte Themen kirchlicher Verkündigung. In keinem dieser Punkte habe ich die katholische Kirche als wirklich offen für ein Gespräch erlebt.

Publik-Forum: Sie sind mit Ihren Anliegen gegen eine Mauer gerannt?

Drewermann: Schlimm ist die Schizophrenie, die das kirchliche Dogma bewusst herbeiführt: dass die Interpretation der Bibel und der christlichen Glaubensinhalte nicht symbolisch erfolgen darf, sondern nur ideologisch im Sinne objektiver Dogmen oder historischer Fakten. Die philosophische Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat diese Kirche bis heute nicht an sich herangelassen und die psychologische Aufklärung schon gar nicht. Allein unter Papst Johannes Paul II. fanden 30 000 Teufelsaustreibungen im Vatikan statt. Wie will man die Botschaft Jesu therapeutisch auslegen, wenn aus der Psychologie der Menschen eine fleischliche Dämonologie wird? So wird man Bibel und Glaube nicht gerecht. Es bleibt da nur die Wahl: entweder in unaufgeklärter Weise systemangepasst zu glauben oder auf aufgeklärte Weise in den Unglauben abzudriften. Die Synthese von Glauben und Denken, die ich von der Botschaft Jesu her geradezu als verpflichtend erlebe und die mein ganzes theologisches Denken prägt, sehe ich von der katholischen Kirche fundamental verraten. Der Philosoph Hegel meinte dazu: »Der Katholizismus macht aus Gott ein Ding«, er hat »den Geist auf ungeistige Weise«. So ist es!

Publik-Forum: Sie haben lange ausgehalten in der Kirche.

Drewermann: Ich bin fünfzehn Jahre formell Kirchenmitglied geblieben wegen der Menschen, die in dieser Kirche und an dieser Kirche leiden. Ich war in der Kirche gegen die Kirche. Aber man kann nicht auf Dauer den eigenen Glauben für andere leben, von dem man zugleich weiß, dass er in diesem System Kirche verurteilt wird. Ich war nie davon ausgegangen, dass die Kirche reformierbar sei, allenfalls hoffte ich, dass es in ihr Räume der Duldung gäbe, in denen Menschen mit ihren Nöten leben dürften.

Publik-Forum: Das heißt: Sie sind nicht nur resigniert, Sie erleben sich in dieser Kirche als grundsätzlich gescheitert?

Drewermann: Ich war immer der Meinung, dass das Anliegen Jesu in einem grotesken Verhältnis steht zu den Aufführungen der römischen Kirche, dass es einen Verrat im Kern bedeutet, wenn man die Frage, was religiöse Wahrheit sei, nicht mit dem Leben der Menschen in Verbindung bringt, sondern an den Besitz des Amtes durch Priester, Bischöfe und Kardinäle knüpft. Es ist ein Irrweg im Ganzen, wenn man die Subjektivität, die zum Glauben gehört, einfach delegiert an die objektive Übereinstimmung mit bestimmten kirchlichen Formeln und Riten. Was – mit den Augen Jesu betrachtet – wäre so schlimm, daran zu scheitern? Sich selbst, seine Wahrheit – Gott – zu verraten ist unendlich viel schlimmer, als auf äußere Weise nicht erfolgreich oder siegreich zu sein. Unsere Aufgabe ist es, für uns selbst geradezustehen; was daraus wird, steht dann bei Gott.

Publik-Forum: Fühlen Sie sich im Stich gelassen von anderen Theologinnen und Theologen, die Ihren Gedanken durchaus wohlwollend bis zustimmend gegenüberstehen?

Drewermann: Das ist im Grunde nicht mein Problem gewesen. Aber man kann aus der Sache Jesu keine Angelegenheit des Dozierens auf kirchlich und staatlich besoldeten Lehrstühlen oder Amtssitzen machen. Fragen des Lebens kann man nicht auf Angelegenheiten des Lehrens reduzieren. Das ist eine Entfremdung im Ganzen. Die Doktrin wird dann wichtiger als die Frage, wie jemand lebt. Jesus wollte aber keine neue Dogmatik aufblättern, sondern unser Leben ändern. Deshalb war ich nie »Professor« der Theologie – »Privatdozent« war gerade noch erträglich. Die akademische Theologie ist von der prophetischen Botschaft Jesu so weit entfernt wie die Kirche, der sie dient.

Publik-Forum: Sie sind jetzt ein freier Theologe?

Drewermann: Das war ich immer. Aber jetzt will ich dieses unmenschliche System nicht mehr länger auf menschliche Weise erklären. Man will dort den Aberglauben, man will die Entfremdung, man will die Fügsamkeit, man will die Abhängigkeit. Die wesentliche Frage aber lautet nicht: Was will der Papst? Die wesentliche Frage lautet: Was sind wir für Menschen? Und wie gehen wir miteinander um?

Publik-Forum: Und wenn man Ihnen jetzt einen überzogenen Individualismus vorwirft und die Ablehnung jeder Glaubensgemeinschaft?

Drewermann: Ich finde, dass Gemeinschaft damit anfängt, dass Menschen einer wirklichen Person begegnen und nicht Interessenvertretern, die Gott auf archaische Weise mit dem »Geist« oder Ungeist ihrer Bezugsgruppe verwechseln. Ich habe darunter gelitten in der katholischen Kirche, dass es nicht möglich war, mit entscheidenden Amtsträgern von Person zu Person zu reden. Die ideologischen Zwänge waren stets wichtiger als das persönliche Zeugnis. Im Vordergrund standen immer Kontrollfragen. Muss man, um Weihnachten zu erklären, glauben, dass Maria biologisch eine Jungfrau war? Ich glaube nicht! Leugnet man die Auferstehung, wenn man sagt, dass man dabei nicht an ein physikalisch leeres Grab Jesu glauben muss? Ich glaube nicht! Indem aber die Kirche das Gegenteil behauptet, reduziert sie die Botschaft auf historische Fakten, wodurch ihr ganzer Glaube im Grunde nichtssagend wird. Dabei besitzen die Bilder der Bibel und die Riten des Christentums zweifellos eine großartige Kraft, Menschen anzuziehen und zusammenzuführen. Das kann nur in Freiheit geschehen, im Bewusstsein der daseinsdeutenden Kraft dieser Symbole, aber in Abkehr von jedem Versuch einer zwanghaften Festlegung Gottes auf Menschenwort. Wir brauchen Zeichen, aber Gott ist der Bezugspunkt von allem, und ehe er nicht – wie in der Mystik – im Herzen des Einzelnen redet, gibt es keine wahre Gemeinschaft.

