Es gibt sie: Kultus-Texte, das Zentral-Sakrament, die Messe
für ökumenische Christen
(wenn eine "anthroposophisch orientierte", wie die
freie christliche «Opferfeier» oder die «Freie Eucharistiefeier»
nicht angezeigt sind).

Wer dem Kultus der großen Kirchen nahesteht,
bzw. mit seinen christlichen Mitbrüdern in den Kirchen zusammen feiern will,
kann dies anerkannt z.B. mit der «Lima-Liturgie» oder einer «Thomas-Messe» :

Folgend:
-> zur Erläuterung der Lima-Liturgie: Die Lima-Liturgie
-> zum Lima-Kultus-Text: Der Kultus-Text der Lima-Liturgie
-> zur Erläuterung der Thomas-Messe: Die Thomas-Messe
-> zum Ablauf der Thomas-Messe: Ablauf der Thomas-Messe


Ist Gott nur in der "Kirche" ? :
-> nein, überall ! : Gottesdienst - z.B. - in der Kneipe :
Freie Seelsorger -> ... mittendrin ...






Die Lima-Liturgie



Eine Erläuterung

Die Lima-Liturgie ist ein eucharistischer Gottesdienst (Abendmahlsgottesdienst), der in einer von mehreren denkbaren liturgischen Formen die ekklesiologische Konvergenz über die Eucharistie zum Ausdruck bringt, die in dem Text Taufe, Eucharistie und Amt (BEM) von Glauben und Kirchenverfassung enthalten ist. Die Liturgie wird so genannt, weil sie zum ersten Mal auf der Tagung des Plenums der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung 1982 in Lima, Peru, verwendet wurde. Auf jener Tagung wurde der Text auch zur Weitergabe an die Kirchen gebilligt und wurden diese um offizielle Stellungnahmen gebeten.

Die Lima-Liturgie ist aufgrund ihrer Verwendung bei internationalen ökumenischen Zusammenkünften, besonders auf den ÖRK-Vollversammlungen in Vancouver (1983) und Canberra (1991), wohl bekannt. Sie wird aber auch auf nationaler und örtlicher Ebene häufig eingesetzt. Ein bekannter deutscher Ökumeniker hat gesagt, es gebe mehr Christen, die ihr Wissen über BEM aus ihrer Teilnahme an der Lima-Liturgie bezögen, als solche, die BEM tatsächlich gelesen hätten.

Auch wenn die Lima-Liturgie von Kommissionsmitgliedern und Mitarbeitenden in Glauben und Kirchenverfassung geschrieben wurde, so ist sie doch – im Gegensatz zu BEM - nie offiziell von Glauben und Kirchenverfassung „angenommen“ worden. Sie nimmt auch nicht für sich in Anspruch, die ekklesiologischen Probleme zu lösen (insbesondere im Zusammenhang mit dem ordinierten Amt), die verhindern, dass alle Christen gemeinsam vor den Tisch des Herrn treten.

Als erläuternder Text ist die Lima-Liturgie umfassend und komplex (
zwei Epiklesen!) und muss in der Regel für den tatsächlichen Gebrauch gekürzt und vereinfacht werden. Vorschläge hierfür enthält Max Thurians Einführung in den Text.

1995 wurde im Ökumenischen Institut in Bossey ein Seminar/Arbeitskreis für Liturgen/innen, Theologen/innen, Pastoren/innen und Kirchenmusiker/innen veranstaltet, um auf die Ursprünge der Lima-Liturgie zurückzublicken und über die – bald 25-jährige - Erfahrung derer zu reflektieren, die die Liturgie verwenden können (siehe
Eucharist Worship in Ecumenical Contexts: The Lima Liturgy – and Beyond, hrsg. von Thomas F. Best und Dagmar Heller, Genf, ÖRK-Verlag, 1998).




EINFÜHRUNG VON MAX THURIAN

Diese Liturgie ist für die Sitzung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung in Lima ausgearbeitet und dort am 15. Januar 1982 zum ersten Mal gefeiert worden. Anlässlich der Tagung des Zentral-ausschusses ist sie am 28. Juli 1982 in der Kapelle des Okumenischen Zentrums in Genf unter der Leitung von Generalsekretär Philip Potter gefeiert worden. Sie wird auch während der Sechsten Vollver-sammlung des Okumenischen Rates in Vancouver verwandt werden. Die Lima-Liturgie beabsichtigt, die theologischen Erkenntnisse der Konvergenzerklärungen zu ,,Taufe, Eucharistie und Amt“ zu verdeut-lichen. Sie ist nicht die einzige Möglichkeit; man könnte auch andere liturgische Versuche unternehmen, um die Konvergenzen über Taufe, Eucharistie und Amt zum Ausdruck zu bringen im Blick auf andere Traditionen, geistige Richtungen oder verschiedene Kulturen. Diese Liturgie will aber keine andere „Autorität“ beanspruchen als die, bei einigen bedeutenden ökumenischen Anlässen gefeiert worden zu sein.

Die Lima-Liturgie ist besonders weit angelegt und bietet sich daher eher für besondere Feiern an. Einige Gruppen haben sie bereits in vereinfachter Form gebraucht. In Teil III dieser Einführung werden wir einige Möglichkeiten zur Vereinfachung vorschlagen (daher auch die Numerierung der verschiedenen Abschnitte).

Feier und Feiernde

Wie die Erklärungen zu Taufe, Eucharistie und Amt ausführen, sollte die regelmäßige Feier des christlichen Gottesdienstes - zumindest am Tag des Herrn und an Festtagen - eine Feier der Eucharistie sein, die die Verkündigung des Wortes Gottes und die Gemeinschaft der Glieder des Leibes Christi im Wirken des Heiligen Geistes einschließt (E 31).[1] Daher besteht die Eucharistische Liturgie aus drei Teilen.

Die Eingangsliturgie sammelt das Volk Gottes in Demut, Bitte und Lobpreis (Sündenbekenntnis, Kyrie-Litanei und Gloria). Der Wort-gottesdienst beginnt mit einem Kollektengebet und umfaßt die drei Verkündigungen der Propheten (erste Lesung), Apostel (Epistel) und Jesu Christi (Evangelium); dann wird die Stimme der Kirche laut, die das Wort der Schrift in der Predigt zeitgemäß und lebendig werden läßt. Danach folgt eine meditative Stille. Der Glaube der Kirche wird dann im Glaubensbekenntnis zusammengefaßt und alle Not der Menschen in der Fürbitte vor Gott gebracht. Die Eucharistiefeier umfaßt im wesentlichen das große eucharistische Gebet, dem eine kurze Vorbereitung vorangeht; das Gebet des Herrn, der Friedens-gruß und die Kommunion folgen.

Die Liturgie ist ein Handeln der Gemeinde. Dies kommt schon in der Etymologie des Wortes Liturgie (leit-ourgia = Dienst des Volkes) zum Ausdruck. Sie ist nicht ein Monolog des Priesters oder Pfarrers, sondern ein „Konzert“ der ganzen christlichen Gemeinschaft, in der einige Mitglieder, je nach ihren Charismen und ihrem Auftrag, eine bestimmte Rolle spielen. Auf ökumenischen Tagungen wird die Liturgie des Wortes unter den Liturgen aus verschiedenen Traditio-nen aufgeteilt; an der Liturgie der Eucharistie nehmen jedoch nur die als Assistenten des Hauptzelebranten teil, die von ihrer Kirche ermächtigt sind, bei solchen Gelegenheiten zu konzelebrieren.

Normalerweise spricht der leitende Geistliche (Bischof oder Presbyter A 29-30)[2] bei der Liturgie die Begrüßungsworte, die Absolution und das Kollektengebet; er leitet die Liturgie der Eucharistie; er spricht das eucharistische Gebet (Präfation, Epiklese I und II, Einsetzungs-worte, Anamnese und Abschluß), das Dankgebet und erteilt den Segen. Die Gemeinde singt oder spricht alle Responsorien und Amen; sie spricht gemeinsam das Sündenbekenntnis, das Gloria (oder sie alterniert mit einem Liturgen, wenn das Gloria nicht gesungen wird), das Glaubensbekenntnis (gesprochen oder gesungen) und das Gebet des Herrn (gesprochen oder gesungen). Andere Liturgen können sich die Kyrie-Litanei und die Fürbitten teilen, die Verse des Gloria, die Vorbereitung und die eucharistischen Gedenkbitten sowie die Einfüh-rung in das Gebet des Herrn und den Friedensgruß. Drei Lektoren können die Bibellesungen übernehmen. (Das Evangelium wird in den katholischen und orthodoxen Traditionen von einem Diakon entwe-der gelesen oder gesungen.)

