Aus dem Ernst der Zeit
muss geboren werden
der Mut
zur Tat.

Rudolf Steiner





« Dieses Sichaufschwingen dazu, dass man von den Gedanken über das Geistige so erfasst werden kann wie durch irgend etwas Physisches in der Welt, das ist Michaelkraft! Vertrauen haben zu den Gedanken des Geistigen, wenn man die Anlage dazu hat, sie überhaupt aufzunehmen ... so dass man weiß: Du hast diesen oder jenen Impuls aus dem Geistigen; du gibst dich ihm hin, du machst dich zum Werkzeug seiner Ausführung!
Ein erster Misserfolg kommt - macht nichts! Ein zweiter Misserfolg kommt - macht nichts! Und wenn hundert Misserfolge kommen - macht nichts! Denn kein Misserfolg ist jemals ausschlaggebend für die Wahrheit eines geistigen Impulses, deren Wirkung innerlich durchschaut und ergriffen ist. Denn erst dann hat man Vertrauen, das richtige Vertrauen zu einem geistigen Impuls, den man in einem bestimmten Zeitpunkt fasst, wenn man sich sagt: Hundertmale habe ich Misserfolg gehabt, das kann mir aber höchstens beweisen, dass für mich in dieser Inkarnation die Bedingungen zu Realisierung dieses Impulses nicht gegeben sind! Dass dieser Impuls aber richtig ist, das schaue ich durch seinen eignen Charakter. Und wenn es auch erst nach der hundertsten Inkarnation sein wird, dass für diesen Impuls die Kräfte zu seiner Realisierung mir erwachsen - nichts kann mich überzeugen von der Durchschlagskraft oder Nichtdurchschlagskraft eines geistigen Impulses, als dessen eigene Natur! -
Wenn Sie sich dies im Gemüte des Menschen als das große Vertrauen für irgendetwas Geistiges ausgebildet denken, wenn Sie sich denken, dass der Mensch felsenfest halten kann an etwas, was er als ein Geistig-Siegendes durchschaut hat, so festhalten kann, dass er es auch dann nicht weglässt, wenn die äußere Welt noch so sehr dagegen spricht, - wenn Sie sich dies vorstellen: dann haben Sie eine Vorstellung von dem, was eigentlich Michaelkraft, die Michael-Wesenheit von dem Menschen will, denn dann erst haben Sie eine Anschauung von dem, was das große Vertrauen in den Geist ist.
Man kann irgendeinen geistigen Impuls zurückstellen, selbst für die ganze Inkarnation zurückstellen, aber hat man ihn einmal gefasst, so darf man niemals wanken, ihn in seinem Innern zu hegen und zu pflegen; dann allein kann man ihn aufsparen für die folgenden Inkarnationen. Und wenn auf diese Weise das Vertrauen zu dem Geistigen eine solche Seelenverfassung begründet, dass man in die Lage kommt, dieses Geistige als so real zu empfinden wie den Boden unter unseren Füßen, von dem wir wissen, dass, wenn er nicht da wäre, wir mit unseren Füßen nicht auftreten könnten, dann haben wir ein Gefühl in unserem Gemüte von dem was eigentlich Michael von uns will.
Sie werden, meine lieben Freunde, ohne Zweifel zugestehen, dass von diesem Vertrauen, von diesem aktiven Vertrauen in den Geist im Laufe der letzten Jahrhunderte, ja des letzten Jahrtausends der Menschheit unendlich viel dahingeschwunden ist, dass es eigentlich heute für die meisten Menschen so ist, dass gar nicht aus dem Leben die Zumutung an die herantritt, ein solches Vertrauen zu entwickeln. Das aber ist es, was kommen musste. Denn was sage ich damit eigentlich, indem ich dieses ausspreche? Ich sage: im Grunde genommen hat der Mensch die Brücke zur Michaelkraft hinter sich abgebrochen. Aber in der Welt hat sich mittlerweile manches ereignet. Der Mensch ist gewissermaßen von der Michaelkraft abgefallen; der starre und straffe Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts ist ja ein Abfall von der Michaelkraft. ...
Aber das andere Große steht heute vor der menschlichen Seele: dass der Mensch aus eigenem freien Entschluss den Sieg des Michael über den Drachen wird mitmachen müssen.
Das aber bedingt, dass der Mensch wirklich die Möglichkeit findet, aus jener Passivität des Verhältnisses zum Geistigen, in dem er heute so vielfach ist, herauszutreten und in ein aktives Verhältnis zum Geistigen zu kommen. Die Michael-Kräfte lassen sich nicht erringen -auch nicht durch das passive Gebet - durch irgendeine Art von Passivität.
Die Michael-Kräfte lassen sich einzig und allein dadurch erringen, dass der Mensch mit seinem liebevollen Willen sich zum Werkzeug für die göttlich-geistigen Kräfte macht. Denn die Michael-Kräfte wollen nicht, dass der Mensch zu ihnen fleht, sie wollen, dass der Mensch sich mit ihnen verbündet. ...
Durchdringt sich der Mensch immer mehr und mehr mit diesem Vertrauen für das Geistige, dann wird über ihn etwas kommen wie eine Inspiration, eine Inspiration, auf die eigentlich alle guten Geister der Welt warten. »


Rudolf Steiner, 28.9.1923, «Michaels Kampf mit dem Drachen», 2.Vortrag







Sieghafter Geist,
Durchflamme die Ohnmacht
zaghafter Seelen.
Verbrenne die Ichsucht,
Entzünde das Mitleid,
Dass Selbstlosigkeit,
Der Lebensstrom der Menschheit,
Walte als Quell
Geistiger Wiedergeburt.

(Rudolf Steiner)








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