Publik-Forum: Das heißt, Sie setzen auf die alltägliche Begegnung im Leben und halten die Kirche für überflüssig?

Drewermann: Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter sagt nur eines: Folge deinem Herzen, das dich lehrt, Mitleid zu haben mit einem Menschen in Not. Und hör auf, dem Priester hinterherzulaufen, der dich nur in den Tempel führt. Da wohnt Gott nicht! Der Glaube, dass Jesus eine Kirche gegründet habe, ist grotesk.

Publik-Forum: Was sagen Sie denen, die die Kirche nach wie vor reformieren wollen – die Kirchenvolksbewegung oder die Initiative Kirche von unten zum Beispiel – und dabei auch auf Sie gesetzt haben?

Drewermann: Es gab nur eine Reformation, die von 1517. Drei Jahre später ging der Reformator Martin Luther zum Reichstag in Worms und erklärte: Hier stehe ich als Person, und ich sage, was ich sehe, denke, fühle und glaube. Punkt! So beginnen Reformationen. Aber nicht, indem man Mehrheiten organisiert. Es gibt kein Christentum unterhalb der Freiheit des individuellen Lebens! Haben die Reformbewegungen in all den Jahren ihres Bestehens je das Ohr derer erreicht, die sie verändern wollen? Nein. Mein Problem ist: Niemand, der jetzt lebt, kann darauf warten, ob ihm irgendeine römische Behörde das eigene Leben erlaubt oder nicht. Ob sich einer scheiden lässt oder nicht oder eine andere Frau heiratet, kann nicht von der Einsichtsfähigkeit Roms abhängen. Das muss er selber wissen.

Publik-Forum: So handeln ja auch viele, trotzdem bleiben sie in der Kirche.

Drewermann: Das geht nur mit Doppelbödigkeit. Ich habe für jeden Verständnis, der zum Beispiel zur Kommunion geht, obwohl er es offiziell nicht dürfte. Aber das war für mich keine Lösung, weil ich eine öffentliche Person dieser Kirche war. Irgendwo musste ich dieses System Kirche ja ernst nehmen. Der letzte Anstoß, aus der Kirche auszutreten, war, wenn Sie so wollen, der Rentenbescheid. Um meine sehr miserable Rente zu bekommen, musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich nie wieder mein Priesteramt ausüben werde. Nun denn, so brauche ich jetzt endgültig das nicht mehr zu repräsentieren, worin ich mich selbst nicht mehr repräsentiert fühle. Diese Freiheit wünsche ich jedem.

Publik-Forum: Die evangelische Kirche ist für Sie auch keine Alternative?

Drewermann: Die evangelische Kirche sagt vieles von dem, was mir wesentlich ist: Sie betont die Freiheit des Einzelnen und hat die Ehrlichkeit der Bibellektüre gefunden. Vor allem: Sie weiß um die absolute Notwendigkeit der Gnade vor allen Fragen der Moral und des Rechts. Aber bekanntlich war Jesus weder katholisch noch protestantisch. Es ist so einfach, Mitglied einer Institution zu sein; doch Christ zu werden ist etwas anderes.

Publik-Forum: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Drewermann: Ich werde weiter als freier Seelsorger tätig sein, außerdem weitere Bücher schreiben, in denen ich über meine Erfahrungen Rechenschaft ablege, und Vorträge halten. Im Sommer wird ein umfangreicher Band über das Verhältnis von Neurologie und Theologie erscheinen.

Publik-Forum: Und Ihre finanzielle Situation?

Drewermann: Zum Glück bringen die Bücher noch genügend ein, so dass ich meine Beratungsgespräche weiterhin unentgeltlich führen kann.

Publik-Forum: Ihr derzeitiger Gemütszustand in einem Satz?

Drewermann: Ich fühle mich wohl und bin dankbar.




Publik-Forum, 27.1.2006
Hartmut Meesmann


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Papst: Evangelische Kirche = keine "Kirche"

ÖKUMENE

Papst düpiert Protestanten

Es gibt nur eine wahre Kirche, und zwar die Katholische - dass Papst Benedikt die traditionelle Position des Vatikans jetzt so stark betont, ist ein schwerer Rückschlag für die Ökumene. Die protestantischen Bischöfe sind empört.

Hamburg - Protestanten wie auch andere Glaubensgemeinschaften werden in einem offiziellen Dokument des Vatikan als mit "Mängeln behaftet" bezeichnet, bei ihnen handele es sich lediglich um "kirchliche Gemeinschaften". Zur Begründung der Besonderheit der Katholischen Kirche heißt es in dem Text, Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die nicht den Papst anerkennen, könnten sich nicht auf die "apostolische Sukzession" ("Nachfolge") berufen. Damit ist die katholische Lehre gemeint, wonach sich Päpste und Bischöfe noch heute auf den 2000 alten Auftrag Jesu Christi an die Apostel zur Glaubensverbreitung berufen.

"Deshalb sind sie 'nicht Kirchen im eigentlichen Sinn', sondern 'kirchliche Gemeinschaften', wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeigt", heißt es in einem Kommentar. Der Vatikan wies darauf hin, der Text enthalte keine neuen Positionen, sondern bringe die bekannte römische Haltung in Erinnerung. "Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel 'Kirche' zuschreiben könnte." Allerdings heißt es, dass die protestantischen Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben".

Benedikt XVI. bestätigte mit dem Text die Erklärung "Dominus Iesus", die er 2000 als oberster Glaubenshüter der Kirche verfasst und die heftige Diskussionen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ausgelöst hat. Die Kirche wolle ihre Einzigkeit betonen, weil einige Theologen diesen Punkt weiterhin missverstünden, hieß es in dem Text, den Ratzingers Nachfolger an der Spitze der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, veröffentlichte.