Bedeutung und Quellen der einzelnen liturgischen Stücke

Das Eingangslied, das den Einzug der Geistlichen oder auch der ganzen Gemeinde begleitet, sollte vorzugsweise ein Psalm sein, der der liturgischen Jahreszeit oder dem gefeierten Fest entspricht; er wird durch einen charakteristischen Wechselgesang unterbrochen, der von allen leicht angenommen werden kann zwischen den Strophen, die der Chor singt. Nehmen wir z. B. den ersten Adventssonn-tag; das Eingangslied ist Psalm 24 (h 25)[3] mit dem Wechselgesang:

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.
Niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.“

Der Psalm kann durch einen Choral oder ein Lied ersetzt werden, dessen liturgischer Gebrauch üblich ist. So gibt es z. B. in der lutherischen Tradition verschiedene Choräle für bestimmte Sonntage. Wenn der Einzug beendet ist, singt die Gemeinde das Gloria Patri (,,Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist …“) und wiederholt den Wechselgesang ein letztes Mal.

Der Hauptzelebrant spricht dann die Begrüßungsworte - wahrschein-lich geht diese Sitte auf einen alten liturgischen Brauch zurück -, die Paulus uns in 2 Kor 13,13 überliefert. Die Bemühungen der katholi-schen Kirche um eine Reform der Liturgie nach dem letzten Konzil haben sie wieder zu Ehren kommen lassen; sie sind oft auch ein Bestandteil des reformierten und lutherischen Gottesdienstes.

Dem Sündenbekenntnis, von der ganzen Gemeinde gesprochen, folgt die Absolution, die vom Hauptzelebranten gesprochen wird. Beide sind dem „Lutheran Book of Worship“[4] entnommen, das von der lutherischen Liturgie-Kommission für die Kirchen in den USA und Kanada herausgegeben worden ist. Einige leichte Korrekturen sind im englischen Text vorgenommen worden, um eine allzu maskuline Sprache zu vermeiden.

Die Kyrie-Litanei ist eine kurze Anrufung. Die Tradition dieser Litanei stammt aus der byzantinischen Liturgie, die damit begonnen hat. Hier indessen ist sie kürzer; sie besteht nur aus drei Anrufungen zu den Themen Taufe, Eucharistie und Amt, die sich auf drei neutestamentliche Texte beziehen: Eph 4,3-5; 1 Kor 10,16-17 und 2 Kor 5,18-20. Diese Anrufungen können je nach den Umständen geändert werden.

Man könnte Bußrufe anstelle des Sündenbekenntnisses vorsehen, die sich dann unmittelbar an die Begrüßungsworte anschließen. Wir kennen die Formulierung in der revidierten katholischen Liturgie:

,,Herr Jesus Christus,
du bist vom Vater gesandt,
zu heilen, was verwundet ist:
Kyrie eleison.

Du bist gekommen, die Sünder zu berufen:
Christe eleison.

Du bist zum Vater heimgekehrt,
um für uns einzutreten.
Kyrie eleison.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser.
Er lasse uns die Sünden nach
und führe uns zum ewigen Leben. Amen.“

Man kann vielleicht auch die Eröffnungsliturgie der orthodoxen Liturgie nach St. Johannes Chrysostomos verwenden.

Nach diesen Anrufungen kommt ein Lobhymnus: „Ehre sei Gott in der Höhe ...“ So werden in der Eingangsliturgie die drei grundlegen-den Bestandteile des christlichen Gebetes zum Ausdruck gebracht: Buße, Anrufung und Lobpreis.

Der Wortgottesdienst wird mit einem Gebet eröffnet. In der Anbetung bereitet es auf das Hören des Wortes Gottes vor. Je nach Zeit, Festen und Umständen kann dieses Gebet sich wandeln. Hier bezieht es sich auf die Themen „Taufe, Eucharistie und Amt“. Es erinnert an Jesu Taufe im Jordan, die messianische Salbung Christi, der zum Pro-pheten, Priester und König eingesetzt wird. Hier wird um ein erneutes Ausgießen des Geistes auf die Getauften gebetet, um vertiefte Gemeinschaft mit Christus in der Eucharistie und um Einsegnung zum Dienst an den Armen und an denjenigen, die der christlichen Liebe besonders bedürfen.

Die erste Schriftlesung ist entweder dem Alten Testament, der Apo-stelgeschichte oder der Offenbarung des Johannes entnommen. Für Lima wurde eine Stelle aus Ezechiel (47,1-9) über das Wasser gewählt, das unter der Schwelle des Tempels herausfließt und das Untertau-chen bei der Taufe in Erinnerung ruft - das Wasser, das reinigt, läutert und Leben spendet. Das darauffolgende Lied gehört im allgemeinen zu einem wechselseitig gesungenen Psalm. Geeignete Verse, die diesem Text aus Ezechiel über das lebenspendende Wasser folgen, könnten aus Psalm 42 (h 41), 2-3, 8-9, mit der Antiphon aus Ezechiel 36,25 stammen:

,,Und ich will reines Wasser über euch sprengen,
daß ihr rein werdet von all eurer Unreinheit.“

Die zweite Lesung ist eine kurze Stelle aus einer Epistel. In Lima handelte es sich um den Ersten Petrus-Brief (5, 1-11) zum Thema Amt. Das folgende Halleluja klingt dann wie eine Akklamation, die das Evangelium einleitet, z. B.:

,,Halleluja, halleluja,
die Jünger in Emmaus
erkannten den auferstandenen Herrn,
als er das Brot brach. Halleluja.“

Ein Diakon oder ein dritter Lektor wird dann das Evangelium lesen. In Lima wurde die Emmaus-Perikope aus Lk 24,25-32 über das eucha-ristische Mahl gewählt, dem die Auslegung der Schriften vorangeht.

Die Predigt legt die Botschaft des Wortes Gottes für das heutige Leben aus; sie ist die Stimme der Kirche, das Echo der Propheten, der Apostel und Jesu Christi. Ein Augenblick gesammelter Stille erlaubt es jedem, für sich allein über das empfangene Wort zu meditieren.

Danach folgt das Glaubensbekenntnis, entweder gesprochen oder gesungen, als eine Zusammenfassung der Heilsgeschichte. Es können sowohl das Nizänische als auch das Apostolische Glaubensbekenntnis gebraucht werden. In ökumenischer Treue zum Originaltext geben wir hier, wie es auch in Lima und beim Zentralausschuß in Genf der Fall war, den Text des Konzils von Konstantinopel (381) wieder. Die Jubiläumsfeier dieses Konzils im Jahr 1981 hat diesen Urtext, der Ost und West im fundamentalen Glauben vereint, wieder in den Vorder-grund gerückt.

In den Fürbitten trägt die Gemeinschaft der Gläubigen, die nun durch das Wort Gottes bereichert ist, alle Anliegen der Kirche und der Welt vor Gott. Die hier aufgenommene Struktur und auch der Stil entspre-chen der Litanei von Papst Gelasius († 496), die das Kyrie so wiedergibt, wie es in Rom am Ende des 5. Jahrhunderts gebräuchlich war.[5] Die Themen der sechs Fürbitten sind hier: Ausgießung des Geistes auf die Kirche; die Verantwortlichen der Nationen; Gerech-tigkeit und Friede; die Unterdrückten und alle Opfer der Gewalttätig-keit; dann - den Themen Taufe, Eucharistie und Amt entsprechend - die Einheit der Kirchen in der Taufe; die Gemeinschaft der Kirchen an einem Tisch; die gegenseitige Anerkennung der Ämter durch die Kirchen.

Die Eucharistiefeier beginnt mit einer Darbringung der Gaben, Brot und Wein, die von zwei Segenssprüchen aus der jüdischen Liturgie[6] (wiederaufgenommen in der revidierten römisch-katholischen Litur-gie) und einem Gebet aus der Didache[7] begleitet wird. Diese Vorbe-reitung mündet in die sehr alte aramäische eucharistische Freudenfor-mel ,,Maranatha“ (,,Komm, Herr Jesus“ oder ,,Der Herr kommt“, vgl. 1 Kor 16,22).