Nach der Erlaubnis der lateinischen Liturgie erneuerte der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger damit innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal einen traditionellen Standpunkt der Katholischen Kirche, der in der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils gelockert worden war.

Huber: "Es handelt sich um Vorsatz"

Das Dokument dürfte insbesondere die Bemühungen um ein ökumenisches Miteinander mit protestantischen und orthodoxen Kirchen erschweren. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, bezeichnete die Erklärung des Papstes als versäumte Chance. Die Hoffnung auf einen Wandel der Ökumene sei damit erneut in die Ferne gerückt.

Huber nannte es bezeichnend, dass die in "Dominus Iesus" besonders umstrittenen Aussagen über die protestantischen Kirchen unverändert wiederholt worden seien. "Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen. Es handelt sich um Vorsatz", erklärte er. Huber sagte weiter: "Paradox ist der römisch-katholische Ökumenismus nicht nur auf den ersten Blick; er ist es auf Dauer."

Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann sagte: "Ein solches Dokument zur jetzigen Zeit ist ökumenisch fatal. Wir sind sehr wohl Kirche nach unserem Verständnis."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, räumte ein, die Stellungnahme erscheine in ihrer Knappheit und Dichte möglicherweise hart. Sie lasse aber grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern auch theologisch als Kirchen zu achten.

Der Text des Papstes beschreibt die orthodoxen christlichen Kirchen als wahre Kirchen, die von einer Wunde gezeichnet seien. Auf Latein wird hier das Wort "defectus" benutzt. Die Verletzung rührt demnach aus der Tatsache her, dass sie die päpstliche Führung nicht anerkennen.

In den protestantischen Konfessionen sei die Wunde aber noch tiefer. Es sei kaum zu erklären, wie ihnen der Titel Kirche zuerkannt werden könne. Der Dialog mit anderen Christen bleibe aber "eine der Prioritäten der katholischen Kirche".


SPIEGEL ONLINE - 10. Juli 2007, 16:07
URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,493612,00.html


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PARTEI spirituell Aktiver


Einfluss nehmen - als Partei oder überparteilich ?
= beides!
Hier nun: als Partei :

Bisher fanden sich viele spirituell orientierte Menschen bei den «Grünen» ...
Deren Interessen finden in der "Realpolitik" der «Grünen» immer weniger Widerhall...
Nun (schon seit 2001 - sorry, leider erst heute entdeckt...) haben sich spirituell orientierte Menschen zu einer eigenen Partei zusammen geschlossen.
Das ist für uns als "Christen von unten" nicht uninteressant, deshalb hier die Meldung
und einen Link zu deren Internetseite (einfach auf das Logo klicken) .








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NACHRICHTEN




sexuelle Übergriffe - Vatikan-Recht



Es ist viel - vielleicht auch zu viel - in letzter Zeit
über den sexuellen Mißbrauch in der katholischen Kirche geschrieben worden...

Natürlich gibt es in alles Teilen der Gesellschaft auch sexuell Kranke und Kriminelle;
die suchen sich selbstverständlich Orte, an denen sie ihre Opfer leicht finden...
Das Vertrauensproblem der römisch(!)-katholischen Kirche
ist der Umgang damit, deren Täter- statt Opferschutz,
Kriminelle - sollte man nicht sagen: teuflisch Besessene - zu beschützen
und lebenslang leidende Opfer - sollte man nicht sagen: SEINE Brüder -
zu diskreditieren statt zu helfen...
Ist das SEINE Kirche ??


So will ich zu dieser - aktuellen - Thematik
nur ein Hinweis hinzufügen, der die

Eine Meldung aus «WELT-Online»vom 24.4.2010
(hier nur der Vorspann)

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« Katholische Kirche -
Vatikan erlaubt Sex mit Kindern ab zwölf Jahren

Lucas Wiegelmann
Der Vatikanstaat hat in Europa das niedrigste Schutzalter für Kinder.
Es liegt bei 12 Jahren,
in Deutschland dagegen bei 14 und in der Schweiz bei 16.
Das Schutzalter legt fest, wie alt ein Kind mindestens sein muss,
damit Erwachsene und Jugendliche sexuelle Beziehungen mit ihm haben dürfen. »

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Legal !! "Sex" mit 12-jährigen Kindern ...
Hier geht es nicht um die Verfehlungen Einzelner,
sondern um geltendes Recht einer ganzen Gemeinschaft!
Welch gierige Männer müssen hinter solch einer Regelung stehen ??
... Stellvertreter Gottes ! ... ?

Da stimmt so manches nicht in der Römisch-Katholischen Kirche ... ! ?



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Dalai Lama beliebter als Papst


UMFRAGE
Dalai Lama beliebter als der Papst

Der Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, beeindruckt die Deutschen offenbar mehr als Papst Benedikt XVI. Einer Umfrage zufolge ist der buddhistische Glaubensführer für mehr Deutsche Vorbild als der Papst. In wenigen Tagen besucht der Dalai Lama Deutschland.