Das eucharistische Gebet beginnt mit einer Präfation, die auch auf dem Konvergenzdokument beruht. Zuerst konzentriert sich die Danksa-gung für die Schöpfung auf das Wort, das Leben spendet, und den Menschen, der die Herrlichkeit Gottes widerspiegelt. Als Erfüllung aller Zeiten wurde Christus der Menschheit als der Weg, die Wahrheit und das Leben geschenkt. In der Geschichte Jesu erinnert die Präfation an seine Einsetzung zum Diener in der Taufe, an das letzte Mahl der Eucharistie, an das Gedächtnis seines Todes und seiner Auferstehung und an die Gegenwart des auferstandenen Herrn im gebrochenen Brot. Schließlich erwähnt die Präfation auch die Gabe der königlichen Priesterschaft an alle Christen, unter denen Gott Amtsträger auswählt, die dazu berufen sind, die Kirche durch das Wort und die Sakramente zu nähren und ihr dadurch Leben zu geben. Die Herabrufung des Heiligen Geistes (Epiklese) auf die Eucharistie geht den Einsetzungsworten - gemäß der alexandrinischen und römischen Tradition - voraus.[8] Die Anrufung des Heiligen Geistes im Zusammenhang der Heilsgeschichte ist von der Liturgie des heiligen Jakobus (4. Jh.) beeinflußt; sie ist auch wieder in der Liturgie der Evangelisch-lutherischen Kirche von Frankreich (1977, Variante VIII) aufgenommen. Die Epiklese bittet um die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie er auf Mose und die Propheten, auf die Jungfrau Maria, auf Jesus am Jordan und auf die Apostel an Pfingsten herabkam, damit er das Festmahl bereite, so daß Brot und Wein für uns zum Leib und Blut Christi werden (E 14-15). Die Gemeinde nimmt diese Epiklese mit dem responsorischen Gesang auf: „Veni Creator Spiritus: Komm, Schöpfer Geist!“

So wie der Beginn der Epiklese die Themen des vorangehenden Sanctus (,,Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt, du bist heilig, und dein Ruhm ist ohne Grenzen“) wieder aufgenommen hat, so knüpft der Beginn der Einsetzung an die Epiklese und ihr Responsorium durch die Erwähnung des Schöpfergeistes an. Damit wird auch die Einheit im Handeln von Geist und Christus im eucharistischen Geheimnis verdeutlicht. Der Schöpfergeist erfüllt die Worte des Sohnes, der in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot nahm ... Durch den Geist werden diese historischen Worte Jesu gegenwärtig und machen aus Brot und Wein Leib und Blut Christi: „Der Heilige Geist macht im eucharistischen Mahl den gekreuzigten und auferstan-denen Christus für uns wahrhaftig gegenwärtig, indem er die Verhei-ßung der Einsetzungsworte erfüllt“ (E 14). Der Heilige Geist „läßt die historischen Worte Jesu gegenwärtig und lebendig werden“ (E 14). Die Segnung des Brotes und des Kelches wird in dem Akt der Danksagung erfüllt - wie in der jüdischen Liturgie, besonders beim Passamahl. Die Worte „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ wollen eine zu subjektive Vorstellung einer einfachen Erinnerung vermeiden. Die Eucharistie ist ein Gedächtnis, eine Anamnese, d. h. eine Vergegen-wärtigung des heilbringenden Opfers am Kreuz.

Die Akklamation, die die Einsetzungsworte abschließt, ist in vielen Revisionen der Liturgie in der jüngsten Zeit aufgenommen worden, wie z.B. in der römisch-katholischen, anglikanischen und schwedischen Kirche sowie in den lutherischen Kirchen in Amerika. Sie verbindet die Gemeinde mit der Verkündigung des Todes und der Auferstehung Christi.

Die Anamnese ist die Feier des „Gedächtnisses unserer Erlösung“. Das Opfer am Kreuz und die Auferstehung, die für uns heute in der Eucharistie lebendig und gegenwärtig werden, stehen im Mittelpunkt der Anamnese. Aber wie es im Dokument zur Eucharistie heißt, ist es das ganze Leben Christi, das in der Danksagung der Anamnese in Erinnerung gerufen wird (E 6). In dieser Anamnese werden manche Elemente betont, weil sie den Themen von Taufe, Eucharistie und Amt entsprechen: die Taufe Jesu, sein letztes Mahl mit den Aposteln, sein Amt als Hoherpriester, der in der Fürbitte für alle eintritt. In der Eucharistie sind wir dem einzigartigen Priestertum Christi verbunden, an dem auch das ganze Volk Gottes teilhat, jeder nach seinem Charisma und seinem Amt. Wir bringen das Gedächtnis Christi vor den Vater als Fürbitte der Kirche, indem wir zu Gott sagen: „Gedenke des Opfers am Kreuz, und schenke uns und allen Menschen wegen dieses einzigartigen Opfers, Quelle aller Gnade, den Uberfluß des Segens, den das Erlösungswerk Jesu Christi für uns gebracht hat.“ Dies ist die Anamnese oder das Gedächtnis, die Vergegenwärtigung des einzigartigen Opfers in der Fürbitte, damit der Vater des Heils-werkes Christi zu unseren Gunsten gedenke.

Die eschatologische Akklamation kommt in einem Akt des Glaubens zum Ausdruck, der uns bestätigt, daß der Herr kommt: Maranatha! Die Eucharistie, die der Vater seiner Kirche als ein kostbares Gut gegeben hat, wird vom Vater als Fürbitte und Danksagung empfan-gen, vereint im Opfer seines Sohnes, der uns wieder in den Bund mit Gott aufgenommen hat.

In einem sehr schönen Text hat Luther gezeigt, wie innig die himmli-sche Fürbitte Christi und das Opfer der Kirche in der Eucharistie vereint sind:

,,Aus welchen Worten wir lernen. daß wir nicht Christum, sondern Christus uns opfert, und nach dieser Weise ist es erlaubt, ja nützlich, daß wir die Messe ein ,Opfer‘ heißen, nicht um ihretwillen, sondern daß wir uns mit Christus opfern, das ist, daß wir uns auf Christum legen, mit einem festen Glauben seines Testaments und nicht anders mit unserem Gebet, Lob und Opfer vor Gott erscheinen als durch ihn und sein Mittel, und wir nicht daran zweifeln, er sei unser Pfarrer oder Pfaff im Himmel vor Gottes Angesicht. Solcher Glaube macht fürwahr, daß Christus sich unser annimmt, uns selbst, unser Gebet und Lob vorträgt und sich selbst auch für uns dargibt im Himmel. Wo man also die Messe ein Opfer hieße und verstünde, wäre es wohl recht. Nicht daß wir das Sakrament opfern, sondern daß wir durch unser Loben, Beten und Opfern ihn reizen, Ursach geben, daß sich selbst für uns im Himmel und uns mit ihm opfere.“ [9]

Eine zweite Epiklese bittet dann um ein neues Ausgießen des Heiligen Geistes auf die Gemeinde als Folge der Gemeinschaft mit Leib und Blut Christi. Diese Ausgießung des Geistes versammelt den Leib der Kirche und fördert in ihr die geistliche Einheit; sie macht aus der Gemeinschaft ein lebendiges Opfer zum Lobe Gottes; sie nimmt das kommende Reich vorweg.

Nach westlicher Tradition gedenkt man in diesem Augenblick der Menschen, für die man besonders beten will; man gedenkt derer, die uns im Glauben vorangegangen sind und all der Zeugen, die uns umgeben. Diese Gedenkbitten richten unsere Aufmerksamkeit nach-drücklich auf die ganze christliche Gemeinschaft, auf die der Heilige Geist herabgerufen wird; daher ist hier ihr Platz nach der zweiten Epiklese. In einer kürzeren Liturgie könnte man sie auslassen, indem man ihren Inhalt mit der ersten Fürbitte verbindet (Nr. 16). Der Wortlaut der vorliegenden Fürbitten ist durch das eucharistische Gebet III in dem Buch „Word, Bread and Cup“ (Wort, Brot und Kelch) [10] angeregt worden. Nach einem letzten „Maranatha“ endet das eucharistische Gebet mit dem traditionellen trinitarischen Abschluß in den Liturgien des Westens.

Die Einführung zum Vaterunser erinnert an die Einheit aller Christen in der Taufe, die sie in den Leib Christi eingliedert und ihnen in dem einen Geist Leben gibt. Diese Einheit der Christen erlaubt es ihnen, gemeinsam das Gebet der Kinder Gottes zu sprechen, das Gebet des Herrn; sie erlaubt ihnen auch, untereinander den Frieden Christi zu erneuern und einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu geben.

Das Brechen des Brotes während des Agnus Dei (gesungen) wird nach der reformierten Tradition mit den Worten des Paulus angekündigt: ,,Das Brot, das wir brechen, ist Teilhabe am Leib Christi …“ (1 Kor 10,16).

Die Kommunion wird von allen ausgeteilt, die im Gottesdienst eine bestimmte Aufgabe übernommen haben, Geistlichen oder Laien, und möglicherweise auch noch von weiteren Laien: Auf diese Weise wird der gemeinschaftliche Charakter der Eucharistie sichtbar und das gemeinsame Priestertum des ganzen Volkes Gottes unterstrichen. Diejenigen, die die Elemente austeilen, begeben sich zu je zwei Personen an verschiedene Stellen in der ganzen Kirche; man kann einen Kreis um sie herum bilden oder in einer Reihe an ihnen vorüberziehen. Man kann sich auch in einem Kreis um den Altar herum aufstellen, wenn die Anzahl der Kommunikanten nicht zu groß ist. Der Brauch, vor dem Altar niederzuknien, ist ebenfalls üblich. Wie die Kommunion ausgeteilt wird, hängt von der Anzahl der Kommunikanten oder dem Charakter des Gottesdienstes ab. Wäh-rend der Kommunion kann ein Psalm gesungen werden mit einem Refrain, der zwischen jeder Strophe leicht aufzunehmen ist. Ein Orgelstück kann ebenfalls gespielt werden.

Das Dankgebet nach der Kommunion dankt Gott für die Einheit in der Taufe und die Freude an der Eucharistie; es bittet um die volle sichtbare Einheit und macht auf die bereits erhaltenen Zeichen der Versöhnung aufmerksam; es erbittet schließlich für diejenigen, die bereits von dem Festmahl gekostet haben, die Teilhabe am Erbe der Heiligen im Licht (Kol 1,12).

Nach dem Schlußlied und vor dem Segen kann der leitende Geistliche ein kurzes Sendungswort sprechen, z. B. indem er den biblischen Vers wiederholt, der der Predigt zugrunde gelegen hat.

Mögliche Vereinfachungen

Je nach den Umständen kann die eucharistische Liturgie abgekürzt werden.

Die Eingangsliturgie braucht nur das Lied, die Begrüßung, die Kyrie--Litanei und das Gloria (1-2, 5-6) zu umfassen, ohne Sündenbekennt-nis und Absolution; sie kann sogar nur aus einem Lied bestehen: Psalm oder Gloria, und unmittelbar zum Kollektengebet übergehen (1 oder 6, dann 7).

Der Wortteil beginnt immer mit dem Kollektengebet, dem Sonntag, dem Fest oder den Umständen angepaßt. Man kann auch nur zwei statt drei Lesungen haben: die erste Schriftlesung oder die Epistel und immer das Evangelium; zwischen den beiden Lesungen wird man den Psalm und das Halleluja singen, oder nur das Halleluja. Die Predigt sollte sich immer auf einen Aspekt der Botschaft des Wortes Gottes konzentrieren, um die Aufmerksamkeit der Gemeinde zu behalten, ohne sie zu zerstreuen oder zu ermüden.

Das Glaubensbekenntnis gehört nicht immer zur Liturgie; man kann es den Sonn- und Festtagen vorbehalten. Man kann auch zwischen der Fürbitte (16) und den Gedenkbitten (mementos) (25) wählen, indem man die eine oder die anderen ausläßt. Dann ergibt sich ein verein-fachter Ablauf: Predigt, meditative Stille, Vorbereitung auf die Eucharistie (13, 14, 17).

Die Eucharistiefeier beginnt immer mit der Vorbereitung (17). Weiter muß sie folgende unverzichtbare Elemente enthalten: Präfation (19), der Zeit, dem Fest oder den Umständen angepaßt, eventuell auch verkürzt, Epiklese I und II (21 und 24), Einsetzung (22), Anamnese (23) und Abschluß (26). Die Gedenkbitten (mementos) (25) können weggelassen werden, wenn sie in die Fürbitte (16) aufgenommen worden sind. Nach dem Vaterunser könnte man auf den Friedensgruß verzichten und nur die Worte beibehalten: „Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch . . .“ (28). Das Dankgebet kann ein freies Gebet sein, sollte aber immer kurz und gut geordnet sein. Die Liturgie endet mit einem Schlußlied, nach Möglichkeit mit einem kurzen Sendungswort und dem Segen.

Die Eucharistie im Mittelpunkt der Gemeinde und ihrer Sendung

In der Apostelgeschichte wird das Leben der ersten christlichen Gemeinde mit folgenden Worten beschrieben: „Sie hielten fest an Lehre der Apostel, an der Gemeinschaft, am Brotbrechen und Gebet ... Und sie waren täglich im Tempel einmütig beieinander und brachen in den einzelnen Häusern das Brot, sie nahmen Mahlzeiten ein voll Freude und mit lauterem Herzen, sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Der Herr aber ließ täglich zur Gemeinde Menschen hinzukommen, die gerettet wurden.“ (2, 42-47) -Das ganze Leben der Kirche über alle Zeiten hinweg ist in diesen wenigen Zeilen enthalten. Die Kirche wird verschiedene Gesichter über die Jahrhunderte hinweg annehmen können, aber sie wird nie wirklich die Kirche Jesu Christi sein, wenn man in ihr nicht diese grundlegenden Elemente ihres Wesens finden kann. An diesem Modell läßt sich ihre Treue im Laufe der Geschichte ablesen. Alle Zeiten der kirchlichen Erneuerung gehen auf diese ursprünglichen Quellen zurück.

Sieben Elemente lassen sich in dieser Beschreibung der ersten christli-chen Gemeinschaft hervorheben, die die Kirche immer beachten sollte, um mit ihrem Ursprung übereinzustimmen und in der Nach-folge Christi und der Apostel zu bleiben: auf das Wort Gottes hören, das Brechen des Brotes feiern, Gebete vorbringen, die brüderliche Gemeinschaft aufrechterhalten, die materiellen Güter teilen, sich im Lobpreis und in der Gegenwart Gottes vereinen und die Sendung des Herrn, der die Kirche aufbaut und mehrt, erfüllen.

Die christliche Gemeinde erwächst aus dem Hören des Wortes Gottes, der Schriftlesung und der Predigt; sie wird nach und nach auferbaut und gestärkt dank der Meditation über dieses lebendige Wort. Die Heilige Schrift, die gelesen, gepredigt und bedacht wird, unterschei-det die christliche Gemeinschaft radikal von anderen menschlichen Gesellschaften oder religiösen Gruppen. Das fortschreitende Sich-zu-eigen-machen der großen Themen der Schrift verwandelt die Gemeinde: sie wird zum Ort der Befreiung, des Friedens, der Freude, des Feierns, der Brüderlichkeit, der Ausstrahlung, der Hoffnung ... Die Kirche kann nicht leben, ohne ständig auf diese lebendige Quelle des Wortes Gottes zurückzugreifen. Deshalb ist ihr Gottesdienst auf die Lesung der Propheten und Apostel ausgerichtet ebenso wie auf die Verkündigung des Evangeliums Christi, auf die Predigt und die Meditation über die Wahrheit im Geist. Dieses Wort Gottes nährt die christliche Gemeinde und läßt sie wachsen; es macht sie anziehend und sendet sie in die Welt, um die frohe Botschaft zu verkündigen.

Am Osterabend, als der Auferstandene mit den Emmaus-Jüngern ging, legte er ihnen aus, was in der ganzen Schrift über ihn gesagt war; sein Wort bereitete ihre Herzen vor, ihn zu erkennen. Aber erst als er mit ihnen am Tisch saß, das Brot nahm, den Segen sprach, das Brot brach und es ihnen reichte, öffneten sich ihre Augen, und ihre Herzen brannten von seinen Worten; sie erkannten ihn beim Brotbrechen (Lk 24,27-32). Christus hat uns nicht nur sein Wort hinterlassen, sondern auch die Zeichen seiner Menschlichkeit, die er angenommen hat, um uns von dem Bösen und dem Tod zu befreien. Durch sein Evangelium ebenso wie durch die Zeichen seines Leibes und Blutes ist er unter uns gegenwärtig. Wenn daher die Kirche die Gegenwart des Auferstande-nen in ihrer Mitte feiert, hauptsächlich am Tag des Herrn, dann verkündigt sie sein Wort und nährt sich beim Festmahl: sie erkennt ihn in der Schrift und beim Brotbrechen. Daher umfaßt der volle christliche Gottesdienst die Verkündigung des Wortes Gottes und die Feier der Eucharisties.