Wenn der Dalai Lama am Donnerstag in Hamburg eintrifft, kann er sich vermutlich auf einen herzlichen Empfang freuen: Eine Umfrage, die der SPIEGEL in Auftrag gegeben hatte, ergab, dass 44 Prozent der Bundesbürger den tibetischen Gottkönig als Vorbild betrachten. Nur 42 Prozent entschieden sich für den Papst. Besonders bei jüngeren und gut ausgebildeten Deutschen steht der Dalai Lama hoch im Kurs.
REUTERS / DPA

Dalai Lama, Papst Benedikt XVI.:
"Ratschläge fürs Leben" Die Hälfte aller Befragten glaubt, dass der buddhistische Führer auch "Ratschläge fürs Leben bereithalten könnte". Der Buddhismus scheint den Deutschen generell sympathischer zu sein als das Christentum oder der Islam. Auf die Frage nach der "friedlichsten Religion" führt er mit 43 Prozent zu 41 Prozent vor dem Christentum. Der Islam gilt den Deutschen dagegen offenbar als kriegerisch: Er brachte es in dieser Aufstellung nur auf einen Prozent.
In Deutschland gibt es laut dem Bonner Orientalisten Manfred Hutter etwa eine Viertelmillion Buddhisten. Ungefähr die Hälfte stammt aus asiatischen Ländern, die Tibeter sind darunter allerdings eine Minderheit. Die andere Hälfte sind Deutsche.
Auf der aktuellen Agenda des Dalai Lama steht ein Thema, mit dem auch Papst Benedikt XVI. immer wieder konfrontiert wird: die religiöse Gleichbehandlung von Mann und Frau. Der "Welt am Sonntag" zufolge will das tibetische Oberhaupt die Gleichberechtigung von Frauen im Buddhismus durchsetzen.
Dem Bericht zufolge will er in Hamburg verkünden, dass fortan auch Frauen in die Führungsetage des tibetischen Buddhismus einziehen dürften - deshalb habe er einen zweitägigen Kongress über die Rolle der Frau angeregt, der am Mittwoch in Hamburg beginnen wird. Der politische und religiöse Führer der Tibeter werde die volle Ordination buddhistischer Nonnen verkünden, die ungefähr der katholischen Priesterweihe entspreche. Als voll Ordinierte können dem Bericht zufolge auch Nonnen religiöse Lehrämter besetzen und entsprechende Abschlüsse an Klosteruniversitäten machen. Bislang ist diese Möglichkeit allein Mönchen vorbehalten.
cis/dpa/AP



SPIEGEL ONLINE - 14. Juli 2007, 15:02
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,494452,00.html


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Kein Fegefeuer mehr


Katholische Kirche schafft Fegefeuer ab

Ohne Teufel und Höllenqualen, aber auch kein Himmel: So sah das Schicksal aus, das die katholische Kirchenlehre für Kinder, die ohne Taufe starben, vorsah. In alle Ewigkeiten gehörten deren Seelen dem limbus infantium oder puerorum, der Vorhölle, an. Dabei gibt es immer mehr Kinder, die ohne Taufe sterben. Ein Vatikan-Dokument verweist in Rom auf „Opfer von Abtreibungen“. Deren Seelen konnten sich nach herkömmlicher Lehre nie der Nähe Gottes erfreuen.

Nach dreijährigen intensiven Beratungen einer internationalen Vatikan-Theologenkommission hat sich das nun geändert. Es gebe nach Abwägung aller Argumente Grund zur Hoffnung, „dass ungetauft gestorbene Kinder gerettet werden“, heißt es in der Schrift der Kommission. Papst Benedikt XVI. stimmte dem Dokument mit dem Titel „Die Hoffnung auf Heil für ungetauft gestorbene Kinder“ zu.


Quelle: http://www.focus.de/politik/ausland/theologie_aid_54188.html


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Ein Nachruf


Ein Nachruf ...

Die Faszination des Tierpflegers Thomas Dörflein


Vor zwei Wochen starb der Berliner Tierpfleger Thomas Dörflein, der Ziehvater des Eisbären Knut. Die Anteilnahme am Tod des Mannes ist nach wie vor hoch. Dafür gibt es gute Gründe in einem gesellschaftlichen Klima hitziger Eitelkeit, wo selbst Terroristen in Talkshows drängeln und Pilgerreisen zu Events werden.



Tierpfleger ist kein bequemer Beruf. Man hat mit Wesen zu tun, die streng riechen, Hygieneregeln ignorieren und nicht wissen, was ein Dienstschluss ist. Sie haben ständig Angst, nicht genügend Futter zu bekommen, wehren sich nach Leibeskräften, wenn man ihnen helfen will, und sagen nicht einmal Danke, wenn man ihren Stall ausmistet.

Angenehm hingegen scheint, in Talkshows zu plaudern, Tantiemen für Bücher zu kassieren (die dann andere schrieben), auf Galaempfängen das Büfett zu plündern und Preise in Empfang zu nehmen.

Thomas Dörflein wollte Tierpfleger sein und bleiben. Dafür verzichtete er auf eine Menge Geld. Er hätte sich einen PR-Berater nehmen, Werbeverträge abschließen und Aufrufe zur Rettung der Welt verfassen können. Doch selbst die Avancen weiblicher Fans brachten ihn nicht aus der Ruhe. Die Gefühlswelle, die der Tod des Tierpflegers auslöste, ist mit dem Knut-Hype nicht ausreichend erklärt. Da war mehr. Je häufiger man Thomas Dörflein im Jahr 2007 sah, desto mehr wuchs der Respekt vor ihm. Ein Mensch, der unverhofft berühmt wurde, jedoch keine wohlfeilen Sprüche klopfte und sich nicht vor Kameras prostituierte.

War es diese Wortkargheit, die ihn so sympathisch machte? Dörfleins Wirkung beruhte nicht auf effekthascherischem Schweigen. Das Besondere lag in der Weigerung, die ihm zugedachte Rolle anzunehmen. Dörflein machte nicht auf „Bärenflüsterer“ oder „Klimabotschafter“, sondern blieb Tierpfleger. Menschen, die durch Genügsamkeit und Gelassenheit ihre Seelenruhe finden, sind selten geworden in einem Klima hitziger Eitelkeit, in dem selbst Terroristen in die Talkshows drängeln und Pilgerreisen zu Events werden.

Der bewusste Verzicht auf öffentliche Präsenz irritiert mehr als alles andere. Sogar mehr als der Verzicht auf Geld. Wer sich von Besitz befreit, möchte auch dies in der Regel allen verkünden, das ungläubige Staunen und die Achtung der anderen genießen. Nichts sagen, nichts wollen, nichts fordern: Das ist die größtmögliche Provokation. Was hatte dieser Mensch, dass er die Selbstbestätigung nicht brauchte, nach der wir alle gieren? Dörflein wurde zur Ikone, weil er ein radikales Gegenbild war, ein moderner Diogenes.