Diese Verkündigung und diese Feier sind von den Gebeten der Kirche umgeben. Die ersten Christen „hielten fest am Gebet ... und waren täglich im Tempel“. Die Urkirche hat die Disziplin der jüdischen Gebete weitergeführt. Sie wollte jeden Tag regelmäßig „das Stundengebet“ im Tempel von Jerusalem einhalten, das dann zum Ursprung der Liturgie des täglichen Gottesdienstes wurde. Diese Liturgie umfaßt den Gesang der Psalmen, die Lesung des Wortes und die Fürbitten. Dieses regelmäßige Beten der christlichen Gemeinde schweißt die Gemeinschaft der Kirche zusammen und begründet ein Opfer des Lobpreises und der Fürbitte, in denen sich ihre Gemein-schaft mit Gott ständig erneuert.

Christliche Gemeinschaft und Einmütigkeit sind die Folgen dieses Verhältnisses der Gemeinde zu ihrem Herrn durch das Wort, die Eucharistie und das Gebet. Sie sind Zeichen eines glaubwürdigen Lebens der Kirche. Sie verwirklichen sich in Zeichen wie der Agape, wo Christen gemeinsam ein Mahl halten und ihre materiellen Güter mit denen teilen, die bedürftig sind. Freude und Einfachheit sind deutliche Zeichen dieser christlichen Gemeinschaft. Der Lobpreis Gottes und die Gegenwart in der Welt sind kein Gegensatz, das eine schließt das andere nicht aus. Die Gemeinschaft, deren erstes Merkmal die Feier des Lobpreises Gottes ist, wird von dem ganzen Volk, das sie umgibt, willkommen geheißen, weil sie einfach und fröhlich ist.

Wenn die christliche Gemeinschaft so auf das Wesentliche ihrer Existenz ausgerichtet ist, ist ihre eigene Ausstrahlungskraft ihre Mission in der Welt. Sie muß sich nicht auf alle möglichen Unternehmungen einlassen, um die sie umgebende Welt durch ihre Überzeu-gungen zu erobern. Es ist der Herr selbst, durch den sie in der Mitte ihrer Existenz lebt, der seine Mission durch die Ausstrahlung der Kirche, des Leibes Christi, verwirklicht: der Herr läßt jeden Tag zu der Gemeinschaft Menschen hinzukommen, die gerettet werden.

So steht die Eucharistie im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Durch Wort und Gebet entsteht eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwe-stern, eine Gemeinschaft des Teilens. So wird diese Gemeinschaft in der Weit gegenwärtig und erstrahlt durch Christus: die Eucharistie auferbaut die Kirche in Einheit und läßt sie missionarisch werden.

Anmerkungen

1 E = Erklärung zur Eucharistie, § 31.
2 A = Erklärung zum Amt, § 29-30.
3 h = hebräischer Urtext.
4 Lutheran Book of Worship, Ministers Edition. Minneapolis 1978, S. 173f.
5 B. Capelle, Revue bénédictine, „Le Kyrie de la messe et le pape Gélase“, 1934. 136-138; A. Hamman, Gebete der ersten Christen, Düsseldorf 1963.
6 Qiddus und Séder Haggadah. cf. A. Hänggi-I. Pahl, Prex Eucharistica, S. 6-7, 26-33.
7 Didache 9.4.
8 Fragment von Dêr-Balyzeh (6. Jh.), Zeuge der Markusliturgie; Quam oblationem des Römischen Kanons und der Epiklesen der neuen eucharisti-schen Gebete. Vgl. mein Buch Le mystère eucharistique, Paris 1981, S. 89-99.
9 Sermon von der Messe, Weimarer Ausgabe, Bd. 6, S. 369.
10 Consultation on Church Union, Cincinatti, Ohio, USA, 1978.






Der Kultus-Text der Lima-Liturgie



Lima-Liturgie (Die Eucharistische Liturgie)


EINGANGSLITURGIE


P. = Pastor
G. = Gemeinde
Die nicht mit P. gekennzeichneten Texte können von anderen Teilnehmern gesprochen werden.

1 EINGANGSPSALM (oder ein anderes Lied mit Gloria Patri)

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit.
Amen.

2 BEGRÜSSUNG

P. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
G. Und mit deinem Geiste.

3 SÜNDENBEKENNTNIS

G. Barmherziger Gott,
wir bekennen, daß wir in Sünde gefangen sind
und uns nicht selbst befreien können.
Wir haben gegen Dich gesündigt
in Gedanken, Worten und Werken
durch das, was wir getan,
und durch das, was wir unterlassen haben.
Wir haben Dich nicht von ganzem Herzen geliebt,
wir haben unseren Nächsten nicht wie uns selbst geliebt.
Um Deines Sohnes Jesu Christi willen, erbarme Dich unser.
Vergib uns, erneuere uns und leite uns,
daß wir Freude haben an Deinem Willen
und auf Deinen Wegen gehen,
zur Ehre Deines heiligen Namens.
Amen.

4 ABSOLUTION

P. Der allmächtige Gott
hat seinen Sohn Jesus Christus für uns in den Tod gegeben
und vergibt uns um Christi willen alle unsere Sünden.
Als ein berufener und ordinierter Diener der Kirche Jesu Christi
verkündige ich euch daher
die völlige Vergebung aller eurer Sünden,
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G. Amen.

5 KYRIE-LITANEI

Daß wir befähigt werden, die Einheit des Geistes zu wahren
durch den Frieden, der uns zusammenhält,
und gemeinsam zu bekennen:
ein Leib und ein Geist;
ein Herr, ein Glaube und eine Taufe,
laßt uns den Herrn anrufen:

G. Kyrie eleison.

Daß wir bald die sichtbare Gemeinschaft
im Leib Christi erlangen
und am selben Tisch das Brot brechen und den Kelch segnen,
laßt uns den Herrn anrufen:

G. Kyrie eleison.

Daß wir, versöhnt mit Gott durch Christus, befähigt werden,
die Ämter gegenseitig anzuerkennen und
vereint zu sein im Dienst der Versöhnung,
laßt uns den Herrn anrufen:

G. Kyrie eleison.

6 GLORIA IN EXCELSIS

Ehre sei Gott in der Höhe
- und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an,
- wir rühmen Dich und danken Dir,
denn groß ist Deine Herrlichkeit:
- Herr und Gott, König des Himmels,
Gott und Vater, Herrscher über das All.

- Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus.
Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters,
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
- erbarme Dich unser;
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
- nimm an unser Gebet;
Du sitzest zur Rechten des Vaters:
- erbarme Dich unser.

Denn Du allein bist der Heilige,
- Du allein der Herr, Du allein der Höchste:
Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist,
- zur Ehre Gottes, des Vaters.
Amen.

WORTGOTTESDIENST

7 KOLLEKTENGEBET

P. Laßt uns beten:
Gnädiger und barmherziger Herr und Gott,
Du hast Deinen geliebten Sohn mit dem Heiligen Geist gesalbt
bei seiner Taufe am Jordan
und ihn zum Propheten, Priester und König eingesetzt:
Gieße von neuem Deinen Geist über uns aus,
daß wir unserer Berufung in der Taufe treu bleiben,
herzlich nach der Gemeinschaft
des Leibes und Blutes Christi verlangen
und den Armen Deines Volkes dienen
und allen, die unserer Liebe bedürfen:
durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn,
der mit Dir lebt und regiert
in der Einheit des Heiligen Geistes,
ein Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
G. Amen.

8 ERSTE SCHRIFTLESUNG (Altes Testament bzw. Apostelgeschichte)

9 PSALMGESANG (oder Meditationslied)

10 EPISTEL

11 HALLELUJA

12 EVANGELIUM

13 HOMILIE
(Predigt)

14 MEDITATIVE STILLE

15 GLAUBENSBEKENNTNIS VON NIZÄA-KONSTANTINOPEL
(Wortlaut von 381)

G. Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und unsichtbare Welt.

Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wieder kommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird keine Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

16 FÜRBITTEN

Im Glauben laßt uns beten
zu Gott, unserem Vater,
und zu Jesus Christus, seinem Sohn,
und zum Heiligen Geist.

G. Kyrie eleison.

Für die eine Kirche Gottes in der ganzen Welt
laßt uns bitten um den Geist Gottes
und die Vielfalt seiner Gaben.

G. Kyrie eleison.

Für die Regierenden in den Völkern,
daß sie Gerechtigkeit und Frieden aufrichten und schützen,
laßt uns bitten um die Weisheit Gottes.

G. Kyrie eleison.

Für alle, die Unterdrückung oder Gewalt erleiden,
laßt uns bitten um die Macht Christi, des Befreiers.

G. Kyrie eleison.

Daß die Kirchen wieder ihre sichtbare Einheit entdecken
in der einen Taufe, die sie dem Leib Christi einverleibt,
laßt uns bitten um die Liebe Christi.