Wer längere Zeit Tiere beobachtet, der wird ein anderer. Tiere lehren, dass Zufriedenheit beginnt, wo Eitelkeit endet. Von Tieren kann man auch lernen, sich nicht ablenken zu lassen. Wer Dörflein bei der Arbeit zusah, dem fiel sofort diese Konzentration auf. Autogramme? „Ja gern, aber erst muss ich die Wildhunde füttern.“ Das klang nicht arrogant. Er konzentrierte sich nur auf das, was ihm wichtig war: die Tiere. Tiertümelei? Wer täglich zu einem Rudel Wölfe ins Gehege geht, kennt Tiere zu gut, um sie zu vermenschlichen.

Wer Nein sagen kann, ist frei. Er entdeckt ein Gefühl, von dem uns eingeredet wird, man bekomme es einzig in schnellen Autos, auf Urlaubsreisen oder beim Ausüben trendiger Sportarten. Doch nur der Genügsame kann wirklich frei sein. Das ist das Provozierende an seiner Existenz.

Der Genügsame ist kein Asket, der anderen durch leidvollen Verzicht ein moralisches Vorbild geben will. Der Genügsame konzentriert sich auf das, was er wichtig findet. Und wenn es für alle anderen unwichtig ist – umso besser. Er ist die radikalste Infragestellung einer Kultur, deren Währung die Aufmerksamkeit ist. Wer nicht mitmacht, muss stark sein. Oder vielleicht einen kleinen Bären zum Freund haben, für den die Welt eine Kuscheldecke ist.


Sonntag, 5. Oktober 2008
WELT Online



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T H E M A




Terror-Religion Islam ?


Mörderische Frömmigkeit

Von Leon de Winter

Einigen europäischen Kommentatoren und Journalisten waren die Motive der Bombenattentäter von London sofort klar: Wut über die Befreiung des Irak durch amerikanische und britische Truppen und über die Behandlung der Palästinenser durch Israel. In meinem Heimatland Holland drängte uns der politische Kommentator und Kulturhistoriker Thomas von der Dunk, ein sich offen bekennender Homosexueller, al-Qaidas Verdruss mit Verständnis zu begegnen. Im britischen "Guardian" äußerte sich der Kolumnist Gary Younge: "Wenn Blair nicht wusste, dass uns die Invasion verwundbarer macht, ist er fahrlässig; wenn er es wusste, sollte er die Verantwortung für seinen Anteil an dieser Tat übernehmen." Auch "Trouw", eine niederländische Zeitung, druckte einen Brief ab, in dem die Abschaffung der traditionellen niederländischen Toleranz und Modernität gefordert wurde, da sie radikale Muslime provozieren würden.

Die Kritiker von Premierminister Blairs Irak-Politik liegen nicht falsch, was die Motive der Terroristen angeht. Es ist wahr, dass die Terroristen die Hoffnung hegen, sie könnten das britische Volk mit Gewalt zum Verzicht auf die britische Militärpräsenz im Süden des Irak erpressen. Die Frage ist: Sollte sich das britische Volk dem beugen?

George Galloway, ein britischer Parlamentarier der Respect-Partei, beantwortete dies mit einem eindeutigen Ja. Und er wird gegebenenfalls von der Mehrheit der Europäer unterstützt. Für sie scheint der Gedanke, dass der Irak erneut der Tyrannei der Baath-Partei oder dem radikalen Islam zum Opfer fiele, ein fernes, vages und abstraktes Problem zu sein. Sie stellen sich vor, dass sich die Welt wieder beruhigen wird, wenn der Westen erst seine Truppen aus dem Irak und aus Afghanistan abzieht. Dass damit aber die religiöse Despotie wiederhergestellt würde, in der kein Platz wäre für Menschen wie sie selbst, für Programmkinos, die künstlerische Filme aus Südkorea und Finnland zeigen, für kritische Journale oder nackte Bauchnabel oder homosexuelle Männer wie Herrn von der Dunk, scheint Herrn Galloway und seinesgleichen nicht zu stören. Es riecht nach blinder Arroganz, nicht auch anderen die Freiheiten zu wünschen, die man als selbstverständlich betrachtet.

Radikalislamischer Widerstand gegen die Präsenz der Amerikaner und Briten im Irak und in Afghanistan speist sich grundsätzlich aus der - für radikale Muslime unakzeptablen - Vorstellung, dass die dominante Militärmacht im Haus des Friedens (nach traditionellem Verständnis das Territorium, in dem die Gesellschaft seit dem siebten Jahrhundert dem islamischen Recht untersteht) bei den Ungläubigen und Christen aus dem Haus des Krieges (den Regionen, in denen das islamische Recht ohne Geltung ist) liegt.

Trotz der persönlichen Tragödien, die mit den Gräueltaten verbunden sind, ist eine Erkenntnis wichtig: Die fundamentalistische Revolte gegen den Status quo in der arabisch-islamischen Welt ist endgültig gescheitert. Alle Regime, von der sogenannten aufgeklärten Diktatur in Marokko bis zur strengen Tyrannei in Saudi-Arabien, haben mit dem islamischen Fundamentalismus nicht viel Federlesen gemacht.

In militärischer Hinsicht haben die Terroristen gegen die übermächtigen Armeen des Westens keine Chance. In der Hoffnung, die öffentliche Meinung und die politischen Eliten zu beeinflussen, versuchen sie daher, die Bevölkerung sowohl der arabischen als auch der westlichen Länder zu terrorisieren. Sie glauben, dass die Bewohner des Westens moralisch schwache Menschen sind, die, da ihnen der Glaube an das ultimative Buch fehlt und sie von perverser Lust zersetzt sind, nicht stark genug sind, um sich zu verteidigen und ihre Söhne im Kampf zu opfern.

Auch wenn Kritiker des Irak-Kriegs wie Michael Moore vielleicht anders argumentieren: Die Kriege in Afghanistan und im Irak werden nicht geführt, um Kolonien oder Provinzen zu erwerben. Zur Debatte steht, ob es unter westlicher Aufsicht möglich ist, eine stabile Bürokratie und eine friedfertige Mittelschicht in diesen gescheiterten arabisch-islamischen Nationalstaaten, in denen die Gesellschaftsordnung weitgehend auf Stammesloyalität, Korruption und der Unterdrückung der Frauen basiert, heranzuziehen.