G. Kyrie eleison.

Daß die Kirchen Gemeinschaft erlangen
in der Eucharistie an einem Tisch,
laßt uns bitten um die Kraft Christi.

G. Kyrie eleison.

Daß die Kirchen gegenseitig ihre Ämter anerkennen
im Dienst des einen Herrn, dem sie gehören,
laßt uns bitten um den Frieden Christi.

G. Kyrie eleison.

(Freie Fürbitten aus der Gemeinde)

In Deine Hände, o Herr, befehlen wir alle, für die wir beten,
im Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit;
durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn.

G. Amen.

EUCHARISTIEFEIER

17 VORBEREITUNG

Lied

Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst uns das Brot,
die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit:
Laß es zum Brot des Lebens werden.

G. Gepriesen sei Gott in Ewigkeit.

Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst uns den Wein,
die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit.
Laß ihn zum Wein des ewigen Reiches werden.

G. Gepriesen sei Gott in Ewigkeit.

Wie die Körner, einst verstreut in den Feldern,
und die Beeren, einst zerstreut auf den Bergen,
jetzt auf diesem Tisch vereint sind in Brot und Wein,
so, Herr, laß Deine ganze Kirche
bald versammelt werden von den Enden der Erde
in Deinem Reich.

G. Maranatha! Komm, Herr Jesus!

EUCHARISTISCHES GEBET

18 DIALOG

P. Der Herr sei mit euch.
G. Und mit deinem Geiste.
P. Erhebt eure Herzen.
G. Wir erheben sie zum Herrn.
P. Laßt uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott.
G. Das ist würdig und recht.

19 PRÄFATION

P. Wahrhaft recht und gut ist es,
Dich, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
zu preisen und Dir immer und überall zu danken.
Durch Dein lebendiges Wort hast Du alles erschaffen
und für gut befunden.
Du hast die Menschen nach Deinem Bilde geschaffen,
daß sie an Deinem Leben teilhaben
und Deine Herrlichkeit widerspiegeln.
Als die Zeit erfüllt war, gabst du uns Christus
als den Weg, die Wahrheit und das Leben.
Er empfing die Taufe und wurde eingesetzt zu Deinem Diener,
den Armen das Evangelium zu verkünden.
Bei seinem letzten Mahl
gab uns Christus die Eucharistie als sein Vermächtnis,
die Feier, in der wir seines Todes
und seiner Auferstehung gedenken
und seine Gegenwart als Speise empfangen.
Allen Erlösten gab Christus die königliche Priesterschaft,
und in Liebe zu seinen Brüdern und Schwestern
wählt er Menschen aus, die an seinem Amt teilhaben,
daß sie die Kirche mit Deinem Wort nähren
und sie befähigen, durch Deine Sakramente zu leben.
Darum, Herr, verkünden und singen wir
mit allen Engeln und Heiligen
das Lob Deiner Herrlichkeit.

20 SANCTUS

G. Heilig, Heilig, Heilig …

21 EPIKLESE I

P. Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt,
Du bist heilig und Dein Ruhm ist ohne Grenzen.
Sende herab auf unsere Eucharistie den lebenspendenden Geist,
der durch Mose und die Propheten gesprochen hat,
der die Jungfrau Maria mit Gnade überschattete,
der auf Jesus am Jordan herabkam
und auf die Apostel am Pfingsttag.
Laß das Ausgießen dieses feurigen Geistes
unser Mahl der Danksagung so verwandeln,
daß dieses Brot und dieser Wein
für uns zum Leib und Blut Christi werden.

G. Komm, Schöpfer Geist! (Veni Creator Spiritus)

22 EINSETZUNG

P. Laß diesen Schöpfergeist die Worte
Deines geliebten Sohnes erfüllen,
der in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde,
Brot nahm,
das Dankgebet sprach,
das Brot brach, es seinen Jüngern reichte und sagte:
Nehmt und eßt alle davon:
Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch,
sprach das Dankgebet,
reichte ihn seinen Jüngern und sagte:
Nehmt und trinkt alle daraus:
Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut,
das für euch und für viele vergossen wird,
zur Vergebung der Sünden.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
Groß ist das Geheimnis des Glaubens.

G. Deinen Tod, o Herr, verkünden wir
und Deine Auferstehung preisen wir,
bis Du kommst in Herrlichkeit.

23 ANAMNESE

P. Darum, o Herr, feiern wir heute das Gedächtnis unserer Erlösung:
die Geburt und das Leben Deines Sohnes unter uns,
seine Taufe durch Johannes,
sein letztes Mahl mit den Aposteln,
seinen Tod und Abstieg in das Reich der Toten.
Wir verkünden Christi glorreiche Auferstehung
und Auffahrt in den Himmel,
wo er als unser großer Hoherpriester

für alle Menschen eintritt,
und wir erwarten seine Wiederkunft in Herrlichkeit.
Vereint in Christi Priestertum
bringen wir vor Dich dieses Gedächtnis:
Gedenke des Opfers Deines Sohnes,
und gewähre allen Menschen
den Segen seines Erlösungswerkes.

G. Maranatha, der Herr kommt!

24 EPIKLESE II

P. Blicke, Herr, auf diese Eucharistie,
die Du selbst der Kirche geschenkt hast,
nimm sie gnädig an,
wie Du das Opfer Deines Sohnes annimmst,
durch das wir wieder aufgenommen sind in Deinen Bund.
Erfülle uns mit dem Heiligen Geist,
wenn wir Christi Leib und Blut empfangen,
daß wir ein Leib
und ein Geist werden in Christus,
ein lebendiges Opfer zum Lobe Deiner Herrlichkeit.

G. Komm, Schöpfer Geist! (Veni Creator Spiritus.)

25 GEDENKBITTEN

Gedenke, Herr,
Deiner einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche,
die erlöst ist durch Christi Blut.
Offenbare ihre Einheit, wache über ihren Glauben
und erhalte sie in Frieden.
Gedenke, Herr, aller Diener Deiner Kirche,
der Bischöfe, Presbyter, Diakone und aller,
denen Du besondere Gaben des Dienstes verliehen hast.
Gedenke besonders ...

Gedenke auch all unserer Schwestern und Brüder,
die im Frieden Christi gestorben sind;
gedenke aller Verstorbenen, deren Glauben Du allein kennst:
geleite sie zu dem Freudenmahl,
das für alle Menschen bereitet ist in Deiner Gegenwart,
mit der seligen Jungfrau Maria,
mit den Patriarchen und Propheten,
den Aposteln und Märtyrern …,
und mit allen Heiligen, die von Deiner Freundschaft lebten.

Mit ihnen allen singen wir Dir Lob
und erwarten das herrliche Kommen Deines Reiches,
wo wir mit der ganzen Schöpfung,
endlich erlöst von Sünde und Tod,
Dich verherrlichen werden durch Christus, unseren Herrn.

G. Maranatha, der Herr kommt!

26 ABSCHLUSS

P. Durch Christus, mit Christus, in Christus
gebührt Dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre
jetzt und in Ewigkeit.

G. Amen.

27 GEBET DES HERRN

Geeint durch die eine Taufe
in demselben Heiligen Geist und in dem einen Leib Christi
beten wir als Gottes Söhne und Töchter:

Vater unser im Himmel …

28 FRIEDENSGRUSS

Herr Jesus Christus, Du hast zu Deinen Aposteln gesagt:
Frieden hinterlasse ich euch,
meinen Frieden gebe ich euch.
Schau nicht auf unsere Sünden,
sondern auf den Glauben Deiner Kirche.
Damit Dein Wille geschehe,
gewähre uns allezeit diesen Frieden,
und leite uns auf dem Weg
zur vollkommenen Einheit Deines Reiches
in alle Ewigkeit.

G. Amen.

Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch.

G. Und mit deinem Geiste.

Laßt uns einander ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens geben.

29 BRECHEN DES BROTES

P. Das Brot, das wir brechen, ist Teilhabe am Leib Christi;
der Kelch des Segens, über dem wir den Segen sprechen,
ist Teilhabe am Blut Christi.

30 AGNUS DEI

G. Lamm Gottes
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
erbarme Dich unser.

Lamm Gottes,
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
erbarme Dich unser.

Lamm Gottes,
Du nimmst hinweg die Sünden der Welt:
gib uns Deinen Frieden.

31 KOMMUNION (Während der Kommunion kann ein Lied gesungen werden.)

32 DANKGEBET

P. In Frieden laßt uns zum Herrn beten:
Herr, unser Gott, wir sagen Dir Dank,
daß Du uns im Leib Christi vereinst durch die Taufe
und uns mit Freude erfüllst in der Eucharistie.
Leite uns auf dem Weg
zur vollen sichtbaren Einheit Deiner Kirche
und hilf uns, alle Zeichen der Versöhnung wertzuschätzen,
die Du uns gewährt hast.