Der islamistische Widerstand gründet sich auf den tiefen Glauben, dass diese modernen westlichen Institutionen und Konzepte der Scharia, dem islamischen Gesetzeswerk, diametral entgegenstehen. Damit haben die Islamisten absolut recht. Diese westlichen Konzepte bieten dem einzelnen Bürger Autonomie und Freiheit und machen die Wünsche der freien Gemeinschaft freier Bürger zum Schwerpunkt der Macht in der Gesellschaft - die angebliche Antithese zur Scharia.

Traditionell schweigt die Umma, die weltweite Gemeinschaft der Muslime, über Missstände in den eigenen Reihen. Es gibt praktisch keinen Protest der westlichen und arabischen Muslime über Straftaten in der arabisch-islamischen Welt. Saddam Hussein konnte den Irak ausbluten, als wäre es seine eigene private Provinz gewesen, ohne dass es Demonstrationen von Arabern oder Muslimen in Europa oder Nordamerika gab. In dem gescheiterten Nationalstaat Afghanistan konnten Korangelehrte eine kulturelle und humanitäre Einöde schaffen, ohne dass Muslime auf die Straßen drängten, um das Ende dieser unmenschlichen Ideologie zu fordern.

Selten haben muslimische Führer die schändlichen Bedingungen im Irak, in Algerien, im Sudan oder in Afghanistan beanstandet. Die Einzigen, die dies taten, waren Flüchtlinge und Dissidenten, Stimmen am Rande einer religiösen Gemeinschaft, die über eine Milliarde Mitglieder zählt.

Dieses Schweigen endete, als westliche Mächte sich das Recht nahmen, die Tyranneien, die Afghanistan und den Irak beherrschten, zu zerstören. Eine Vielzahl von Muslimen erhielt plötzlich eine Stimme; und sehr unterschiedliche Sympathisanten stimmten in den Chor der Gegner der amerikanischen Intervention in islamischen Ländern ein: Sowohl radikale als auch gemäßigte Muslime haben die Taten der amerikanischen und der britischen Regierung viel stärker und schroffer verdammt, als sie je die von Saddam Hussein verübten Massaker kritisierten, während säkulare und linke westliche Intellektuelle heftigen Widerstand gegen die amerikanisch-britischen Versuche, den barbarischen, frauenfeindlichen und in der Tat absurden religiösen Despotismus der Taliban zu beenden, zum Ausdruck brachten.

In den letzten Jahrzehnten wurden Millionen Muslime von anderen Muslimen getötet, und doch wird diese Tatsache von der islamischen Weltgemeinde weitgehend ignoriert. Nur wenige Muslime haben je öffentlich gefordert, dass die Umma einen Teil der moralischen und religiösen Verantwortung für diese entsetzlichen Massaker übernimmt. Die Arabische Liga ignoriert die Massaker an Muslimen durch andere Muslime geschickt, protestiert aber lautstark, wenn sich Zwischenfälle zwischen Israelis und Palästinensern ereignen. Dieser Zorn, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der palästinensischen Muslime und Christen durch die Israelis (deren Härte in keinem Vergleich zu der wüsten Zerstörung steht, die zum Beispiel Saddam Husseins Clan unter den irakischen Schiiten und Kurden verursacht hat), steht im starken Gegensatz zu dem ohrenbetäubenden Schweigen als Reaktion auf die Millionen muslimischer Opfer in diesen vernichtenden Konflikten.

Selbstverständlich ist einer der Hauptgründe für die mangelnde interne Kritik das Fehlen einer freien Presse in der arabisch-islamischen Welt. Aber das Schweigen der Muslime zu dem Hass, der Erniedrigung, Korruption, Dummheit und Unterwerfung der Frauen in ihrer eigenen Welt spiegelt auch die Tatsache wider, dass sich die arabisch-islamische Welt vielfach auf Stammeskulturen gründet, die auf Ideen von Ehre und Schande basieren und in denen Selbstkritik, Selbstanalyse und dementsprechend persönliche Verantwortung kaum Platz haben. In durch Schande gekennzeichneten Stammeskulturen liegt die Ursache immer außerhalb der Gruppe. Und für jedes Übel ist es auch der Jude, dem die Schuld gegeben wird.

Man hört in der Tat wieder Stimmen, dass die Juden für die Londoner Bombenattentate verantwortlich seien. Der iranische Geistliche Ajatollah Mohammed Emami Kaschani gab den USA und Israel die Schuld für die Londoner Angriffe. Das staatliche iranische Radio erklärte: Es war der Mossad.

Ein weiteres Haupthindernis besteht darin, Radikale zu kritisieren, ohne tatsächlich den Islam selbst zu kritisieren. Islamistische Terroristen berufen sich auf Verse im Koran und auf die Hadith-Sammlungen (Sprüche und Handlungen des Propheten), um ihre Handlungen zu rechtfertigen, und weisen damit nach, dass sie dem wahren Pfad des Islam folgen. Wie kann man einen Gläubigen kritisieren, der nichts weniger tut als das, was der Koran ihm vorschreibt: Töte den Ungläubigen?


In vielen Ländern, in denen der Islam die Religion der Mehrheit ist, bestehen eindeutig gravierende Missstände. Im Westen wiederholen die religiösen, politischen und intellektuellen Eliten anhaltend, dass der Islam eine Religion des Friedens und der Toleranz ist, wohingegen offensichtlich ist, dass Frieden und Toleranz in der arabisch-islamischen Welt genau das ist, woran es mangelt. Galloway und seine Nachbeter rechnen die Krise in der arabisch-islamischen Welt einem anderen Faktor zu: Es ist der Westen selbst, dem man die Schuld geben muss.