Und da wir jetzt von dem Festmahl gekostet haben,
das Du für uns bereitet hast in der kommenden Welt,
laß uns alle dereinst am Erbe der Heiligen teilhaben
und leben in Deiner himmlischen Stadt,
durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn,
der mit Dir lebt und regiert
in der Einheit des Heiligen Geistes,
ein Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

G. Amen.

33 SCHLUSSLIED

34 SENDUNGSWORT

35 SEGEN

P. Es segne euch der allmächtige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist,
jetzt und in Ewigkeit.





+ + + + + + +






Die Thomas-Messe



Distanz und Nähe
Tradition und
Innovation

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Je nach Charakter und Situation sucht ein Mensch mehr Nähe und Intimität oder mehr Distanz und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Ebenso braucht er einmal mehr die Geborgenheit im immer Gleichen, im Ritual - ein anderes Mal sehnt er sich nach Veränderung, Herausforderung und neuen Erfahrungen.
Die Thomas-Messe ist ein Ort, an dem alle vier existenziellen Grundbedürfnisse Platz haben: Intimität und Distanz, Tradition und Innovation:



D e r A u f b a u
(nach Tilmann Haberer)


Die Thomas-Messe gliedert sich in drei Hauptteile:
Ankommen, Gebet, Lesen eines Texts, Entfaltung eines Themas (Rede, szenische Darstellung usw.) u.a. - wobei die Verkündigung kurz und an keine Form gebunden ist.
Offene Phase mit verschiedenen Stationen - das Herzstück der ThomasMesse!
Verschiedene Angebote sprechen verschiedene Bedürfnisse an:
Kerzen anzünden, Taizélieder singen, stilles Gebet, Gespräch unter vier Augen, Gespräch über die Predigt, Informationen zur Kollekte, Aufschreiben von Bitten und Fürbitten, sakraler Tanz, Raum der Stille, Segensgebet mit Salbung, im Bank sitzen bleiben, etc.
Fürbitte, gemeinsames Abendmahl, Sendung und Segen ...nachoben...


Die Essentials

Beim Vernetzungstreffen der deutschen ThomasMesse-Initiativen in Celle 1998 wurde ein Papier diskutiert und von den Anwesenden mit Zustimmung zur Kenntnis genommen, in dem in grösstmöglicher Kürze dargestellt ist, was eine ThomasMesse ausmacht.
Dieses Papier, das auf einen Entwurf von Rolf Sturm (Celle) zurückgeht, von Jörg Gunsenheimer (Nürnberg) bearbeitet und schliesslich vom Plenum während des Vernetzungstreffens verabschiedet wurde, stellt so etwas wie eine offizielle Verlautbarung dar, einen Grundkonsens darüber, welche Elemente zusammenkommen müssen, damit eine ThomasMesse entsteht und besteht.
Das regionale Koordinationsteam Ostschweiz hat das Papier übernommen und empfielt, jede ThomasMesse an diesen Punkten zu überprüfen.
- Möglichkeit für Teilnehmende, Distanz und Nähe selbst zu bestimmen
(Leitfrage: Wie müsste ein Gottesdienst gestaltet sein, zu dem ich meine kirchenfernen bzw. - kritischen FreundInnen mitnehmen würde?)
- Möglichkeit zu aktiver Beteiligung der Teilnehmenden
(Leitfrage: Haben Gefühle und sinnliches Erleben der Menschen Raum? Können Sie sich einbringen als die Menschen, die sie sind?)
- Möglichst gemeindeübergreifend, am besten in einer City-Kirche, damit genügend Bewegungsraum zur Verfügung steht
(Leitfrage: Welchen Gottesdienst braucht die Stadt?)
- Konziliarer Prozess verschiedener Frömmigkeitsprägungen und konfessioneller Prägungen im Vorfeld der Planung, Entstehung und Durchführung: wachsen lassen statt "machen"
- Offener Trägerkreis (nicht nur funktional, sondern auch als Ort gemeinsamer Spiritualität)
- Gabenorientierter Entstehungs- und Vorbereitungsprozess (ortsspezifisch)
- Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Laien und Hauptamtlichen
- Möglichst regelmässiger Rhythmus
(z.B. monatlich oder einmal im Quartal)
- Besondere Elemente ausgeweiteter Gebetsteil (vor oder nach der Verkündigung) mit thematisch gestalteten Seitenaltären und dem Angebot zur Segnung (auch Salbung, Meditation) Predigt nicht entscheidender Mittelpunkt oder gar Höhepunkt regelmässige Feier des Abendmahls als wichtiger Bestandteil neue geistliche Lieder (Musikgruppe, Chor) Mitwirkung der Laien (nicht nur als ,,Helfende") bei Seelsorge, Segnung, Austeilung, etc. eventuell anschliessendes Angebot zum Zusammensein und Möglichkeiten der Teilnehmenden für feed back Nacharbeit (Auswertung) und Chance zur Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden im Team

Das Wesentliche...
... liegt in der "Mystik" der ThomasMesse: der nicht verfügbaren Gegenwart Gottes, der Begegnung mit dem unsichtbaren, auferstandenen Christus, der Berührung und Heilung, der Feier des lebendigen Gottes
"Man sieht nur mit dem Herzen gut - das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." (Antoine de St. Exupéry)

Das Wesentliche ist nicht machbar.
Es geht darum, den Raum offen zu halten, in dem Gott erfahrbar werden kann.
Die ThomasMesse beginnt mit Gebet und ist ohne Gebet nicht lebendig.
(nach Tilmann Haberer)


Das Team

Die ThomasMesse nimmt das "Priestertums aller Gläubigen" ernst. Sie löst die Behauptung ein, der Gottesdienst sei eine Feier der Gemeinde. Die gottesdienstlichen Aufgaben werden aus der Bindung an das ordinierte Amt gelöst, und die Mitwirkung der Nicht-Ordinierten beschränkt sich nicht länger auf Statistenrollen.
Grundsätzlich stehen alle Aufgaben im Gottesdienst jedem Mitglied des Teams offen. Für die Mitwirkung bei der Salbung/Segnung, bei der Seelsorge sowie beim Abendmahl (siehe auch Rubrik Abendmahl) wird eine entsprechende Qualifikation vorausgesetzt.
Das Team wählt die Predigerin bzw. den Prediger, den Speaker, das Thema etc. und fällt alle wichtigen Entscheidungen nach intensiver Beratung.
Die ThomasMesse ist nicht ein fertiges Modell, das einfach übernommen und "nachgespielt" werden kann. Es gibt kaum jemals zwei genau gleiche ThomasMessen. Jede ThomasMesse erwächst aus den jeweils eigenen Bedürfnissen, Gaben und Möglichkeiten einer vorhandenen Gruppe.
Im Gottesdienst sind die Teammitglieder oft durch ein Merkmal gekennzeichnet, zum Beispiel einen weissen Schal, den sowohl die Ordinierten als auch die "Laien" tragen. In der Regel zieht das Team zu Beginn des Gottesdienstes in die Kirche ein, wie das in manchen lutherischen und allen römisch-katholischen Gottesdiensten üblich ist. Beim Einzug werden Kerzen und evtuell ein Taizé-Kreuz (Kopie der Kreuzikone aus der Église de la Reconciliation in Taizé) getragen.....nachoben...