Die von liberalen westlichen Kommentatoren und Intellektuellen verwendete Terminologie basiert hauptsächlich auf Konzepten, die säkularen westlichen Intellektuellen seit Jahrzehnten vertraut sind. Die Schlüsselworte in diesem ideologischen Umfeld sind: Unterdrückung, Missachtung, Imperialismus, Rassismus, Islamophobie, Kolonialismus, Öl, Zionismus, wiedergeborene Christen, Kapitalismus, Arbeitslosigkeit, sozioökonomische Entbehrung und ähnliche Ausdrücke - sie entstammen den Paradigmen und Dogmen, die die intellektuelle Debatte in den Universitäten Europas und Amerikas bis heute beherrschen.

Radikale Muslime bedienen sich dankbar dieser Terminologie, um die westliche öffentliche Meinung zu manipulieren, aber ihre Hauptklage betrifft nicht die kapitalistische Ausbeutung, sondern den fehlenden Glauben in der Umma. Für sie ergibt sich die weltliche Herrschaft direkt aus der wahrhaften Befolgung der Scharia, für die der echt Gläubige von Allah mit weltweiter Vormachtstellung belohnt wird. Derzeit ist die arabisch-islamische Welt arm und schwach, weil es ihr an Frömmigkeit mangelt. Mit hinreichend starkem Glauben würde jede imperialistische Macht leicht besiegt, und das Resultat wäre nicht die sozialistische Utopie des George Galloway, sondern das dunkle Mittelalter der Taliban.

Radikale Islamisten haben kein Interesse daran, den Irak von der Tyrannei zu befreien, sie haben kein Interesse an der Emanzipation der Frauen, an Reform, Erziehung, Gedankenfreiheit, Innovation oder unabhängiger Forschung; sie möchten eine Gesellschaft begründen, in der für Vielfalt, Gleichheit der Geschlechter, Multikulturelles, Religionsfreiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen kein Platz ist, denn nichts davon entspricht dem Wunsch Allahs, wie der Koran angeblich sagt. Was die radikalen Islamisten wollen, ist eine Welt ohne Musik.

Westliche Intellektuelle haben bei ihrer Suche nach den Wurzeln und Ursachen des islamistischen Terrorismus die Metaphysik des Terrorismus noch nicht verstanden: Der radikale religiöse Muslim hat kein Interesse an Foucault oder Derrida, den Göttern der Postmoderne und der Dekonstruktion, sondern an Texten, die den Gläubigen von dem einen wahren Gott übergeben wurden.

Vor dem Hintergrund dieser Texte betrachten Muslime Juden und Christen als minderwertig, da sie einer unvollständigen oder korrupten göttlichen Offenbarung anhängen. Diese Überzeugung, die auf rein religiösen Prämissen basiert, führt zu einigen erstaunlichen Schlussfolgerungen, die der mutmaßlichen Botschaft von Frieden und Toleranz einen recht bitteren Beigeschmack geben. Nach den Bombenattentaten erklärte der linke Bürgermeister Londons, Ken Livingstone, dass die Täter nicht von einer Ideologie oder einem pervertierten Glauben beseelt seien, sondern von etwas anderem. Er sagte Folgendes:

"Dies war kein terroristischer Angriff gegen die Mächtigen und Einflussreichen. Er zielte nicht auf Präsidenten oder Premierminister. Er zielte auf normale Londoner aus der arbeitenden Bevölkerung, auf Schwarze und Weiße, auf Muslime und Christen, Hindi und Juden, Junge und Alte. Es war der wahllose Versuch, ein Blutbad anzurichten, ungeachtet jeglicher Rücksichten auf Alter, Schicht, Religion oder Sonstiges. Es handelt sich dabei nicht um eine Ideologie, es ist nicht einmal ein pervertierter Glaube.

Es ist nur der wahllose Versuch zum Massenmord, und wir wissen, was das Ziel ist: Sie versuchen, die Londoner auseinander zu bringen. Sie bemühen sich, die Londoner aufeinander zu hetzen. Ich habe dem Internationalen Olympischen Komitee gestern gesagt, dass die Stadt London die großartigste Stadt der Welt ist, weil alle harmonisch zusammenleben."

Diese Aussage offenbart einige der Wahrnehmungen des linken Intellektuellen im Westen: Die Bombenattentate zielten nicht auf die Führer der Gesellschaft ab (Hätten sie das, wenn die Terroristen Führer in die Luft gesprengt hätten?), sondern gegen hart arbeitende Londoner; in London leben alle harmonisch zusammen; die Terroristen zielen darauf ab, die Londoner auseinander zu bringen (in welcher Weise?). Aber Livingstones bemerkenswerteste Verlautbarung ist, dass er bestreitet, bei dem Massaker hätten Ideologie und Religion eine Rolle gespielt.

Tatsächlich sind Religion und die von ihr hervorgebrachte Ideologie unbedingt der bestimmende Faktor hinter islamistischem Terrorismus: Der radikale Islam ist eine Ideologie. Das Problem besteht darin, dass die radikalen Verse, mit denen Terroristen ihre Aktionen rechtfertigen, demselben Koran entstammen, den gemäßigte Muslime lesen.

Der Koran enthält zahllose verunglimpfende Kommentare über Juden, Christen, Polytheisten, Ungläubige und Abtrünnige. Gott droht ihnen Strafe an. Zum Beispiel in Sure 8, Vers 12-13: "Wenn dein Herr den Engeln offenbarte: Ich bin bei euch, daher gib denen, die glauben, eine feste Haltung. Ich werde diejenigen, die nicht glauben, in Angst und Schrecken versetzen. Daher haut auf ihre Hälse, und schlagt ihre Fingerspitzen ab. Denn sie haben Allah und seinem Gesandten zuwidergehandelt. Allah bestraft streng." Es ist offenkundig, was der zweite Teil dieser Passage bedeutet: Enthauptet die Ungläubigen, und hackt ihre Fingerspitzen ab. Der Aufruf wird im Irak und anderswo vielfach befolgt - wie es Daniel Pearl und Theo van Gogh erleiden mussten.

Viele Muslime werden in der Gewissheit aufgezogen, dass ihre Religion allen anderen Religionen überlegen ist - nicht anders als jeder folgsame Christ oder Jude. Manche Muslime werden in der Gewissheit aufgezogen, sie besäßen gegebenenfalls die Befugnis, Abtrünnige zu töten, wenn diese sich weigern, Allahs Botschaft zu akzeptieren.

Natürlich setzt nur eine Minderheit der Muslime dieser Welt dieses Gebot tatsächlich um, aber solange keine Konferenz der führenden muslimischen Theologen die Todesstrafe als Teil einer religiösen Auffassung abschafft, werden radikale Muslime die Verse zitieren, mit denen auch gerechtfertigt wird, in der Londoner Untergrundbahn Bomben zu zünden.

Es wird immer Spannung zwischen dem fundamentalistischen Islam und der säkularen Gesellschaft geben, bis die Muslime akzeptieren, dass die Scharia ein Gesetzeswerk ist, das in einem kulturellen und historischen Kontext gesehen werden muss. Es ist klar ersichtlich, warum dies problematisch ist: Zentrale Aspekte der Scharia leiten sich aus dem Koran ab, den folgsame Muslime als eine göttliche, zeitlose Schrift betrachten. Wenn man die Scharia in einen relativen Kontext versetzt, dann gilt dies nach Meinung radikaler Muslime auch für den Koran, und jeder, der die zeitlose Erschaffenheit des Korans in Frage stellt, unterminiert die Fundamente der islamischen Gesellschaft.

In dem Brief, den der Mörder van Goghs mit einem Messer am Leichnam befestigte, beschrieb er apokalyptische Bilder. Er versprach den Ungläubigen ewige Bestrafung in der Hölle. Vergangene Woche erklärte er vor Gericht, dass er van Gogh getötet habe, weil dieser den Propheten beleidigt habe.

Eine beliebte, von Muslimen in aller Welt besuchte Website ist www.Islam.tc. Eines der Themen, mit denen sich die Website befasst, ist der Jüngste Tag, wenn Allah für die Menschheit Bilanz zieht, eine zentrale mythische Vorstellung, die ein Merkmal des Monotheismus ist.

Islam.tc schreibt Folgendes: "Wir haben Glück, dass uns so viel Wissen über die kommenden Ereignisse gegeben wurde, während der Jüngste Tag (Kijama) herannaht. Kein anderes Volk wurde mit derartigen Einzelheiten über künftige Prüfungen und Ereignisse, die die Menschheit überwältigen, gesegnet ... Wir müssen ferner aufgrund der vielen kleinen Zeichen, die wahr werden, zugeben, dass die Endzeit gewiss sehr nahe ist. Nur Allah kennt den genauen Zeitpunkt des Eintretens der Ereignisse, aber die Zeichen, mit denen Er uns gesegnet hat, bestätigen gewiss, dass wir am Rande eines Wandels stehen. Diese Angelegenheit muss ernst genommen werden."

Muslime kennen die Anzeichen des Jüngsten Tages aus einem Hadith. Dort wird der Jüngste Tag in den Worten von Mohammed beschrieben: "1. Mein Tod, 2. Die Eroberung Jerusalems, 3. Massensterben unter euch Menschen, wie wenn Schafe während einer Epidemie in großer Anzahl sterben, 4. Überfluss an Reichtum insofern, als eine Person, der man einhundert Dinar gibt, noch immer nicht zufrieden wäre, 5. Allgemeine Anarchie und Blutvergießen, so dass keine arabische Familie davon verschont bleibt, 6. Dann ein friedliches Leben infolge eines Friedensvertrages zwischen euch und den Bani al-Asfar (Juden und Christen), den sie brechen werden und die euch mit einer Streitmacht angreifen werden, die aus achtzig Flaggen besteht, und unter jeder Flagge wird eine Armee von zwölftausend Mann sein."

Bis heute haben die Angriffe des radikalen Islam auf den Westen, wie aufsehenerregend und wie destruktiv sie für die Familien der Opfer auch sein mögen, den Fortbestand einer freien westlichen Zivilisation nicht beeinträchtigt. Der fundamentalistische Islam ist bisher nicht in der Lage gewesen, ein arabisches Land mit Gewalt zu erobern, geschweige denn, den Westen in die Knie zu zwingen. Allerdings scheint es, dass die Vorstellung vom Jüngsten Tag den Einsatz von Massenvernichtungswaffen rechtfertigt. Hinter den politischen und medialen Kulissen wird von westlichen und arabischen Geheimdiensten eine weltweite Schlacht geschlagen, um zu verhindern, dass Massenvernichtungswaffen in die Hände muslimischer Terroristen fallen.

Fundamentalistische Extremisten sehnen sich nach der Gelegenheit, Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Kafirs, Ungläubigen (einschließlich gemäßigter Muslime), zu töten. Dass sich dadurch der Zorn des Westens mit aller Macht entladen würde und die Anwesenheit von Millionen friedlicher Muslime im Westen gefährdet wäre, wäre ein willkommener Nebeneffekt: Die Terroristen sind davon überzeugt, dass die weltweite islamische Gemeinschaft im entscheidenden Moment hinter ihnen steht und die radikale Sache bei dem bevorstehenden Großbrand unterstützt. Wenn Millionen sterben, dann ist dies ein Zeichen, dass der Jüngste Tag gekommen ist. Die Unterscheidung zwischen Leben und Tod ist dann auf ewig abgeschafft.

Die Twin Towers, Madrid, die Londoner Underground - damit beginnt ein langer und bitterer Kampf gegen die apokalyptische Besessenheit einer extremistischen religiösen Minderheit.





DER SPIEGEL 29/2005 - 18. Juli 2005
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,365464,00.html

Zum Thema das SPIEGEL-Dossier:
Weltmacht Islam: Die Macht des Propheten (01.07.2003)
http://www.spiegel.de/archiv/dossiers/0,1518,267204,00.html [€]

Leon de Winter, 51, Sohn niederländischer Juden, wurde bekannt mit Büchern wie "Hoffmans Hunger". Im September erscheint sein Roman "Place de la Bastille" bei Diogenes. De Winter lebt in der Nähe von Amsterdam.


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