Die Musik

"Jedenfalls keine Orgel", diese Meinung herrscht bei den meisten ThomasMessen vor. Orgel erinnert an verstaubte und langweilige Gottesdiensterlebnisse, in denen der Gemeindegesang vom Begleitinstrument eben nicht begleitet, sondern totgeschlagen wird (was aber nicht der Fall muss!). Stattdessen spielen je nach Möglichkeiten Bands oder Instrumentalkreise, singen Chöre oder Vokalensembles, erklingen Gitarren, Querflöten und Keyboards.
Trotzdem ist die Musik immer wieder ein Gegenstand der Kritik. "Nicht modern genug", "in den siebziger Jahren steckengeblieben", so sagen die einen. "Warum verwendet ihr keine Orgel? Zur Kirche gehört Orgelmusik", fragen andere, manchmal auch Konfirmanden. Es ist schwer, bei den unterschiedlichen Musikgeschmäckern etwas zu finden, was allen gefällt, und oft ist es mindestens genauso schwer, Leute zu finden, die moderne Musik wirklich gut und gekonnt interpretieren und begleiten können.
(nach Tilmann Haberer)
Aber auch hier gilt: Das Team wählt die Musik und die Lieder aus. Der Musikstil ist kein Tabuthema und grundsätzlich haben alle Formen Platz, sogar nebeneinander.
(Christian Münch)


Die Verkündigung

Die Predigt ist ein wichtiger Teil der ThomasMesse, aber nicht das eigentliche Zentrum des Gottesdienstes. Entsprechend soll sie kurz sein. Ihr Ziel ist es, in zeitgemässer Sprache und Form Grundaussagen und Grunderfahrungen des Glaubens so zur Sprache zu bringen, dass auch ein Mensch, der dem Glauben fernsteht, eigene Fragen und Lebensthemen wieder erkennt, eine Horizonterweiterung erfahren kann und zum Glauben eingeladen wird. Dazu ist es wichtig, dass der Prediger nicht nur theologisch korrekte Positionen wiedergibt, sondern selbst erkennbar wird - als Mensch, der von den angesprochenen Fragen ebenso umgetrieben wird wie andere, und als Mensch, der auf diese Fragen bestimmte Antworten erprobt. "Ich"-Sagen ist erlaubt und erwünscht. Verallgemeinerungen ("Sind wir nicht alle...") sollen vermieden werden.
(nach Tilmann Haberer)
Kreative Elemente, die vom Stil der herkömmlichen Sonntagspredigt abweichen, sind möglich (etwa Bildmeditation, Pantomime, musikalische Elemente, direkter Kontakt mit den Gästen, Stillephasen mit einem Impuls zum Nachdenken und anschliessendem Austausch mit den Banknachbarn, dramatische Darstellung einer biblischen oder aktuellen Szene und anderes).
(nach Tilmann Haberer)


Die 'offene Phase'
oder Gebetsphase

Die ThomasMesse ist die einzige Erweckungsbewegung, die versucht, Pluralität und Vielfalt auszuhalten, ja, zu feiern. Sie ist die erste Gottesdienstform, die radikal damit ernst macht, menschliche und geistliche Vielfalt in der Kirche konsequent zusammenzutragen und zu versöhnen. Zum Beispiel gibt es Menschen, die möchten in einem Gottesdienst ganz bei sich bleiben und in Ruhe gelassen werden. Andere sehnen sich nach Nähe und Berührung. Oder: Es gibt Menschen, die brauchen Tanz, Bewegung, Emotionen, Spontaneität und Ekstase, um sich wohl zu fühlen. Andere sind auf wiedererkennbare Formen und Rituale angewiesen. Wie kann man das alles unter einen Hut bringen?
Die "offene Phase" der ThomasMesse ist die geniale Lösung. Hier kann jeder und jede die eigene Form der Spiritualität finden. Wer Nähe sucht, kann sich segenen und salben lassen oder sich bei einem anderen Menschen aussprechen. Wer allein sein will, bleibt sitzen, schaut sich die Bilder der Kirche an oder geht vor die Tür zu einem kleinen Spaziergang.
(nach Andreas Ebert)
Die offene Phase dauert bis ca. eine halbe Stunde. In dieser Zeit können z.B. folgende Elemente, Gebetsformen usw. angeboten bzw. besucht werden:Kerzen anzünden Gebet aufschreiben
(je nach Wahl wird das Anliegen anschliessend in der Fürbitte aufgenommen) Klage (Kummer, Hilfeschrei etc.) aufschreiben
und in eine symbolische Klagemauer stecken Sich salben und den Segen zusprechen lassen Gespräch unter vier Augen Taizé-Lieder singen Stilles Gebet, Meditation Sakraler / meditativer Tanz Gespräch über die Predigt Themenbezogene Ecke
(kreativer Workshop mit Malen, stilles Gespräch auf Papier etc.) Information zur Kollekte Bar mit Mineralwasser und Snacks ...nachoben...

Das Abendmahl

Zur ThomasMesse gehört als fester Bestandteil die Feier des Abendmahls. Der Name "Messe" bezeichnet ursprünglich nichts anderes als einen Gottesdienst mit integriertem Abendmahl / Eucharistie. Damit knüpft die ThomasMesse, die im reformierten Raum entstanden ist (in Finnland ist die Römisch-katholische Kirche eine Minderheit), wieder an die altkirchliche Tradition an und geht somit auch zurück auf die Wurzeln der alten Kirchen.
Gleichzeitig ist sie darin sehr modern. Seit den sechziger Jahren geht der gesamtgesellschaftliche "Megatrend" weg von der einseitigen Betonung der Rationalität hin zu einer eher ganzheitlichen Erfahrung, die das Nicht-Rationale und die Sinne mit einschliesst. Dem kommt die Feier mit Brot und Wein entgegen.
Die ThomasMesse ist nach dem Zweifler Thomas benannt - und nicht nach dem "Fels" Petrus oder dem glaubensstarken Mystiker und Märtyrer Paulus. Deswegen laden viele ThomasMessen ausdrücklich alle zur Kommunion ein, die die Sehnsucht verspüren oder vielleicht sogar nur die Sehnsucht nach der Sehnsucht, ohne Rücksicht auf Konfessions- oder Kirchenzugehörigkeit. Natürlich ist diese Praxis nicht unumstritten. Aber wir verstehen sie als konsequente Nachfolge von Jesus, der mit Zolleinnehmern, Prostituierten, Widerstandskämpfern, Verrückten und Ausländern an einem Tisch sass. Wer nicht teilnehmen will, darf mit dazustehen oder auch im Bank sitzen bleiben. Es soll niemand ausgeschlossen werden und sich ausgeschlossen fühlen.
(nach Tilmann Haberer)
Beim Abendmahl bestehen zwischen den Kirchen noch immer Differenzen. Bislang wird das Abendmahl bei der ThomasMesse an fast allen Orten nach Evangelischem Ritus und Verständnis gefeiert. Die Einsetzungsworte werden in der Regel von einer ordinierten Person gesprochen (oder gesungen - in München z.B. nach einem eigens dafür komponierten Lied).
(Zum Abendmahlsverständnis bei der ThomasMesse vgl. die Homepage des Teams der ThomasMesse Bremen)


Christian Münch (Weinfelden) und Andreas Fischer (St. Gallen).




Ablauf der Thomas-Messe

(z.B. in St. Marien, CH-Winsen/Luhe)



I. Wir lassen uns in den Gottesdienst hineinnehmen

1. Einstimmen

- Singen von Liedern mit der Band und dem Chor
- Verweilen an den Nebenaltären, die thematisch ausgerichtet sind
- Lesen von Texten in den Bänken
2. Einzug der Thomas-Mitarbeiterzum Hauptaltar mit einem Taizekreuz
und Kerzen in den Händen
Eingangslied

3. Begrüßung durch die Anleiterin
Gemeindelied




II. Wir bereiten uns vor, Gott zu begegnen

Garderobengebet
1. Laudate omnes gentes 2x
2. Ankommenstext Teil 1
3. Laudate omnes gentes 2x
4. Ankommenstext Teil 2
5. Laudate omnes gentes 2x
Gemeindelied

III. Wir hören die gute Nachricht

1. Vorlesen des Predigttextes, eingerahmt durch das Licht von Kerzen
Gemeindelied
2. Predigt
Instrumentalmusik oder Solo Chor
3. Glaubensbekenntnis (im Stehen)
Gemeindelied

IV. Wir nehmen uns Zeit zum Beten (offene Phase)

1. Einleitende Worte der Fürbittenleiterin
2. Unterschiedliche Formen des Betens

(Chor singt dabei Taizé Lieder etc.)
3. Vorlesen von Gebetsanliegen durch Mitarbeiter
4. Abschlußfürbitte
Gemeindelied


V. Wir feiern Gottes Freundlichkeit

1. Einleitende Worte
Gemeindelied
2. Abendmahlsgebet
3. "Vater unser" (gesprochen vom Pastor) Chor singt Adoramus te Domine
4. Abendmahlsworte
5. Friedensgruß
6. Einladung zum Abendmahl
7. Austeilung
Gemeindelied

VI. Wir lassen uns senden mit Gottes Segen

1. Abkündigungen durch die Anleiterin Kollekte
2. Sendung und Segen durch die Anleiterin
Gemeindelied
dabei Auszug der Mitarbeiter mit dem Taizekreuz und den Kerzen





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Wiederum :
Die hier vorgestellten Formen, sind keine, die im Forum Kultus oder in der
Freien christlichen Arbeits-Gemeinschaft angeboten ode praktiziert werden.
Bei Interesse können wir Ihnen aber Kontaktadressen geben.









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